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Sahneheringe - oder - Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix

Laut der modernen Physik (oder zumindest einer populären Strömung in ihr), sollen wir glauben dass am Anfang, also zur Entstehung des Universums weder Raum noch Zeit existiert haben.
Das ist erst einmal ein ziemlich schwer verdaubarer Brocken, so etwas bereitet gewisse Schwierigkeiten, wenn man versucht es sich vorzustellen. Aber gut, lassen wir das erst einmal so stehen.
Dann gab es angeblich den grossen Knall und alles breitete sich aus, verdampfte, wurde fest, zersetzte sich wieder, wurde wieder fest bis endlich das Universum mit all seinen Galaxien, Sternen, Elementen, Sahneheringen und Hundekotbeutelspendern da war.
Wenn das der Anfang war, ist natürlich die Frage: „Was war vorher?“ ... Ach ja, ich vergaß: Es gab ja noch keine Zeit, also auch kein "vorher" (ich kann meinen Verstand einfach nicht dazu bringen so verquer zu denken).
Nun gut, es gab halt keine Zeit in unserem Ding und Raum auch nicht. Aber muss es nicht doch irgendwoher gekommen sein?
Die Weltreligionen sagen einfach: „Klar. Vorher war Gott und der hat alles gestartet.“ (Auch nicht sehr überzeugend, meiner Meinung nach, aber zumindest schon mal ein Erklärungsversuch).
Nehmen wir doch einfach mal das Gott-Modell und modifizieren es ein wenig:
Gehen wir einfach davon aus, dass da etwas war, das das ganze gestartet hat.
Und was denn eigentlich? Nun ja die Existenz von einfach allem. ... Hm, das ist ein wenig vage.
Nun, betrachten wir es doch einfach mal von dieser Seite: Das Universucm, das Leben und alles was so dazugehört, folgt, so weit wir das erkennen können bestimmten Regeln: Physikalische Gesetze, mathematische Prinzipien etc.,
Und nach diesen Regeln läuft das Programm „Existenz“ ab.
Um mal bei dem Gott-Modell zu bleiben: Da hat der alte Herr einfach einen Doppelklick auf das „Erschaffe alles“-Symbol gemacht, vielleicht weil er ein paar Sahneheringe haben wollte und so nahm alles seinen Lauf, streng nach den Regeln des Programms.
Dann wäre unsere Existenz natürlich streng genommen eine Simulation. So, wie wir Simulationen auf unseren Rechnern ausführen, wären auch wir Teil eines Programms das irgendwo abläuft.
Diese Idee ist natürlich nicht einfach auf meinem eigenen Mist gewachsten, auch wenn ich sie vielleicht ein wenig mit Sahneheringen ausgeschmückt habe, sondern es gibt Befürworter und natürlich auch Gegner dieser und ähnlicher Theorien und diese werden rege diskutiert.
Eine recht bekannte Aussage ist zum Beispiel, dass nur das Universum selber die Rechenpower aufbringen könnte, um etwas wie sich selbst zu simulieren.
Das ist ja an sich schon einmal recht seltsam, wenn man davon ausgeht, dass etwas simuliert ist, kann man selbstverständlich auch nicht innerhalb dieses Konstruktes nach Grenzen suchen, sondern muss davon ausgehen dass es etwas größeres darum gibt.
So weit alles gut und schön, aber wie könnte man erkennen dass man in einer Simulation lebt?
Wenn wir von unseren Simulationen ausgehen, dann ist das wohl auffälligste Mekrmal dass man sich in einer künstlichen Realität befindet wohl jenes, dass es hin und wieder zu kleinen Fehlern kommt, die Anomalien verursachen können.
Philip K. Dick, einer der einflussreichsten Science-Fiction Autoren userer Zeit hat immer wieder von mehreren Realitäten geschrieben, die parallel ablaufen.
Also so wie Programme auf einem Computer. Und bei einem Fehler im Programm soll es dann möglich sein, dass Daten aus der einen in der anderen landen.
Hört sich ganz nach einem Daja-Vu an, oder auch nach dem Mandela-Effekt (eigentlich Konfubulation genannt).
Dieser besagt, dass viele Menschen sicher sind dass Nelson Mandela während seines Gefängnisaufenthaltes in den 1980er Jahren verstorben sei, obwohl er (in dieser Realität) tatsächlich erst 2013 an einer Lungenentzündung gestorben ist.
Es gibt einige dieser seltsamen Ereignisse. Mein persönliches, das ich mit unzähligen Menschen teile ist das folgende:
Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Oxygene IV von Jean Michel Jarre damals die Titelmusik der Wissenssendung „Aus Forschung und Technik“ mit Joachim Bublath war (hatte ich in Artikel [[Von Robbi, Tobbi, Drecki und Kotze]] einmal kurz angerissen).
Nach Philip K. Dick fühlt sich ein Deja-Vu so an als hätte man es bereits einmal erlebt, weil genau das den Tatschen entspricht.
Oder mit anderen Worten: „Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix - Das kann passieren, wenn sie etwas ändern“, wie es so schön in dem Film Matrix von Lana und Lily Wachowski (Den Wachowski Brothers, die jetzt die Wachowski Sisters sind) heisst, der ja bekanntlich auch von einer simulierten Welt handelt.
In dem Film "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder von 1973, der auf dem Roman "Simulacron-3" von Daniel F. Galouye aufgebaut ist, der auch von einer simulierten Welt handelt und der mich als Kind bereits sehr in seinen Bann gezogen hatte, obwohl ich seiner Bedeutung nur bedingt folgen konnte, wird dieses Phänomen auch aufgegriffen.
Ein Zeitungsartikel, an den sich der Protagonist noch erinnert, scheint niemals existiert zu haben.
