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Haarschwänze als Proteinlieferanten

Um gesund zu bleiben und eine gute Proteinzufuhr zu gewährleisten, essen wir regelmäßig Fisch.
Gestern hat meine Frau wieder einen leckeren Fisch zubereitet, den ich noch nicht kannte, man in China aber wohl recht oft auf den Tisch bekommt.
Im chinesischen heisst er 带鱼 (dài yú) was mit Haarschwanz oder Degenfisch (der auch wieder zu den Haarschwänzen zählt) übersetzt werden kann (natürlich handelt es sich um einen Fisch, was dachten sie denn?) ;-)
Er hat recht viele, kleine Gräten, die sich bei vorsichtigem Essen aber mit etwas Übung ganz gut vom Fleisch trennen lassen.
Ja, ich sage bewusst Fleisch und unterscheide es sprachlich nicht vom Fisch wie es einige Leute tun, denn es macht meiner Meinung nach gar keinen Sinn zwischen Fischfleisch und anderem Tierfleisch zu unterscheiden.
Das sehen allerdings nicht alle Leute so:
Viele Leute sind es einfach sprachlich gewöhnt und kennen es nicht anders, aber auch das deutsche Lebensmittelgesetz unterscheidet interessanterweise tatsächlich zwischen Fisch und Fleisch.
Und die Unterscheidung kann man sogar noch weiter zurück verfolgen: In der Bibel (1. Korinther 15,39) steht „Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische.“
Obwohl dieser Auszug ja eigentlich die enzelnen Fleischsorten mehr oder weniger voneinander abgrenzt (incl. Fisch) und nicht Fleisch von Fisch, wurde es später so ausgelegt, dass man zu Fastenzeiten kein Fleisch, wohl aber Fisch essen durfte (wahrscheinlich müssen wir dankbar sein dass die alten Kirchendiener kein Menschenfleisch gegessen haben).
Viele Vegetarier nutzen ihn heute noch, diesen Trick. Wobei es mir persönlich völlig egal ist wer was isst oder nicht isst.
Aber genau genommen essen Vegetarier per Definition keine Tiere und dazu gehört nunmal auch der Fisch.
Pescetarismus nennt man es wenn man kein Fleisch aber trotzdem Fisch isst.
Und Pescetarismus ist keine Unterform des Vegetarismus, sondern eine Form der omnivoren Ernährung (Allesfresser).
(Unglaublich wie viele absolut nutzlose Dinge man lernt, wenn man kurz für einen Artikel wie diesen recherchiert, ich bin begeistert.)
Wie gesagt: Ein netter Trick, der aber nichts an der Tatsache ändert dass Fischfleisch aus Muskelfasern, Bindegewebe, Knorpeln etc. besteht, genau wie Fleisch.
Und geschmacklich lässt sich diese Unterscheidung auch nicht halten, schliesslich besteht nicht bloss zwischen Fischfleisch und anderen Fleischsorten ein Unterschied, sondern genauso zwischen Schwein, Rind, Reh und Hase zueinander auch.
Und selbst im Duden gibt es den Begriff „Fischfleisch“.
Es wird in anderen Sprachen, wie im chinesischen z.B., übrigens auch nicht unterschieden. Es heisst 鱼肉 (yú ròu): 鱼 (yú) der Fisch und 肉 (ròu) das Fleisch.
Dazu gibt es auch wieder eine nette, kleine Anekdote aus dem Reich der Mitte:
Es war irgendwann zwischen 2010 und 2011 als ich mit ein paar Mitschülern und einer Lehrerin unseres Chinesischkurses zusammen Essen gegangen bin.
Eine junge Deutsche sagte dass sie Vegetarierin sei und bestellte promt ein Fischgericht, was natürlich neben einiger Verwunderung bei unserer chinesischen Lehrerin auch zu einer langwierigen Diskussion geführt hat.
Fazit: Auch wenn der Artikel es anders erscheinen lässt, ist es völlig egal was Sie essen und was nicht und auch wie Sie es nennen.
