Besuchen Sie die Hauptseite smart-r.at oder die anderen Seiten von mir: Xcomix , rat rec.studio , arts onic , Emotion pink/dust und grau . Skip to content

Die Menge macht das Gift

Bananen sind auf Grund von Kaliumisotopen leicht radioaktiv. Man sollte also tunlichst darauf achten nicht zu viele zu essen, da die Strahlendosis sonst gefährlich werden könnte.
Aus diesem Grund sollten Sie nie mehr als 600 Bananen pro Sekunde zu sich nehmen. ;-)
Aber Spass bei Seite: Ob eine Substanz ein Gift oder eventuell sogar Medizin ist, hat natürlich in erheblichem Maße mit der Dosierung zu tun.
Eine Weisheit, die in westlicher, ebenso wie in chinesischer Arzneimittel-Medizin bekannt ist.
Die chinesische Arzneimitteltherapie (中药治疗 zhōng yào zhì liáo) ist neben Akkupunktur, Massage (siehe Artikel Bis es weh tut), Bewegungstherapie (siehe Artikel Immer wieder ein Kampf) und Ernährungslehre eine der fünf Säulen in der chinesischen Medizin.
Sie hat eine lange Geschichte und ist verwoben mit anderen Kulturen, deren medizinischen Kenntnisse ebenfalls weit zurückreichen wie die Indische, die Persische oder auch die Tibetische.
Letztere zählen einige Leute auch zur chinesischen Medizin, andere wiederum nicht. Das ist aber eine politische Klassifizierung und soll uns an dieser Stelle nicht kümmern. Interessant ist einzig, dass sie in einigen Bereichen ein wenig voneinander abweichen.
Gerade diese genannten Länder sind ja bekannt für ihr unerschöpfliches Wissen über pflanzliche Heilmittel.
Ein Wissen das in Europa spätestens mit den Hexenverbrennungen fast ausgelöscht worden ist. Gegen den übrig gebliebenen kleinen Rest so wie pflanzliche Präparate aus anderen Ländern hat die Pharmaindustrie ja immer wieder schon versucht anzukämpfen und diese vom deutschen und europäischen Markt ausschliessen zu lassen.
Mit Hilfe der „European Directive on Traditional Herbal Medicinal Products“ ist es dann passiert. Klassische Heilkräuter müssen eine Zulassung für den europäischen Markt bekommen bevor sie dort weiterhin als Heilmittel eingesetzt werden dürfen. So etwas ist teuer, das bedeutet dass sie in der Regel keine Zulassung bekommen.
Falls Sie sich also wundern, warum Kamillentee bei einem unruhigen Magen nicht mehr wirkt, fahren über die Grenzen der EU hinaus und trinken Sie ihn hier. Hier darf er noch offiziell heilen. ;-)
Chinesische traditionelle Heilmittel sind unter solchen Umständen auch schwer zu bewerten, da sie stets individuell auf den Patienten und seine derzeitige Situation abgestimmt und gemischt werden. Eine von der westlichen Medizin anerkannte Studie, wie welches Mittel tatsächlich wirkt, ist daher nur schwerlich durchzuführen.
In China hat sich das Wissen um die heilende Wirkung vieler verschiedener Substanzen im täglichen Leben bis heute erhalten. Selbst Gerichte, die man zu Hause oder im Restaurant zu sich nimmt werden nicht selten medizinisch klassifiziert.
Wenn man eine Erkältung hat, sollte man zum Beispiel kein Lammfleisch essen oder auch keine scharfen Speisen. Und es gibt selbstverständlich viele Dinge die für schwangere Frauen tabu sind.
Es gibt zu so ziemlich jeder Pflanze und jedem Tier so wie deren Bestandteilen eine Meinung ob es gut oder schlecht für die Manneskraft ist, wenn man sie vermehrt zu sich nimmt.
Und es gibt das Wissen um Kräuter die sich positiv auf Beschwerden im Alter auswirken usw. usw.
Viele der Mittel für oder gegen unzählige Symptome sind einfach ohne Rezept in der Apotheke zu bekommen, da sie meist rein pflanzlich und somit weitestgehend Nebeneffektfrei sind.
Lediglich 10% der Arzneimittel, die der klassischen chinesischen Medizin zuzurechnen sind, sind mineralischen oder tierischen Ursprungs.
Die Rezepturen werden anhand eines diagnostischen Gesprächs, auf das wir später noch zu sprechen kommen, individuell für den Patienten zusammengestellt.
In der Regel handelt es sich um eine Mischung, die aufgekocht werden muss und dann als eine Art Tee verabreicht werden kann.
Ich will Ihnen an dieser Stelle auch nicht verschweigen, dass diese Rezepte ausnahmslos widerlich schmecken. Der Charakter der Medizin zeigt sich ganz deutlich bereits im Geschmack.
Die chinesischen Ärzte haben in der Regel Wissen so wohl über westliche, als auch über chinesische Medizin und können aus einem wesentlich grösseren Fundus an Medizin schöpfen, als es ein vergleichbarer Doktor in Deutschland könnte.
Auch wenn die alternativen, meist pflanzlichen Mittel in der Regel sauer, bitter oder in anderer Weise unappetitlich schmecken, so kann man mit ihnen doch oft Probleme behandeln, ohne direkt neue, aus den Nebenwirkungen der Arznei resultierende, zu schaffen.
Ich würde mir ein wenig mehr Weitsicht in dieser Richtung auch in deutschen Praxen und Krankenhäusern wünschen.
Das Wissen um die chinesische Kräuterkunde geht auf die Schrift „Shennongs Klassiker der Kräuterheilkunde“ (神农本草经 shén nóng běn cǎo jīng) zurück.
Ein Buch, das angeblich von Meister Shennong (神农 shén nóng), einem mythischern Kulturhelden, der vor 5000 Jahren gelebt haben soll und der zu den drei Erhabenen zählt, zusammengestellt wurde.
Wann es tatsächlich fertiggestellt wurde, da schwanken die Quellen zwischen dem Ende der Westlichen Han Dynastie (9 v. Chr. oder davor) und dem Jahr 100 n. Chr.
Wie auch immer, die letzten Einträge in das Werk dürften auf jeden Fall knapp 2000 Jahre alt sein.
Über die Zeiten bis heute wurden immer wieder Substanzen entdeckt, trotzdem sagt man, dass ungefähr zwei Drittel aller bekannten Mittel seit mindestens eben genau diesen 2000 Jahren bekannt sind und angewandt werden.
Die chinesische Heilmittelmedizin geht Hand in Hand mit der chinesischen Diagnostik, bei der neben einem ausführlichen Gespräch Dinge wie der Puls und die Zunge von zentraler Bedeutung zur Erkennung von Beschwerden sind.
Die chinesische Diagnostik und die chinesische Heilmittelmedizin werden dabei nach dem „Yin und Yang Prinzip“ (阴阳 yīn yáng) angewandt: Anders als bei uns, wo man den Fokus auf das Problem legt und ein Mittel sucht, das dieses behebt, betrachtet man in der chinesischen Medinzin den Organismus immer als Ganzes.
Ausgehend davon, dass in einem gesunden Körper alle Kräfte im Gleichgewicht sind, versucht man bei einem Kranken das Ungleichgewicht zu entdecken und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dann kann laut chinesischer Medizin der Körper sich selber heilen.
Dabei werden mehrere Faktoren berücksichtigt, die ein Ungleichgewicht hervorrufen können: innere (z.B. Emotionen), äussere (z.B. das Klima, ein Unfall) und neutrale (z.B. falsche Ernährung).
Dass dieses Verfahren seine Grenzen hat, steht natürlich ausser Frage. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Knochenbruch derart zu behandeln.
Aber es kann unterstützend angewandt werden und es gibt natürlich unzählige andere Beschwerden, für die sich diese Art der Behandlung generell anbietet.
Man merkt aber auch, dass einige der Weisheiten nur bedingt funktionieren. Ich nehme, wie die meisten Ausländer, Unmengen kalter Getränke zu mir (auch wenn ich mir das Teetrinken angewöhnt habe, gerade im Sommer brauche ich etwas kaltes).
Zum Frühstück kalte Milch und den Tag über auf der Arbeit kaltes Wasser oder andere gekühlte Getränke. Laut chinesischer Ernährungsphilosophie müsste ich todkrank sein. Es lässt sich also nicht immer alles eins zu eins auf jeden Menschen übertragen (siehe Artikel Die kochen auch nur mit Wasser).
Wenn auch die meisten, so sind dennoch nicht alle medizinischen Substanzen einfache Blüten oder Blätter.
Für einen Ausländer immer wieder interessant sind die Auslagen in chinesischen Apotheken, in denen sich getrocknete Raupen oder Schuppenkriechtiere neben Vogelnestern und anderem undefinierbaren Krimskrams in Einmachgläsern dem staunenden Beobachter zur Schau stellen.
Ein besonders kurioses Fundstück ist der 冬虫​夏草 dōng chóng xià cǎo (chinesischer Raupenpilz). Es ist weder ein rein pflanzlicher Heilstoff, noch ein rein tierischer.
