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Schnapsidee

In China ist Kaffee in den letzten Jahren immer beliebter geworden und der Markt inzwischen hart umkämpft.
Ich erinnere mich noch an die Zeit als ich nach China gereist bin, bevor ich dort gelebt habe:
Kaffee war ein Getränk das es schon überall in internationalen Fastfood Restaurants und anderen Läden gab, aber fast ausschließlich in sehr bitterer Art.
Für Kaffeegenießer aus dem Westen eher nicht zu empfehlen.
Aber zu dieser Zeit gab es auch schon hier und da einige selbsternannte Baristas, die (meist in den Hutongs (胡同 hú tòng), den alten Stadtvierteln) ihre kleinen Cafes aufgemacht haben und bei denen man dann auch einen Kaffe bekommen konnte, wie man ihn von zu Hause aus gewohnt war.
Allerdings waren die Preise sehr hoch.
Eine Tasse Kaffee hatte umgerechnet ca. 3 bis 7 Euro gekostet. Zum Vergleich: Ein koplettes chinesisches Essen, wie zum Beispiel 红烧肉 (hóng shāo ròu) oder ähnliches mit Reis und einem Getränk gab es in dem lokalen Imbiss, bei dem ich oft essen war, für umgerechnet 1,50 Euro.
Seitdem hat sich viel getan. War damals ausschließlich Milchtee der ganz grosse Renner, ist auch Kaffe inzwischen in China zu einem In-Getränk geworden.
Und die Unternehmen müssen sich inzwischen sehr ins Zeug legen, um ihre Produkte an den Mann / die Frau zu bringen.
Somit werden ständig neue Geschmacksrichtungen entworfen die teilweise recht skurril anmuten.
Kaffee mit Vanille, Zimt und Teegeschmack sind die normaleren Geschmacksrichtungen.
Käsekuchen, Durian (sie erinnern sich? Die stinkende Frucht aus dem Artikel Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin) und Bonbongeschmack sind schon etwas spezieller.
Seit einiger Zeit gibt es aber einen neuen Trend. Ich hatte vor einiger Zeit schon mal davon gehört, aber bis vor kurzem selber noch nicht probiert.
酱香拿铁 (jiàng xiāng ná tiě) heisst das Zauberwort.
Die Hersteller sind auf die glorreiche Idee gekommen, einen Kaffe mit Schnapsgeschmack zu entwerfen.
酱 (jiàng) bezeichnet eine fermentierte Sosse oder Alkohol, 香 (xiāng) ist der Geschmack und 拿铁 (ná tiě) bedeutet Latte, oder Milchkaffee.
Dieser Kaffe hat den Geschmack von chinesischem Alkohol, dem sogenannten 白酒 (bái jiǔ), der selber schon für Ausländer etwas gewöhnungsbdedürftig ist..
Wie gesagt, ich habe ihn jetzt selbst probiert (die Instant Variante zum selber aufbrühen) und was soll ich Ihnen sagen?
Nun ja, der Geschmack ist jetzt nicht so schlecht wie erwartet. Auch nicht wirklich toll, aber man kann ihn schon trinken.
Allerdings riecht das ganze, als ob man eine Flasche Schnaps verschüttet hätte.
Man sollte diese kulinarische Besonderheit also besser nicht auf der Arbeit im Büro trinken, das wird zwangsläufig zu einigen schrägen Blicken der Kollegen führen.
Obwohl ja technisch überhaupt kein Alkohol in dem Getränkt ist, wird man sich trotzdem vor dem einen oder anderen rechtfertigen müssen.
Na denn: Prost!

