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Sahneheringe - oder - Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix

Laut der modernen Physik (oder zumindest einer populären Strömung in ihr), sollen wir glauben dass am Anfang, also zur Entstehung des Universums weder Raum noch Zeit existiert haben.
Das ist erst einmal ein ziemlich schwer verdaubarer Brocken, so etwas bereitet gewisse Schwierigkeiten, wenn man versucht es sich vorzustellen. Aber gut, lassen wir das erst einmal so stehen.
Dann gab es angeblich den grossen Knall und alles breitete sich aus, verdampfte, wurde fest, zersetzte sich wieder, wurde wieder fest bis endlich das Universum mit all seinen Galaxien, Sternen, Elementen, Sahneheringen und Hundekotbeutelspendern da war.
Wenn das der Anfang war, ist natürlich die Frage: „Was war vorher?“ ... Ach ja, ich vergaß: Es gab ja noch keine Zeit, also auch kein "vorher" (ich kann meinen Verstand einfach nicht dazu bringen so verquer zu denken).
Nun gut, es gab halt keine Zeit in unserem Ding und Raum auch nicht. Aber muss es nicht doch irgendwoher gekommen sein?
Die Weltreligionen sagen einfach: „Klar. Vorher war Gott und der hat alles gestartet.“ (Auch nicht sehr überzeugend, meiner Meinung nach, aber zumindest schon mal ein Erklärungsversuch).
Nehmen wir doch einfach mal das Gott-Modell und modifizieren es ein wenig:
Gehen wir einfach davon aus, dass da etwas war, das das ganze gestartet hat.
Und was denn eigentlich? Nun ja die Existenz von einfach allem. ... Hm, das ist ein wenig vage.
Nun, betrachten wir es doch einfach mal von dieser Seite: Das Universucm, das Leben und alles was so dazugehört, folgt, so weit wir das erkennen können bestimmten Regeln: Physikalische Gesetze, mathematische Prinzipien etc.,
Und nach diesen Regeln läuft das Programm „Existenz“ ab.
Um mal bei dem Gott-Modell zu bleiben: Da hat der alte Herr einfach einen Doppelklick auf das „Erschaffe alles“-Symbol gemacht, vielleicht weil er ein paar Sahneheringe haben wollte und so nahm alles seinen Lauf, streng nach den Regeln des Programms.
Dann wäre unsere Existenz natürlich streng genommen eine Simulation. So, wie wir Simulationen auf unseren Rechnern ausführen, wären auch wir Teil eines Programms das irgendwo abläuft.
Diese Idee ist natürlich nicht einfach auf meinem eigenen Mist gewachsten, auch wenn ich sie vielleicht ein wenig mit Sahneheringen ausgeschmückt habe, sondern es gibt Befürworter und natürlich auch Gegner dieser und ähnlicher Theorien und diese werden rege diskutiert.
Eine recht bekannte Aussage ist zum Beispiel, dass nur das Universum selber die Rechenpower aufbringen könnte, um etwas wie sich selbst zu simulieren.
Das ist ja an sich schon einmal recht seltsam, wenn man davon ausgeht, dass etwas simuliert ist, kann man selbstverständlich auch nicht innerhalb dieses Konstruktes nach Grenzen suchen, sondern muss davon ausgehen dass es etwas größeres darum gibt.
So weit alles gut und schön, aber wie könnte man erkennen dass man in einer Simulation lebt?
Wenn wir von unseren Simulationen ausgehen, dann ist das wohl auffälligste Mekrmal dass man sich in einer künstlichen Realität befindet wohl jenes, dass es hin und wieder zu kleinen Fehlern kommt, die Anomalien verursachen können.
Philip K. Dick, einer der einflussreichsten Science-Fiction Autoren userer Zeit hat immer wieder von mehreren Realitäten geschrieben, die parallel ablaufen.
Also so wie Programme auf einem Computer. Und bei einem Fehler im Programm soll es dann möglich sein, dass Daten aus der einen in der anderen landen.
Hört sich ganz nach einem Daja-Vu an, oder auch nach dem Mandela-Effekt (eigentlich Konfubulation genannt).
Dieser besagt, dass viele Menschen sicher sind dass Nelson Mandela während seines Gefängnisaufenthaltes in den 1980er Jahren verstorben sei, obwohl er (in dieser Realität) tatsächlich erst 2013 an einer Lungenentzündung gestorben ist.
Es gibt einige dieser seltsamen Ereignisse. Mein persönliches, das ich mit unzähligen Menschen teile ist das folgende:
Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Oxygene IV von Jean Michel Jarre damals die Titelmusik der Wissenssendung „Aus Forschung und Technik“ mit Joachim Bublath war (hatte ich in Artikel [[Von Robbi, Tobbi, Drecki und Kotze]] einmal kurz angerissen).