Der Raupenpilz ist unter anderem in den höheren Regionen in Tibet zu finden und befällt Raupen einer bestimmten Gattung, wenn sie Wurzeln fressen. Der Pilz wächst dann aus dem Organismus der Raupe hinaus und macht sie zu einem Teil von ihm. Dies ist nicht nur ein sehr kurioses, sondern auch ein recht kostspieliges Arzneimittel.
Deshalb verwundert es auch nicht weiter, dass er inzwischen vermehrt als exklusives Geschenk verwendet wird.
Er wird oft mit Huhn oder Ente zusammen gekocht um seine volle Wirkung entfalten zu können und soll kräftigend und aphrodisierend wirken und die Ausdauer der Libido positiv beeinflussen.
Darüber hinaus sagt man ihm nach er würde Beschwerden wie Lungen-, Leber- Nieren- und Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie Rückenschmerzen lindern und er sei gut zur Behandlung von Tumoren, Krebs und Viren.
Das lasse ich einfach mal unkommentiert so stehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich selber diese Arznei probieren werde um eine Meinung dazu zu haben geht gegen Null.
Aber andere Mittel, die aus dem grossen Fundus der traditionellen chinesischen Medizin stammen kann ich durchaus empfehlen (Sie erinnern sich sicher an den Artikel Kein Schnupfen ist so schlimm wie der eigene). In diesem Artikel sind die Präparate bereits als fertige Medizin verarbeitet, man braucht nichts aufzukochen und es sind auch keine individuell zusammengestellten Mischungen, sonder allgemein gültige für jedermann bei Allerweltsbeschwerden. Trotzdem handelt es sich um traditionelle chinesische Präparate.
Wenn man Deutschland und China und deren Arzneimittel direkt mit einander vergleicht, kommt man früher oder später zu der Frage „Warum gibt es in China so viel offensichtlich gut funktionierende, pflanzliche Präparate und in Deutschland nicht ?“
Nun, erst einmal hat die Heilmittel-Medizin in China eine sehr lange Tradition, in Deutschland nicht.
Wie gesagt, altes medizinisches Wissen wurde früher durch die katholische Kirche oft als Magie abgetan, verteufelt und ausgerottet. Weshalb viele Kräuterheilmittel in unseren Breitengraden heute nicht mehr bekannt sind.
In Deutschland ist man pflichtversichert und das gesamte System von Krankenkassen, über Ärzte und Pharmaindustrie ist ein eingespieltes System, das für jedermann in Deutschland gleich gut funktioniert.
Das ist in China anders. Menschen, die auf dem Land leben haben oft nicht nur nicht das Geld um sich entsprechend zu versichern, oft gibt es auch keine Versicherung für sie.
Versicherungsunternehmen versichern nämlich nur Menschen aus bestimmten Regionen. So sind viele alte Leute oft auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, wenn diese in Chinas Großstädte gezogen sind und die Möglichkeit haben die Eltern nachzuholen und eine Versicherung für sie abzuschliessen. Aber auch das ist nicht ganz so einfach, wie es sich anhört, da gibt es noch weitaus mehr Hürden, die genommen werden müssen.
Eine alte chinesische Weisheit besagt, dass man sich immer gut ernähren sollte, denn es ist der einzige Weg gesund zu bleiben, wenn man sich den Arzt nicht leisten kann.
Und hier kommt auch wieder die traditionelle chinesische Arzneimittel Medizin ins Spiel. Die meisten Mittel sind auch für Menschen erschwinglich, die sich einen Krankenhausbesuch nicht leisten können.
In einem Land, in dem die Kluft zwischen arm und reich so gross ist, wie in China ist dieses Konzept also unverzichtbar.

Schrödingers Katze

Als ich mich vor zwei Tagen in der Mittagspause auf dem Weg zu meinem favorisierten Schnellimbiss befand, kam ich wieder an einem kleinen Laden vorbei, der, wie gewohnt, seine Lautsprecher auch nach draussen auf die Strasse gerichtet hat um Kunden anzulocken.
Aber anstatt der sich endlos wiederholenden Produktansagen oder der chinesischen Popmusik, die üblicherweise aus den Boxen dröhnen, war ich dieses Mal umgeben von bekannten und versöhnlichen Klängen.
Es lief, in dezenter Lautstärke, das Stück „Hold on“ von Tom Waits.
Und da auch ich dieses Stück zu meinen persönlichen Favoriten zähle, lief mir trotz der Sommerhitze ein leichter Schauer über den Rücken. Dieser Tag war schon einmal gerettet. :-)
Leider sieht nicht jeder die Musik von Tom Waits, so wie ich es tue. Viele Leute mögen seine zugegeben etwas ungewöhnliche Stimme nicht und tun seine Stücke partout als Schund ab.
„So etwas ist doch keine Kunst. Das hört sich ja an wie ein kehlkopfkranker Hund.“
Nun, zumindest beim ersten Teil muss ich ihnen, wenn auch widerwillig, Recht geben, denn man kann nicht erzwingen, dass jeder die gleichen Dinge als Kunst ansieht.
Kunst entsteht ja, wie wir alle wissen, im Auge des Betrachters. Auch wenn einige Menschen das so nicht wahr haben wollen.
Es ist aber tatsächlich so, dass auch grosse Kunstwerke wie das Bild Guernica, eines der bekanntesten Werke Pablo Picassos, das 1937 entstanden ist, völlig unabhängig von ihrer Geschichte, Bedeutung und der Meinung der Kritiker, für einige Menschen persönlich einfach keine Kunst sind. Und das völlig unabhängig von der handwerklichen Qualität des Objekts.
Jeder Mensch entscheidet für sich selber ob es Kunst ist, oder auch wie er es interpretieren möchte.
Das ist ja gerade das Schöne. Der Künstler gibt eine Richtung vor, der man selber aber nicht zwangsläufig folgen muss. Und man kann seine Meinung natürlich auch jederzeit ändern (ein Phänomen, das im Zusammenspiel mit Jazzmusik und dem Alter des Zuhörers oft zu beobachten ist).
Mit diesem Wissen macht ein Besuch im Museum direkt doppelt so viel Spass. Das bedeutet nämlich, dass ich mir zu jedem Werk meine eigenen Gedanken machen kann, ohne dass es falsch ist, so wie es uns die Lehrer in der Schule früher immer einreden wollten.
Natürlich gibt es immer eine Hintergrundgeschichte zu jedem Kunstwerk. Aber die ist ja nicht bindend.
Wenn jemand „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli als Schweinkram ansieht, weil zu viel nackte Haut zu sehen ist, dann ist das einfach so.
Zugegeben, das ist eine ziemliche schräge Ansichtsweise, aber jeder entscheidet ja für sich selbst was Kunst oder auch was unanständig ist.
Die Gedanken sind frei“ ist ein noch weiter gefasster Spruch, der etwas ähnliches aussagt.
Ebenso wie Kunst im Auge des Betrachters entsteht, verhält es sich mit der Geschwindigkeit, wie wir spätestens seit Albert Einstein wissen.
Bewegt man sich in einem Zug in Fahrtrichtung, kommt einem die persönliche Geschwindigkeit genau so vor, als würde man auf der Strasse laufen, obwohl man die Geschwindigkeit des Zuges ja zu der eigenen hinzurechnen müsste.
Ein Trugschluss, auf dem viele Anhänger der „Flat Earth Society“ ihre Begründungen für angebliche Beweise bauen, dass die Erde eine Scheibe sei. Die Behauptung ist: „Wenn die Erde eine Kugel wäre und rotiert, dann dürften die Seen nicht still sein, sondern müssten auslaufen“.
Auch hier ist wieder der Trick den Zusammenhang zu sehen und die Bezugspunkte richtig zu setzen.
Natürlich hat Rotation grundsätzlich Einfluss auf Wasser. Der Vergleich mit dem Wasserglas hinkt aber, da sich hier der Gravitationspunkt ausserhalb des rotierenden Objektes befindet.
Aber auch hier gilt natürlich: „Die Gedanken sind frei“. Jeder Mensch darf so gebildet, naiv, schlau, unwissend sein wie er möchte (Er sollte dann aber bitte bei der Berufswahl Abstand von bestimmten Berufsgruppen wie Pilot oder ähnlichen nehmen).
Aber grundsätzlich kann man und sollte man Theorien hinterfragen. Dabei kommen teils recht aberwitzige Ideen zu Tage. So wie diese hier:
Wenn man davon ausgeht, dass ein Lebewesen, das gezüchtet wird (zum Beispiel als Zootier oder als Schlachtvieh) nicht realisiert, dass es zu einem bestimmten Zweck in einer unnatürlichen Umgebung aufwächst, dann ist es durchaus vorstellbar, dass wir (die Menschen) von den Pflanzen gezüchtet werden. Und zwar als Futter.
Sie ernähren uns, geben uns Sauerstoff und wenn wir ausgewachsen und „reif“ sind und endlich sterben, ernähren sie sich von uns. Alles eine Frage des Blickwinkels. ;-)
Aber zurück zum Thema: Was wir als Kunst, unanständig oder normal ansehen, hat erst einmal mit den persönlichen Vorlieben zu tun.