Dieser Artikel hebt nur einmal mehr die haarspalterischen Unterschiede hervor, hat aber weder auf die Essgewohnheiten, noch die allgemeinen Sprachgewohnheiten Einfluss.
Wenn sie Fisch essen und sich trotzdem Vegetarier nennen wollen, dann tun sie es einfach.
Es gibt ja auch genügend Leute die sich als Nichtraucher bezeichnen, aber auf jeder Gartenparty schwach werden und rauchen als gäbe es kein Morgen. ;-)

Mach mir den Tony

Nachts in Beijings Vororten.
Kinder verhalten sich in einigen Situationen sehr ähnlich.
Somit gehört Haarewaschen bei vielen Jungen nicht gerade zu den beliebtesten Aktionen.
Weiss der Himmel warum, versucht auch unser Sprössling sich mit allen Tricks von dieser ständigen Pflicht zu befreien und so kann man ihn jedes Mal vor dem Baden hören wie er einmal auf Chinesisch "今天不惜头" (jīn tiān bù xǐ tóu) und einmal auf Deutsch "Heute nicht Haarewaschen" fordert, um auch sicher zu gehen dass wir beide es gehört und verstanden haben.
Haare schneiden ist noch ein sehr viel heikleres Thema. Der Sohnemann lässt es zwar über sich ergehen, aber nachdem er eine Minute und 15 Sekunden still gehalten hat, kann man ihn kaum noch unter Kontrolle halten.
Er windet sich hin und her und versucht alle Haarschneidemanöver zu boykottieren.
Entsprechend sieht manchmal auch seine Frisur aus, aber schief ist ja bekanntlich modern.
Aber auch ich selber sah vor Kurzem noch ein wenig wild aus, denn seit dem Corona Ausbruch bis letzte Woche war ich nicht mehr beim Friseur.
Ein Umstand, der auch der Verwandtschaft in China aufgefallen ist beim regelmäßigen hin- und herschicken von Fotos und Videos im Familien-Chat.
So bekam also meine Frau auf chinesisch den gut gemeinten Rat mir den Tony zu machen.
„Mach ihm doch den Tony“ bzw. im Original „给他做个Tony“ (gěi tā zuò gè Tony). Ein Ausspruch den ich nicht kannte und der mich erst einmal hat zweifeln lassen ob der Familien Chat der richtige Ort sei um solche Vorschläge zu posten. :-)
Aber nachdem ich aufgeklärt worden bin ist alles ganz unverfänglich.
Chinesen die in ausländischen Firmen arbeiten oder so ganz einfach ein wenig cool daher kommen wollen, geben sich englische Namen.
Teilweise auch recht skurrile. Das hatten wir ja alles schon im Artikel [[Sag mir Deinen wahren Namen]] behandelt.
Und der Name Tony scheint wohl unter Friseuren sehr beliebt zu sein. Warum auch immer...
Das wusste ich auch noch nicht, sonst hätte ich es im Artikel [[Haarscharf]] bestimmt erwähnt.
So beliebt auf jeden Fall, dass er es in eine umgangssprachliche Phrase geschafft hat.
„Mach ihm doch den Tony“ bedeutet also so viel wie „Sei Du doch sein Friseuer“ und ist eine Aufforderung anstatt zum Friseur zu gehen die Haare selbst zu schneiden.
Das ist bereits des Rätsels Lösung.
Ich habe mich dann aber doch letzte Woche dazu entschieden wieder zum Friseur zu gehen.
Schliesslich muss ich mich ja hin und wieder auf der Arbeit sehen lassen und kann nicht ausschliesslich Home-Office machen.
Was nicht implizieren soll dass ich meiner Frau nicht zutraue meine Haare schneiden zu können. Aber ich denke der Friseur kann es doch ein wenig besser. :-)

Wer schreibt, der bleibt

In chinesischen Kung-Fu Filmen (功夫电影 gōng fu diàn yǐng) sieht man zuweilen die Protagonisten beim studieren der kalligrafischen Fähigkeiten ihres Gegners, um daraus die Führung seines Schwertes abzuleiten.
