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Buffer Overflow

Wer schon einmal auf chinesischen Webseiten war, egal ob auf den Seiten irgendwelcher Behörden, Einkaufsportalen oder irgend welchen anderen Seiten, der wird wahrscheinlich auch von der Fülle an Informationen erschlagen worden sein.
Man erleidet im übertragenden Sinne einen Buffer Overflow, so wie bei einem Computer, wenn über die eigentlichen Speicherplatzgrenzen hinaus geschrieben wird.
Es scheint fast so, als wolle man alle Informationen auf eine Seite packen um gar keine Unterseiten zu benutzen.
Schauen Sie sich einfach mal das Bild an: Ja, das ist nicht einfach Text das schwarze, jede Zeile ist ein Hyperlink.
Viele Leute haben ihre Meinung zu derartigen Webseiten bereits kund getan und es gibt sogar einige wissenschaftliche Arbeiten darüber, also fassen wir doch einmal kurz zusammen warum das eigentlich so ist:
Zuallererst fällt einmal auf, dass sich dieses Phänomen nicht bloss auf chinesische Webseiten bezieht.
Vielmehr findet man diesen Unterschied zwischen vielen asiatischen Webseiten, also chinesischen, japanischen und koreanischen (um nur ein paar zu nennen) und westlichen.
Die asiatischen folgen in grossen Teilen dem „überladenen“ Prinzip, während westliche Seiten (Europäische, Webseiten aus den USA und Australien) eher aufgeräumt und übersichtlich erscheinen.
„Warum fällt Australien jetzt in die Kathegorie westlich?“ werden Sie sich vielleich fragen.
Nun, das ist ganz einfach, denn der Grund warum sich die Webseiten so drastisch unterscheiden ist einfach ein kultureller.
Die westliche Kultur (aus Eropa kommend) hat sich weiter nach Nordamerika (USA) und auch Australien ausgebreitet und diese steht in vielen Dingen im krassen Gegensatz zur Asiatischen.
Dabei fällt schon im täglichen Leben in Asien auf, dass es überall für den gemeinen Europäer an Reizüberflutung grenzende Werbung gibt.
Die Strassen sind voll mit Schildern, Reklamen, Neonanzeigen, Laufschriften etc. Man kommt sich oft vor, als befände man sich mitten in einer Zeitung.
Im Restaurant genau das gleiche: Die Speisekarte gleicht einem Buch mit ihren vielen Einträgen.
Überall im täglichen, asiatischen Leben kann man ähnliche Phänomene erleben.
Es ist also nicht rein internetspeziefisch, sondern allgegenwärtig.
Und wo hat das ganze seinen Ursprung? Nun, Einige Forscher sind der Meinung, dass dies ein kultureller Unterschied ist, der die Denkweisen der Menschen über lange Zeiten beeinflusst hat.
Westler, um uns mal so zu nennen, denken demzufolge analytisch. Das heisst, sie konzentrieren sich auf einzelne Dinge und versuchen diesen so weit wie möglich auf den Grund zu gehen, während Asiaten holistisch denken, also Dinge in ihrem Umfeld sehen.
Als ich das zum ersten mal gehört habe, sind mir unzählige Ereignisse wieder in Erinnerung gekommen, die diese Sichtweise im alltäglichen Leben in China widerspiegeln.
Das Essen, das immer im Zusammenhang mit seiner medizinischen Wirkung, der Beschaffenheit, Farbe und in Beziehung zu den Gästen gesehen wird.
Oder die Wandlungsphasen aus dem yi jing, das wir in Artikel [[Alles in Bewegung]] besprochen haben, die sich ja nie im einzelnen, sondern immer nur im Zusammenhang mit den vorherigen, bzw. darauffolgenden Phasen beschreiben lassen.
Die Liste ist eigentlich unendlich, denn dies ist ein Prinzip, das die chinesische und auch andere asiatische Kulturen zu einem grossen Teil ausmacht.