Diese sind allerdings auch nicht frei von Beeinflussung. Die Umwelt und in besonderem Maße die Kultur in der wir uns bewegen haben sehr grossen Einfluss auf deren Ausprägungen.
Ob wir Schimmelkäse mögen oder 100-jährige Eier (kennen wir ja noch aus dem Artikel da ist doch was faul), das ist eben nicht alleine die eigene Entscheidung, sondern auch abhängig von der kleinen Welt in der wir uns bewegen und deren Einfluss. Auch hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, es sind Vorlieben, Gewohnheiten und Erlerntes.
Genau so wie der unabdingbare Glaube, dass die Religion der man angehört die einzig richtige sei.
Immer wieder gerne werden auch politische Systeme miteinander verglichen so wie die Demokratie und der Kommunismus. Und jedes mal gleicht es einem Glaubenskrieg, wenn die Parteien sich gegenseitig versuchen zu überzeugen, welches System das bessere sei.
Vergessen wird dabei immer, dass jedes dieser Systeme für sich erst einmal ein wunderbares, theoretisches Konstrukt ist, in dem Menschen bestmöglich miteinander auskommen sollen.
Im richtigen Leben kommt dann leider die menschliche Komponente hinzu und es zeigt sich, dass sich in jedem dieser Systeme immer wieder die gleichen Probleme herauskristallieren.
Denn egal ob Demokratie, Kommunismus oder sonstige Gebilde, sie müssen in der wirklichen Welt mit marktwirtschaftlichen oder anderen Systemen in Einklang gebracht werden und das ist nicht immer problemlos möglich.
Es gibt immer einige wenige Menschen, die Sonderpositionen einnehmen können, was unweigerlich zu Problemen führt.
Ich bin kein grosser Freund von politischen Diskussionen, denn ich bin der Meinung, dass der Fokus hier vom Eigentlichen, dem Menschen selbst, nur abgelenkt wird. Politik mag notwendig, aber etwas schönes wird sie niemals sein (was natürlich auch nur wieder meine persönliche Meinung widerspiegelt).
Das liegt natürlich zu einem gewissen Teil auch daran, dass sie versuchen muss einheitliche Standards für unterschiedliche Menschen zu schaffen. Die Alternative wäre die Anarchie, die natürlich ihrerseits genau die gleichen Probleme hervorbringt: Einige Menschen, die Sonderpositionen besetzen.
Wie man es auch dreht und wendet, man kann zu jedem Thema Gutes und Schlechtes finden, entscheident ist eigentlich nur worauf man sich mehr konzentriert. Gut oder Schlecht, Kunst oder auch Nicht-Kunst, es ist alles relativ.
Die wirkliche Kunst besteht, ganz einfach gesagt, darin einen Mittelweg zu finden, mit dem der Grossteil der Betroffenen zufrieden ist. Und dann darf wieder jeder für sich selber entscheiden, was er davon hält. Eben so wie bei den Kunstobjekten.
Die Frage, ob ein Ojbekt Kunst ist, oder nicht, entscheidet sich, genau genommen immer dann, wenn sich jemand diese Frage stellt und sie für sich persönlich beantwortet.
„Ja, das ist Kunst“ oder „Das ist doch bloss Gekritzel“ oder ähnliches bestimmen dann individuell, genau in diesem Moment, ob es Kunst ist, oder eben nicht. Vorher ist es unbestimmt.
So wie Schrödingers Katze erst tot bzw. lebendig ist, nachdem man nachgeschaut hat. Vorher ist sie in einem unbestimmten Zustand.
Für alle, die mit Schrödingers Katze so nichts anfangen können: Es ist ein Gedankenexperiment aus der Physik von Erwin Schrödinger, das quantenmechanische Theorien, wie sie auf atomarer Ebene vermutet werden, auf unseren Alltag abbildet.
In einem geschlossenen Raum sollen sich eine Katze und ein instabiler Atomkern befinden, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt.
So bald der Atomkern zerfällt, würde ein Geigerzähler dies messen und ein Giftgas freisetzen, das die Katze tötet.
Das Problem ist nun folgendes: Kleine Teilchen, wie ein Elektron zum Beispiel befinden sich, so lange sie nicht gemessen werden auf Grund der Theorie der Quantenphysik in einer sogenannten Superposition, also einem unbestimmten Zustand, der es ihnen theoretisch erlaubt sich an unterschiedlichen Positionen gleichzeitig zu befinden.
Somit wäre auch der Atomkern, bevor wir nachsehen, also messen (deshalb der geschlossene Raum) gleichzeitig zerfallen und nicht zerfallen.
Die Apparatur würde also die Katze töten und nicht töten, die Katze wäre also tot und lebendig, was ja in unserer Welt mit den hier bestehenden physikalischen Gesetzen nicht in Einklang zu bringen ist.
Dieses Paradoxon veranschaulicht sehr schön, dass sich nicht alle physikalischen Theorien unbedingt miteinander verbinden lassen.
Aber lassen wir das physikalische Problem mal auf Seite, so ist es ein schönes Bild um zu zeigen, dass einige Dinge einfach unbestimmt sind, so lange bis man sie irgendwo einordnet.
Ein Objekt ist also ein Kunstwerk und auch kein Kunstwerk, so lange bis wir uns die Frage stellen: „ist das für mich Kunst ?“ So lange wir nicht nachfragen, bzw. nachschauen ist es wie es ist. Eben unbestimmt.
Ebenso verhält es sich auch mit Gewohnheiten oder kulturellen Vorlieben. Es ist gleichzeitig Kunst und nicht Kunst, oder tot und lebendig oder gleichzeitig Schimmelkäse und 100-järiges Ei.
Was können wir daraus also lernen ? Dass es immer mehr als eine Wahrheit gibt zum Beispiel. Dass es die eigene Position nicht schwächt, wenn man sich den Blickwinkel der anderen Partei einmal zu eigen macht, sondern vielmehr stärkt indem man die wirklich wichtigen Dinge von den Vorlieben und dem Erlernten trennen kann.
Und dass es für die Katze keinen grossen Unterschied macht, da sie ja eh sieben Leben hat (oder neun, je nach Quelle).

Crossover

Als die Band Skinny Puppy in den 80er Jahren rockige E-Gitarren in ihre elektronische Musik aufgenommen haben um einen bis dahin nicht gekannten Stil zu erschaffen, hat man von Crossover gesprochen. Die Vermischung eines Genres mit einem anderen.
Die Band D.R.I. hat sogar ein ganzes Album „Crossover“ benannt, um gleich klarzustellen, worum es sich handelt. Nämlich die Verschmelzung von Metal und Punk.
Und auch Alben wie „Solid Ether“ oder „Khmer“ von Nils Petter Molvær sind Crossover. Dieses Mal aus Jazz und Drum ‘n Bass.
Aber wenn man es genau nimmt, ist eigentlich alles Crossover. Bleiben wir einfach mal bei der Musik:
In den 50er Jahren hat sich aus einem Crossover von Countrymusik und Rhythm & Blues der Rock ’n’ Roll entwickelt.
Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Little Richard und wie sie alle heissen, haben diesen Stil geprägt.
Während der Rhythmus des Rock ’n’ Roll eher an den klassischen Jazz erinnert, hat sich daneben ein neues Genre herauskristallisiert, die Rockmusik.
Sie ist wiederum ein Crossover des Rock ’n’ Roll und lateinamerikanischer und europäischer Musik, da sie die Achtelnoten binär spielt.
Und aus der Rockmusik wiederum haben sich in den 60er Jahren die Beatmusik (bekannteste Vertreter die Beatles) und später dann auch andere, musikalisch teils sehr anspruchsvolle Genres entwickelt.
Wie The Jimi Hendrix Experience zum Beispiel, die wiederum Bands wie Led Zeppelin inspirierten, die ihrerseits wieder neue Einflüsse eingebracht haben, also ebenfalls wieder ein Crossover haben entstehen lassen.
In den 70er Jahren gab es bereits unzählige Stilrichtungen, die man noch grob in zwei übergeordnete Hauptrichtungen einteilen könnte:
Zum einen Genres wie Artrock, Glam Rock, Progressive Rock und Pop.
Wichtige Vertreter waren, neben vielen anderen, Pink Floyd, Queen oder David Bowie.
Auf der anderen Seite die rebellische Szene mit Genres wie Punk-Rock, Heavy-Metal und Hard Rock.
Zu nennen wären hier die Sex Pistols, Black Sabbath, AC/DC oder die Ramones.
Und alle diese Richtungen, die wir hier bereits aufgeführt haben sind natürlich Crossover Stile, die ein Ursprungsgenre unter Zuhilfenahme anderer Stilistischer Mittel wieder zu etwas neuem gemacht haben.
Aber es geht ja noch weiter. Jazz, Reggae und Soul haben Einzug in die Rockmusik gehalten, ebenso wie elektronische Instrumente, die durch Bands wie Pink Floyd und andere vermehrt genutzt wurden.
Aufbauend darauf haben Vorreiter wie Kraftwerk die Musik noch einmal in eine ganz andere Richtung gelenkt.
