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Ohne Mücken gäbe es weniger Schokolade

Über ein Jahr habe ich nichts mehr in diesem Blog gepostet.
Zwischenzeitlich war er durch einen Serverumzug und ein Update gar nicht mehr erreichbar.
Ich habe mir auch nicht die Zeit genommen um ihn zu reparieren, sondern mich ganz meinem Studium gewidmet.
Ja, ich habe noch einmal studiert in meinem hohen Alter. :-)
Denn nur wer das Leben lebt, kann auch etwas von ihm erwarten. Und um das Alter soll es auch in diesem Artikel gehen.
Spätestens mit 20 fängt es an. Man hat Angst davor, älter zu werden. Oder zumindest einige Leute haben diese Angst.
Man sagt immer dass es gerade die Frauen seien, die diese Angst verspüren, aber bei ihren männlichen Kollegen ist es, denke ich, mindestens genau so schlimm.
Sie haben Angst im Alter langweilig zu werden. Vorbei sind dann die Zeiten der ewigen Parties und ein geregelter Tagesablauf bestimmt das Leben anstatt nächtlicher Entdeckungstouren.
Aber was genau bedeutet das wenn man so etwas glaubt?
Es bedeutet ja, dass man im Alter (wann auch immer das sein mag) gezwungen wäre sein Leben umzustellen.
Nun, das kann ich nicht bestätigen. Man hat im Alter genau so seinen freien Willen, wie man es in der Jugend hatte.
Wer eine Familie gegründet hat, hat dies in der Regel auch bewusst getan und ist nicht eines Tages aufgewacht mit all den familiären Verpflichtungen (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).
Im Normalfall hat man sich bewusst dazu entschieden sein Leben in diese Richtung zu ändern.
Und auch dann ist ein monotoner Tagesablauf nicht zwingend. Man kann auch mit Familie neue Dinge erleben (Nicht nur dass man kann, man sollte auch. Unbedingt sollte man!).
Wer diese Verpflichtungen nicht hat, ist noch freier und kann weiterhin verrückt durch die Welt ziehen und Unsinn machen.
Aber die meisten Menschen entscheiden sich dagegen. Und das aus freien Stücken.
Die Gründe dafür sind mannigfaltig, aber einen kann man tatsächlich herausstellen, der wahrscheinlich für die meisten Menschen in Frage kommt.
Es ist der gleiche Grund, weshalb man in der Jugend Angst davor hat älter zu werden:
"Langeweile". In der Jugend ist es die Angst davor langweilig zu werden, wenn man dann älter ist, die Langeweile selber, die ein Leben ohne Veränderungen nunmal mit sich bringt.
Man hat doch alles schon gesehen. Jeden Samstag in die Stadt und feiern gehen. Men kennt die Kneipen, Bars und Discotheken, die Getränke, die Leute dort und auch die Gespräche.
Langeweile!
Und auch alles andere, was man in seiner Jugend für so wichtig gehalten hat unterliegt dieser Gesetzmäßigkeit.
Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier wieder die Regel (Manche Vorliebe hält tatsächlich ein Leben lang).
Aber auf die meisten Dinge trifft es dann eben doch zu.
So ist nunmal das Leben: Nichts ist für die Ewigkeit und das ist auch gut so, schliesslich wollen wir nicht dass unsere Leben vor sich hinstauben noch bevor wir selber zu Staub werden, sondern wir wollen das Leben leben.
Für den einen bedeutet das etwas kürzer zu treten, für den zweiten eine Familie zu gründen und für den dritten etwas ganz Neues anzufangen.
Es ist definitiv nichts vor dem man Angst haben müsste, es ist jeweils das individuelle Ergebnis der eigenen Entscheidungen und nicht das schlimme Schreckgespenst das man in der Jugend darin sieht.
Aber so ist das nun mal in der Jugend, man glaubt eben alles zu wissen, obwohl es sich in den meisten Fällen bloss um eine vage Ahnung handelt.
Ich selber habe in meiner Teenagerzeit auch die verrücktesten Theorien aufgestellt wie man dem Älterwerden begenen sollte (30 war damals die magische Grenze, da statistisch gesehen mit 30 die Jugend in westlichen Ländern endet und das Erwachsensein beginnt).
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es zaubert mir auch jetzt wieder ein süffisantes Lächeln ins Gesicht wenn ich daran zurückdenke. ;-)
Der einzige Nachteil, den das Älterwerden tatsächlich hat, aus meiner bescheidenen Sicht, ist die schwindene Fitness.
Aber dafür bekommt man als Ausgleich so viel anderes. Einsicht zum Beispiel.
Auch das ist natürlich individuell wieder unterschiedlich, aber tendenziell trifft es doch auf den Grossteil der Menschen zu, deshalb lassen wir diese Aussage mal ganz lapidar so unpräzise stehen.
Man sammelt über die Zeit kleine Portionen an Erkenntnissen, so wie man sich eine kleine Sammlung aus Büchern aufbaut:
Einige hat man noch nicht ganz verstanden, andere kennt man dafür in und auswendig und wieder andere hat man sich vorgenommen in naher Zukunft zu erfahren.
Man nimmt Dinge nicht einfach mehr so hin, sondern findet schon beim Zuhören Widersprüche.
Nehmen wir einfach mal ein Sprichwort. Zum Beispiel eines das immer im Zusammenhang mit Buddhismus genannt wird.
„Wenn Du glaubst dass Du zu klein bist um etwas zu bewegen, versuche mal mit einer Mücke im gleichen Raum zu schlafen“.
Erst mal ganz nett, es verschweigt aber leider, dass die Mücke in der Regel, nachdem sie einmal die Möglichkeit hatte zu nerven, gesucht und plattgeschlagen wird. Das war's dann auch schon wieder mit „etwas bewegen“.
Ich finde ja grundsätzlich dass man alles hinterfragen sollte, also auch, oder gerade besonders Sinnsprüche.
In diesem Sinne: Auf in die Zukunft, lasst uns älter und hoffentlich auch immer ein wenig weiser werden.