Alles Dinge oder Begebenheiten, die nie passiert sind, obwohl man sich an sie erinnert oder einfach nicht mehr das sind, was sie einmal waren und nichts von alledem kann man wirklich erklären.
Denn es sind alles nur Indizien, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.
Das menschliche Gehirn ist zu grossen Teilen noch unerforscht und so weit wir es bereits kennen, gelinde gesagt ein absoluter Chaot, wenn es um Speicherplatzzuweisung geht, da kann hier und da schon mal was in den Zeitlinien und den dazughörigen Schubladen verrutschen.
Wo also besser nach Beweisen suchen, als in der Wissenschaft selber?
Ein anderes Phänomen von Simulationen ist nämlich die Aufteilung von Rechenpower auf die wichtigsten Dinge.
In einer Spielesimulation zum Beispiel wird alles das, was sich in unmittelbarer Nähe zum Spieler befindet, detailgetreu berechnet, während Dinge die weit weg sind nur ungenau dargestellt werden.
Rendern nennt sich dieser Prozess und er geschieht in modernen Spielen zur Zeit des Spiels selber. Also in „Echtzeit“.
Wenn man sich ausserhalb von Gebäuden befindet, macht es für den Computer natürlich überhaupt keinen Sinn das Innere zu berechnen. Erst wenn man das Gebäude betritt werden diese Daten benötigt.
Sollte es so etwas etwa auch in unserer Realität geben?
Sylvester James Gates, ein amerikanischer theoretischer Physiker hat, als er Quarks untersucht hat, mit Hilfe der Stringtheorie einen "fehlerkorrigirenden Code" gefunden, wenn man es so nennen mag, aber dazu gleich mehr.
In 2017 haben Wissenschaftler an der Universität von Washington bewiesen, dass sie Computercode in DNA Stränge integrieren können.
Somit sind Computerprogramme und das menschliche Leben grundsätzlich schon nicht mehr weit voneinander entfernt.
Auch in der Natur folgt alles mathematischen Prinzipien: Die Fibonacci-Folge und der goldene Schnitt (hatten wir in Artikel [[Werkzeug der Harmonie]] bereits angesprochen) finden sich überall in der Schöpfung des grossen Sahneheringsherstellers wider.
Vom Schneckenhaus, über die Anordnung von Samen in einer Sonnenblume bis hin zur Form einer Spiralgalaxie.
Von den Atomen bis hin zu kosmischen Gebilden, alles folgt den gleichen Gesetzen. Wenn man so will, einem Programm.
Aber kommen wir noch einmal auf das Rendern zurück: In unseren Simulationen, wie Spielen etc. werden immer nur die Stücke detailgetreu gerendert, mit denen der User aktuell interagiert oder die sich in unmittelbarer Nähe zu ihm befinden.
Was wäre wenn das in unserer Welt auch so funktionieren würde?
Und da sind wir wieder bei der Stringtheorie: Ein Experiement genannt „Doppelspaltexperiment“ präsentiert uns ein sehr interessantes und absolut unerwartetes Ergebnis, wenn wir es durchführen.
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, nur so viel: Bei Wellen, die wir durch diese Apparatur schicken, erwarten wir ein Muster aus mehreren Strichen, das durch die Wellen und ihre Wechselwirkung aufeinander entsteht.
Ein sogenanntes Interferenzmuster, das durch zwei parallele Schlitze entsteht, durch die sie geschickt werden.
Bei Materie hingegen erwarten wir zwei Striche, entsprechend der beiden Schlitze, da sie diese auf direktem Wege passieren sollten ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
So weit die Erwartung. Wenn wir jetzt aber tatsächlich Elementarteilchen durch dieses Experiment schicken, sieht es so aus als würden diese keine Materie sein, sondern Wellen, da wir eben jenes Muster aus mehreren Strichen zu sehen bekommen.
Und jetzt wird es richtig wild: Wenn wir die einzelnen Teilchen beobachten während sie durch die Schlitze treten, ändert sich das Ergebnis plötzlich und das erwartete Muster mit zwei Strichen erscheint, beobachten wir sie nicht mehr, bekommen wir wieder das Wellenmuster.
Und das ganze unabhängig davon ob wir sie vor, oder nach dem dem durchtreten der Schlitze beobachten, was bedeuten würde, dass die Teilchen eigentlich schon vorher gewusst haben müssen ob sie als Welle oder Teilchen durch die Schlitze gehen müssen und ob sie später beobachtet werden oder nicht, um eben jene Muster zu erzeugen.
Und da haben wir ihn, unseren “fehlerkorrigirenden Code”. Das Ergebnis ist entsprechend so, wie es sein soll, wenn man es überprüft.
Falls Sie, lieber Leser, das mit Hilfe von gesundem Menschenverstand erklären können, lassen Sie es mich bitte wissen, es wartet ein Nobelpreis auf Sie.
Und da wären wir dann auch schon wieder bei unserer Computersimulation: Bestimmte Dinge werden erst dann gerendert, wenn der Fokus auf ihnen liegt.
In unserem Fall verhalten sich die Teilchen nur wie Teilchen, wenn wir sie beobachten.
Ist dies vielleicht ein Beweis, dass wir in einer Simulation leben? Oder ist es bloss einer dieser Ausrutscher des wissenschaftlichen Denkens, die sich hin und wieder mangels einer besseren Erklärung etablieren?
Das Rosinenkuchenmodell von Joseph John Thomson zur Erklärung zum Aufbau von Atomen wurde auch erst 1911 zum Rutherfordsches Atommodell verfeinert.
So gesehen betrachten wir hier vielleicht gerade das Sahneheringsmodell und es fehlen uns ein paar Informationen um wirklich Sinn aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen.