Vom Punk ging es in Richtungen wie Post Punk, wozu viele Leute Gruppen wie Joy Division und The Cure zählen, oder auch zum New Wave. Durch die Einflüsse Kraftwerks entstanden auch andere elektronische Musikrichtungen.
Bands wie Motörhead oder Metallica haben die Genres im Metal Bereich wieder etwas verändert und der grosse Crossover zwischen Rock und Pop, die sich bis dahin immer voneinander distanziert haben ist mit Gruppen wie Simple Minds oder U2 dann auch vollzogen worden.
In den 90er Jahren gab es dank Nirvana den Grunge, der Nährboden war für so schöne Bands wie Soundgarden, Pearl Jam oder die Smashing Pumpkins („American Gothic“ nannten sie selbst ihren Stil).
Dann ist der Crossover auch namentlich in Erscheinung getreten. Für Bands wie Rage Against the Machine und die Red Hot Chili Peppers hat man ihn ausgekramt und auch für kleine, neue Stile wie den Skatepunk (Suicidal Tendencies und R.K.L., um nur meine persönlichen Favoriten zu nennen).
Interessanterweise bezieht sich der Crossover in diesem Beispiel nicht ausschliesslich auf die Musik, sondern verbindet sie mit dem Skateboarden.
Und dann ist der Britpop ist ausgebrochen.
Ein Crossover aus britischer Pop- und Rockmusik der 60- und 70-Jahre, einigen anderen, kleinen Stilen und dem Alternative Rock.
Da ist so viel Crossover drin, das schreit schon nach einem neuen Genre: dem Cross-crsoss-cross-over. ;-)
Sie kennen all die Bands, ich will sie hier gar nicht alle aufführen.
Dann gab es wieder Bands, denen man ganz bewusst den Stempel des Crossover aufgedrückt hat wie Radiohead oder auch Nine Inch Nails, die Rockelemente verstärkt mit Elektronik und Samples verwendet haben.
Und später gab es noch ein Genre, dem man wieder bewusst den Namen Crossover verpasste. Langsam hatte sich dieser Begriff etabliert.
Diesmal der Crossover aus Metal und Hip-Hop (Linkin Park und andere).
Bands wie Slipknot und Korn wurden als Nu-Metal bezeichnet, weil sie sich durch neue Einflüsse wieder ein wenig weiterentwickelt haben und es geht ewig so weiter.
Viele Stile wie Ska, die ganzen Metal Stile, Funk und wie sie alle heissen mögen, haben wir nicht einmal erwähnt. Aber das macht gar nichts. Was zu zeigen war, ist einzig dass, wenn man es genau nimmt, alles Crossover ist.
Und so, wie es sich mit der Musik verhält, verhält es sich auch mit allem anderen.
Alles folgt seiner eigenen Evolution, eben so wie die Evolution selber.
In der Gastronomie zum Beispiel haben sich schon immer verschiedene lokale Stile vermischt und viele Menschen, die in andere Teile der Welt ausgewandert sind haben ihre Gerichte oft an die hiesigen Begebenheiten angepasst und neue Stile entstehen lassen.
Somit haben wir inzwischen nicht nur Pizza, Pasta oder Döner in unser Repertoire aufgenommen, sondern finden es auch ganz normal beim Chinesen essen zu gehen.
Viele dieser Gerichte weichen etwas von den Originalrezepten ab. So gibt es klare Unterschiede zwischen einer italienischen, einer deutschen oder auch einer amerikanischen Pizza.
Besonders fällt dieses Phänomen bei chinesischen Restaurants auf, die schon lange in Deutschland sind.
Während man heutzutage eher den Originalgeschmack sucht, den man auch im Urlaub erlebt hat, so haben die Chinesen die früh nach Deutschland gekommen sind (meist Hong-Kong Chinesen) ihre Gerichte an den lokalen deutschen Geschmack angepasst und wieder einen Crossover entstehen lassen.
Gerichte wie „Hähnchen süss-sauer“ sind in Deutschland weiter verbreitet als in China.
Bewusst damit geworben wurde eigentlich erst später. Es kamen Begriffe wie Fusion-Küche oder ähnliches auf, dabei sind gerade im kulinarischen Bereich solche Begriffe überflüssig, da sich Gerichte und Speisen schon immer von überall her haben beeinflussen lassen.
Da gibt es die Menschen, die ihre Bräuche aus entlegenen Gebieten mitbringen oder auch ein Wandel im Angebot der Lebensmittel.
Man denke nur einmal an die Kartoffel: Heutzutage ist sie aus der deutschen Küche nicht mehr wegzudenken.
Vor dem 16. Jahrhundert, bevor die Spanier sie nach Europa brachten, war sie hierzulande noch völlig unbekannt.
Man kann also viele der sogenannten deutschen Traditionsgerichte auch als Crossover bezeichnen, wenn man so möchte.
Ebenso wie die Europäer selber. Jahrhunderte in denen Völkerwanderungen, Kriege und Handelsbeziehungen die unterschiedlichen Volksgruppen Europas untereinander, aber auch mit anderen Menschen von ausserhalb haben verschmelzen lassen, haben ein Mischwerk an Menschen entstehen lassen, die alles andere als reinen Blutes sind, so wie die Nazis es einst für sich proklamiert haben. Wir sind alle Crossover.
Und ich denke genau darin besteht die Stärke in Europas. Vielfalt ist immer eine Voraussetzung für Innovation und fortschrittliches Denken.
Etwas, das europäischen Staaten und natürlich auch nicht zuletzt Deutschland immer nachgesagt wird.
Wenn man sich mit Chinesen unterhält und ihnen im Gespräch sagt, dass man Deutscher ist, bekommt man diese Punkte immer wieder zu hören. Das ist natürlich in erster Linie Schmeichelei um höflich zu sein, aber man sieht doch, dass es als Vorurteil sehr verbreitet ist.
Innovation und Verbesserung basieren auf Veränderung. Ein Thema das mir immer, wenn auch nur in einem bescheidenen kleinen Rahmen, bewusst wird, wenn ich auf den Verlauf meines eigenen Lebens schaue.
Immer wenn eine grosse Veränderung mein Leben durcheinander geworfen hat, hat sich daraus im Nachhinein alles zum Besseren entwickelt.
Die Dinge vor denen ich die meiste Angst hatte, haben sich immer wieder als Geschenke des Himmels herausgestellt.
Manchmal muss man eben dazu gezwungen werden sich zu verändern, damit das Leben lebenswert bleibt.
Sieht man Änderung, Crossover oder Adaption aus jugendlicher Sicht noch als etwas an das man unter allen Umständen vermeiden sollte, damit man original und man selbst bleibt, weiss man mit fortgeschrittenem Alter, dass es genau das ist, was das Leben eigentlich ausmacht.
Achten wir also darauf, dass es auch weiterhin so bleibt und sich viele unterschiedliche Ansichtsweisen zu sämtlichen Themen, ähnlich der Vielfalt in der Musik, weiterhin entwickeln können und seien wir immer offen für Veränderungen.

Der grosse Satz von Fermat

Der grosse Satz von Fermat ist einer der berühmtesten Sätze in der Mathematik.
Sie kennen vielleicht den Satz des Pythagoras. Dieser sagt, dass in einem rechtwinkligen Dreieck die Länge der kurzen Seite zum Quadrat plus die der mittellangen zum Quadrat gleich der Länge der längsten Seite zum Quadrat ist.
a2 + b2 = c2
Als Beispiel nehmen wir mal die Zahlen a = 3, b = 4 und c = 5.
Auf der einen Seite haben wir 32 = 9, 42 = 16, ergibt zusammen 25. Und auf der anderen Seite haben wir 52 ergibt ebenfalls 25.
Der grosse Satz von Fermat besagt nun, dass es keine natürlichen Zahlen ausser Null gibt, die diese Gleichung erfüllen, würde man Potenzen grösser als 2 nehmen. Also a3 + b3 = c3 oder a4 + b4 = c4 zum Beispiel.
Wenn man Zahlen für a, b und c einsetzt, kann man schnell nachvollziehen, dass dies wahrscheinlich korrekt ist.
Ich sage „wahrscheinlich“, da man absolute Gewissheit in der Mathematik nur über einen mathematisch einwandfreien Beweis erhalten kann. Und genau das beansprucht der grosse Satz von Fermat für sich.
Einziges Problem: Es gibt ihn nicht.
Sie haben richtig gehört. Einer der berühmtesten Sätze der Mathematik existiert gar nicht. Fermat hat einfach nur behauptet, er hätte einen Beweis gefunden.
Er hat als Randnotiz in der Arithmetica von Diophantos von Alexandria (dem damaligen Standardwerk der Mathematik) folgendes vermerkt: „... cujus rei demonstrationem mirabilem sane detexi. Hanc marginis exiguitas non caperet“.
Was übersetzt bedeutet: „... Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis entdeckt, doch ist dieser Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen“.
Wenn das nicht mal ein Geniestreich ist. Man behauptet etwas gefunden zu haben und geht damit in die Geschichte ein.
Heutzutage ist man sich einig, dass er sich wahrscheinlich geirrt hat.