Zickezacke Entenkacke

Seit ungefähr zwei Jahren gibt es einen neuen Trend in China und der ist sowas von chinesisch, dass sich selbst der geneigte Leser dieses Blogs, der nun schon einiges gewöhnt sein sollte, überrascht fragen wird: „Was zur Hölle...?“
Es gibt ja immer wieder neue Aromen die irgendwann „in“ sind und mit denen dann alles mögliche hergestellt wird.
Ein Beispiel dafür ist die Durian (榴莲 liú lián), die wir im Artikel [[Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin]] das erste mal erwähnt hatten.
Eine Frucht die seltsam müffelt und eigentlich ganz nett schmeckt (ich will nicht lügen: den meisten Ausländern schmeckt sie nicht, aber ich finde den Geschmack ganz passabel).
Irgenwann wurde sie zum verfeinern von Speiseeis, Torten, Keksen, Chips (glaub ich auch), Pizza und ichweissnichtwassonstnochalles genutzt.
Oft sind es Fruchtaromen oder spezielle Teesorten.
Und auch diesmal haben wir wieder etwas besonderes: Das Enten-Kacke-Aroma.
Nein, sie haben sich nicht verlesen. Es steht tatsächlich so auf den Verpackungen (鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè)) übersetzt Enten-Kacke-Aroma Teeblätter) und es ist, wenn Sie mir den Wortwitz verzeihen, aktuell der heisse Scheiss.
Ich habe mich lange davor gehütet dieses Aroma zu probieren, aber jetzt, wo es sich immer weiter ausbreitet und beliebter wird, muss ich mich dann doch mal schlau machen.
Und siehe da: Der Name verschleiert ein wenig worum es sich wirklich handelt. Wahrscheinlich wurde er bewusst gewählt, genau aus diesem Grund.
鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè) sind Teeblätter mit denen alles mögliche aromatisiert wird.
In diesem Fall Erdnüsse. Und ich muss sagen, sie schmecken wirklich lecker.
Tatsächlich hat das alles nichts mit Enten-Fäkalien zu tun, lediglich der Boden auf dem der Tee wächst, weist eine Struktur auf, die dem Aussehen von Enten-Kacke gleichen soll.
Aber auch das weiss ich nur aus nicht gesicherten Quellen, ich gehe aber davon aus, dass es stimmt.

Haarschwänze als Proteinlieferanten

Um gesund zu bleiben und eine gute Proteinzufuhr zu gewährleisten, essen wir regelmäßig Fisch.
Gestern hat meine Frau wieder einen leckeren Fisch zubereitet, den ich noch nicht kannte, man in China aber wohl recht oft auf den Tisch bekommt.
Im chinesischen heisst er 带鱼 (dài yú) was mit Haarschwanz oder Degenfisch (der auch wieder zu den Haarschwänzen zählt) übersetzt werden kann (natürlich handelt es sich um einen Fisch, was dachten sie denn?) ;-)
Er hat recht viele, kleine Gräten, die sich bei vorsichtigem Essen aber mit etwas Übung ganz gut vom Fleisch trennen lassen.
Ja, ich sage bewusst Fleisch und unterscheide es sprachlich nicht vom Fisch wie es einige Leute tun, denn es macht meiner Meinung nach gar keinen Sinn zwischen Fischfleisch und anderem Tierfleisch zu unterscheiden.
Das sehen allerdings nicht alle Leute so:
Viele Leute sind es einfach sprachlich gewöhnt und kennen es nicht anders, aber auch das deutsche Lebensmittelgesetz unterscheidet interessanterweise tatsächlich zwischen Fisch und Fleisch.
Und die Unterscheidung kann man sogar noch weiter zurück verfolgen: In der Bibel (1. Korinther 15,39) steht „Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische.“
Obwohl dieser Auszug ja eigentlich die enzelnen Fleischsorten mehr oder weniger voneinander abgrenzt (incl. Fisch) und nicht Fleisch von Fisch, wurde es später so ausgelegt, dass man zu Fastenzeiten kein Fleisch, wohl aber Fisch essen durfte (wahrscheinlich müssen wir dankbar sein dass die alten Kirchendiener kein Menschenfleisch gegessen haben).
Viele Vegetarier nutzen ihn heute noch, diesen Trick. Wobei es mir persönlich völlig egal ist wer was isst oder nicht isst.
Aber genau genommen essen Vegetarier per Definition keine Tiere und dazu gehört nunmal auch der Fisch.
Pescetarismus nennt man es wenn man kein Fleisch aber trotzdem Fisch isst.
Und Pescetarismus ist keine Unterform des Vegetarismus, sondern eine Form der omnivoren Ernährung (Allesfresser).
(Unglaublich wie viele absolut nutzlose Dinge man lernt, wenn man kurz für einen Artikel wie diesen recherchiert, ich bin begeistert.)
Wie gesagt: Ein netter Trick, der aber nichts an der Tatsache ändert dass Fischfleisch aus Muskelfasern, Bindegewebe, Knorpeln etc. besteht, genau wie Fleisch.
Und geschmacklich lässt sich diese Unterscheidung auch nicht halten, schliesslich besteht nicht bloss zwischen Fischfleisch und anderen Fleischsorten ein Unterschied, sondern genauso zwischen Schwein, Rind, Reh und Hase zueinander auch.
Und selbst im Duden gibt es den Begriff „Fischfleisch“.
Es wird in anderen Sprachen, wie im chinesischen z.B., übrigens auch nicht unterschieden. Es heisst 鱼肉 (yú ròu): 鱼 (yú) der Fisch und 肉 (ròu) das Fleisch.
Dazu gibt es auch wieder eine nette, kleine Anekdote aus dem Reich der Mitte:
Es war irgendwann zwischen 2010 und 2011 als ich mit ein paar Mitschülern und einer Lehrerin unseres Chinesischkurses zusammen Essen gegangen bin.
Eine junge Deutsche sagte dass sie Vegetarierin sei und bestellte promt ein Fischgericht, was natürlich neben einiger Verwunderung bei unserer chinesischen Lehrerin auch zu einer langwierigen Diskussion geführt hat.
Fazit: Auch wenn der Artikel es anders erscheinen lässt, ist es völlig egal was Sie essen und was nicht und auch wie Sie es nennen.
Dieser Artikel hebt nur einmal mehr die haarspalterischen Unterschiede hervor, hat aber weder auf die Essgewohnheiten, noch die allgemeinen Sprachgewohnheiten Einfluss.
Wenn sie Fisch essen und sich trotzdem Vegetarier nennen wollen, dann tun sie es einfach.
Es gibt ja auch genügend Leute die sich als Nichtraucher bezeichnen, aber auf jeder Gartenparty schwach werden und rauchen als gäbe es kein Morgen. ;-)