Nach Philip K. Dick fühlt sich ein Deja-Vu so an als hätte man es bereits einmal erlebt, weil genau das den Tatschen entspricht.
Oder mit anderen Worten: „Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix - Das kann passieren, wenn sie etwas ändern“, wie es so schön in dem Film Matrix von Lana und Lily Wachowski (Den Wachowski Brothers, die jetzt die Wachowski Sisters sind) heisst, der ja bekanntlich auch von einer simulierten Welt handelt.
In dem Film "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder von 1973, der auf dem Roman "Simulacron-3" von Daniel F. Galouye aufgebaut ist, der auch von einer simulierten Welt handelt und der mich als Kind bereits sehr in seinen Bann gezogen hatte, obwohl ich seiner Bedeutung nur bedingt folgen konnte, wird dieses Phänomen auch aufgegriffen.
Ein Zeitungsartikel, an den sich der Protagonist noch erinnert, scheint niemals existiert zu haben.
Alles Dinge oder Begebenheiten, die nie passiert sind, obwohl man sich an sie erinnert oder einfach nicht mehr das sind, was sie einmal waren und nichts von alledem kann man wirklich erklären.
Denn es sind alles nur Indizien, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.
Das menschliche Gehirn ist zu grossen Teilen noch unerforscht und so weit wir es bereits kennen, gelinde gesagt ein absoluter Chaot, wenn es um Speicherplatzzuweisung geht, da kann hier und da schon mal was in den Zeitlinien und den dazughörigen Schubladen verrutschen.
Wo also besser nach Beweisen suchen, als in der Wissenschaft selber?
Ein anderes Phänomen von Simulationen ist nämlich die Aufteilung von Rechenpower auf die wichtigsten Dinge.
In einer Spielesimulation zum Beispiel wird alles das, was sich in unmittelbarer Nähe zum Spieler befindet, detailgetreu berechnet, während Dinge die weit weg sind nur ungenau dargestellt werden.
Rendern nennt sich dieser Prozess und er geschieht in modernen Spielen zur Zeit des Spiels selber. Also in „Echtzeit“.
Wenn man sich ausserhalb von Gebäuden befindet, macht es für den Computer natürlich überhaupt keinen Sinn das Innere zu berechnen. Erst wenn man das Gebäude betritt werden diese Daten benötigt.
Sollte es so etwas etwa auch in unserer Realität geben?
Sylvester James Gates, ein amerikanischer theoretischer Physiker hat, als er Quarks untersucht hat, mit Hilfe der Stringtheorie einen "fehlerkorrigirenden Code" gefunden, wenn man es so nennen mag, aber dazu gleich mehr.
In 2017 haben Wissenschaftler an der Universität von Washington bewiesen, dass sie Computercode in DNA Stränge integrieren können.
Somit sind Computerprogramme und das menschliche Leben grundsätzlich schon nicht mehr weit voneinander entfernt.
Auch in der Natur folgt alles mathematischen Prinzipien: Die Fibonacci-Folge und der goldene Schnitt (hatten wir in Artikel [[Werkzeug der Harmonie]] bereits angesprochen) finden sich überall in der Schöpfung des grossen Sahneheringsherstellers wider.
Vom Schneckenhaus, über die Anordnung von Samen in einer Sonnenblume bis hin zur Form einer Spiralgalaxie.
Von den Atomen bis hin zu kosmischen Gebilden, alles folgt den gleichen Gesetzen. Wenn man so will, einem Programm.
Aber kommen wir noch einmal auf das Rendern zurück: In unseren Simulationen, wie Spielen etc. werden immer nur die Stücke detailgetreu gerendert, mit denen der User aktuell interagiert oder die sich in unmittelbarer Nähe zu ihm befinden.
Was wäre wenn das in unserer Welt auch so funktionieren würde?
Und da sind wir wieder bei der Stringtheorie: Ein Experiement genannt „Doppelspaltexperiment“ präsentiert uns ein sehr interessantes und absolut unerwartetes Ergebnis, wenn wir es durchführen.
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, nur so viel: Bei Wellen, die wir durch diese Apparatur schicken, erwarten wir ein Muster aus mehreren Strichen, das durch die Wellen und ihre Wechselwirkung aufeinander entsteht.
Ein sogenanntes Interferenzmuster, das durch zwei parallele Schlitze entsteht, durch die sie geschickt werden.