Aber wieso erzähle ich das alles (und warum drifte ich immer so weit ab)?
Eigentlich wollte ich von Verkäufern in China erzählen, denn bei Verkäufern in China stösst man auf ein ähnliches Phänomen.
Man beschaut sich die Ware, ist sicher man weiss um was es sich handelt, nur um nach dem Gespräch mit dem Verkäufer herauszufinden, dass sich magischerweise alles ganz anders verhält als gedacht.
Kurzes Beispiel: Ich wollte ein Teebrett kaufen.
Das ist eine kleine, recht flache, hölzerne Kiste mit einem Gitter oben.
Es dient dazu, darauf Teetassen und Teekannen zu stellen, so dass das überflüssige Wasser durch das Gitten ablaufen kann.
Es wird dann in einer Art Schublade aufgefangen, oder bei etwas besseren Modellen über einen Schlauch abgeführt.
In Artikel [[Abwarten und Tee trinken]] kann man genau sehen, worum es sich handelt.
Ich hatte mir ein Modell in einem Laden ausgesucht das mir sehr gut gefiel und wollte es kaufen.
Das Ausstellungsstück war sehr gut verarbeitet und dunkelgrün.
Das Modell das ich bekam war braun.
Auf Nachfrage, ob es das Modell auch noch in grün gäbe, bekam ich die spontane Antwort, dass es sich hier genau um das gleiche Modell handele und es bei regelmäßiger Nutzung auch grün werden würde.
Nicht dass mich die Farbe gestört hätte, eigentlich hat mir das braune ebenso gut gefallen wie das grüne.
Aber es ist doch schon interessant, dass ähnlich dem Doppelspaltexperiment, ein Ding auf den ersten Blick braun, bei genauerer Erklärung dann aber doch grün ist.
Chinesische Verkäufer erzählen ihren Kunden die absurdesten Dinge, selbst wenn sie so unglaubwürdig sind, dass man beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln.
Ähnliche Vorfälle sind mir in China ständig passiert, Lügen zu erzählen scheint fast schon ein Reflex zu sein.
Ich gebe zu, dass Verkäufer auch in Deutschland dem Kunden um den Mund reden um ihre Waren zu verkaufen.
Aber in China hat das ganze noch eine ganz andere Dimension.
Da ändern Dinge schon mal ihre physikalischen Eigenschaften, einfach so.
Wahrscheinlich hat da einfach jemand etwas in der Matrix geändert.

Schrödingers Katze

Als ich mich vor zwei Tagen in der Mittagspause auf dem Weg zu meinem favorisierten Schnellimbiss befand, kam ich wieder an einem kleinen Laden vorbei, der, wie gewohnt, seine Lautsprecher auch nach draussen auf die Strasse gerichtet hat um Kunden anzulocken.
Aber anstatt der sich endlos wiederholenden Produktansagen oder der chinesischen Popmusik, die üblicherweise aus den Boxen dröhnen, war ich dieses Mal umgeben von bekannten und versöhnlichen Klängen.
Es lief, in dezenter Lautstärke, das Stück „Hold on“ von Tom Waits.
Und da auch ich dieses Stück zu meinen persönlichen Favoriten zähle, lief mir trotz der Sommerhitze ein leichter Schauer über den Rücken. Dieser Tag war schon einmal gerettet. :-)
Leider sieht nicht jeder die Musik von Tom Waits, so wie ich es tue. Viele Leute mögen seine zugegeben etwas ungewöhnliche Stimme nicht und tun seine Stücke partout als Schund ab.
„So etwas ist doch keine Kunst. Das hört sich ja an wie ein kehlkopfkranker Hund.“
Nun, zumindest beim ersten Teil muss ich ihnen, wenn auch widerwillig, Recht geben, denn man kann nicht erzwingen, dass jeder die gleichen Dinge als Kunst ansieht.
Kunst entsteht ja, wie wir alle wissen, im Auge des Betrachters. Auch wenn einige Menschen das so nicht wahr haben wollen.
Es ist aber tatsächlich so, dass auch grosse Kunstwerke wie das Bild Guernica, eines der bekanntesten Werke Pablo Picassos, das 1937 entstanden ist, völlig unabhängig von ihrer Geschichte, Bedeutung und der Meinung der Kritiker, für einige Menschen persönlich einfach keine Kunst sind. Und das völlig unabhängig von der handwerklichen Qualität des Objekts.
Jeder Mensch entscheidet für sich selber ob es Kunst ist, oder auch wie er es interpretieren möchte.
Das ist ja gerade das Schöne. Der Künstler gibt eine Richtung vor, der man selber aber nicht zwangsläufig folgen muss. Und man kann seine Meinung natürlich auch jederzeit ändern (ein Phänomen, das im Zusammenspiel mit Jazzmusik und dem Alter des Zuhörers oft zu beobachten ist).
Mit diesem Wissen macht ein Besuch im Museum direkt doppelt so viel Spass. Das bedeutet nämlich, dass ich mir zu jedem Werk meine eigenen Gedanken machen kann, ohne dass es falsch ist, so wie es uns die Lehrer in der Schule früher immer einreden wollten.
Natürlich gibt es immer eine Hintergrundgeschichte zu jedem Kunstwerk. Aber die ist ja nicht bindend.
Wenn jemand „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli als Schweinkram ansieht, weil zu viel nackte Haut zu sehen ist, dann ist das einfach so.
Zugegeben, das ist eine ziemliche schräge Ansichtsweise, aber jeder entscheidet ja für sich selbst was Kunst oder auch was unanständig ist.
Die Gedanken sind frei“ ist ein noch weiter gefasster Spruch, der etwas ähnliches aussagt.