Daran kann man bereits erkennen, welchen Stellenwert das „Schönschreiben“, wie man es verniedlicht in deutsch nennen könnte, in China seit jeher hatte.
Kalligrafie ist eine hohe Kunstform, der in China weit mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als anderswo. Das hat natürlich nicht zuletzt mit dem Schriftsystem selber zu tun.
Dabei kann es beim zeichnen der Zeichen oft recht impulsiv zugehen. Die sogenannte Grasschrift stellt die Gestaltung sogar in den Vordergrund und die Lesbarkeit nur an zweite Stelle, was es selbst vielen Chinesen oft unmöglich macht sie zu entziffern.
Es gibt fünf Kategorien:
- 篆书 (zhuàn shū) Die Siegelschrift
- 行书 (xíng shū) Die Kursivschrift
- 草书 (cǎo shū) Die Grasschrift
- 隶书 (lì shū) Die Kanzleischrift
- und 楷书 (kǎi shū) Die Regelschrift
Aber in der Regel spricht man (wie der Name es bereits vermuten lässt) von der Regelschrift, wenn man von Kalligrafie spricht.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu tief in die Geschichte abtauchen, darüber haben andere Leute bereits viele Bücher geschrieben. Vielmehr möchte ich beleuchten, was diese alte Kunstform im heutigen China für einen Stellenwert hat.
Einige von Ihnen werden verblüfft sein, denn sie ist keines Wegs ein Fossil das nur noch von alten Menschen wirklich respektiert wird, sondern immer noch ein fester Bestandteil des modernen Lebens.
Auch wenn vielerorts bemängelt wird, dass die Kinder durch den Gebrauch von Computer und Mobiltelefon nicht mehr anständig lesen und schreiben könnten, so ist diese alte Fertigkeit doch immer noch hoch angesehen und wird vielerorts auch vorausgesetzt.
Es wäre zum Beispiel undenkbar, dass ein Staatspräsident in China sie nicht besitzt. Bei hohen Persönlichkeiten werden solche Dinge stets erwähnt. Kalligrafie und darüber hinaus die Fertigkeit chinesische Texte im alten Stil gekonnt zu formulieren sind in gewissen Kreisen unabdingbar. „Wer schreibt, der bleibt“ sozusagen.
Ein typisches Kalligrafie-Übungsblatt.
Und so kann man in chinesischen Privathaushalten auch immer wieder Jung und Alt dabei beobachten, wie sie ihre Fähigkeiten mit dem Pinsel trainieren.
Wenn Sie in einen Buchladen gehen, können sie sich auch dort die Übungsblätter kaufen. Auf ihnen finden sie einige Zeichen in kleinen Rechtecken vorgegeben, die Sie nachzeichnen können. So ähnlich wie „Malen nach Zahlen“.
Wer das ganze gerne einmal in formvollendeter Form bestaunen möchte, muss nicht auf den nächsten Tempelmarkt (siehe Artikel [[Schweinkram]]) warten, wo Glückssprüche von Künstlern aufgeschrieben werden, die man sich dann an die Haustüre kleben kann.
In vielen öffentlichen Parks, morgens, bevor der Ansturm der Touristen losgeht, kann man Rentner mit überdimensionalen Pinseln und einem Eimer Wasser sehen, die gekonnt Sprüche und Zeichen auf die Steinplatten zeichnen, nur um sie kurze Zeit später wieder von der Sonne aufsaugen zu lassen.
Wer sich für die chinesische Kalligrafie interessiert, wird unmittelbar mit dem Zeichen 永 (yǒng) konfrontiert.
Es steht für Ewigkeit und an ihm kann man alle 8 Grundlegenden Prinzipien (also alle acht grundlegenden Bewegungen) lernen.