Bei Materie hingegen erwarten wir zwei Striche, entsprechend der beiden Schlitze, da sie diese auf direktem Wege passieren sollten ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
So weit die Erwartung. Wenn wir jetzt aber tatsächlich Elementarteilchen durch dieses Experiment schicken, sieht es so aus als würden diese keine Materie sein, sondern Wellen, da wir eben jenes Muster aus mehreren Strichen zu sehen bekommen.
Und jetzt wird es richtig wild: Wenn wir die einzelnen Teilchen beobachten während sie durch die Schlitze treten, ändert sich das Ergebnis plötzlich und das erwartete Muster mit zwei Strichen erscheint, beobachten wir sie nicht mehr, bekommen wir wieder das Wellenmuster.
Und das ganze unabhängig davon ob wir sie vor, oder nach dem dem durchtreten der Schlitze beobachten, was bedeuten würde, dass die Teilchen eigentlich schon vorher gewusst haben müssen ob sie als Welle oder Teilchen durch die Schlitze gehen müssen und ob sie später beobachtet werden oder nicht, um eben jene Muster zu erzeugen.
Und da haben wir ihn, unseren “fehlerkorrigirenden Code”. Das Ergebnis ist entsprechend so, wie es sein soll, wenn man es überprüft.
Falls Sie, lieber Leser, das mit Hilfe von gesundem Menschenverstand erklären können, lassen Sie es mich bitte wissen, es wartet ein Nobelpreis auf Sie.
Und da wären wir dann auch schon wieder bei unserer Computersimulation: Bestimmte Dinge werden erst dann gerendert, wenn der Fokus auf ihnen liegt.
In unserem Fall verhalten sich die Teilchen nur wie Teilchen, wenn wir sie beobachten.
Ist dies vielleicht ein Beweis, dass wir in einer Simulation leben? Oder ist es bloss einer dieser Ausrutscher des wissenschaftlichen Denkens, die sich hin und wieder mangels einer besseren Erklärung etablieren?
Das Rosinenkuchenmodell von Joseph John Thomson zur Erklärung zum Aufbau von Atomen wurde auch erst 1911 zum Rutherfordsches Atommodell verfeinert.
So gesehen betrachten wir hier vielleicht gerade das Sahneheringsmodell und es fehlen uns ein paar Informationen um wirklich Sinn aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen.
Aber wieso erzähle ich das alles (und warum drifte ich immer so weit ab)?
Eigentlich wollte ich von Verkäufern in China erzählen, denn bei Verkäufern in China stösst man auf ein ähnliches Phänomen.
Man beschaut sich die Ware, ist sicher man weiss um was es sich handelt, nur um nach dem Gespräch mit dem Verkäufer herauszufinden, dass sich magischerweise alles ganz anders verhält als gedacht.
Kurzes Beispiel: Ich wollte ein Teebrett kaufen.
Das ist eine kleine, recht flache, hölzerne Kiste mit einem Gitter oben.
Es dient dazu, darauf Teetassen und Teekannen zu stellen, so dass das überflüssige Wasser durch das Gitten ablaufen kann.
Es wird dann in einer Art Schublade aufgefangen, oder bei etwas besseren Modellen über einen Schlauch abgeführt.
In Artikel [[Abwarten und Tee trinken]] kann man genau sehen, worum es sich handelt.
Ich hatte mir ein Modell in einem Laden ausgesucht das mir sehr gut gefiel und wollte es kaufen.
Das Ausstellungsstück war sehr gut verarbeitet und dunkelgrün.
Das Modell das ich bekam war braun.
Auf Nachfrage, ob es das Modell auch noch in grün gäbe, bekam ich die spontane Antwort, dass es sich hier genau um das gleiche Modell handele und es bei regelmäßiger Nutzung auch grün werden würde.
Nicht dass mich die Farbe gestört hätte, eigentlich hat mir das braune ebenso gut gefallen wie das grüne.
Aber es ist doch schon interessant, dass ähnlich dem Doppelspaltexperiment, ein Ding auf den ersten Blick braun, bei genauerer Erklärung dann aber doch grün ist.
Chinesische Verkäufer erzählen ihren Kunden die absurdesten Dinge, selbst wenn sie so unglaubwürdig sind, dass man beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln.
Ähnliche Vorfälle sind mir in China ständig passiert, Lügen zu erzählen scheint fast schon ein Reflex zu sein.
Ich gebe zu, dass Verkäufer auch in Deutschland dem Kunden um den Mund reden um ihre Waren zu verkaufen.
Aber in China hat das ganze noch eine ganz andere Dimension.
Da ändern Dinge schon mal ihre physikalischen Eigenschaften, einfach so.
Wahrscheinlich hat da einfach jemand etwas in der Matrix geändert.