Wabbelig, glitschig, klebrig und leicht zäh

Noch bevor ich nach China gezogen bin um dort zu leben und zu arbeiten, habe ich ein-einhalb Jahre in China gelebt um dort Chinesisch zu lernen.
Noch weiter davor bin ich immer wieder nach China geflogen um dort, ganz klassisch touristisch, Urlaub zu machen und mir das Land anzusehen.
Und noch weiter davor, zu Anfang meiner Reisen nach China (es muss irgendwann zwischen 1990 und 2000 gewesen sein) gab es eine Rundreise quer durch das Reich der Mitte die ich gebucht habe:
Einen Monat lang durch China, jeden bzw. manchmal auch jeden zweiten Tag mit dem Flugzeug woanders hin.
Man hat vor Ort immer einen einheimischen Führer, der einen vom Flughafen abholt und herumführt.
Ich habe viel gesehen, das steht ausser Frage. So gut wie nichts tatsächlich verstanden (bzw. nur auf eine typisch oberflächlich touristische Art und Weise), aber viel gesehen.
Und das ist ja auch nicht weiter schlimm, ich habe ja in den darauf folgenden Jahren mein Wissen um China immer weiter vertieft.
Über eine Sache, die ich damals erfahren habe, möchte ich heute gerne sprechen und es geht wieder mal ums Essen. ;-)
Einer unserer Reiseführer hat es sich nicht nehmen lassen uns, entgegen den allgemein gültigen Verhaltensregeln für Fremdenführer in China, die wahrscheinlich so einen Satz wie „Ausländer essen nur ganz einfache Speisen, bestellen sie niemals etwas schmackhaftes oder typisch chinesisches“ enthalten müssen, doch seine Lieblingsgerichte im Restaurant zu bestellen.
Es war wiklich sehr gut. Von Krabben in scharfer Sosse über frittierte Gemüsestückchen bis hin zu einer Speise die mich damals total überrascht hat.
Bis heute noch empfinde ich sie als leicht seltsam, obwohl ich sie inzwischen schon oft gegessen habe.
Die Rede ist von 元宵 (yuán xiāo) oder übersetzt dem Klebreisklößchen.
Vor kurzem war das Laternenfest, das wir im Artikel [[Lampen an]] schon mal besprochen hatten, zu diesem Anlass gab es sie auch bei uns zu Hause hier in Deutschland.
Das interessante daran ist, dass sie in einer Suppe bzw. Sosse schwimmend daherkommen, die wiederum nicht viel mehr als geschmacklich leicht aufgepepptes Wasser zu sein scheint.
Es ist weich, wie ein gekauter Kaugummi, den man in eine Schale Wasser legt und sieht auch ein wenig so aus.
Tatsächlich handelt es sich hier aber um eine Kugel aus Klebreis. Oder um es genauer zu sagen: Der Reis wird zu Mehl gemahlen und dann daraus die Kugel geformt.
Diese ist gefüllt mit einer Paste aus Sesamkörnern bzw. Erdnüssen und Zucker. Es ist eine Süßspeise.
Eine sehr interessante Erfahrung, so wohl geschmacklich als auch von der Textur her.
Wabbelig, glitschig, klebrig und leicht zäh wenn man versucht etwas abzubeißen.
So etwas gibt es in der deutschen Küche so definitiv nicht.
Kann ich jedem Chinareisenden nur wärmstens ans Herz legen. Muss man einfach mal probiert haben.
Man kann sie übrigens auch tiefgekühlt im Asiatischen Supermarkt in Deutschland kaufen.