Selbst in asiatischen Bildern gibt es oft keinen gezielten Fokus, wie in westlicher Malerei, sondern eine Vielzahl von Dingen, die gleichwertig nebeneinander die Aufmerksamkeit des Betrachters erfordern.
Somit ist es dann auch kein Wunder, dass Chinesen und andere Asiaten sich auf diesen, für unseren Geschmack überfrachteten Webseiten absolut Problemlos zurechtfinden können.
Denn wenn man sich die Zeit nimmt, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, sind die meisten durchaus strukturiert und logisch aufgebaut, lediglich die Fülle von gleichzeitig angepriesenen Informationen schreckt den Uneingeweihten ab (abgesehen von den fremden Zeichen, die die meisten Menschen grundsätzlich überfordern).
Aber es ist, so wie es immer ist: Man betrachtet die Dinge durch seine eigene kulturelle Brille und bildet sich so sein Urteil.
Dementsprechend finde ich es immer noch anstrengend mich durch asiatische Webseiten zu arbeiten um dort hin zu kommen, wo ich eingetlich hin möchte, Sprachkenntnisse hin oder her.

C#

C ist eine recht alte Programmiersprache.
Das einzige Manko das sie hatte war die fehlende Unterstützung für Objekte (objektorientiertes Programmieren ist ja bis heute noch der heisse Scheiss).
Somit wurde C++ entwicket. Abwärtskompatibel: Das bedeutet, dass Programme die in C geschrieben wurden auch noch weiter in einer C++ Umgebung laufen.
Aber anders als moderne Programmiersprachen muss man so wohl in C wie auch in C++ viele Dinge selber regeln: Speichermanagement und Verhalten bei Fehlern zum Beispiel.
Die beiden sind sogenannte Low-Level Programmiersprachen. Oder zumindest sind sie das bei einer bestimmten Betrachtungsweise.
Machmal zieht man den Trennstrich zwischen High- und Low-Level Programmiersprachen nämlich auch zwischen den vom Menschen lesbaren Sprachen, wozu alle drei gehören und auf der anderen Seite Assembler und Maschinencode (Wobei Assembler eingentlich auch vom Menschen lesbar ist, aber das ist wieder nur Haarspalterei).
Wichtig ist einfach, dass man bei C und C++ im Gegensaz zu C# viele Dinge selber erledigen muss, die höhere Programmiersprachen automatisch tun.
Das macht C und C++ auf der einen Seite recht bedienerunfreundlich, auf der anderen Seite aber extrem flexibel, weshalb sie bis heute noch eingesetzt werden um Betriebssysteme zu schreiben.
C# (gesprochen Si-Scharp) hat sich von C und C++ so weit weiterentwicket, dass man es eher zu den höheren Programmiersprachen wie Java, PHP oder Python zählt und nicht zu C oder C++.
Ein grosses C und seine Varianten also.
Ein anderes grosses C und seine Varianten das uns seit nunmehr zwei Jahren beschäftigt ist Corona.
Wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um uns davor zu schützen.
Wir Erwachsenen sind natürlich geimpft, zweitgeimpft, geboostert, re, contra, Schneider schwarz angesagt, leck auf!, spring durch!. Ist ja klar.
Und als der erste Fall im Kindergarten aufgetreten ist, haben wir unseren Sohn zu Hause gelassen.
So lange bis der Lollitest eingeführt wurde und die Kinder zweimal in der Woche auf Corona getestet wurden.
Als die Omikron Variante kam und die Fallzahlen immer höher stiegen, haben wir ihn wieder zu Hause gelassen.
„Bis nach Karneval" haben wir uns gesagt, wohl wissend, dass die Zeit ohne seine Freunde im Kindergarten auch für ihn sehr belastend ist.
Man kann als Elternteil leider keine richtigen Entscheidungen treffen.
Das denkt man sich immer wenn man als Aussenstehender über Kindererziehung nachdenkt.
Aber tatsächlich ist es so, dass man immer nur zwischen mehreren schlechten Alternativen die heraussuchen kann, die vermeintlich den geringsten Schaden anrichtet.