Ebenso wie Kunst im Auge des Betrachters entsteht, verhält es sich mit der Geschwindigkeit, wie wir spätestens seit Albert Einstein wissen.
Bewegt man sich in einem Zug in Fahrtrichtung, kommt einem die persönliche Geschwindigkeit genau so vor, als würde man auf der Strasse laufen, obwohl man die Geschwindigkeit des Zuges ja zu der eigenen hinzurechnen müsste.
Ein Trugschluss, auf dem viele Anhänger der „Flat Earth Society“ ihre Begründungen für angebliche Beweise bauen, dass die Erde eine Scheibe sei. Die Behauptung ist: „Wenn die Erde eine Kugel wäre und rotiert, dann dürften die Seen nicht still sein, sondern müssten auslaufen“.
Auch hier ist wieder der Trick den Zusammenhang zu sehen und die Bezugspunkte richtig zu setzen.
Natürlich hat Rotation grundsätzlich Einfluss auf Wasser. Der Vergleich mit dem Wasserglas hinkt aber, da sich hier der Gravitationspunkt ausserhalb des rotierenden Objektes befindet.
Aber auch hier gilt natürlich: „Die Gedanken sind frei“. Jeder Mensch darf so gebildet, naiv, schlau, unwissend sein wie er möchte (Er sollte dann aber bitte bei der Berufswahl Abstand von bestimmten Berufsgruppen wie Pilot oder ähnlichen nehmen).
Aber grundsätzlich kann man und sollte man Theorien hinterfragen. Dabei kommen teils recht aberwitzige Ideen zu Tage. So wie diese hier:
Wenn man davon ausgeht, dass ein Lebewesen, das gezüchtet wird (zum Beispiel als Zootier oder als Schlachtvieh) nicht realisiert, dass es zu einem bestimmten Zweck in einer unnatürlichen Umgebung aufwächst, dann ist es durchaus vorstellbar, dass wir (die Menschen) von den Pflanzen gezüchtet werden. Und zwar als Futter.
Sie ernähren uns, geben uns Sauerstoff und wenn wir ausgewachsen und „reif“ sind und endlich sterben, ernähren sie sich von uns. Alles eine Frage des Blickwinkels. ;-)
Aber zurück zum Thema: Was wir als Kunst, unanständig oder normal ansehen, hat erst einmal mit den persönlichen Vorlieben zu tun.
Diese sind allerdings auch nicht frei von Beeinflussung. Die Umwelt und in besonderem Maße die Kultur in der wir uns bewegen haben sehr grossen Einfluss auf deren Ausprägungen.
Ob wir Schimmelkäse mögen oder 100-jährige Eier (kennen wir ja noch aus dem Artikel [[da ist doch was faul]]), das ist eben nicht alleine die eigene Entscheidung, sondern auch abhängig von der kleinen Welt in der wir uns bewegen und deren Einfluss. Auch hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, es sind Vorlieben, Gewohnheiten und Erlerntes.
Genau so wie der unabdingbare Glaube, dass die Religion der man angehört die einzig richtige sei.
Immer wieder gerne werden auch politische Systeme miteinander verglichen so wie die Demokratie und der Kommunismus. Und jedes mal gleicht es einem Glaubenskrieg, wenn die Parteien sich gegenseitig versuchen zu überzeugen, welches System das bessere sei.
Vergessen wird dabei immer, dass jedes dieser Systeme für sich erst einmal ein wunderbares, theoretisches Konstrukt ist, in dem Menschen bestmöglich miteinander auskommen sollen.
Im richtigen Leben kommt dann leider die menschliche Komponente hinzu und es zeigt sich, dass sich in jedem dieser Systeme immer wieder die gleichen Probleme herauskristallieren.
Denn egal ob Demokratie, Kommunismus oder sonstige Gebilde, sie müssen in der wirklichen Welt mit marktwirtschaftlichen oder anderen Systemen in Einklang gebracht werden und das ist nicht immer problemlos möglich.
Es gibt immer einige wenige Menschen, die Sonderpositionen einnehmen können, was unweigerlich zu Problemen führt.
Ich bin kein grosser Freund von politischen Diskussionen, denn ich bin der Meinung, dass der Fokus hier vom Eigentlichen, dem Menschen selbst, nur abgelenkt wird. Politik mag notwendig, aber etwas schönes wird sie niemals sein (was natürlich auch nur wieder meine persönliche Meinung widerspiegelt).
Das liegt natürlich zu einem gewissen Teil auch daran, dass sie versuchen muss einheitliche Standards für unterschiedliche Menschen zu schaffen. Die Alternative wäre die Anarchie, die natürlich ihrerseits genau die gleichen Probleme hervorbringt: Einige Menschen, die Sonderpositionen besetzen.
Wie man es auch dreht und wendet, man kann zu jedem Thema Gutes und Schlechtes finden, entscheident ist eigentlich nur worauf man sich mehr konzentriert. Gut oder Schlecht, Kunst oder auch Nicht-Kunst, es ist alles relativ.
Die wirkliche Kunst besteht, ganz einfach gesagt, darin einen Mittelweg zu finden, mit dem der Grossteil der Betroffenen zufrieden ist. Und dann darf wieder jeder für sich selber entscheiden, was er davon hält. Eben so wie bei den Kunstobjekten.
Die Frage, ob ein Ojbekt Kunst ist, oder nicht, entscheidet sich, genau genommen immer dann, wenn sich jemand diese Frage stellt und sie für sich persönlich beantwortet.
„Ja, das ist Kunst“ oder „Das ist doch bloss Gekritzel“ oder ähnliches bestimmen dann individuell, genau in diesem Moment, ob es Kunst ist, oder eben nicht. Vorher ist es unbestimmt.