Die Geräte die nach intelligentem Leben suchen, zeigen alle von der Erde weg

China hat wieder eine angebliche Neuheit vorgestellt, die im Internet mehr oder weniger bestaunt wird.
Eine Nachrichtensprecherin, die keine herkömmliche Person ist, sondern eine künstlich erschaffene Figur.
Ihr Name: 新小萌 (xīn xiǎo méng). Übersetzt so etwas wie „neu, klein, niedlich“.
Man redet großspurig von der Revolution durch den Einsatz einer AI im Fernsehen (AI (artificial intelligence) ist das Pendant zur deutschen KI (künstlichen Intelligenz)).
Dazu direkt einmal zwei Bemerkungen: Erstens: Sie ist nicht die erste künstliche Nachrichtensprecherin, es gab bereits bei ihrem chinesischen Sender zwei männliche Vorgängermodelle und auch die Idee selbst ist nicht neu.
Wurde 1984 noch ein Schauspieler aufwendig geschminkt, um dem vermeintlichen Computer Charakter Max Headroom Leben einzuhauchen, sind etliche Nachfolger tatsächlich im Computer entstanden.
Ich glaube so ziemlich jede Jugendsendung weltweit hat irgendwann in den 80er und 90er Jahren einmal einen computergenerierten Moderator beschäftigt, also nichts wirklich bahnbrechend neues.
Zum zweiten störe ich mich persönlich an dem Begriff AI bzw. KI. Was bitteschön soll an einem Moderator dieser Art intelligent sein ?
Es ist ein Programm, das Nachrichten vorliest und dabei menschliche Mimik imitiert. Aus Informatiker Sicht handelt es sich um einen einfachen Algorithmus, der eine Eingabe verarbeitet und eine entsprechende Ausgabe produziert. Das ist kein Hexenwerk.
Was das ganze tatsächlich interessant macht, ist die Qualität mit der der künstliche Character erschaffen wurde.
Mimik, Körpersprache, sogar angedeutete Gefühlsregungen können imitiert werden, aber intelligent macht das die junge Dame immer noch nicht.
Das Problem ist ganz einfach die Definition von Intelligenz. Es gibt nichts, womit man diesen Begriff tatsächlich fassen kann.
Das hat eine gesamte Technik-Sparte allerdings nicht davon abgehalten ihr Fachgebiet danach zu benennen, obwohl es eigentlich nicht korrekt ist.
Für eine intelligente Aktion muss eine Situation individuell analysiert werden und ohne Lösungsvorgaben eine Reaktion erfolgen.
Ob diese Reaktion tatsächlich das Ergebnis eines intelligenten Denkprozesses ist oder einfach eine Zufallsauswahl, entscheidet dann ob es sich um Intelligenz oder einen einfachen Algorithmus handelt.
„Machine Leraning“ ist eine erweiterte Form eines Programms, das, auf Grund von verschiedenen Vorgaben, Dinge lernen kann und darauf basierend Entscheidungen treffen kann.
Richtige Intelligenz ist das noch immer nicht, aber es zeigt schon mal in die richtige Richtung.
Sie wissen was man über die künstliche Intelligenz in IT-Kreisen für Witze macht ?
„Wenn es in Python geschrieben ist, handelt es sich wahrscheinlich um Machine-Learning, ist es in Power-Point geschrieben, muss es sich um künstliche Intelligenz handeln“
Kurz zum Verständnis für alle Nicht-Computerfreaks: Python ist eine Programmiersprache und Power-Point eine Software um Präsentationen zu erstellen.
Das bedeutet, dass Machine-Learning im Gegensatz zu künstlicher Intelligenz tatsächlich existiert, da es in diesem Beispiel für ein Programm einen Programmcode in Python gibt, während man von künstlicher Intelligenz immer noch als Zukunftstechnologie träumt und viele, bunte Präsentationen dazu baut.
Der Begriff „künstliche Intelligenz“ wird leider immer mehr verwaschen. Viele Dinge, die tatsächlich in den Bereich Machine-Learning gehören, werden als künstliche Intelligenz bezeichnet, weil es sich einfach besser anhört und inzwischen zu einem medientauglichen Schlachtruf geworden ist. Wie gesagt, ein ganzer Technik-Zweig wurde danach benannt (und „Machine-Learning“ ist ein Teil von ihm), obwohl der Begriff „Intelligenz“ selber noch nicht einmal richtig erfasst werden kann.
Warum ist das so wichtig ? Nun, wenn wir beliebig Dinge, die Personen imitieren als künstliche Intelligenz bezeichnen, dann ist alles KI:
Super Mario, Lara Croft, Bernd das Brot, Karl Klammer,Mickey Mouse und Kermit der Frosch. Das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck sein.
Es geht darum zu erkennen, ob es sich um imitierte Intelligenz, also eine Art Schauspielerei handelt, oder um echte Intelligenz (dazu hatte ich mich im Artikel [[Das chinesische Zimmer]] bereits ausgelassen) und das ist von aussen nicht leicht zu unterscheiden.
Intelligenz setzt die Selbsterkennung voraus und die kann man nun mal nur bei sich selber feststellen (obwohl man das philosophisch auch in Frage stellen könnte, aber das würde zu weit führen).
Ob jemand anders sich selber wahrnimmt, können wir nur mutmaßen. Inzwischen gehen wir davon aus, dass auch Tiere das können, aber beweisen können wir das nicht und somit auch nicht bei einer Maschine, oder einer Software.
Theoretisch wäre das möglich. Viele Leute haben ja bereits den Verdacht geäussert, dass „Bob“ und „Alice“, zwei Bots eines AI-Systems, die geschult wurden sich auf Englisch zu unterhalten und dann eine anscheinend effizientere Sprache entwickelt haben, bereits intelligent gehandelt hätten.
Nun, schwer zu sagen. Man hat das Experiment abgebrochen. Vielleicht hatte man die Vermutung sie würden bereits darüber nachdenken die Weltherrschaft zu übernehmen... ;-)
Vielleicht haben die beiden aber auch einfach eine Universalsprache gefunden, die das Leben international vereinfachen würde.
Wie gesagt, es ist schwer zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um Intelligenz handelt.
Theoretisch wäre das möglich, aber theoretisch wäre es auch möglich, dass der Jupiter in Wirklichkeit ein grosser Ball Erbsensuppe ist, dessen Bewohner in ihren schwimmenden Städten lediglich falsche Informationen an unsere Sonden und Teleskope schicken.