Langer Rede kurzer Sinn: Trotz all der Sicherheitsvorkehrungen, obwohl wir nicht in Urlaub waren, zwei Jahre lang eigentlich nur zu Hause rumgesessen haben und so gut wie gar keine Freunde gesehen haben (abgesehen von denen im Kindergarten), auf der Arbeit nur mit Maske unterwegs waren und auch sonst alle Hygieneregeln eingehalten haben, hat es uns jetzt erwischt.
Wir haben absolut keine Ahnung wann und wo.
Und zwar die ganze Famile. Unser Sohn hat es mit zwei Tagen Fieber recht locker wegesteckt, wir Erwachsenen müssen da noch durch.
Und soll ich Ihnen etwas verraten?
Es fühlt sich irgendwie an wie eine Befreiung. Wir haben die Omikron Variante oder C# (Si-Sharp), was immer sie wollen. C halt.
Zwei Jahre lang haben wir unser Leben verbogen um diesem Virus auf jeden Fall aus dem Weg zu gehen und jetzt ist es einfach trotzdem da.
Es hat bei uns, so weit wir das erkennen können, glücklicherweise keinen grösseren Schaden angerichtet und wir werden in Quarantäne bleiben, damit das auch für unser Umfeld so bleibt. Aber irgendwie bin ich erleichtert.
Wenn man die ganze Zeit dieses Thema vor Augen hat, dann ist es, obwohl man es eigentlich vermeiden möchte, doch eine Genugtuung zu erfahren, dass es dieses Virus wirklich gibt und man es sich auch einfangen kann.
Irgendwie ist dies jetzt wirklich erst die Bestätigung dass der ganze Aufwand vorher nicht sinnlos war, selbst wenn er jetzt mit der Infizierung ad absurdum geführt wurde.
Ist das nicht seltsam?
Verabschieden wir uns nun also von der Hoffnung dem Virus entgehen zu können und korrigieren unseren vernebelten Blick in so weit, dass es nicht darum geht ob man das Virus bekommt, sondern wann.
In unserem Fall nach drei Impfungen, also mit milden Symptomen (Wobei die mir persönlich völlig ausreichen. Vor allen Dingen die Kopfschmerzen machen mich fertig).
Und für die Kinder die nicht geimpft werden können, hoffen wir dass sie auf Grund ihres Alters keinen schwerwiegenden Verlauf bekommen.
Ich vermute mal dass mehr als die Hälfte der Kinder im Kindergarten bereits das grosse C gehabt hat. Oftmals ohne es überhaupt zu wissen.
Was ich mich persönlich jetzt frage: Wir sind dreifach geimpft und dann bald auch noch genesen.
Zu was macht uns das dann? Das müsste ja einem Kryptonit-Super-Sonder-Wunderschutz gleichkommen.
Ich denke, ich werde mich in Zukunft in der Telefonzelle umziehen müssen um diesem Status gerecht zu werden.
Zumindest so lange es nicht wieder eine neue Variante gibt (also in zwei Wochen oder so...)

Die Marktschreier von heute

Wenn ich die alten Posts in meinem Blog lese, wird mir wieder bewusst, wie anpassungsfähig der Mensch doch ist, bzw. wie sehr unsere Wahrnehmung von unserer Umwelt abhängt.
Ich erinnere mich noch daran dass es für mich komisch war wieder zurück nach Deutschland zu kommen, da alles irgendwie bekannt, aber doch ganz weit weg war.
Aber jetzt kann ich dieses Gefühl nicht mehr abrufen, es ist nur noch eine Erinnerung, fast so als würde sie jemandem anderen gehören.
Ich bin wieder ganz in das Leben in Deutschland eingetaucht und alles ist wieder normal und fühlt sich alternativlos an, obwohl ich genau weiß dass das nicht der Wahrheit entspricht.
Das jetzige Gefühl ist also quasi genau das gegenteilige Gefühl von dem, das ich hatte so lange ich in China gelebt habe und von dem ich in diesem Blog immer wieder erzählen wollte.