So wie Schrödingers Katze erst tot bzw. lebendig ist, nachdem man nachgeschaut hat. Vorher ist sie in einem unbestimmten Zustand.
Für alle, die mit Schrödingers Katze so nichts anfangen können: Es ist ein Gedankenexperiment aus der Physik von Erwin Schrödinger, das quantenmechanische Theorien, wie sie auf atomarer Ebene vermutet werden, auf unseren Alltag abbildet.
In einem geschlossenen Raum sollen sich eine Katze und ein instabiler Atomkern befinden, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt.
So bald der Atomkern zerfällt, würde ein Geigerzähler dies messen und ein Giftgas freisetzen, das die Katze tötet.
Das Problem ist nun folgendes: Kleine Teilchen, wie ein Elektron zum Beispiel befinden sich, so lange sie nicht gemessen werden auf Grund der Theorie der Quantenphysik in einer sogenannten Superposition, also einem unbestimmten Zustand, der es ihnen theoretisch erlaubt sich an unterschiedlichen Positionen gleichzeitig zu befinden.
Somit wäre auch der Atomkern, bevor wir nachsehen, also messen (deshalb der geschlossene Raum) gleichzeitig zerfallen und nicht zerfallen.
Die Apparatur würde also die Katze töten und nicht töten, die Katze wäre also tot und lebendig, was ja in unserer Welt mit den hier bestehenden physikalischen Gesetzen nicht in Einklang zu bringen ist.
Dieses Paradoxon veranschaulicht sehr schön, dass sich nicht alle physikalischen Theorien unbedingt miteinander verbinden lassen.
Aber lassen wir das physikalische Problem mal auf Seite, so ist es ein schönes Bild um zu zeigen, dass einige Dinge einfach unbestimmt sind, so lange bis man sie irgendwo einordnet.
Ein Objekt ist also ein Kunstwerk und auch kein Kunstwerk, so lange bis wir uns die Frage stellen: „ist das für mich Kunst ?“ So lange wir nicht nachfragen, bzw. nachschauen ist es wie es ist. Eben unbestimmt.
Ebenso verhält es sich auch mit Gewohnheiten oder kulturellen Vorlieben. Es ist gleichzeitig Kunst und nicht Kunst, oder tot und lebendig oder gleichzeitig Schimmelkäse und 100-järiges Ei.
Was können wir daraus also lernen ? Dass es immer mehr als eine Wahrheit gibt zum Beispiel. Dass es die eigene Position nicht schwächt, wenn man sich den Blickwinkel der anderen Partei einmal zu eigen macht, sondern vielmehr stärkt indem man die wirklich wichtigen Dinge von den Vorlieben und dem Erlernten trennen kann.
Und dass es für die Katze keinen grossen Unterschied macht, da sie ja eh sieben Leben hat (oder neun, je nach Quelle).

Marty, Du musst Dir angewöhnen vierdimensional zu denken

Es gibt ja tatsächlich junge Männer aus westlichen Kulturkreisen, die glauben, auf Grund ihres Interesses für asiatische Mangas und Anime, Frauen in Asien beeindrucken zu können. Kein Witz. Offensichtlich gibt es sogar gar nicht mal wenige von ihnen, wie ich von einigen Bekannten erfahren habe.
Ich persönlich finde es ja schon deshalb skurril, da die meisten dieser jungen Männer sich ganz offenkundig hauptsächlich durch die sexistisch überzeichneten, weiblichen Charaktere, die in vielen dieser Produktionen vorkommen, zu dieser Kunstform hingezogen fühlen. Ein Kriterium, dem das weibliche Geschlecht selbstverständlich skeptisch gegenübersteht. Auch in Asien.
Man ist versucht diesen jungen Herren zu wünschen, sie hätten in ihrer Kindheit lieber mal öfter draussen gespielt und gelernt echte soziale Kontakte zu knüpfen.
Aber Mangas und Anime sind in Asien tatsächlich weit verbreitet und viele Leute haben sie als Kinder gesehen. Allerdings in der Regel nicht die, in denen die Oberweite der jungen, weiblichen Charaktere die Belastbarkeit der knappen Oberbekleidung bis an die Obergrenze drückt, sondern eben kindertaugliche Serien.
Die unbestritten bekannteste von ihnen dürfte die japanische Serie Doraemon (ドラえもん) sein. In China, wo sie wirklich jeder kennt, ist sie unter dem Namen 哆啦A夢 (duō lā A mèng) bekannt.
Im Artikel [[Brot-Supermann]] hatte ich ja bereits angekündigt, dass ich einen Artikel über sie erstellen möchte.
Die blaue Roboter-Katze ist in Asien mindestens so bekannt wie Mickey Maus im Westen und man kann kaum einen Schaufensterbummel machen, ohne ihr in irgendeiner Weise zu begegnen.
Wie gesagt, es handelt sich um eine blaue Roboter-Katze und zwar aus der Zukunft. Sie wurde zurückgeschickt, um einem kleinen Jungen namens Nobi Nobita (野比のび太) zu helfen.
Ein kleiner junge, der weder klug, noch reich, noch sonst etwas ist. Er hat einfach einen guten Charakter und durch seine absolut durchschnittliche Art auch eine Menge Probleme. Er ist eben einfach kein Held.
Im täglichen Leben hilft also Doraemon (ドラえもん) dem kleinen Jungen, indem er allerlei Gegenstände aus seiner Brusttasche zieht.
Es handelt sich um eine vierdimensionale Tasche, weshalb sich auch unglaublich grosse Objekte aus ihr hervorholen lassen.
Das sagt sich jetzt so einfach dahin, dabei steckt wesentlich mehr dahinter, wenn man es sich mal auf der Zunge zergehen lässt.