Ach so: noch kurz zu dem Titel:
Stechmücken (aus der Familie der Ceratopogonidae) sowie Gallmücken (aus der Familie der Cecidomyiidae) sind hauptsächlich für die Bestäubung der Kakaopflanzen zuständig (Haben wir wieder was gelernt).

Opa ist gestaubt

Ich kann mich noch daran erinnern wie ich mit meinem Sohn durch den Wald gegangen bin und er gefragt hat, was eigentlich mit den toten Mistkäfern und den, von den Vögeln halb tot liegen gelassenen Regenwürmern passiert.
Ich habe es mit dem Modell der Jahreszeiten verglichen. Blätter die im Herbst von den Bäumen fallen, werden zu den kleinen Häufchen aus Schnitzelchen, die am Wegrand liegen bis sie immer kleiner und zu Staub werden und irgendwann zu Erde.
Genau so passiert es auch mit den Tieren und den Menschen.
Als mein Vater gestorben ist, haben wir ihm beigebracht, dass man bei einem Menschen der gestorben ist nicht sagt "Er ist kaputt gegangen", sondern eben „Er ist gestorben“.
Er hat das ganze auf genial kindliche Art und Weise kombiniert und sagt seitdem „Opa ist gestaubt“.
Ich finde das ist eine sehr treffende Feststellung und bin mir sicher dass diese die deutsche Sprache durchaus positiv bereichern würde.
Gestorben wird in China genauso wie in Deutschland auch (Das wäre ja auch seltsam, wenn nicht).
Aber der Totenkult ist dann doch ein wenig anders.
In ein paar Artikeln habe ich ja bereits vom Totengeld berichtet, das an Strassenrändern verbrannt wird um den Ahnen zu gedenken und vom Qingming Fest (清明节 qīng míng jié) (In den Artikeln [[Wozu brauchen Tote Geld ?]] bzw. [[Frühling und Tod]]).
Heute wollen wir ganz kurz die ganze Sache aus der Geistersicht betrachten.
Geister sind Tote, die sich in die Welt der Lebenden verirrt haben. Es gibt, wie bei den Lebenden auch Gute und Böse unter ihnen. Und die Bösen möchte man natürlich nicht in seinem Haus haben.
Aus diesem Grund zeigen die Eingänge zu den alten Wohneinheiten in den alten Stadtvierteln klassischerweise nach Süden.
Denn aus dem Norden kommen angeblich die bösen Geister.
Aber auch ohne diese hat es in früheren Zeiten Sinn gemacht den Eingang am Südende des Hauses zu platzieren, denn aus dem Norden kommt (neben unheimlichen Gestalten die eigentlich in die Unterwelt gehören) auch die Kälte in Form von Winterstürmen, die ständig mal mehr, mal weniger durch die verstaubten Strassen wüten und Beijing auch heute noch zu einem sehr unangenehmen Ort machen können, wenn man sich zu lange draussen aufhält.
Heutzutage sind viele der kleinen Wohneinheiten in den alten Stadtvierteln umgebaut und teilweise auf mehrere Besitzer aufgeteilt worden, was dazu geführt hat, dass sich Eingänge nicht nur Richtung Süden befinden, sondern überall.
Ebenso wird dieses Prinzip nicht bei allen Neubauten eingehalten. Nur Bauherren die der Fengshui Lehre (风水 fēng shuǐ) folgen tun dies noch um für ein gutes Karma zu sorgen.
Und wenn sich doch ein Geist mal derart verirren sollte und vor der Türe steht, gab es im alten China noch einen Trick um sie am eintreten zu hindern:
Eine hohe Türschwelle. Man kann sie nicht nur in Templen, Palästen und anderen offiziellen Gebäuden finden, sondern eben auch bei ganz normalen Wohneinheiten aus früheren Tagen.
Hintergrund ist die Annahme dass bösen Menschen, wenn sie sterben die Kniescheiben entfernt werden und sie somit nicht mehr die Beine anheben können um über die Schwelle zu steigen.
Wer immer geglaubt hat, dass nur deutsche Märchen blutrünstig seien, kann sich bei den Chinesen informieren und sich hier auch eine Scheibe (eine Kniescheibe) abschneiden.
Ein weiterer Trick, böse Geister fernzuhalten sind Brücken, die im Zickzackverlauf gebaut wurden. Diese findet man oft in öffentlichen, so wie privaten chinesischen Gärten.
Angeblich können böse Geister nämlich nur geradeaus gehen und sie somit nicht überqueren.
Es gibt allerdings noch eine andere Erklärung warum diese Brücken genau in dieser Art und Weise geformt sind und die kommt aus dem Zen-Buddhismus (禅 chán):
Um Ruhe und Gelassenheit im Geist hervorzurufen, lenkt man mit Hilfe der Brücke, die man nicht einfach gedankenverloren geradeaus überqueren kann, die Achtsamkeit auf das hier und jetzt.
Beide Erklärungen sind legitim und verbreitet. Suchen Sie sich einfach diejenige aus, die Ihnen besser gefällt. ;-)