Das Auge des Drachen

Was klingt wie ein 73 teiliger Fantasy Roman, ist in Wirklichkeit eine Frucht, die in China sehr beliebt ist, ebenso wie die Früchte die wir bereits im Artikel [[Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin]] erwähnt hatten.
Es ist nicht ganz sicher woher die Frucht 龙眼 (lóng yǎn), was übersetzt eben Drachenauge oder Auge des Drachen bedeutet, ihren Namen hat.
Die einen sagen, er sei mit der vietnamesischen Stadt bzw. Provinz Long An verbunden, andere sagen er soll von der chinesischen Stadt Longyan (龙岩市 lóng yán shì) kommen, die ähnlich ausgesprochen wird und übersetzt Drachenfelsen bedeutet.
Ich habe sie lange Zeit immer mit der Lychee bzw. Litschi verwechselt, da sie, wenn sie einmal gepellt sind, sich doch sehr ähneln.
Da sie entfernt verwandt sind, ist das auch nicht weiter verwunderlich.
Saftiges, weißes, ein wenig durchschimmerndes Fruchtfleisch und ein recht großer dunkler Kern.
Eben jene Merkmale, die den Namen Drachenauge auch visuell untermalen.
Beißt man nämlich ein Stück des Fruchtfleischs heraus, so dass man den Kern sehen kann, sieht es tatsächlich aus wie ein Auge.
Meist isst man sie frisch, aber es gibt auch Rezepte für Suppen, Früchtetees, Kuchen oder Reispuddings und in der chinesischen Medizin wird sie auf Grund ihrer Beruhigenden Wirkung auch gerne eingesetzt.
Ausserdem soll sie die kognitiven Funktionen unterstützen und sogar Demenz vorbeugen, sie ist also auch ein wichtiges Mittel in der chinesischen Diätetik (中医食疗 zhōng yī shíl iáo, bzw. 中医药膳 zhōng yī yào shàn), die wir in Artikel [[Es gibt nicht nur Tausende von Krankheiten, sondern auch Tausende von Gesundheiten]] bereits kennen gelernt haben.
Und der Geschmack ist auch klasse. Ein wenig wie Lychee, aber eben doch ein wenig anders.
Sollte man auf jeden Fall mal probieren, wenn man sie frisch bekommen kann.
Kann ich sehr empfehlen.
In Deutschland habe ich sie noch nie gesehen, aber ich denke dass sie eh, genau wie Lychees, importiert bloss holzig schmecken würden.
Ich bin auch noch über eine Teesorte gestolpert, die Drachenauge genannt wird.
Nach kurzer Recherche hat sich allerdings herausgestellt dass es sich hier wieder einmal um eine schlechte Übersetzung handelt.
Im Original heisst es Drachenperlen, nicht Drachenaugen.
Es sind zusammengerollte Teeblätter, die nicht typisch grün, sondern etwas heller sind.
Man nennt ihn auch weißen Tee (hatten wir im Artikel [[Abwarten und Tee trinken]] einmal kurz angeschnitten).
Die zusammengerollten Blätter erinnern entfernt an Perlen, daher der Name.
Aus Drachenperlen ist dann bei der Übersetzung Drachenaugen geworden.
Hat aber alles nichts mit unseren Früchten zu tun.