Denn eine vierte Dimension ist für uns Menschen nur schwer vorstellbar, schliesslich können wir nur drei Dimensionen mit unseren Sinnen erfassen.
Da kommt zuerst einmal die Frage auf: was genau ist die vierte Dimension überhaupt ? Es gibt die Meinung, dass die vierte Dimension die Zeit wäre, worauf auch der Ausspruch „Marty, Du musst Dir angewöhnen vierdimensional zu denken“ anspielt, den Doc Brown, der Erfinder der Zeitmaschine, in dem Film „Zurück in die Zukunft III“ prägt.
Die Zeit in Zusammenhang mit dem Raum gebracht, ist keine Science Fiction Spinnerei, sondern eine sehr populäre Theorie in der Physik. Die Rede ist von Albert Einsteins Relativitätstheorie und der Raumzeit.
Auch hier werden Raum und Zeit in einem vierdimensionalen Gebilde, dem sogenannten „Minkowski-Raum“, betrachtet.
Eine Theorie, die auch immer wieder in Science Fiction Serien wie Star Trek aufgegriffen wird. Wenn es gerade keine Störung im E-Band gibt und die Romulaner mal die Füsse still halten, werden Raum-Zeit-Tunnel aufgebaut um in weit entfernte Teile des Universums zu reisen oder das Raum-Zeit-Kontinuum wird durch Subraumrisse beschädigt.
Es gibt aber auch die Meinung, dass es sich bei der vierten Dimension um eine weitere geometrische Komponente handeln könnte, also eine Art Raum, den wir nicht mit unseren Sinnen erfassen können.
Das würde dann auch erklären, warum sich riesige Dinge in der kleinen Tasche von Doraemon (ドラえもん) verstauen lassen.
Ein Konzept, das in ähnlicher Form auch in dem kontrovers beurteilten Science Fiction Film „Ultraviolet“ unter dem Namen „Flat Space Technology“ bzw. „Dimensional Compression“ zum Einsatz kommt.
Hier werden Waffen und Munition in der anderen Dimension verstaut, so dass man sie nur mit Hilfe eines Sicherheitsscans ausfindig machen kann.
Die Theorie, dass es sich bei der vierten Dimension um eine weitere geometrische Ebene handelt, wird vor allen Dingen durch die Mathematik unterstützt.
Sie kann unsere sicht- und anders erfahrbare Umgebung von der ersten bis zur dritten Dimension sehr genau darstellen und darüber hinaus eben auch noch weitere Dimensionen. Das legt den Schluss nahe, dass es weitere geometrische bzw. räumliche Dimensionen durchaus geben könnte, selbst wenn es uns unmöglich ist, sie zu erfassen.
In jeder Episode von Doraemon (ドラえもん) zieht dieser einen neuen Gegenstand aus seiner Tasche, wobei einige Gegenstände auch öfter mal in unterschiedlichen Folgen vorkommen können, so wie die „Überall-Türe“. Eine frei stehende Türe die, wie der Name schon sagt, überall hin führen kann. Also eine Verbindung von unterschiedlichen Räumen bzw. Dimensionen zueinander.
Und da sind wir wieder an einer Stelle angelangt, an der ich hellhörig geworden bin. Diesen Themen bin ich in meiner Jugend, in etwas anderer Form, auch schon begegnet.
Nicht in einer Kinderserie, sondern in Buchform, für ein etwas älteres Publikum. Der Autor Michael Moorcock hat sich intensiv mit diesen Dingen in seinen Romanen auseinandergesetzt.
Seine Geschichten spielen meist in einem sogenannten Multiversum. Ein Konzept, das von verschiedenen Parallelwelten ausgeht, in denen einige Personen in den Romanen auch von dem einem in das andere wechseln können.
Da wären wir dann auch wieder bei der vierten und weiteren Dimensionen. Welten, die parallel zu unserer existieren, eben lediglich in anderen Dimensionen.
Und auch die „Überall-Türe“, wie sie bei Doraemon (ドラえもん) heisst, gibt es hier.
Türen oder Portale, die verschiedene Ebenen miteinander verbinden, finden sich in seinen Büchern ständig wieder.
In diesem sehr interessanten Konzept gibt es, neben den Verbindungen zu anderen Parallelwelten, auch einen Ort, der auf jeder Ebene vorhanden ist: Die Stadt Tanelorn.
Aber das würde jetzt zu weit führen. Falls ich Sie neugierig gemacht haben sollte, lesen Sie einfach mal das Buch „Corum“.
Was können wir am Ende dieses Artikels also festhalten ? Nun, zumindest, dass es sich immer lohnt auch auf den ersten Blick einfache Dinge wie Kinderserien einmal zu hinterfragen.
Nicht selten verstecken sich in kleinen Details physikalisch, philosophisch oder anderweitig hochinteressante Konzepte, die es durchaus Wert sind auch einmal aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen betrachtet zu werden.

Werkzeug der Harmonie

Was haben alte, bekannte Kunstwerke oft gemeinsam?
Egal ob es sich um Gemälde, Bauwerke oder Musik handelt, sie haben oft mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Im Artikel [[Alles was zählt]] sind wir ja schon einmal kurz auf Bedeutungen von Zahlen in China eingegangen.
Bleiben wir zuerst einmal wieder in China: Der Kaiserpalast in Beijing, der auch unter dem Namen „die verbotene Stadt“ bekannt ist, ist selbstverständlich auch unter Zuhilfenahme einiger magischen Nummern entstanden.
So wie unzählige andere Bauwerke auch, aber als Beispiel kommt er mir gerade ganz gelegen.
Ähnlich den Pyramiden in Ägypten, folgen viele Dimensionen in der verbotenen Stadt bestimmten Regeln.