Die Behauptung, dass es keine natürlichen Zahlen ausser Null gibt, die diese Gleichungen lösen können, ist erst später von Andrew Wiles tatsächlich bewiesen worden.
Dieser hat viele Jahre investiert und den Beweis nur über den Umweg einer zu Fermats Zeiten völlig unbekannten Theorie fundieren können (Der Modularitätssatz, früher Taniyama-Shimura-Vermutung genannt).
Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass Fermat einfach mal so einen, wie er sagt, „wunderbaren Beweis“ gefunden hat.
Er hat die Lorbeeren, zumindest für diesen Satz, wahrscheinlich gar nicht verdient. Aber wir wollen ihm mal unterstellen, dass er es nicht besser wusste.
Seitdem es Software gibt, die Textplagiate ausfindig machen kann (wird in der Regel von Lehrern eingesetzt um sicherzustellen, dass die Hausarbeiten der Schüler nicht aus dem Internet kopiert wurden) und man sie über grosse Werke der Literatur hat laufen lassen, ist man sich sicher, dass auch Shakespeare bei seinen Werken sich durch fremde Quellen mehr als nur hat inspirieren lassen.
Ein bisher unveröffentlichtes Dokument von George North aus dem Jahre 1576 namens „A Brief Discourse of Rebellion“ gibt Anlass zu der These, dass es die Quelle für mehr als 20 Monologe in Shakespeare-Stücken sein könnte.
Auch der bekannte englische Lyriker hat vielleicht nicht alle Lorbeeren verdient, die ihm zugedacht wurden. Was nicht heissen soll, dass er nicht trotzdem ein grosser Autor war, aber eben nicht alle Lorbeeren.
Ein ähnliches Thema, das in Zusammenhang mit China immer wieder zu hören ist sind Plagiate und Produktpiraterie.
Man produziert Kopien von Produkten und gibt sie als die eigenen aus. Auch hier beansprucht man einen Ruhm, den man nicht verdient. Es gibt inzwischen grosse, chinesische Firmen, die sich auf solche Dinge spezialisiert haben.
Es gibt solche, die vorgaukeln, sie wären die Originalfirma und solche, die das Produkt und den Firmennamen, Logo etc. minimal abwandeln (hatte ich im Artikel Original und Fälschung ja bereits von berichtet).
Dies ist ein Thema, das absolut nicht neu ist. Allerdings war es, wenn man das Rad der Zeit mal zurückdreht, in früheren Zeiten genau umgekehrt.
Erfindungen aus China wurden in Europa noch einmal erfunden. Wenn wir böse sind, stufen wir das auch als Produktpiraterie ein, wenn wir wohlwollend sind, sagen wir, dass diese Dinge vielleicht wirklich ohne Vorwissen noch einmal entdeckt wurden.
Johannes Gutenberg galt lange Zeit als der Erfinder des Buchdrucks. Das is so natürlich nicht ganz richtig.
Den Buchdruck gab es in Ostasien bereits lange vor Gutenberg. Damals wurden ganze Bücherseiten als Druckplatten hergestellt, Gutenberg hat dieses Verfahren dann verfeinert, indem er die einzelnen Buchstaben und Zeichen austauschbar machte.
Heutzutage sagt man, etwas spezieller gefasst, dass Johannes Gutenberg als Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern gilt.
Berthold Schwarz, ein Franziskaner Mönch aus dem 14. Jahrhundert, wurde lange Zeit nachgesagt, er habe das Schwarzpulver erfunden. Aber auch dies ist eine Erfindung aus China. Er hat die Wirkung dieses Stoffes also bestenfalls wiederentdeckt.
Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, galten lange Zeit als die Erfinder des Porzellans. Auch hier handelt es sich bestenfalls wieder um eine Wiederentdeckung von bereits entdecktem. Porzellan gab es in China schon lange Zeit bevor die beiden das sogenannte Meißner Porzellan entdeckten.
Und es gibt noch weitere Beispiele, aber das soll an dieser Stelle reichen.
Damals gab es natürlich noch keine weltweit gültigen Patente, die man auf seine Erfindungen anmelden konnte und das Kopieren wurde auch noch nicht so verteufelt, wie es heute getan wird.
Sind heutige Firmen oft abhängig von ihren Patenten, so war es in früheren Zeiten auch bei uns völlig normal, wenn man von jemandem kopiert wurde. Man wusste somit, dass sein Produkt nicht schlecht sein kann, wenn es wert ist kopiert zu werden.
In der Musik hat sich dieses Phänomen bis heute gehalten. Gerade in den 60er Jahren war es durchaus usus ein Stück eines anderen Künstlers neu aufzulegen, um somit auch seine Bewunderung auszudrücken.
Heutzutage gibt es vom Remake über Medley, Adaption, Paraphrase, Remix und Mashup viele unterschiedliche Kopien, die alle ein anderes Ziel verfolgen und es wird mit sogenannten Coverversionen oft mehr Geld verdient, als mit neuen Titeln.
In China hat sich bis heute eine Einstellung gegenüber Kopien in den Köpfen der Menschen erhalten, die diese Dinge im Licht der alten Meister und ihrer Schüler sieht.
In China lernt man durch kopieren. Der Schüler lernt die Kalligrafie durch monotones kopieren der Bewegungsabläufe, die sein Meister ihm vorgibt. Ein Maler, der ein Bild seines Meisters kopiert, ehrt diesen mit seinem neuen Werk.
Und auch in der Schule gibt es bis heute fast ausschliesslich Frontalunterricht. Der Lehrer sagt vor, die Klasse wiederholt.
Das geht noch auf das staatliche Schulsystem aus der Ming Dynastie (明朝 míng cháo) zurück. Um eine Laufbahn als Beamter einzuschlagen, war das Auswendiglernen der „Vier Bücher“ (四书, sì shū), der Lektüre der „Fünf Klassiker“ (五经, wǔjīng) zusammen mit einer Auswahl neokonfuzianischer Schriften Voraussetzung.
Und bis heute funktionieren chinesische Schulen in der Regel nach dem Prinzip „Auswendiglernen und wiederholen“ (oder kopieren, wenn man so will).
Mit diesem Denken aufgewachsen, ist es vielleicht nicht immer einfach den Unmut anderer Länder zu verstehen, wenn man ihre Produkte nachmacht.
Wobei man natürlich auch festhalten muss, dass diese Sichtweise immer wieder gerne vorgeschoben wird, um das Ansehen von Billigproduktionen zu schönen, deren einziger Zweck eine schnelle Marktübernahme durch Verdrängung teurerer Produkte (also auch der Originale) ist.
Aber es ist nun einmal, wie es ist. In den Köpfen vieler Leute in China sind Kopien etwas völlig normales.
Allerdings vergisst man bei der ganzen Debatte, die im Westen schnell in eine Diskussion über „die Chinesen“ und „die Anderen“ führt gerne, dass es nicht bloss die ausländischen Firmen sind, die unter den Billigkopien leiden, sondern im grossen Maße eben auch die chinesischen Konsumenten.
Inzwischen traut in China kaum noch jemand Produkten, die im eigenen Land hergestellt wurden. Und selbst wenn sie angeblich nicht von hier sind, ist man skeptisch, ob das tatsächlich stimmt.
Wer die Möglichkeit hat und es sich leisten kann, versucht Originalwaren aus anderen Ländern zu kaufen.
Was dann auch erklärt, warum Chinesen im Ausland einkaufen wie die Weltmeister (siehe Artikel Made in Germany).
Und es erklärt auch, warum chinesische Firmen versuchen dem Kunden weiszumachen, sie seien eine ausländische Firma (siehe Artikel Der falsche Thron).
Verrückte Welt.

Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich.

In Seoul (Süd Korea) ist es nicht selten, dass man versucht Leute auf der Strasse zum Christentum zu bekehren.
Ich war wieder kurz in Südkorea um dort die IT für unser Office vor Ort einzurichten, nachdem sie umgezogen sind.
Und bei der Fahrt im Taxi vom Flughafen zum Hotel ist es mir wieder einmal aufgefallen: Im Stadtbild von Seoul finden sich unglaublich viele, teils neonbeleuchtete Kreuze.
Das Symbol des Christentums findet sich überdurchschnittlich oft in dieser asiatischen Stadt wieder.
Nicht selten wurde auf ganz normale Wohnhäuser ein spitzer Turm mit gotischen Ornamenten gesetzt, dessen Spitze das Kreuz ziert. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier stünde tatsächlich eine alte gotische Kirche, deren Turm hinter den Bürogebäuden in den Himmel ragt.
Nirgendwo in Asien sieht man so viele Kreuze und das hat natürlich wieder mein Interesse geweckt.
Nach einer kurzen Recherche hat sich tatsächlich herausgestellt: Mit über 20% Anteil an den religiösen Gruppen in Korea ist der Katholizismus doch sehr ausgeprägt. Die Protestanten bringen es sogar auf über 34%. Damit sind diese beiden Gruppen neben dem Buddhismus und dem Konfuzianismus (den ich persönlich nicht als Religion, sondern als Philosophie einstufen würde) die mit 43% ganz klar Platz eins belegen, doch sehr weit verbreitet.