Am Arsch gelikt

Hurra! Dass ich das noch erleben durfte. Das meist gelikte Bild auf Instagram ist ein Ei.
Sie haben richtig gehört: Ein einfaches, braunes Ei vor weissem Hintergrund und ich frage mich, ob wir es mit der Parallelkultur im Internet nicht vielleicht doch ein wenig zu weit getrieben haben.
Aktuell haben weit mehr als 46 Millionen Menschen damit einen Teil ihrer Zeit bestritten, ein Frühstücksei berühmt zu machen (So etwas sind heutzutage Nachrichten).
Hat hier eigentlich noch irgendwer Freunde mit denen er vielleicht mal etwas Zeit verbringen könnte, anstatt so einen Blödsinn zu unterstützen ?
Na ja, wie auch immer. Bei den Freunden angelangt, sind wir auch direkt bei unserem Thema für heute:
Man hört ja immer wieder von Leuten, die eine Zeit lang in China gelebt haben, dass es unmöglich sei als Ausländer echte Freundschaften aufzubauen.
Nun, das ist in weiten Teilen korrekt. Es gibt selbstverständlich Ausnahmen und es kommt natürlich auch immer auf einen selber an. Sucht man zum Beispiel an den richtigen Plätzen und unter den richtigen Voraussetzungen und spricht man etwas Chinesisch oder ist man komplett in der Opferrolle des Ausländers gefangen ?
Denn sehr, sehr oft wird man einfach nur als kostenloser Englischlehrer missbraucht. Ein Phänomen, das jeder Ausländer, der etwas länger in China war, schon einmal erlebt hat.
Aber ganz ab davon gibt es noch andere Dinge, die echte Freundschaften in China schwierig bis manchmal hin zu unmöglich machen.
Viele Ausländer berichten immer wieder, dass sie freundlich irgendwohin eingeladen werden, nur um dann festzustellen, dass sie als Accessoire herhalten müssen.
Chinesen „schmücken“ sich gerne mit einem ausländischen Freund, um bei den anderen Bekannten interessanter zu wirken.
Nicht selten wird man, nachdem man „vorgeführt“ wurde dann auch wieder verabschiedet, den spassigen Teil des Treffens möchte man doch lieber mit Gleichgesinnten verbringen.
Aber auch junge Frauen „schmücken“ sich gerne mit einem ausländischen Freund, ohne diese Beziehung all zu ernst zu nehmen. Erkennen kann man das immer ganz gut daran, dass sie den exotischen Prinzen nicht sofort ihren Eltern vorstellen, was in den meisten chinesischen Beziehungen normal wäre.
Junge Männer haben in der Regel weniger Probleme damit, allerdings bekommen viele es auch gar nicht mit und wundern sich, wenn sie ganz plötzlich für eine bessere Partie ohne ein Wimpernzucken einfach aussortiert werden.
Noch schwieriger ist es im Arbeitsleben Freundschaften aufzubauen, da sich diese Beziehungen fast ausschliesslich auf die Arbeit beziehen und neben dem Hierarchiedenken, das einigen Mitarbeitern untereinander die Annäherung erschwert, auch sonst fast nie private Kontakte daraus entstehen. Nett mit Kollegen weggehen funktioniert in der Regel nicht (das kommt natürlich auch wieder auf die Firma an. Im Kreativbereich sieht es ein wenig besser aus, aber allgemein ist es tatsächlich so).
Im Hinblick auf den Abgrund, der vermeintlich zwischen Chinesen und Ausländern klafft, kann man schnell den Eindruck gewinnen, man bewege sich in einer zwei Klassen Gesellschaft, aber das ist nicht ganz korrekt, denn Chinesen selber leiden auch unter diesem Phänomen.
Auch Chinesen haben keine echten Freunde mehr. Freundschaften, oder was man heute so als Freundschaften bezeichnet, orientieren sich stark daran, ob der andere bzw. seine Beziehungen einem irgendwann einmal beruflich oder in irgend einer anderen Weise hilfreich sein könnten.
Obwohl das Beziehungsdenken in China schon sehr alt ist, handelt es sich hier doch um einen Trend, der erst in letzter Zeit so drastische Ausmaße angenommen hat. Zusammen mit dem rapiden Aufschwung Chinas zu einer der grössten Weltwirtschaftsmächte hat sich auch das soziale Klima verändert.
Von aussen wahrt man immer noch den Schein einer Gesellschaft, die Hand in Hand das Wirtschaftswunder entstehen lässt, in Wahrheit sehen sich die Menschen immer öfter als direkte Konkurrenten.
Es fängt bereits im Klassenzimmer an: Wer bloß gute Noten schreibt und keine überdurchschnittlichen, der bleibt bereits auf der Strecke. Das Thema vom Kampf um die besten Studienplätze hatte ich ja bereits des öfteren erwähnt (zu nennen wären hier die Artikel [[Der große Test]] und [[Fleißiges Bienchen]]).
Auch das Knüpfen sozialer Kontakte im Kindesalter fällt eher bescheiden aus, da die Kleinen auch in ihren ausserschulischen Mal- Sport- und Musikunterrichtsstunden darauf konzentriert sind etwas zur Zufriedenheit der kritischen Beobachter zu meistern, stets unter den wachsamen Augen der Eltern, Verwandten und Lehrer. Das versetzt nicht nur der kindlichen Kreativität einen Todesstoß, sondern eliminiert auch die Gelegenheiten in denen die Kinder soziales Verhalten lernen könnten.
Ein Grund mehr, weshalb gerade meine Frau sich wünscht dass unser Sohn in Deutschland aufwächst und nicht hier.
Wenn man sich heute die sozialen Gefüge in China anschaut, dann ist da überhaupt kein Platz mehr für Freundschaften und wie wir gerade gesehen haben, findet selbst das Erlernen von Freundschaften in frühen Jahren nicht mehr statt.
Wen wundert es also dass, wenn sich kleine Grüppchen zum Karaoke (卡拉OK) oder Hot-Pot (火鍋 huǒ guō) verabreden (siehe Artikel [[Alles OK mit Carla]] bzw. [[Feuertopf]]), es oft mehr einem PR-Event gleicht als einem fröhlichen Beisammensein ? Gestellte Bilder, auf denen immer wieder die gleichen kessen oder erotischen Posen eingenommen werden, für die man sich teilweise vorher extra Kostüme kauft (nicht selten werden sie nach dem Event auch wieder zurückgesandt. Kann man ja heute alles) und abertausende von Fotografien der Gerichte und Snacks die man zu sich nimmt füllen die virtuellen Pinnwände der sozialen Netzwerke.
Freundschaften im realen Leben haben oft nicht mehr Bedeutung als eine Freundschaft auf einem sozialen Internetportal wie Facebook (nur dass diese in China eben nicht facebook, sondern QQ, WeChat und Weibo heissen). Man kennt sich, das genügt.
Ein Trend der nicht unbedingt typisch chinesisch ist, aber hier eben doch exzessiver ausgelebt wird als in anderen Teilen der Welt.
Und so können alle ihre täglich inszenierten möchtegern-Leben teilen und liken und re-posten und wieder liken. Manchmal denke ich: Das ist wie bei den Hunden, die sich auf der Strasse immer wieder am Hinterteil riechen und ganz aus dem Häuschen sind. „Am Arsch geliked“ wenn man so will. ;-)
Es ist ein trauriges Bild, wenn man es aus meinem Blickwinkel betrachtet. Wenn wir am Esstisch mit der ganzen Familie zusammensitzen (drei Generationen), kommen wir im Gespräch öfter darauf, dass ich noch Kontakte aus der Schule und dem Kindergarten pflege. Für die nachkommenden Generationen in China etwas unvorstellbares.
Neben all den beschriebenen Gründen auch, weil viele sich aus den Augen verlieren, wenn sie zum Studium ins Ausland gehen. Aus den Augen aus dem Sinn, egal wie sehr man sich vorher gelikt hat.