Zum Beispiel stehen Länge und Breite der „Halle der höchsten Harmonie“ oder auch der „Halle zur Bildung der Gefühle“ in dem Verhältnis Neun zu Fünf.
Im alten China unterschied man die geraden und ungeraden Zahlen und ordnete sie Yin und Yang (阴阳 yīn yáng) zu.
Unter den ungeraden Zahlen kleiner als Zehn ist Neun die höchste Zahl. Und die Mitte von 10 ist Fünf.
Die beiden Zahlen haben also einen besonderen Stellenwert und sind damit perfekt um die kaiserliche Macht zu symbolisierten.
Die Haupthallen sind immer als Gruppe von 3 Gebäuden arrangiert, was das Zeichen ☰ (乾 qián) und dessen Bedeutung „Himmel“ repräsentiert. (Sie erinnern sich vielleicht noch an den Artikel [[Alles in Bewegung]])
Dagegen sind die Wohngebäude im inneren Teil der Anlage stets zu 6 Gebäuden gruppiert, was wiederum das Zeichen ☷ (坤 Kūn) und seine Bedeutung „Erde“ repräsentiert.
Aber auch andere Zahlentheorien, die weltweit bekannt sind und nicht nur im alten China, in der griechischen Antike und in Ägypten ihre Anwendung fanden, sondern von der Natur selber genutzt werden, finden sich in Bauwerken (unter anderem dem Kaiserpalast) wieder.
Viele Kunstwerke sind auf Grund von Zahlentheorien, nicht selten nach dem goldenen Schnitt entworfen worden.
Um den goldenen Schnitt schnell zu erklären, stellen wir uns vor, dass wir eine gegebene Strecke so in zwei Teilstrecken teilen wollen, dass das Verhältnis der kleinen zur grossen Teilstrecke gleich dem Verhältnis der grossen Teilstrecke zur Gesamtstrecke ist.
Was hier beschrieben wird, ist genau genommen ein mathematisches Verhältnis.
So betrachtet, erzeugt also die lange Teilstrecke geteilt durch die kurze Teilstrecke das gleiche Ergebnis wie die Gesamtstrecke durch die lange Teilstrecke. Nämlich 1,618039887... usw.
Diese Zahl wird die goldene Zahl genannt, sie ist irrational, hat also unendlich viele Stellen hinter dem Komma und einige mathematische Besonderheiten. (Zum Beispiel wenn man Kehrwert bildet. Aber das würde zu weit führen.)
Der goldene Schnitt beschreibt eine Proportion, die in der Natur immer wieder vorkommt und auch auf den Menschen eine natürliche Anziehungskraft ausübt.
Fingerglieder zueinander, Finger zu Hand, Hand zu Arm, alles folgt dem goldenen Schnitt. Und auch die Körpergrösse wird nach dem goldenen Schnitt genau am Nabel geteilt.
Gemälde, die in den Proportionen des goldenen Schnitts gemalt sind, wirken natürlich und formvollendet.
Beispiele lassen sich zu tausenden in der klassischen Malerei finden: Ein Grossteil der Werke von Leonardo da Vinci („Der vitruvianische Mensch“ und die „Mona Lisa“, um nur die bekanntesten zu nennen), die „sixtinische Madonna“ oder „die Schule von Athen“ von Raffael und und und.
Neben dem goldenen Schnitt gibt es noch die sogenannte goldene Spirale.
Um sie zu erklären, müssen wir erst einmal wieder zurück zur Mathematik: Leonardo Fibonacci entdeckte eine unendliche Folge von Zahlen, die, ähnlich dem goldenen Schnitt sehr interessante und außergewöhnliche Eigenschaften aufweisen.
Der Aufbau ist höchst simpel: Jeweils die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen ergibt die unmittelbar danach folgende Zahl.
Fangen wir mit der 1 an, so haben wir nur eine Zahl, können also nichts miteinander addieren. Somit wäre die nächste Zahl wieder eine 1.
Jetzt haben wir zwei Zahlen, die wir miteinander addieren können 1 und 1. Die nächste Zahl wäre also die 2.
Danach addieren wir die 2 mit der (zweiten) 1 und erhalten die 3.
Dann die 3 mit der 2 ergibt 5 usw. Die Zahlenfolge sieht dann wie folgt aus: {1,1,2,3,5,8,13,21,34,55...}
Wenn man Muster in der Natur untersucht, so findet sich diese Zahlenfolge auch hier in unzähligen Erscheinungsformen wieder.
Die Art wie Blumen Blätter anordnen, die Anordnung von Samen in einer Sonnenblume, die Schuppenordnung von Tannenzapfen, die Anordnung der Stacheln von Kakteen, der Aufbau der Ananasfrucht. Die Liste ist endlos.
Wenn man aus der Zahlenfolge zwei aufeinanderfolgende Zahlen herausnimmt und die grössere mit der kleineren dividiert bekommt man einen Annäherungswert an die Zahl des goldenen Schnittes.
Je grösser die Zahlen, desto genauer das Ergebnis. 8 durch 5 ergibt 1,6. 13 durch 8 ergibt 1,625. 21 durch 13 ergibt 1,61538... usw.
Und aus den Zahlen der Fibonacci Folge kann man ein Muster aufbauen, indem man die Zahlen jeweils als Kantenlänge eines Quadrates interpretiert und so eine Spirale aufbaut.
Das erste Quadrat hat die Kantenlänge 1, ebenso das zweite. Das dritte hat die Kantenlänge 2, das vierte 3 usw.
Auch dieses Muster findet sich in der Natur auffällig oft wieder. Und zwar nicht bloss im Aufbau von Schneckenhäusern. Aber dazu später.