Für das alte Arschloch

Ich habe erst überlegt ob ich diesen Artikel schreiben soll, mir dann aber überlegt: „Warum nicht? Ist bestimmt lustig.“ Und da sind wir also.
Zur Entstehungsgeschichte:
Ich werde hin und wieder nach Dingen im Zusammenhang mit China gefragt die Leute anscheinend brennend interessieren.
Ha, ha. „Brennend“ ist in diesem Zusammenhang auch wieder sehr passend, aber warten Sie ab...
Dann handelt es sich um so seltsame Dinge wie Anime Figuren aus asiatischen Comics die man sich ins Regal stellen kann oder ähnlich skurrile Dinge.
Meistens arten diese kleinen Gefallen, dass man sich mal eben schnell schlau machen soll, zu mittelgrossen Projekten aus, da man sich in der Regel erst einmal schlau machen muss, gerade wenn es um Dinge geht mit denen man normalerweise nichts zu tun hat.
So Dinge wie Anime Charactere „jucken“ mich nämlich nicht besonders. ;-)
Oft wollen Leute aber auch mehr über die chinesiche Küche erfahren oder manchmal Tipps zu chinesicher Medizin haben.
Und genau darum geht es auch in diesem Artikel: Um Tipps für chinesische Medizin.
Da mein Freundeskreis nun langsam auch in die Jahre gekommen ist und die ein oder anderen Organe auch nicht mehr die jüngsten sind, haben sich auch hier die Prioritäten geändert.
Ich wurde also gefragt ob ich ein gutes Mittel kenne, das bei Beschwerden mit Hämorrhoiden zu empfehlen ist.
Nun, nichts leichter als das. Ich kann zwar keine Erfahrungen aus erster Hand geben, aber solche Themen werden natürlich auch in China (wie bei uns immer mit einem süffisanten Lächeln) ausgiebig diskutiert.
Und man ist natürlich stolz auf chinesiche Präparate die in der Regel alle auf der traditionellen chinesischen Medizin basieren.
Es gibt wohl etliche unterschiedliche Produkte, die von der Allgemeinheit mal mehr, mal weniger gut bewertet werden.
Eines kommt aber immer wieder vor und wird in der Regel auch immer hoch gelobt.
Es handelt sich um 麝香痔疮栓 (shè xiāng zhì chuāng shuān) also übersetzt Moschus Hämorrhoiden Zäpfchen bzw. 麝香痔疮栓膏 (shè xiāng zhì chuāng gāo), das gleiche Präparat als Paste von der Marke 马应龙 (mǎ yīng lóng).
Da es auf der traditionellen chinesichen Medizin aufbaut, sollten sich die Nebeneffekte auch in Grenzen halten.
Nur schwangeren Frauen sollte man dringlichst von diesen Mitteln abraten, da es hier zu ungewollten Komplikationen kommen könnte.
Ich hoffe ich konnte an dieser Stelle weiterhelfen, auch wenn wir (wie immer) auch bei diesem Thema nur an der Oberfläche „kratzen“. ;-)