Es ist schon wieder viel Zeit vergangen und es hat sich nicht viel getan.
Wir können immer noch nicht wieder nach China reisen, Corona ist immer noch ein Thema und wir hoffen von Impfung zu Impfung um zumindest das Schlimmste abzuwenden.
Vor einigen Tagen war das Laba Fest (腊八 là bā), das wir ja noch aus dem Artikel [[Das Laba-Fest (腊八 là bā)]] kennen und bald ist wieder chinesisches Neujahr. Das Jahr des Tigers beginnt am 1. Februar 2022.
Alles was uns von China bleibt sind die Verbindungen über die sozialen Medien.
Was würden wir nur ohne sie tun? Ohne Videochat und öffentlicher Pinnwand.
Soziale Medien haben das Zusammenleben und die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb kürzester Zeit für einen grossen Teil der Menschen dramatisch verändert und gehören inzwischen zum guten Ton.
„Social Media ist wie Teenager-Sex. Jeder will es machen. Niemand weiss wirklich wie es geht. Und wenn man dann damit fertig ist, ist man überrascht, dass es nicht besser war“ (Quelle unbekannt).
Und wie es immer so ist bei Dingen die plötzlich populär sind, die Wirtschaft springt auf den Zug auf und macht alles wieder kaputt.
Heute wollen wir uns einmal ein Phänomen anschauen das bei uns immer drastischere Ausmaße annimmt, in China aber zweifelsfrei noch eine Spur schlimmer ist.
Und zwar die Werbung und wie sie Besitz ergriffen hat von Social Media Plattformen.
Der ursprüngliche Gedanke hinter den ganzen Social Media Apps war einmal die Kommunikation.
Eigentlich schon früh in den Anfangsphasen des Internet gab es Programme um sich mit anderen Menschen auszutauschen.
Von Infozeilen auf der Konsole über Emails und Chaträume gibt es inzwischen eine unüberschaubare Fülle an Programmen und Apps.
Ein unumstrittener Powerbooster war, nach etlichen ähnlichen Vorläufern dann Facebook.
Wer hier einen Account hat wird wissen, dass man sich zwischen geposteten Inhalten und untergeschobener Werbung inzwischen fühlt wie in einem Kaufhaus in dem man leise aber konstant mit zum kaufen animiert wird.
Aber auch die Postings und Reposts sind inzwischen, mal mehr, mal weniger unterschwellig, mit Werbebotschaften vollgepackt.
Anderen populären Plattformen wie Twitter, Instagram und wie sie alle heissen geht es da nicht besser.
Inzwischen wird Werbung auch gar nicht mehr von den Marken selber produziert, sondern von sogenannten Influencern (über Sinn und Unsinn dieser Bezeichnung könnte man auch wieder streiten) teilweise subtil, teilweise recht aggressiv unter die Leute gebracht.
So gibt es Bilder vom privaten Sonntagsausflug mit dem Fahrrad für die geneigten Leser (bzw. Follower) wo dann neben den Blumen im Haar und den drapierten Topfpflanzen am Strassenrand auch eine schick in Szene gesetzte Feinwaschmittelflache im Fahrradkorb ihr Debüt feiert.
Nichts funktioniert mehr ohne Werbung, könnte man meinen.
Aber wenn wir einmal ins Land der Mitte schauen, sind all diese Dinge bei uns noch vergleichsweise harmlos.
Eine der einflussreichsten Social Media Plattformen in China ist zweifellos WeChat (微信 wēi xìn).
Obwohl es inzwischen unzählige funktionen und Apps beherbergt, konzentrieren wir uns hier auf die ursprüngliche Chat App.
Menschen können sich gegenseitig zu ihren Freundeslisten hinzufügen und dann neben Textnachrichten auch Bilder und Videos austauschen, telefonieren und videotelefonieren (auch hier gibt es inzwischen noch mehr Funktionen, die sollen uns aber im Moment nicht stören).