Diese mathematischen Konzepte haben immer wieder Einzug in Kunstwerke gehalten, darunter Dante Alighieri's „La Commedia“, die „Venus von Milo“ und viele andere.
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein überaus aktuelles nicht vorenthalten:
Das Lied Lateralus auf gleichnamigem Album von der Band Tool.
Das Schlagzeug, so wie der Gesang sind anhand der Fibunacci Zahlen aufgebaut. Die Silben des Textes sind so auf den Rhytmus aufgeteilt dass sie in aufsteigender und absteigender Weise dieser Zahlenreihe folgen.
Dieses Konzept zieht sich durch das Stück wie ein roter Faden.
Auch diese Textblöcke an sich folgen den Zahlen. Der erste Block wird wiederholt, bevor der zweite folgt (also 1,1,2).
Darüber hinaus gibt es auch im Text selber viele Dinge, die mit den Nummern in Zusammenhang stehen und auch dass der Gesang bei 1:37 Minuten anfängt ist kein Zufall.
Anders geschrieben fängt der Gesang bei 1,618 Minuten an. Da haben wir wieder den goldenen Schnitt.
Und es geht weiter und immer tiefer hinein. Aber das würde hier zu weit führen. Sollten Sie sich dafür interessieren, bemühen Sie doch einfach mal die Suchmaschine Ihres Vertrauens. ;-)
Die Kunst nutzt also bis heute gerne Phänomene, die sich auch in Spiralgalaxien und Wirbelstürmen wiederfinden lassen.
Die Theorie des Urknalls besagt, dass das physikalische Universum spiralförmig aus einem heißen, dichten Punkt entstanden ist, der als Sigularität bezeichnet wird.
Einige alte Religionen, wie zum Beispiel der Mahayana Bhuddismus (महायान mahāyāna in Sanskrit) beschreiben das Universum als Indra’s Netz von Juwelen, basierend auf einer noch älteren vedischen Lehre, was der Beschreibung der modernen Physik heutzutage sehr nahe kommt.
Es wird gerne mit einem Spinnennetz verglichen, das sich in alle Dimensionen ausdehnt. Das Netz besteht aus Tautropfen und in jedem dieser Tropfen sieht man die Reflektion aller anderen Tropfen.
Ähnlich heutigen Projektionen des Universums, in dem das kleinste Element noch das Muster des Ganzen enthält.
Ähnlich der Fraktale, die in den 80er Jahren von Benoît Mandelbrot entdeckt wurden.
Mathematische Gleichungen, deren Visualisierungen sich in einem gewissen Rahmen immer wiederholen, je weiter man einen beliebigen Ausschnitt vergrössert, aber auch immer wieder Veränderungen hervorbringen.
Alles ähnelt der kosmischen Spirale, oder dem Mikro- und Makrokosmos, wie wir sie aus der Physik kennen und deutet wieder auf den goldenen Schnitt, die Fibunacci Folge und die Spirale hin.
Und dieses Wissen ist tatsächlich nicht neu. Es ist lediglich durch moderne Technik, Methoden und Denkmodelle wiederentdeckt worden.
Fraktale Darstellungen finden sich weltweit an unzähligen Tempelanlagen wieder. Der goldene Schnitt und die goldene Spirale findet man in so ziemlich jedem historischen Kunstwerk wieder.
Das vorhin angesprochene Beispiel der alten indischen Religion, in der man Indra's Netz nicht nur zur Erklärung der Dinge, die wir sehen können, sondern auch zur Beschreibung des „leeren“ Raumes und der Verbindung durch ihn verwendet, findet sich so ähnlich auch in alten chinesischen Schriften wieder.
Das Qi (气 qì), das noch aus der Lehre des Daoismus stammt, beschreibt eine Energie, die die Dinge auf unsichtbare Weise miteinander verbindet.
Bis heute glaubt man in der chinesischen Medizin zum Beispiel, dass man berührungslos mit Hilfe dieser Energie Einfluss auf den Körper nehmen kann.
Indra's Netz oder auch das Qi (气 qì) ähneln dabei interessanterweise dem modernen Verständnis, mit dem wir heutzutage versuchen das Universum zu erklären.
Man geht heutzutage davon aus, dass auch der Raum zwischen den Planeten tatsächlich nicht einfach leer ist (das würde sich nämlich physikalisch nicht mit den messbaren Ausbreitungsparametern des Universums decken), sondern sagt ihm Eigenschaften nach, mit denen er tatsächlich die sichtbare Materie miteinander verbindet.
Die Rede ist hier von Antimaterie, dunkler Energie und anderem.
In der Schweiz an der Cern versucht man mit Hilfe des Large Hadron Collider diesem Aufbau weiter auf den Grund zu gehen.
So kann man angeblich seit kurzem das sogenannte Higgs-Teilchen nachweisen, das eines der fehlenden Puzzlestücke im modernen Verständnismodell des Universums war.
Sie sehen, wir kommen mit diesem Thema bereits einmal komplett um die ganze Welt und bewegen uns von Kunst, über Religion, Mathematik und Physik einmal durch alle Felder menschlichen Wissens.
Diese Zahlen haben also weit mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick den Anschein hat und es verwundert einmal mehr, weshalb unterschiedliche Kulturen rund um den Globus Wissen über sie hatten.
Diese Völker sollten eigentlich zu der Zeit, in der sie mit diesen Zahlen hantiert haben, noch nicht von der Existenz der anderen Kulturen wissen und trotzdem teilten sie offensichtlich Lehren, die selbst aus heutiger Sicht bahnbrechend und noch nicht wieder komplett erforscht sind.
Wer weiss, was uns die Zahlen in Zukunft noch alles verraten werden ?