Genauso kennt jedes Kind in China die „vier Schätze des Gelehrtenzimmers“ (文房四宝 wén fáng sì bǎo):
- 笔 (bǐ) Der Pinsel
- 墨 (mò) Die Tusche (als Stangentusche, die mit Wasser und Hilfe des Reibsteins angerührt werden muss)
- 砚 (yàn) Der Reibstein
- 纸 (zhĭ) Das Papier
Bis heute gilt die Kalligrafie in China als eine der höchsten Künste (wenn nicht die höchste) und man findet sie wirklich überall.
Was mich persönlich immer wieder fasziniert ist der Umstand, dass man sie, wenn sie wirklich schnell und wild ausgeführt wird, mit westlichen Malstilen der Moderne vergleichen kann, die sich seinerzeit mit grossem Kraftaufwand von der klassischen Malerei befreit haben.
Abstrakte Malerei oder auch bei Happenings entstandene Kunstwerke, die dem Schöpfungsakt mehr Bedeutung zumessen als dem Werk selber, waren im Westen vor gar nicht all zu langer Zeit noch ein kontroverses Thema.
Und trotzdem sind die aus ihnen entstandenen Werke zu hoch dotierten Kunstwerken geworden.
Das alles gab es in China in Form der Kalligrafie bereits sehr viel früher und ist seit langen Zeiten bereits gesellschaftstauglich.
Wenn man sich einmal damit befasst, ist auch dies wieder ein Thema das etliche Abende füllen kann. Ich empfehle jedem, sich einfach mal im Internet schlau zu machen.

Wenn man erst einmal einen Namen hat, ist es ganz egal, wie man heisst

Wenn man seinem Kind in China einen Namen geben möchte, sollte man sich früh genug Gedanken darüber machen.
Ich bin Deutscher, meine Frau Chinesin und unser Kind ist in China geboren. Da gibt es schon einige Dinge zu beachten, denn es gibt hier einige bürokratische Hürden. So wohl auf deutscher, als auch auf chinesischer Seite.
Schön wäre es, wenn der Nachwuchs einen chinesischen und einen deutschen Namen haben könnte.
Das ist aber leider nicht möglich. Zumindest hier sind die deutschen und die chinesischen Behörden einer Meinung (tatsächlich dann doch nicht, wie wir nachher sehen werden, aber das sind erst einmal die offiziellen Aussagen).
Also entweder oder. Da kommen wir aber bereits zu einigen Problemen:
Wenn der Nachwuchs irgendwann einmal einen deutschen Pass bekommen soll (und das soll er, schliesslich hat ein deutscher Pass, alleine wenn man nur einmal an internationale Reisen denkt, erhebliche Vorteile gegenüber einem chinesischen) dann muss der Name in lateinischen Schriftzeichen schreibbar sein.
Das heisst: entweder er hat einen deutschen (oder vielleicht auch einen englischen) Namen oder sein/ihr chinesische Name wird in die Lautumschrift Pinyin übersetzt. Aus „孔丘“ würde dann zum Beispiel „Kong Qiu“.
Nicht besonders schön, schliesslich ist es kein richtiger Name mehr, sondern bloss eine lautmalerische Umschreibung.
Also lieber doch einen deutschen Namen. Aber auch hier gibt es einige Hindernisse.
Es fängt bei der Geburtsurkunde an. (diesen Schritt haben wir schon vor etlicher Zeit erledigt, ich habe bloss noch nicht darüber berichtet. Jetzt, wo es weitere Dinge den Namen betreffend zu berichten gibt, denke ich, ist es an der Zeit dies nachzuholen)
Die Geburtsurkunde bekommt man im Krankenhaus ausgestellt, in dem man den Nachwuchs zur Welt gebracht hat.
Klassischerweise sind chinesische Namen bloss drei Zeichen lang (in Ausnahmefällen auch mal vier) und genau darauf ist der Urkundendrucker und die Software dann auch ausgelegt.