Und eine wichtige Funktion neben dem Chat ist noch eine Art schwarzes Brett an dem man seine Bilder oder Videos, Links etc. posten kann, eine Art Mini-Webseite oder Blog wenn man so will.
Sie kennen das: Dies ist der Ort an dem die Leute ihr fotografiertes Essen oder den Ausblick aus dem Hotelzimmer der uninteressierten Masse unter die Nase reiben und verzweifelt auf Smilies, Daumen hoch und Gefällt mir Reaktionen warten.
Inzwischen ist es, gerade auf WeChat, zu einem regelrechten kleinen Marktplatz geworden.
Jeder will Obst direkt vom Erzeuger, Babymilchpulver, Faltencreme oder Glücksarmbänder unter die Leute bringen.
Somit ist eine ursprünglich nette Funktion zu etwas geworden was man sich überhaupt nicht mehr anschauen kann ohne dass das Bedürfnis aufkommt, gelangweilt weiterzuklicken.
Aber hin und wieder findet man dann doch noch die Bilder von alten Bekannten, die das Wochenende dazu genutzt haben eine Fahrradtour in die Aussenbezirke von Beijing zu unternehmen und sieht wer geheiratet oder Kinder bekommen hat.
Es ist nicht alles schlecht, man muss nur immer mehr suchen.

Le grand bleu

„Le grand bleu“ ist der Originaltitel des Films von Luc Besson, der in Deutschland unter dem Titel „Im Rausch der Tiefe“ bekannt ist.
Ein wesentlich besserer Titel, wie ich finde, denn nachdem man den Film gesehen hat, kommt einem die wirkliche Welt hinterher tatsächlich ziemlich unwirklich vor, da man fast zwei Stunden in einer blaugefärbten Welt verbracht hat und die echten Farben dann irgendwie seltsam anmuten.
Ähnlich der Anziehungskraft die die Meerestiefe auf den Protagonisten Jacques ausübt, so verändert auch dieser Film die Wahrnehmung des Zuschauers und lässt ihn kurz an der Echtheit der wirklichen Welt zweifeln.
Blau ist auch die Farbe der Zeit in der wir uns befinden. Seit es möglich ist Leuchtdioden blaues Licht zu entlocken, sind fast alle Elektrogeräte mit ihnen ausgestattet.
Wenn etwas schick und modern aussehen soll, dann muss es mindestens eine blaue LED besitzen.
Und auch im weltweiten Wortschatz hat sich einiges getan. Bluetooth, der Blauzahn (in Anlehnung an den dänischen König Harald Blåtand, übersetzt Harald Blauzahn) bezeichnet eine kabellose Computerschnittstelle die plattformübergreifend ihren Siegeszug vollzogen hat.
Und auch „Deep blue“ ist ein Begriff über die Grenzen der Computer Industrie hinaus geworden, als der IBM Computer mit diesem Namen 1996 erstmals den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow bezwungen hat.
Und es gibt noch unzählige weitere Beispiele. Wir wollen uns aber heute nur auf eines konzentrieren:
蔚蓝计划 (wè ilán jì huà), was übersetzt so viel wie „Projekt Himmelblau“ bedeutet.
Es wird gerne mit „Project deep blue“ übersetzt, was meines Erachtens sehr ungeschickt gewählt ist, gab es doch bereits den IBM Computer namens „Deep blue“, den wir eben erwähnt hatten.
蔚蓝计划 (wè ilán jì huà), das „Projekt Himmelblau“ ist ein Programm der chinesischen Social Media Plattform 新浪微博 (Xīn làng Wēi bó), die vergleichbar mit Facebook ist und dient dem löschen von ungewollten Kommentaren.
Es wird propagiert als Filter um pornografische und gewaltverherrlichende Kommentare aufzuspüren und zu eliminieren.
Das klingt erst einmal alles sehr nobel, betrachtet man es allerdings im Zusammenhang der allgegenwärtigen Internetzensur in China, kommt man nicht umhin in diesem Projekt ein potentielles Instrument zur gezielten Informationsmanipulation zu sehen.