Übrigens: Zur Frage Schreibt man gelikt, geliket oder geliked ? Folgende Antwort von Dr. Werner Scholze-Stubenrecht (Leiter der Dudenredaktion):

„Der Duden hat sich dafür entschieden, der Einfachheit halber nach einem strikten Schema zu verfahren und bei Eindeutschungen dieser Art die für die deutschen Verben geltenden morphologischen Regeln auch dann anzuwenden, wenn ein im Hinblick auf die Aussprache irritierendes Schriftbild entsteht. Die Grundregel lautet für die Partizipien schwacher Verben: ge + Wortstamm + t. Bei »liken« sehen wir als Wortstamm »lik« an, was darauf zurückgeht, dass normalerweise der Stamm eines Wortes durch Abtrennung der Flexions- oder Wortbildungsendungen ermittelt wird (wie z. B. aus liking = lik + ing).
Nach diesem Muster haben wir schon eine Reihe von Festlegungen getroffen: neben »faken, gefakt« und »tunen, getunt« auch beispielsweise »canceln, gecancelt«, »timen, getimt«, »checken, gecheckt« und »managen, gemanagt«. Und entsprechend empfehlen wir auch »gelikt«.
Es ist uns klar, dass man »gecheckt« leichter akzeptieren kann als »gelikt«, aber wir halten es für eine entbehrliche Verkomplizierung, hier unterschiedliche Lösungen anzubieten. “


The dark side of the moon

„The dark side of the moon“ ist wirklich ein bemerkenswertes Album. Es wurde1973 von Pink Floyd herausgebracht und besticht schon durch die hervorragende Abmischung.
Dieses Album hat alleine schon vom technischen Standpunkt aus einen Standard erschaffen, den selbst heutige Produktionen trotz Hilfe der inzwischen verfügbaren Technik in der Regel nicht erreichen.
Sollten Sie also noch die Möglichkeit besitzen die elektronischen Sound-Verbesserungssysteme ihrer Anlage zu Hause abschalten zu können oder noch eine richtige HiFi-Anlage besitzen mit schweren Boxen, dann drehen Sie einfach die Lautstärke etwas höher und geniessen Sie. Oder holen Sie den alten, verstaubten AKG-Kopfhörer wieder aus dem Keller, es lohnt sich.
Der Albumtitel „The dark side of the moon“ bezeichnet die Mondrückseite, also die Seite, die wir von der Erde aus nicht sehen können. Denn der Mond dreht sich aus Sicht der Erde nicht, während er sie umkreist. Oder genau gesagt: Er dreht sich kaum. Da er auf einer geneigten, ellipsenförmigen Bahn um die Erde kreist, sehen wir ca. 59% seiner Oberfläche.
Das hat natürlich schon früh die Phantasie der Menschen beflügelt. Waren es früher Geschichten von Menschen, die sich bei Vollmond in Wehrwölfe verwandeln, so handeln heutige Geschichten vom Mond selbst und es gibt unzählige Verschwörungstheorien, was sich denn auf den 41% Mondoberfläche, die wir nicht sehen, so alles befinden könnte.
Von Waffenlagern, die die Nazis damals dort angelegt haben bis hin zu Kolonien von ausserirdischen Spezies, die von ihrem Aussenposten dort das Leben auf der Erde beobachten gibt es nichts, was nicht zu skurril wäre um Anhänger zu finden.
Wie passend, dass der Name des ersten Menschen der den Mond betreten hat (Neil Armstrong), rückwärts gelesen „Gnorts Mr. Alien“ ergibt. „Gnorts“ wird dann wohl eine Art Anrede sein. ;-)
Die Mondrückseite wurde bis heute nur aus der Ferne erkundet und kartografiert. Zuerst 1959 von der russischen Sonde „Lunik 3“, dann 1965 von der ebenfalls russischen Sonde „Zond 3“ und zuletzt vom „Lunar Reconnaissance Orbiter“ der NASA.
Das chinesische Raumfahrtprogramm, das ich im Artikel [[Der lange Marsch zum Himmelspalast]] bereits einmal vorgestellt hatte, sieht vor noch Ende diesen Jahres einen Rover (also ein ferngesteuertes Vehikel) dort zu landen.
Bereits 2013 wurde ein chinesischer Rover auf dem Mond ausgesetzt. Sein Name ist 玉兔 (yù tù), übersetzt der Jadehase.
Der Name ist der Geschichte um 嫦娥 (Cháng ‘é) entliehen, die wir im Artikel [[Vom Herbstanfang und einer Frau die zum Mond flog]] bereits besprochen hatten.
In einigen Erzählungen lebt sie, seit dem sie zum Mond aufgestiegen ist, dort mit einem Jadehasen, den man manchmal, bei guter Sicht, in den Kraterformationen von der Erde aus erspähen kann.
嫦娥 (Cháng ‘é) ist übrigens auch der Name der Mondsonden, die China zum Mond geschickt hat. 嫦娥3 (Cháng ‘é 3) hat den Rover namens 玉兔 (yù tù) „Jadehase“ auf dem Mond abgesetzt.
Die aktuelle Mondmission, die den Namen 嫦娥4 (Cháng ‘é 4) trägt, war ursprünglich bereits 2015 geplant, es ist aber zu Verzögerungen gekommen, somit ist sie um einige Jahre verschoben worden.
Im Mondschatten, wenn der Mond zwischen der Raumsonde und der Erde steht, ist keinerlei Kommunikation mit der Erde möglich, was der Besatzung der damaligen Apollo 10 Mission, als sie ihn 1968 durchflog und trotzdem eine Art fremdartige Musik über die Lautsprecher empfangen konnte, einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat. Offensichtlich sind Pink Floyd nicht die einzigen mit Musik hinter dem Mond. ;-)
Dieser Vorfall war bis 2008 nicht bekannt, da er als klassifiziert eingestuft wurde, was natürlich auch wieder unnötigerweise viele Verschwörungstheorien herauf bechwört hat.
Wenn man es aber einmal ganz nüchtern betrachtet, werden wahrscheinlich irgendwelche Magnetfelder oder Radiowellen unbestimmbarer Herkunft eine Geräuschkulisse haben entstehen lassen, die als Musik wahrgenommen wurde.
Schliesslich ist es eine menschliche Eigenart nach bekannten Mustern zu suchen. So sehen wir auch ständig in Wolkenformationen, zerknüllten Papiertaschentüchern oder im Blätterdach der Baumkronen menschliche Gesichter.
Da sich die aktuelle chinesische Mission auch auf der Mondrückseite abspielen soll, ist als Vorbereitung bereits eine Sonde positioniert worden als Relaisstation für den Datenverkehr zwischen Erde und dem Rover.
Der Name dieser Sonde stammt ebenfalls aus der chinesischen Mythologie und lautet 鹊桥 (què qiáo), übersetzt die „Elstern-Brücke“.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Artikel [[Abend der sieben]]. Er handelte von einer Fee, die mit einem Menschen eine Beziehung eingegangen ist, woraufhin man die beiden getrennt hat. Nur einmal im Jahr bilden die Elstern für sie eine Brücke, damit sie sich treffen können.
Ich finde das chinesische Raumfahrtprogramm ist schon alleine auf Grund seiner Namensgebungen absolut interessant.
嫦娥4 (Cháng ‘é 4) soll im „Von Kármán Mondkrater“, der nach Theodore von Kármán, einem Pionier in der Luftfahrt und Raketenforschung benannt ist, in der südlichen Hemisphäre auf der Mondrückseite landen um den Rover dort abzusetzen.
Wir dürfen also gespannt sein, ob dieser vielleicht anstatt der geplanten Gesteinsproben eine alte Getränkedose ausserirdischen Ursprungs mitbringt... Wir werden sehen. Bis dahin sage ich „Auf-Wieder-Gnorts“. ;-)