Interessanterweise ist der Katholizismus noch zur Zeit der drei streitenden Reiche aus China nach Korea gekommen.
Damals war die Christenverfolgung in Korea noch weit verbreitet, weshalb es heute im weltweiten vergleich Platz vier belegt, was die Anzahl der Heiligsprechungen angeht.
In China sieht das Bild ganz anders aus. Nicht nur, dass das Christentum nicht so weit verbreitet ist, sondern Angehörige einer religiösen Gemeinschaft überhaupt sucht man oft vergebens.
In China gibt es die Religionsfreiheit. Das bedeutet, dass jeder grundsätzlich an das glauben darf, was er will.
Soweit der offizielle Stand zum Glauben im allgemeinen. Wenn man allerdings einer religiösen Vereinigung beitreten möchte, muss man wissen, dass diese noch an etwas strengeren Standards gemessen werden.
Offiziell als Religionen anerkannt sind Buddhismus, Daoismus, Islam, Protestantismus und Katholizismus. Diesen darf man dann auch in einer Gemeinschaft beitreten.
Man sollte allerdings darauf achten, dass sich die religiösen Interessen der Glaubensgemeinschaft nicht aus Versehen mit denen der chinesischen Partei überschneiden, dann ist alles gut. Gewisse Themen sind eben heilig und es ist nicht erwünscht, sie in einem religiösen Kontext zu betrachten. ;-)
Offiziell heisst es: die Religion darf nicht zu konterrevolutionären Tätigkeiten missbraucht werden, durch die Religionsausübung darf die öffentliche Ordnung nicht gestört werden und die religiösen Aktivitäten dürfen nicht durch eine ausländische Macht kontrolliert werden.
Es gibt auch noch andere Gruppen, die zwar existieren, die aber offiziell nicht wahrgenommen werden. Juden in China zum Beispiel.
Sie machen eine Gruppe von geschätzten 2500 Menschen in China aus. Das sind einfach zu wenig, um in einem Land mit einer Bevölkerungszahl von über einer Milliarde Menschen überhaupt erwähnt zu werden.
Es ist also nicht so, dass grundsätzlich alle anderen Religionsgemeinschaften nicht erwünscht sind.
Aber die meisten Chinesen sind ja heutzutage eh religionslos. Ein Umstand, der natürlich eng mit der Kulturrevolution verwoben ist.
Dafür hat sich flächendeckend ein Volksglaube erhalten, der teils aus religiösen, teils aus nicht-religiösen Praktiken besteht, denen viele Menschen hier folgen, ohne tatsächlich einer Religion oder religiösen Organisation anzugehören.
Die Rede ist hier von ritueller Ahnenverehrung, Geisterglauben und Wahrsagerei.
Walnussarmbänder oder bunte, geflochtene Bändchen, die man am Handgelenk trägt sind durchaus keine Seltenheit. Und auch Talismane, Götter-, Geister- oder Dämonenstatuen, die auf dem Kühlschrank in der Büroküche stehen denen man ohne Unterlass frisches Obst, Schnaps und Räucherstäbchen opfert, sind immer wieder zu finden.
Opfergaben in Tempeln vor Prüfungen, für ein Gelingen im Job oder um für männlichen Nachwuchs zu bitten sind ebenfalls Dinge, die Chinesen überdurchschnittlich oft tun, ohne tatsächlich religiös zu sein.
Und selbst der Glaube an Geister, die uns in dieser Welt hin und wieder besuchen, gehören zum täglichen Leben vieler Menschen hier.
Wahrsagerei was Arbeits- oder Liebesleben angehen sind auch keine Seltenheit. Und die Bestimmung des perfekten Tages für die Hochzeit oder die Eröffnung des neuen Büros anhand eines glücksverheissenden Datums sind noch verbreiteter als alles andere zusammen und liegen immer in der Hand von Eingeweihten in die mystische Welt der Zahlenmagie. Da werden auch Sie als Ausländer nicht drumherum kommen. Gewöhnen Sie sich einfach daran.
Viele Überzeugungen gehen auch noch mit alten Wissenschaften einher, so wie die von mir immer wieder zitierte Kraft des Qi (气 qì), die in der chinesischen Medizin über den Körper hinaus wirken kann.
Gelebte Traditionen wie das Schmücken der Haustüre mit Glücks- oder Schutzsymbolen (zum Beispiel zum Frühlingsfest), die bunten Bänder, die die Kinder schützen zum Drachenbootfest und viele andere Dinge werden in China richtig gelebt.
Fragt man die Chinesen, ob sie tatsächlich an die guten oder bösen Omen glauben, bekommt man als Antwort, dass alles eher pragmatisch, als Tradition angesehen wird.