Mit diesem Werkzeug lasen sich alle möglichen Informationen „bereinigen“ und gezielt Meinungen beeinflussen.
Es ist ein sehr schlauer Schachzug dieses Programm als Schutz der Jugend anzukündigen, schliesslich kann man unter diesem Banner, wenn jemand etwas dagegen hervorbringt, ihn sehr einfach denunzieren.
Dass diese Art von Kontrolle ein zweischneidiges Schwert ist, sollte uns in Deutschland spätestens seit der Rasterfahndung bekannt sein.
1979 als sie das erste mal zum Einsatz kam, gab es einen Aufschrei in der Bevölkerung, da man durch dieses Verfahren zwangsläufig erst einmal alle Menschen als potentielle Kriminelle einstuft. Ein Vorgehen das eigentlich der Unschuldsvermutung widerspricht auf der nicht weniger als unser gesamtes Justizsystem beruht.
Aber, wie wir inzwischen alle wissen, werden heutzutage private Verbindungsdaten durch die Internetanbieter zum Zweck einer möglichen Strafverfolgung gespeichert und etliche andere Daten auch.
Aber kommen wir zurück zu den „Säuberungsaktionen“ auf den Sozialen Netzwerken:
Auch bei uns werden nicht gewollte Beiträge gelöscht bzw. blockiert. Pornografie, gewaltverherrlichende Inhalte, rechtsradikales Gedankengut usw.
Das sind natürlich alles Dinge die auf jeden Fall ausgefiltert werden sollten. Bleibt einzig die Frage: Wo ziehen wir die Grenze?
Oder besser gefragt: Wer zieht die Grenze? Schliesslich kann auch ein Staat ein Interesse daran haben, dass gewisse Informationen nicht zugänglich sind und die Motivation kann durchaus moralisch bedenklich sein.
Ich denke, es ist immer ein guter Standpunkt, wenn man jedem misstraut, besonders wenn es sich um machtvolle Institutionen handelt.
Man sollte also die deutsche Obrigkeit ebenso kritisch unter die Lupe nehmen, wie man es in Europa gemeinhin mit der Chinesischen tut, eben aus dem Grund, weil wir sehen können was gerade in China passiert.
Die Versuchung ist gross, Verantwortung abzugeben und solche Dinge jemanden anderen erledigen zu lassen.
Aber schnell hat man sich in totale Abhängigkeit gebracht und bekommt eine alternative Version der Welt vorgespielt, in der man sich ganz leicht verlieren kann.
Es ist bereits heute schwer zu sagen wie tief wir schon drinstecken. Ich denke, dass es Zeit ist wieder aufzutauchen und Dinge transparenter zu gestalten. Wir müssen wissen wer, nach welchen Kriterien was filtert.
Wir wollen uns schliesslich nicht wie Jacques in den Tiefen verlieren in denen wir nicht überleben können.

Level 2 (Dornröschen)

Ich war gerade wieder in Beijing, habe meine Frau und meinen Sohn abgeholt und wir sind zusammen nach Deutschland geflogen.
Donnerstag hin und Sonntag mit allen wieder zurück. Ich komme mir vor, als ob ich mehr Zeit in der Luft verbracht hätte als auf dem Boden. Aber es war dann doch wieder genug Zeit um unter anderem den Mobilfunkvertrag zu kündigen, noch mal die Verwandtschaft abzuklappern, dies und das zu erledigen, mit der Familie essen zu gehen und mich bei der Polizei zu registrieren (für zwei Tage eigentlich völlig übertrieben, aber man weiss ja nie ob einem das vielleicht bei späteren Visaanträgen nach China zum Verhängnis werden könnte).
Aber das Wiedersehen war grandios. Vier Wochen von Frau und Kind getrennt, das ist schon hart.
Vorher ist viel passiert. Ich war vier Wochen, sozusagen als Vorhut, bereits in Deutschland und habe schon einmal alles vorbereitet (wie Sie aus Artikel [[Level 1]] bestimmt noch wissen), bin von Amt zu Amt gelaufen habe eine Wohnung gefunden etc.
Wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass ich in den vier Wochen neben der Arbeit nicht nur eine Wohnung gefunden habe, was jeder den ich vorher gefragt hatte als ein Ding der Unmöglichkeit beschrieben hat, sondern auch noch einen Kindergartenplatz direkt bei der neuen Wohnung knapp 100 Meter um die Ecke, dann werden mir einige Leser, die ihrerseits auf der Suche nach einem Kindergartenplatz sind, vermutlich direkt die Pest an den Hals wünschen.
Horrorgeschichten hört man von Leuten. Sie lassen sich auf die Wartelisten schreiben noch während sie schwanger sind und bekommen dann, wenn der oder die Kleine 3 Jahre alt ist immer noch keinen geeigneten Platz.
Nicht wenige müssen die Kleinen auch morgens erst einmal quer durch die Stadt fahren, weil sie in der Nähe der eigenen Wohnung keinen Platz bekommen haben.
Warum investiert Deutschland nicht nur ein einziges Mal in die Zukunft? Ich meine: Was könnte es wichtigeres geben als Kinder?
Und es sind nicht bloss die Kinder, auch sonst wird die Zukunft gerne verpasst. Zukunftsweisende Technologien werden regelmässig verschlafen und das obwohl deren Grundlagenforschung oft aus Deutschland kommt.
Erfindungen (wie zum Beispiel das MP3 Format, CD oder DVD Technik und ähnliches) werden so weit entwickelt, dass sie fast markttauglich sind und dann an amerikanische oder andere Firmen abgegeben, die damit die Welt verändern.
Deutschland verschläft gerne viele interessante Entwicklungen. Die Produkte kommen, nachdem sie in anderen Ländern erfolgreich waren, dann auch wieder nach Deutschland zurück. Meist wissen die Menschen nicht einmal, dass die Technik eigentlich in Deutschland entwickelt wurde.
Ich verstehe einfach nicht warum das so sein muss.
Hinzu kommt die Angst der Deutschen vor Neuerungen. Während sich Trends im Rest der Welt bereits etablieren, bleibt der gemeine Deutsche erst einmal skeptisch. „Warum braucht man das? Das hat bisher doch auch so funktioniert“. Sehr innovativ ;-) , aber so sind die Deutschen eben.
Das kann auf der einen Seite ein Schutzmechanismus sein, der uns davor bewahrt blindlings jedem Trend zu folgen, auf der anderen Seite ist es aber auch ein verlässlicher Mechanismus um uns von den aktuellen Neuerungen und Innovationen abzuschotten, was uns wirtschaftlich wie Oma und Opa aussehen lässt.
Den Trend des E-Autos haben die deutschen Automobilhersteller bereits allesamt verpasst. Sie haben sich wahrscheinlich noch nicht wieder von ihrem Supercoup mit der Abwrackpremie erholt und sind es inzwischen gewohnt auch ohne Bemühungen Geld zu verdienen.
Haben Chinesen bisher vorzugsweise deutsche Autos gekauft, da diese einen guten Ruf haben, sind es bei den elektrisch betriebenen Modellen fast ausschliesslich Chinesische Marken, da deren Technologie oft besser, in jedem Fall aber preiswerter ist.
Neulich erzählte mir irgendjemand ganz stolz, dass man die Elektro Tretrollen in Köln jetzt ganz bequem über eine App mieten kann. Dieser Trend ist in Beijing schon seit Jahren wieder out. Ich hatte den Tretrollen in dem Artikel [[Das moderne Einrad]] im Oktober 2016 bereits erwähnt und bin mir nicht sicher ob er da aus chinesischer Sicht überhaupt noch erwähnenswert war.
Man könnte manchmal meinen, Deutschland schliefe tief und fest und wartet, dass ein Prinz kommt, der es wach küsst. Aber dieser Prinz kommt nicht. Warum sollte er auch?