Das Prinzip der Mauer

Als ich 2010 bis 2012 das erste Mal in Beijing gelebt habe, wohnte ich mal hier, mal dort, so wie es sich halt ergeben hat.
Mal in Hotels, mal mit anderen Chinesisch-Studenten in einer Wohngemeinschaft und mal in den eigenen vier, angemieteten Wänden.
Eine Zeit lang auch nahe der Haltestelle 四惠 (sì huì), dort wo die U-Bahn Linie 1 (die von West nach Ost schnurgerade durch die Stadt läuft) endet und von der Batong-Linie (八通线 bā tōng xiàn) abgelöst wird, die deren Weg weiter Richtung Osten fortsetzt.
Das war in meinen Augen immer der Horizont. Bis hierhin geht die Stadt und nicht weiter. Die Batong-Linie (八通线 bā tōng xiàn) verbindet das Umland mit Beijing.
Ich hätte mich nicht mehr täuschen können. Wer tatsächlich einmal mit besagter Linie weiter nach Osten fährt, wird erstaunt sein, dass man sich nach einer Dreiviertelstunde Fahrt immer noch inmitten von Hochhaustürmen befindet.
Es gibt die im Artikel [[Wohnburgen]] beschriebenen Wohnblöcke, die wie gigantische Mauerstücke in der Landschaft stehen, es gibt immer wieder die grossen Shoppingmalls aus dem Artikel [[Das Kinderparadies (auch für Erwachsene)]] und es gibt auch immer wieder aufwendig beleuchtete Bürogebäude, die denen im Innenstadtbereich in nichts nachstehen.
Der normale Europäer fühlt sich immer noch wie im Grossstadtdschungel, obwohl es tatsächlich doch etwas beschaulicher ist.
Wenn man genau hinschaut, merkt man dass man sich in den Aussenbezirken befindet (Die sind in einer Stadt wie Beijing eben auch noch enorm und stellen so manchen Innenstadtbereich europäischer Städte in den Schatten, aber es ist doch alles etwas ruhiger als innerhalb des zweiten oder dritten Autobahnrings).
Dieser Stadtteil ist noch relativ neu (vor ungefähr 10 Jahren hat man hier begonnen zu bauen) und so kann man auch überall noch Baustellen oder gerade fertig gewordene Wohnblöcke sehen, die noch unbewohnt, wie Geisterstädte ihre leeren Fenster auf den Autobahnring blicken lassen.
Aber alle diese Gebäudeansammlungen haben eines gemeinsam: Sie sind abgeschottet von der Aussenwelt und eingebettet in Communities, so wie im Innenstadtbereich auch.

Ich baue mir oft kleine Regelwerke zusammen, die es mir erlauben die Eigenarten meines chinesischen Umfeldes besser zu erfassen.
Kleine Leitsätze, die ähnlich Axiomen, ohne tatsächlich bewiesen zu sein, für mich erst einmal Richtigkeit besitzen.
Allerdings muss man diese Weisheiten immer wieder etwas anpassen, wenn man wieder mehr Erfahrungen gesammelt hat. Aber auf dem Weg zum Verständnis sind sie sehr praktisch.
Ich gehe von immer wiederkehrenden Phänomenen aus und vergleiche diese mit anderen in allerlei möglichen und unmöglichen Situationen.
So kann ein Prinzip auch schon mal auf konkrete Dinge wie chinesische Architektur und gleichzeitig auf zwischenmenschliche Beziehungen angewandt werden, so wie dieses hier: „Das Prinzip der Mauer“.
Ich bilde mir ein, dass es den Umgang mit enormen Menschenmassen überschaubarer macht, indem es sie in kleinere Einheiten unterteilt. Es beschreibt unter anderem Zugehörigkeiten und Bewegungsabläufe.