Fliegende Schweine

Eine Laterne in Form eines Schweins, gebastelt aus einer alten Weichspülerflasche.
Gestern war St. Martins Umzug in unserem Viertel und es gab ein grosses Feuer, Glühwein für die Erwachsenen und Bonbons und selbst gebastelte Laternen für die Kinder.
Ich erinnere mich noch an meine ersten St. Martins-Umzüge. Damals hatten die meisten Kinder noch Kerzen in ihren selbst gebastelten Laternen, die durch den Wind und den teils ungeschickten Umgang mit dem schweren Lampenende an einem wackeligen Stab immer kurz davor waren entweder zu erlöschen oder die Papierhülle zu entflammen.
Elektrische Laternen waren natürlich schon bekannt, ich bin ja nicht aus der Steinzeit, aber trotzdem waren sie allen irgendwie suspekt und man hat lieber Kerzen verwendet. Komisch, wenn man von heute zurückschaut.
Mein Sohn kam die Tage völlig aus dem Häuschen und voller Stolz mit seiner im Kindergarten gebastelten Laterne nach Hause.
Aus einer rosa Weichspülerflasche wurde mit einer kleinen Lichterkette, ein wenig rosa Pappe und ein paar Aufklebeaugen ein Schwein mit Flügeln gezaubert.
Und ich muss gestehen, auch ich war aus dem Häuschen, allerdings wohl aus anderen Gründen als mein Sohn.
Das fliegende Schwein war lange Zeit (eigentlich vor meiner Zeit) eines der Logos der Band Pink Floyd und ist mehr oder weniger bekannt.
Es hat direkten Bezug zu den Stücken „Pigs on the wing“, die das Album „Animals“ als erstes und letztes Stück einrahmen.
Das Album, das definitiv zu einem meiner favorisierten Stücken Musik gehört, ist in Anlehnung an George Orwells Roman „Farm der Tiere“ entstanden.
Es handelt, ein wenig von der Vorlage des Buches abgewandelt, von drei Kategorien Menschen, die als Tiere dargestellt werden:
Die Hunde, die die kapitalistischen, teils korrupten Menschen repräsentieren die für Geld auch über Leichen gehen, die Schafe, die die grosse Masse ausmachen und die weder eine Ahnung haben noch interessiert sind und eben die Schweine, die für die „Moralapostel“ stehen, die jeden auf seine Fehler aufmerksam machen und doch selber eigentlich die schlimmsten Verfehlungen begehen.
„If pigs had wings...“ also übersetzt „Wenn Schweine Flügel hätten...“ oder „When pigs fly...“, also „Wenn Schweine fliegen...“ sind auch zwei gern genutzte Aussprüche um anzuzeigen dass etwas niemals passieren wird.
Fliegende Schweine machen also sprichwörtlich das Unmögliche möglich.
Passenderweise ist 2019 im chinesischen Kalender auch das Jahr des Schweins. Und, Sie werden es sicher bereits ahnen, wird das Schwein in China ganz anders wahrgenommen als bei uns.
Abgesehen von den Darstellungen des Schweins bei Pink Floyd oder auch in dem Roman „Farm der Tiere“ hat das Schwein, mit Ausnahme des Glücksschweins, fast immer eine negative Bedeutung. Vor allen Dingen im täglichen Sprachgebrauch.
Dreckig und faul sind die Attribute die man mit ihm verbindet.
Ganz anders in China. Ein Schwein gilt als ein glückliches Lebewesen und Menschen die unter diesem Tierkreiszeichen geboren sind, gelten als freundlich, warmherzig und positiv.
Man sagt ihnen Gastfreundschaft nach und ist der Meinung sie seien keine Kostverächter.
In dem Artikel [[Drachen, Löwen, Drachenlöwen und anderes Getier]] hatten wir unter anderm Mischwesen besprochen, die aus einem Teil Drachen und aus einem anderen Teil Tier (Kuh, Wolf, Ziege, Hund, Löwe, Schlange, Fisch, Schildkröte oder Tiger) bestehen.
Leider kein Schwein. Das wäre eine schöne Rückleitung zu unserem Anfangsthema, den fliegenden Schweinen geworden. Aber leider müssen etwas anderes finden um diesen Artikel rund zu machen:
Bleibt uns also nur, auf das Maifest der fliegenden Schweine der Stadt 长沙 (cháng shā) zu spechen zu kommen.
Schweine, die von einer Rampe ins Wasser gestossen werden um dann einen Schwimmwettbewerb zu gewinnen. Und man kann wohl auch Wetten abgeben.
Für Tierschützer sicher wieder ein guter Grund aufzuschreien, aber es passt stimmungsmässig ja ganz gut zu den vorangegangenen Themen. Ist heute alles etwas dunkel, ganz im Gegensatz zu unserem Umzug, der wirklich herzerwärmend schön war.

Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt!

Dieser Satz geistert mir immer im Kopf herum, wenn ich in Deutschland an der Bahnhaltestelle stehe und die Bahn wieder einmal Verspätung hat.
Ursprünglich sagte Freiherr Christian von Illow diesen Satz zu Johann Ludwig Hektor Graf von Isolani in Schillers Dramen-Trilogie „Wallenstein“, die an historischen Ereignissen angelehnt ist und sich den Niedergang des berühmten Feldherrn Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (besser bekannt als Wallenstein) zum Thema gemacht hat.
Da ich jahrelang in Beijing gelebt habe, bin ich es gewohnt, dass Bahnen pünktlich fahren.
Man könnte zwar meinen, da der Verkehr in China sehr an ein Laissez-faire-Projekt erinnert, dass auch Fahrpläne nicht pünktlich eingehalten würden. Aber weit gefehlt.
Die Ernsthaftigkeit, die man auf der Arbeit, im Strassenverkehr und an vielen anderen Stellen in China vermisst, ist beim Einhalten der Fahrpläne allgegenwärtig.
Und das steht im krassen Gegensatz zu Deutschland, wo man eigentlich pünktliche Züge und Bahnen erwarten würde. Aber dieses Vorurteil bestätigt sich tatsächlich nicht.
Wieder zurück in der Heimat, auf dem allmorgendlichen Weg zur Arbeit kommt man schnell mal der Verzweiflung nahe.
Eine Strassenbahn, die von der aller ersten bis zur zweiten Haltestelle ihrer Strecke bereits eine Verspätung von über 30 Minuten hat und das jeden Tag?
Vielleicht ist es ein typisches Phänomen in Köln. Aber wenn ich die Kollegen an anderen deutschen Standorten erzählen höre oder einfach nur den Fahrplan der deutschen Bahn mit den tatsächlichen Abfahrtzeiten vergleiche, dann glaube ich dass dieses Problem doch ein grösseres ist. Da läuft etwas gewaltig schief.
Aber abgesehen davon fallen mir darüber hinaus auch noch viele andere kleine aber feine Unterschiede bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf. Positiv, wie negativ:
Erst einmal merkt man sofort, dass die deutsche Gesellschaft aus vergleichsweise vielen alten Menschen besteht, alleine schon wenn man sich die Geschwindigkeit der Rolltreppen anschaut. Daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen.
Aber auch eine schöne Sache kann ich immer wieder beobachten: Bevor man in die Bahn oder den Bus einsteigt, lässt man in Deutschland erst einmal alle anderen aussteigen. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel, denn im groben und ganzen ist es tatsächlich so.
Ganz anders in China. So bald die Türen aufgehen wird gedrängelt. Dabei blockiert man nicht nur die Aussteigenden, sondern nimmt auch überhaupt keine Rücksicht auf die Leute, die vor einem gewartet haben und versucht sich auch an diesen vorbeizudrücken.
Diese wiederum versuchen das zu verhindern und drängeln ihrerseits, was das ganze schnell in ein ungeordnetes Minichaos ausarten lässt.
Allerdings beschwert sich in dieser Situation kaum jemand (hatten wir alles im Artikel [[Mein Papa kann...]] behandelt). Dieses Verhalten würde in Deutschland sofort eine hitzige Diskussion, manchmal sogar aggressiveres Verhalten hervorrufen.
Aber eine Sache im deutschen Nahverkehr, die sich mir absolut nicht erschliessen will, ist folgende: Warum muss man sein gottverdammtes Fahrrad mit in die Bahn nehmen?
Das würde in China niemand machen und auch ich verstehe es einfach nicht. Ein Fortbewegungsmittel in einem Fortbewegungsmittel. Warum sollte man so etwas tun? Man nimmt Rollstuhlfahrern oder Leuten mit Kinderwagen den Platz weg und macht sich dazu noch zum Ärgernis für alle anderen Fahrgäste die, teils mit Taschen bepackt, vorsichtig im ruckelden Zug um einen herum manövrieren müssen.