Wir haben es trotzdem geschafft den deutschen Namen auf das Formular zu bekommen. Ich durfte freundlicherweise selber das Programm bedienen und konnte so den druckbaren Bereich erweitern.
Es ist durchaus möglich auch einen relativ langen Namen auszudrucken, gegebenenfalls auch einen Doppelnamen.
Allerdings dauert es einige Zeit, bis man sich durch die Eingabemaske geklickt und ein paar Probedrucke gemacht hat.
Die ohnehin schon lange Schlange ist dadurch noch länger geworden und ich habe mir definitiv keine Freunde gemacht, diesen morgen.
Aber letztendlich hatten wir, was wir wollten (bei anderen Krankenhäusern gab es aber bereits Probleme, zum Beispiel beim eintragen des Namens in das Impfbuch. Ich habe dann einfach mit einem Stift die fehlenden Zeichen im Ausdruck ergänzt).
Damit kommen wir dann schon zur nächsten Hürde: Mit einem nicht-chinesischen Namen kann man sich nicht in das chinesische Familienstammbuch eintragen lassen.
Das bedeutet unter anderem: Kein Zugang zu einem öffentlichen Kindergarten oder Probleme bei der Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus.
Man könnte zwar in ein privates Krankenhaus gehen, aber die Preise hierfür sind astronomisch hoch, ganz abgesehen von den Bestechungsgeldern, die man zahlen muss, nur um überhaupt einen Termin zu bekommen.
Wir haben dann mit einigen Behörden gesprochen und es hat sich irgendwann herausgestellt, dass der Sprössling mit einem chinesischen Namen zusätzlich zum deutschen Namen dann doch eingetragen werden kann.
Also muss ein chinesischer Name her. Und da wir ja eh neben dem deutschen Namen, einen chinesischen ausgesucht haben, sind wir frohen Mutes zur Polizeistation um ihn eintragen zu lassen.
Aber weit gefehlt. Denn dieser Name hat natürlich nichts mit dem Namen in der Geburtsurkunde zu tun.
Die chinesischen Behörden machen es an dieser Stelle genau wie die deutschen: Man kann den Namen lautmalerisch übersetzen lassen. Aus Martin würde dann zum Beispiel 马丁 (mǎ dīng).
Erinnern sie sich noch an den ganz alten Artikel [[Die Nymphe]] ?
Genau nach dieser Methode werden deutsche Namen beim Tätowierer übersetzt und unter die Haut gekratzt. Einziger Unterschied ist, dass peinliche Bedeutungen ausgeschlossen sind, da die Behörden eine feste Liste haben, an Hand derer sie Namen übersetzen.
Trotzdem ist es seltsam, schliesslich ist auch dies kein richtiger Name, sondern eine lautmalerische Übersetzung. Aber anders geht es leider nicht.
Man muss dann vorher noch zu einer Behörde um zu bestätigen, dass der Sprössling einen chinesischen Namen bekommen soll.
Es werden der Ausweis bzw. Pass der Eltern, die Geburtsurkunde, das Familienstammbuch kopiert, etliche Unterlagen ausgedruckt und unterschrieben, um hiermit dann zur Polizeistation zu gehen und einen Eintrag im Familienstammbuch zu bekommen (man sollte aber vorher mit allen Parteien abklären, ob das so machbar ist, sonst verweist die Polizei auf die Behörden und die Behörden auf die Polizei. Man würde sich also im Kreis drehen).
Unser Nachwuchs hat jetzt ziemlich viele Namen: Erst einmal den deutschen, bestehend aus Nachnamen, und zwei Vornamen (einem Rufnamen und einem zweiten Vornamen). Dies sind die offiziellen Namen.
Dann gibt es noch einen chinesischen Hausnamen (Chinesen geben Kindern gerne einen einfachen Namen, mit dem man sie zu Hause anspricht), einen chinesischen Namen, der sich aus dem Nachnamen meiner Frau (sie hat ihren Namen behalten) und einem Vornamen zusammensetzt und jetzt auch noch den konstruierten, behördlichen Namen (die Übersetzung seines deutschen Rufnamens in chinesische Schriftzeichen).