Wenn man allerdings diese Traditionen nicht richtig anwendet, oder ganz aussen vor lässt, merkt man doch schnell wie alle plötzlich nervös werden und schnellstmöglich alles wieder ins Reine bringen wollen (man glaubt zwar nicht wirklich dran, aber man kann ja nie wissen...).
Ein besonders schöner Brauch ist der des Tee Talismans. Im Artikel Abwarten und Tee trinken hatte ich ja bereits kurz die chinesische Teezeremonie vorgestellt.
Dazu kann man sich auch noch einen Tee Talisman kaufen. Eine kleine Figur, meist ein Drache, eine Schildkröte oder eine Buddha- bzw. Mönchsfigur, die man in seinen täglichen Tagesablauf mit einbezieht und beim Aufbrühen des Tees übergiesst um sie wohlwollend zu stimmen (sollte ich mir vielleicht auch noch zulegen. Bringt vielleicht Glück, man kann ja nie wissen... ;-) ).
Der Ausspruch „Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich“ stammt übrigens von dem französische Schriftsteller Victor Hugo und heisst im Original „croire est difficile, ne pas croire est impossible“.
Zugegeben, er ist hier etwas aus dem Zusammenhang gerissen, da er ein Auszug aus einem Text ist, nicht einfach nur ein Sinnspruch, aber er passt hier gerade sehr schön.
道篇 道德经 第一章 道可道,非常道。名可名,非常名。 无名天地之始;有名万物之母。 故常无欲以观其妙;常有欲以观其徼。 此两者同出而异名,同谓之玄,玄之又玄,众妙之门。 第二章 天下皆知美之为美,斯恶已;皆知善之为善,斯不善已。 故有无相生,难易相成,长短相形,高下相倾,音声相和,前后相随。 是以圣人处无为之事,行不言之教。 万物作焉而不辞,生而不有,为而不恃,功成而弗居。夫唯弗居,是以不去。 第三章 不尚贤,使民不争。 不贵难得之货,使民不为盗。 不见可欲,使民心不乱。 是以圣人之治, 虚其心,实其腹;弱其志,强其骨。 常使民无知无欲,使夫知者不敢为也。 为无为,则无不治。 第四章 道冲而用之,或不盈。 渊兮似万物之宗。 挫其锐,解其纷,和其光,同其尘。 湛兮似或存。 吾不知谁之子,象帝之先。 第五章 天地不仁,以万物为刍狗。 圣人不仁,以百姓为刍狗。 天地之间,其犹橐龠乎? 虚而不屈,动而愈出。 多言数穷,不如守中。 第六章 谷神不死,是谓玄牝。 玄牝之门,是谓天地根。 绵绵若存,用之不勤。 第七章 天长地久。 天地所以能长且久者,以其不自生,故能长生。 是以圣人后其身而身先,外其身而身存。 非以其无私邪故能成其私。 第八章 上善若水。 水善利万物而不争,处众人之所恶,故几于道。 居善地,心善渊,与善仁,言善信,政善治,事善能,动善时。 夫唯不争,故无尤。 第九章 持而盈之,不如其已;揣而锐之,不可长保。 金玉满堂,莫之能守;富贵而骄,自遗其咎。 功成名遂身退,天之道。 第十章 载营魄抱一,能无离乎? 专气致柔,能婴儿乎? 涤除玄览,能无疵乎? 爱民治国,能无为乎? 天门开阖,能为雌乎? 明白四达,能无知乎? 生之,畜之,生而不有,为而不恃,长而不宰,是谓玄德。 第十一章 三十辐共一毂,当其无,有车之用。 埏埴以为器,当其无,有器之用。 凿户牖以为室,当其无,有室之用。 故有之以为利,无之以为用。 第十二章 五色令人目盲;五音令人耳聋;五味令人口爽;驰骋畋猎,令人心发狂;难得之货,令人行妨。 是以圣人为腹不为目,故去彼取此。 第十三章 宠辱若惊,贵大患若身。 何谓宠辱若惊?宠为下,得之若惊,失之若惊,是谓宠辱若惊。 何谓贵大患若身?吾所以有大患者,为吾有身,及吾无身,吾有何患? 故贵以身为天下,若可寄天下。 爱以身为天下,若可托天下。 第十四章 视之不见,名曰夷;听之不闻,名曰希;搏之不得,名曰微。 此三者,不可致诘,故混而为一。 其上不皦,其下不昧。 绳绳不可名,复归于无物。 是谓无状之状,无物之象,是谓惚恍。 迎之不见其首,随之不见其后。 执古之道,以御今之有。 能知古始,是谓道纪。 第十五章 古之善为士者,微妙玄通,深不可识。 夫唯不可识,故强为之容: 豫兮若冬涉川;犹兮若畏四邻;俨兮其若客;涣兮若冰之将释;敦兮其若朴;旷兮其若谷;浑兮其若浊。 孰能浊以静之徐清?孰能安以久动之徐生? 保此道者不欲盈。 夫唯不盈,故能蔽不新成。 第十六章 致虚极,守静笃。 万物并作,吾以观其复。 夫物芸芸,各复归其根。 归根曰静,静曰复命。 复命曰常,知常曰明。 不知常,妄作凶。 知常容,容乃公,公乃王,王乃天,天乃道,道乃久,殁身不殆。 第十七章 太上,下知有之;其次,亲之誉之;其次,畏之;其次,侮之。 信不足焉,有不信焉。 犹兮其贵言。 功成事遂,百姓皆谓:我自然。 第十八章 大道废,有仁义; 智慧出,有大伪; 六亲不和,有孝慈; 国家昏乱,有忠臣。 第十九章 绝圣弃智,民利百倍; 绝仁弃义,民复孝慈; 绝巧弃利,盗贼无有。 此三者以为文不足。 故令有所属:见素抱朴,少私寡欲,绝学无忧。 第二十章 唯之与阿,相去几何? 善之与恶 ,相去若何? 人之所畏,不可不畏。 荒兮,其未央哉! 众人熙熙,如享太牢,如春登台。 我独泊兮,其未兆,如婴儿之未孩。 乘乘兮,若无所归。 众人皆有余,而我独若遗。 我愚人之心也哉,沌沌兮! 俗人昭昭,我独昏昏;俗人察察,我独闷闷。 澹兮其若海,飂兮若无止。 众人皆有以,而我独顽似鄙。 我独异于人,而贵求食于母。 第二十一章 孔德之容,惟道是从。道之为物,惟恍惟惚。 惚兮恍兮,其中有象;恍兮惚兮,其中有物;窈兮冥兮,其中有精。 其精甚真,其中有信。 自古及今,其名不去,以阅众甫。 吾何以知众甫之状哉?以此。 第二十二章 曲则全,枉则直,洼则盈,敝则新,少则得,多则惑。 是以圣人抱一为天下式。 不自见,故明;不自是,故彰;不自伐,故有功;不自矜,故长。 夫唯不争,故天下莫能与之争。 古之所谓曲则全者,岂虚言哉?诚全而归之。 第二十三章 希言自然。 故飘风不终朝,骤雨不终日。 孰为此者?天地。 天地尚不能久,而况于人乎? 故从事于道者,道者同于道;德者,同于德;失者,同于失。 同于道者,道亦乐得之;同于德者,德亦乐得之;同于失者,失亦乐得之; 信不足焉,有不信焉。 第二十四章 跂者不立,跨者不行。 自见者不明;自是者不彰;自伐者无功;自矜者不长。 其在道也,曰余食赘形。 物或恶之,故有道者不处。 第二十五章 有物混成,先天地生。 寂兮寥兮,独立而不改,周行而不殆,可以为天下母。 吾不知其名,字之曰道,强为之名曰大。 大曰逝,逝曰远,远曰反。 故道大,天大,地大,王亦大。 域中有四大,而王居其一焉。 人法地,地法天,天法道,道法自然。 第二十六章 重为轻根,静为躁君。 是以圣人终日行不离辎重,虽有荣观,燕处超然。 奈何万乘之主,而以身轻天下? 轻则失根,躁则失君。 第二十七章 善行无辙迹; 善言无瑕谪; 善数不用筹策; 善闭无关楗而不可开; 善结无绳约而不可解。 是以圣人常善救人,故无弃人;常善救物,故无弃物。 是谓袭明。 故善人者,不善人之师;不善人者,善人之资。 不贵其师,不爱其资,虽智大迷,是谓要妙。 第二十八章 知其雄,守其雌,为天下谿。 为天下谿,常德不离,复归于婴儿。 知其白,守其黑,为天下式。 为天下式,常德不忒,复归於无极。 知其荣,守其辱,为天下谷。 为天下谷,常德乃足,复归于朴。 朴散则为器,圣人用之,则为官长。 故大制不割。 第二十九章 将欲取天下而为之,吾见其不得已。 天下神器,不可为也。 为者败之,执者失之。 故物或行或随;或嘘或吹;或强或羸;或载或隳。 是以圣人去甚,去奢,去泰。 第三十章 以道佐人主者,不以兵强天下,其事好还。 师之所处,荆棘生焉。 大军之后,必有凶年。 故善者果而已,不敢以取强。 果而勿矜,果而勿伐,果而勿骄,果而不得已,果而勿强。 物壮则老,是谓不道,不道早已。 第三十一章 夫兵者,不祥之器,物或恶之,故有道者不处。 君子居则贵左,用兵则贵右。 兵者,不祥之器,非君子之器,不得已而用之,恬淡为上。 胜而不美,而美之者,是乐杀人。 夫乐杀人者,不可得志于天下矣。 吉事尚左,凶事尚右。 偏将军居左,上将军居右。 言居上势则以丧礼处之。 杀人众多,以悲哀泣之。 战胜,以丧礼处之。 第三十二章 道常无名,朴虽小,天下不敢臣。 侯王若能守,万物将自宾。 天地相合,以降甘露,人莫之令而自均。 始制有名,名亦既有,夫亦将知止,知止可以不殆。 譬道之在天下,犹川谷之于江海。 第三十三章 知人者智,自知者明。 胜人者有力,自胜者强。 知足者富,强行者有志, 不失其所者久,死而不亡者寿。 第三十四章 大道泛兮,其可左右。 万物恃之以生而不辞,功成不名有。 衣养万物而不为主,常无欲,可名于小; 万物归焉而不为主,可名为大。 是以圣人终不自为大,故能成其大。 第三十五章 执大象,天下往。往而不害,安平泰。 乐与饵,过客止。 