Ich hatte ja bereits vorhin angesprochen, dass Wohnblöcke in China immer in Communities zusammengefasst sind.
Man muss sich das so vorstellen, wie ein eingezäuntes Areal, in dem unterschiedlich viele Häuser bzw. Wohnblöcke stehen. Davor eine Einfahrt mit einer Schranke und Sicherheitspersonal.
Mal ist es tatsächlich nur ein Areal mit ein paar Gebäuden, manchmal sind es verschlungene Strassen- und Häuserfluchten, die man anhand ihrer Grösse, will man es für den deutschen Leser verständlich machen, mit Stadtteilen vergleichen muss.
Das verwundert allerdings auch nicht weiter, bedenkt man, dass ein Stadtteil in einer Stadt wie Beijing locker mal die Grösse einer deutschen Grossstadt haben kann.
Diese Communities, oder Zusammenschlüsse von Gebäuden haben alle eines gemeinsam: Sie sind nach aussen hin abgeschlossen, meist durch eine Mauer oder einen Zaun.
Nach aussen hin gibt es manchmal Geschäfte, die aber in der Regel keinen Zugang zum inneren Teil der Anlage haben.
Einzig der lokale, kleine Supermarkt, der sich in so ziemlich jeder dieser Anlagen befindet, hat oft so wohl einen Eingang innen als auch einen aussen und wird deshalb oft von den Anwohnern als Abkürzung genutzt.
Wobei die Angestellten, die hier arbeiten, meist einen besseren Job machen als das Sicherheitspersonal an der Schranke, da sie die Bewohner in der Regel besser kennen.
Das Prinzip der abgeschirmten Wohneinheiten ist in Beijing nicht neu: Bereits zu Kaiserzeiten gab es die klassische Form, das sogenannte 四合院 (sì hé yuàn), was übersetzt so viel bedeutet wie „von vier Seiten umschlossener Garten“.
Viele Grossfamilien lebten so in den meist einstöckigen Gebäuden, die um einen kleinen Garten gruppiert waren, den man zusätzlich noch als Freilichtzimmer benutzen konnte.
Genau nach dieser Tradition wird bis heute gebaut, nur eben alles etwas grösser und weitläufiger.
Hier kommen wir dann auch wieder zu der sogenannten „Sanierung der offenen Mauer“ (治理开墙打洞 zhì lǐ kāi qiáng dǎ dòng), die wir im Artikel [[Gesichtsverlust]] kennengelernt haben.
Durch illegale Umbauten, meist um ein Geschäft zu eröffnen, ist die Trennung zwischen innen und aussen oft nicht mehr gegeben.
Dies versucht man durch das zweifelhafte Programm „Sanierung der offenen Mauer“ (治理开墙打洞 zhì lǐ kāi qiáng dǎ dòng) wieder zu berichtigen.
Dadurch werden ganze Stadtviertel, die sich zu Wohlfühl-Oasen in der Stadt entwickelt haben, zurückgebaut zu nichtssagenden, engen Gassen mit grauen Mauern.
Zäune und Gitter werden nicht nur verwendet um innen von aussen zu trennen, sondern auch um Menschenmassen zu leiten und zu entschleunigen.
Das Prinzip der Mauer ist in Beijing allgegenwärtig, selbst die Chinesische Mauer (长城 cháng chéng. Also eigentlich korrekt übersetzt die „lange Mauer“), die wir im Artikel [[Auf der Mauer, auf der Lauer]] bereits besucht haben, ist ein Sinnbild um „Innen“ von „Außen“ zu trennen. Überall begegnet man ihm. Mal als Mauer, mal als Zaun.
Sie trennen nicht nur das Innen vom Aussen, durch sie werden auch die Menschenmassen im Verkehr geleitet und auch der Verkehrsfluss wird an vielen Stellen mit Hilfe von ihnen gebremst und langsamer gemacht um ihn besser kontrollieren zu können.
Betrachten wir einfach mal die Artikel, die ich bisher schon geschrieben habe:
Da hätten wir die Zäune, die ich in den Artikeln [[Keine DIN in China]], [[Verkehr und anderer Wahnsinn]] und [[Zaungast]] beschrieben hatte, die Mauern aus den Artikeln [[Nichts ist so langlebig wie ein Provisorium]] und [[Gesichtsverlust]] und dann wäre da noch der Artikel [[Innen und aussen]], der sich dem Grundprinzip des „innen und aussen“ widmet, ein Prinzip auf dem das Prinzip der Mauer mehr oder weniger aufbaut.
Sie sehen also schon, dieses Phänomen trifft man immer und immer wieder. Es gleicht fast schon einer Blaupause, an Hand derer man Gebäude, Stadtviertel, Plätze und deren Eigenschaften beurteilen und mit deren Hilfe man unter anderem die Absichten oder sozialen Beziehungen der Anwesenden ablesen kann.

Das Prinzip der Mauer habe ich wie folgt festgelegt:
„Da grosse Ansammlungen von Menschen schnell unüberschaubar werden, ist man daran interessiert, diese aufzuteilen in kleinere Einheiten, denen man dann bestimmte Attribute zuweisen kann.
Zum Beispiel die Gruppe innerhalb eines Wohnblocks und die ausserhalb.
Oder die Menschen vor der Sicherheitskontrolle in der U-Bahn und die, die sie bereits passiert haben.
Man sieht nicht nur wer zu gewissen Örtlichkeiten Zugang hat oder nicht, sondern kann auch schneller erkennen wer sich in welche Richtung bewegt und ist darüber hinaus in der Lage auch noch lenkend eingreifen.
Möglich machen das eben Mauern oder Zäune, die diese Gruppen voneinander trennen.
Mit deren Hilfe kann man die Massen also unterteilen, lenken und verlangsamen, was das ganze Bild wesentlich übersichtlicher macht.
Alles in allem macht das Prinzip der Mauer Menschenmassen ein wenig kontrollierbarer.“

Das ist so natürlich wieder nur die Ansicht eines Aussenstehenden, aber diese kleinen Einsichten, die ich nach und nach gewinne und mir in diesen kleinen Regelwerken versuche zu erklären, sind für mich immer wieder Hilfsmittel um abzuschätzen, wie Dinge in China (in diesem Fall in Beijing) funktionieren.
Ausserdem macht es natürlich Spass, sich solche Dinge zu erarbeiten und ein wenig herumzuspinnen. ;-)