Ich bin mal gespannt wie wir ihm das alles beibringen sollen.

Nachtrag vom 29.01.2018

Da war ich doch etwas zu voreilig mit meinem Artikel.
Obwohl wir im Vorfeld mit den Behörden und der Polizeistation abgeklärt hatten, dass wir den von den Behörden offiziell übersetzten und bestätigten Namen in das Familienstammbuch eintragen können, weigern sich die Beamten jetzt plötzlich dies auch tatsächlich zu tun.
Ein Phänomen, das in China immer wieder vorkommt. Je nach Tageslaune der Beamten bekommt man was man braucht, oder eben auch nicht.
Es gibt keine festen Regeln, somit macht hier jeder mehr oder weniger was er will. Das schliesst eben auch ein, sich nicht an vorher besprochene Dinge zu halten.
Da muss ich ganz ehrlich sagen, dass es mich auch nicht mehr wundert, dass fast alles in China illegal gemacht wird, wenn man den Offiziellen eh nicht trauen kann.
Auch wenn man meistens mit netten Angestellten des öffentlichen Dienstes zu tun hat, die einem versuchen so gut es geht zu helfen, kann man nicht übersehen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Beamtenapparates in China dies nicht tut.
Was man immer wieder mal vorfindet sind Beamte, die unfähig oder korrupt sind oder einfach gerade nicht daran interessiert zu arbeiten.
Das kann mitunter grosse Auswirkungen für einen selber haben. In unserem Fall müssen wir unseren Nachwuchs zum Beispiel in einen internationalen Kindergarten schicken, wenn es so weit ist.
Wir können also schon einmal anfangen zu sparen...

Turmbau zu Babel

Ich bin beruflich wieder in Korea und mir ist wieder etwas aufgefallen:
Die koreanische Schrift erinnert an Teile, die aus chinesischen Schriftzeichen herausgenommen und neu gruppiert wurden.
Die Strichfolgen scheinen mir doch alle sehr geläufig.
Aber offiziell ist sie wohl nicht aus dem Chinesischen entstanden. Oder zumindest nicht direkt.
Allerdings sind sich die Gelehrten nicht einhundertprozentig einig darüber welchen Ursprung sie tatsächlich hat.
Es gibt viele Vermutungen aus welchen Sprachen sie sich entwickelt hat. Das Chinesische steht dabei nicht an erster Stelle.
Also Zeit, sich einmal etwas genauer mit dem Koreanischen auseinaderzusetzen:
Als erstes: Koreanisch ist keine logografische Schrift wie Chinesisch, wo ein Zeichen eine feste Bedeutung hat.
Es besteht aus 19 Zeichen für Konsonante und 21 für Vokale, aus denen pro Silbe ein Zeichen zusammengesetzt wird.
Das heisst: Wenn man weiss wie ein Wort geschrieben wird, weiss man auch wie man es ausspricht, genau so wie bei allen europäischen Sprachen, aber im Gegensatz zum Chinesischen.
Das koreanische Alphabet (한글 Hangeul) wurde 1443 von König Sejong (세종대왕) eingeführt und könnte sich nach Expertenansicht aus der Phagpa-Schrift entwickelt haben.
Diese wurde während der Yuan Dynastie unter Kublai Khan, dem Enkel Dschinghis Khans unter anderem aus der tibetischen Schrift entwickelt und sollte alle, im damaligen, mongolischen Grossreich gebräuchlichen Schriften darstellen.
Nach dem Zerfall des grossen Mongolischen Reiches wurde sie nicht weiter gebraucht und ist in Vergessenheit geraten.
Die tibetische Schrift, die wohl grossen Einfluss auf die Phagpa-Schrift hatte, wiederum hat sich aus der indischen Brahmi-Schrift entwickelt, die wiederum Vorläufer war für mehr als hundert inische Schriften.