道之出口,淡乎其无味,视之不足见,听之不足闻,用之不可既。 第三十六章 将欲歙之,必固张之;将欲弱之,必固强之;将欲废之,必固兴之;将欲夺之,必固与之。 是谓微明。 柔弱胜刚强。 鱼不可脱于渊,国之利器不可以示人。 第三十七章 道常无为而无不为。 侯王若能守之,万物将自化。 化而欲作,吾将镇之以无名之朴。 无名之朴,夫亦将不欲。 不欲以静,天下将自定。 德篇 第三十八章 上德不德,是以有德;下德不失德,是以无德。 上德无为而无以为;下德为之而有以为。 上仁为之而无以为。 上义为之而有以为。 上礼为之而莫之应,则攘臂而扔之。 故失道而后德,失德而后仁,失仁而后义,失义而后礼。 夫礼者,忠信之薄,而乱之首。 前识者,道之华,而愚之始。 是以大丈夫处其厚,不居其薄;处其实,不居其华。 故去彼取此。 第三十九章 昔之得一者: 天得一以清;地得一以宁;神得一以灵;谷得一以盈;万物得一以生;侯王得一以为天下贞。 其致之一也。 天无以清将恐裂; 地无以宁将恐废; 神无以灵将恐歇; 谷无以盈将恐竭; 万物无以生将恐灭; 侯王无以贵高将恐蹶。 故贵以贱为本,高以下为基。 是以侯王自谓孤、寡、不榖。 此其以贱为本耶,非乎?故致数舆无舆。 不欲琭琭如玉,珞珞如石。 第四十章 反者道之动,弱者道之用。 天下万物生于有,有生于无。 第四十一章 上士闻道,勤而行之;中士闻道,若存若亡;下士闻道,大笑之。 不笑不足以为道。 故建言有之: 明道若昧;进道若退;夷道若纇。 上德若谷;大白若辱;广德若不足;建德若偷;质真若渝。 大方无隅;大器晚成;大音希声;大象无形;道隐无名。 夫唯道,善贷且成。 第四十二章 道生一,一生二,二生三,三生万物。 万物负阴而抱阳,冲气以为和。 人之所恶,唯孤、寡、不榖,而王公以为称。 故物或损之而益,或益之而损。 人之所教,我亦教之。 强梁者不得其死,吾将以为教父。 第四十三章 天下之至柔,驰骋天下之至坚。 无有入无间,吾是以知无为之有益。 不言之教,无为之益,天下希及之。 第四十四章 名与身孰亲? 身与货孰多? 得与亡孰病? 是故甚爱必大费;多藏必厚亡。 知足不辱,知止不殆,可以长久。 第四十五章 大成若缺,其用不弊。 大盈若冲,其用不穷。 大直若屈,大巧若拙,大辩若讷。 躁胜寒,静胜热。 清静为天下正。 第四十六章 天下有道,却走马以粪;天下无道,戎马生于郊。 罪莫大于可欲;祸莫大于不知足;咎莫大于欲得。 故知足之足,常足矣。 第四十七章 不出户,知天下;不窥牖,见天道。 其出弥远,其知弥少。 是以圣人不行而知,不见而名,不为而成。 第四十八章 为学日益,为道日损。 损之又损,以至于无为,无为而无不为。 取天下常以无事,及其有事,不足以取天下。 第四十九章 圣人无常心,以百姓心为心。 善者吾善之,不善者吾亦善之,德善。 信者吾信之,不信者吾亦信之,德信。 圣人之在天下,惵惵为天下浑其心,百姓皆注其耳目,圣人皆孩之。 第五十章 出生入死。 生之徒十有三;死之徒十有三;人之生动之死地,亦十有三。 夫何故?以其生生之厚。 盖闻善摄生者,陆行不遇兕虎,入军不被甲兵。 兕无所投其角,虎无所措其爪,兵无所容其刃。 夫何故?以其无死地。 第五十一章 道生之,德蓄(畜)之,物形之,势成之,是以万物莫不尊道而贵德。 道之尊,德之贵,夫莫之命而常自然。 故道生之,德畜之。长之育之,成之熟之,养之覆之。 生而不有,为而不恃,长而不宰,是谓玄德。 第五十二章 天下有始,以为天下母。 既得其母,以知其子;既知其子,复守其母,没身不殆。 塞其兑,闭其门,终身不勤;开其兑,济其事,终身不救。 见小曰明,守柔曰强。 用其光,复归其明,无遗身殃,是谓袭常。 第五十三章 使我介然有知,行于大道,唯施是畏。 大道甚夷,而民好径。 朝甚除,田甚芜,仓甚虚;服文彩,带利剑,厌饮食,财货有余。 是为盗夸,非道也哉﹗ 第五十四章 善建者不拔,善抱者不脱,子孙祭祀不辍。 修之于身,其德乃真; 修之于家,其德乃余; 修之于乡,其德乃长; 修之于国,其德乃丰; 修之于天下,其德乃普。 故以身观身,以家观家,以乡观乡,以国观国,以天下观天下。 吾何以知天下然哉?以此。 第五十五章 含德之厚,比于赤子。 毒虫不螫,猛兽不据,攫鸟不搏。 骨弱筋柔而握固,未知牝牡之合而朘作,精之至也。 终日号而不嗄,和之至也。 知和曰常,知常曰明。 益生曰祥,心使气曰强。 物壮则老,谓之不道,不道早已。 第五十六章 知者不言,言者不知。 塞其兑,闭其门。 挫其锐,解其纷,和其光,同其尘,是谓玄同。 故不可得而亲,不可得而疏; 不可得而利,不可得而害; 不可得而贵,不可得而贱。 故为天下贵。 第五十七章 以正治国,以奇用兵,以无事取天下。 吾何以知其然哉?以此: 天下多忌讳,而民弥贫;民多利器,国家滋昏;人多伎巧,奇物滋起;法令滋彰,盗贼多有。 故圣人云: “我无为而民自化;我好静而民自正; 我无事而民自富;我无欲而民自朴。" 第五十八章 其政闷闷,其民淳淳;其政察察,其民缺缺。 祸兮福所倚;福兮祸所伏。孰知其极? 其无正邪?正复为奇,善复为妖。 人之迷,其日固久。 是以圣人方而不割,廉而不刿,直而不肆,光而不耀。 第五十九章 治人事天莫若啬。 夫唯啬,是谓早服,早服谓之重积德。 重积德则无不克,无不克则莫知其极,莫知其极,可以有国。 有国之母,可以长久。 是谓深根固柢,长生久视之道。 第六十章 治大国若烹小鲜。 以道莅天下,其鬼不神。 非其鬼不神,其神不伤人。 非其神不伤人,圣人亦不伤人。 夫两不相伤,故德交归焉。 第六十一章 大国者下流,天下之交,天下之牝。 牝常以静胜牡,以静为下。 故大国以下小国,则取小国;小国以下大国,则取大国。 故或下以取,或下而取。 大国不过欲兼畜人,小国不过欲入事人。 夫两者各得其所欲,故大者宜为下。 第六十二章 道者,万物之奥,善人之宝,不善人之所保。 美言可以市,尊行可以加人。 人之不善,何弃之有? 故立天子,置三公,虽有拱璧以先驷马,不如坐进此道。 古之所以贵此道者何? 不曰:求以得,有罪以免邪?故为天下贵。 第六十三章 为无为,事无事,味无味。 大小多少,报怨以德。 图难于其易,为大于其细。 天下难事,必作于易;天下大事,必作于细。 是以圣人终不为大,故能成其大。 夫轻诺必寡信,多易必多难。 是以圣人犹难之,故终无难矣。 第六十四章 其安易持,其未兆易谋;其脆易破,其微易散。 为之于未有,治之于未乱。 合抱之木,生于毫末;九层之台,起于累土;千里之行,始于足下。 为者败之,执者失之。 是以圣人无为,故无败;无执,故无失。 民之从事,常于几成而败之,慎终如始,则无败事。 是以圣人欲不欲,不贵难得之货;学不学,复众人之所过。 以辅万物之自然,而不敢为。 第六十五章 古之善为道者,非以明民,将以愚之。 民之难治,以其智多。 故以智治国,国之贼;不以智治国,国之福。 知此两者亦楷式。 常知楷式,是谓玄德。 玄德深矣,远矣,与物反矣,然后乃至大顺。 第六十六章 江海所以能为百谷王者,以其善下之,故能为百谷王。 是以圣人欲上民,必以言下之;欲先民,必以身后之。 是以圣人处上而民不重,处前而民不害。 是以天下乐推而不厌。 以其不争,故天下莫能与之争。 第六十七章 天下皆谓我道大,似不肖。 夫唯大,故似不肖,若肖,久矣其细也夫。 我有三宝,持而保之。 一曰慈,二曰俭,三曰不敢为天下先。 慈故能勇;俭故能广;不敢为天下先,故能成器长。 今舍慈且勇,舍俭且广,舍后且先,死矣! 夫慈,以战则胜,以守则固。 天将救之,以慈卫之。 第六十八章 善为士者不武;善战者不怒;善胜敌者不争;善用人者为之下。 是谓不争之德,是谓用人之力。 是谓配天,古之极。 第六十九章 用兵有言﹕“吾不敢为主而为客,不敢进寸而退尺。” 是谓行无行,攘无臂,仍无敌,执无兵。 祸莫大于轻敌,轻敌几丧吾宝。 故抗兵相加,哀者胜矣。 第七十章 吾言甚易知、甚易行,天下莫能知、莫能行。 言有宗,事有君。 夫唯无知,是以不我知。 知我者希,则我者贵。 是以圣人被褐怀玉。 第七十一章 知不知,上;不知知,病。 夫唯病病,是以不病。圣人不病,以其病病,是以不病。 第七十二章 民不畏威,则大威至。 无狭其所居,无厌其所生。 夫唯不厌,是以不厌。 是以圣人自知不自见,自爱不自贵。 故去彼取此。 第七十三章 勇于敢则杀,勇于不敢则活。 此两者,或利或害。 天之所恶,孰知其故?是以圣人犹难之。 天之道,不争而善胜,不言而善应,不召而自来,繟然而善谋。 天网恢恢,疏而不失。 第七十四章 民不畏死,奈何以死惧之? 若使民常畏死而为奇者,吾得执而杀之,孰敢? 常有司杀者杀。 夫代司杀者杀,是谓代大匠斫。 夫代大匠斫者,希有不伤其手矣。 第七十五章 民之饥,以其上食税之多,是以饥。 民之难治,以其上之有为,是以难治。 民之轻死,以其求生之厚,是以轻死。 夫唯无以生为者,是贤于贵生。 第七十六章 人之生也柔弱,其死也坚强。 万物草木之生也柔脆,其死也枯槁。 故坚强者死之徒,柔弱者生之徒。 是以兵强则灭,木强则折。 强大处下,柔弱处上。 第七十七章 天之道,其犹张弓欤? 高者抑之,下者举之;有余者损之,不足者补之。 天之道,损有余而补不足;人之道则不然,损不足以奉有余。 孰能有余以奉天下?唯有道者。 是以圣人为而不恃,功成而不处,其不欲见贤。 第七十八章 天下莫柔弱于水,而攻坚强者莫之能胜,以其无以易之。 弱之胜强,柔之胜刚,天下莫不知,莫能行。 是以圣人云:“受国之垢,是谓社稷主;受国不祥,是为天下王。” 正言若反。 第七十九章 和大怨,必有余怨;报怨以德,安可以为善? 是以圣人执左契,而不责于人。 有德司契,无德司彻。 天道无亲,常与善人。 第八十章 小国寡民。 使有什伯之器而不用,使民重死而不远徙。 虽有舟舆,无所乘之;虽有甲兵,无所陈之。 使民复结绳而用之。 甘其食,美其服,安其居,乐其俗。 邻国相望,鸡犬之声相闻,民至老死不相往来。 第八十一章 信言不美,美言不信。 善者不辩,辩者不善。 知者不博,博者不知。 圣人不积,既以为人己愈有,既以与人己愈多。 天之道,利而不害。 圣人之道,为而不争。