Forscher vermuten, dass die Brahmi-Schrift nach dem Grundprinzip der aramäischen Schrift konzipiert wurde.
Diese wiederum wird auf ca. 900 v. Chr. datiert und Schriften wie unter anderem das Arabische, das Hebräische und das Syrische entspringen aus ihr.
Die aramäischen Schrift leitet sich aus der phönizischen Schrift ab. Das kyrillische, so wie das griechische Alphabet basieren ebenfalls auf der phönizischen Schrift.
Sie sehen also jetzt schon: Unsere kleine Recherche hat uns bereits einmal um den halben Erdball geschickt.
Und wenn man sich die Symbole der unterschiedlichen Sprachen anschaut, sieht man plötzlich auch die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sprachen.
Aber das befriedigt noch nicht meinen Wissensdurst. Deshalb forsche ich weiter, in welcher Beziehung Koreanisch und Chinesisch zueinander stehen.
Und siehe da: Es gibt im Koreanischen, eben so wie im Japanischen mehr als nur ein Alphabet.
Es werden auch hier chinesische Schriftzeichen verwendet. Im Japanischen unter dem Namen 漢字 Kanji, im Koreanischen unter dem Namen 漢字 Hanja.
Bevor das Koreanische Alphabet (한글 Hangeul) eingeführt wurde, benutzte man auch in Korea ausschliesslich chinesische Schriftzeichen.
Nach der Einführung wurden diese zeitweise komplett aus der Sprache verbannt, um sich von den Japanern zu unterscheiden, man nahm dann später aber einige Wörter wieder auf. Sie werden selten gebraucht, sind aber fester Bestandteil der Koreanischen Sprache.
Und wenn man noch genauer nachforscht stellt man fest, dass auch das koreanische Alphabet wahrscheinlich nicht ausschliesslich von der Phagpa-Schrift abstammt.
Somit hatte die chinesische Schrift wohl nicht nur indirekt Einfluss auf das Koreanische durch die Phagpa-Schrift, die ja alle damaligen Gebräuchlichen Schriften darstellen sollte (darunter auch das Chinesische), sondern hat wohl auch ganz direkt die Zeichengestaltung beeinflusst. Schliesslich war sie lange Zeit die lokale Sprache vor der Einführung der neuen Zeichen.
Wenn man ein wenig nachforscht kommt man schnell von Hölzchen auf Stöcken und merkt, dass die unterschiedlichsten Sprachen irgendwie miteinander zu tun haben.
Manchmal frage ich mich auch, ob der ägyptische Sonnengott Ra (oder Re), dargestellt durch einen Kreis oder einen Kreis mit einem Punkt in der Mitte, dessen Erkennungsmerkmal das Auge ist, etwas mit dem chinesischen 日 rì (Sonne) oder dem 目 mù (Auge) zu tun hat.
Denn die Quadrate dieser Zeichen werden in älteren chinesischen Schreibweisen, oder auch heutzutage in anderen Schriftsätzen ebenfalls als Kreise dargestellt.
Und der Sprung von rì zu Ra ist auch nicht besonders gross (vor allen Dingen nicht wenn man bedenkt, dass niemand wirklich sagen kann wie die Wörter damals im alten Ägypten tatsächlich ausgesprochen wurden).
Man kann viele Gedanken um dieses Thema spinnen und vieles scheint irgendwie miteinander verwoben zu sein.
Auch Wissenschaftler sind sich oft nicht einig darüber wie genau. Und das macht es noch interessanter.
Ich würde nicht so weit gehen den Turmbau zu Babel in Erwägung zu ziehen, aber der Einfluss der verschiedenen Kulturen untereinander ist vielleicht doch grösser, als man gemeinhin annimmt.
Vielleicht doch eine untergegangene Weltkultur von der nicht mehr als Sprachfetzen übrig geblieben sind ???