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Zickezacke Entenkacke

Seit ungefähr zwei Jahren gibt es einen neuen Trend in China und der ist sowas von chinesisch, dass sich selbst der geneigte Leser dieses Blogs, der nun schon einiges gewöhnt sein sollte, überrascht fragen wird: „Was zur Hölle...?“
Es gibt ja immer wieder neue Aromen die irgendwann „in“ sind und mit denen dann alles mögliche hergestellt wird.
Ein Beispiel dafür ist die Durian (榴莲 liú lián), die wir im Artikel [[Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin]] das erste mal erwähnt hatten.
Eine Frucht die seltsam müffelt und eigentlich ganz nett schmeckt (ich will nicht lügen: den meisten Ausländern schmeckt sie nicht, aber ich finde den Geschmack ganz passabel).
Irgenwann wurde sie zum verfeinern von Speiseeis, Torten, Keksen, Chips (glaub ich auch), Pizza und ichweissnichtwassonstnochalles genutzt.
Oft sind es Fruchtaromen oder spezielle Teesorten.
Und auch diesmal haben wir wieder etwas besonderes: Das Enten-Kacke-Aroma.
Nein, sie haben sich nicht verlesen. Es steht tatsächlich so auf den Verpackungen (鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè)) übersetzt Enten-Kacke-Aroma Teeblätter) und es ist, wenn Sie mir den Wortwitz verzeihen, aktuell der heisse Scheiss.
Ich habe mich lange davor gehütet dieses Aroma zu probieren, aber jetzt, wo es sich immer weiter ausbreitet und beliebter wird, muss ich mich dann doch mal schlau machen.
Und siehe da: Der Name verschleiert ein wenig worum es sich wirklich handelt. Wahrscheinlich wurde er bewusst gewählt, genau aus diesem Grund.
鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè) sind Teeblätter mit denen alles mögliche aromatisiert wird.
In diesem Fall Erdnüsse. Und ich muss sagen, sie schmecken wirklich lecker.
Tatsächlich hat das alles nichts mit Enten-Fäkalien zu tun, lediglich der Boden auf dem der Tee wächst, weist eine Struktur auf, die dem Aussehen von Enten-Kacke gleichen soll.
Aber auch das weiss ich nur aus nicht gesicherten Quellen, ich gehe aber davon aus, dass es stimmt.

Level 2 (Dornröschen)

Ich war gerade wieder in Beijing, habe meine Frau und meinen Sohn abgeholt und wir sind zusammen nach Deutschland geflogen.
Donnerstag hin und Sonntag mit allen wieder zurück. Ich komme mir vor, als ob ich mehr Zeit in der Luft verbracht hätte als auf dem Boden. Aber es war dann doch wieder genug Zeit um unter anderem den Mobilfunkvertrag zu kündigen, noch mal die Verwandtschaft abzuklappern, dies und das zu erledigen, mit der Familie essen zu gehen und mich bei der Polizei zu registrieren (für zwei Tage eigentlich völlig übertrieben, aber man weiss ja nie ob einem das vielleicht bei späteren Visaanträgen nach China zum Verhängnis werden könnte).
Aber das Wiedersehen war grandios. Vier Wochen von Frau und Kind getrennt, das ist schon hart.
Vorher ist viel passiert. Ich war vier Wochen, sozusagen als Vorhut, bereits in Deutschland und habe schon einmal alles vorbereitet (wie Sie aus Artikel [[Level 1]] bestimmt noch wissen), bin von Amt zu Amt gelaufen habe eine Wohnung gefunden etc.
Wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass ich in den vier Wochen neben der Arbeit nicht nur eine Wohnung gefunden habe, was jeder den ich vorher gefragt hatte als ein Ding der Unmöglichkeit beschrieben hat, sondern auch noch einen Kindergartenplatz direkt bei der neuen Wohnung knapp 100 Meter um die Ecke, dann werden mir einige Leser, die ihrerseits auf der Suche nach einem Kindergartenplatz sind, vermutlich direkt die Pest an den Hals wünschen.
Horrorgeschichten hört man von Leuten. Sie lassen sich auf die Wartelisten schreiben noch während sie schwanger sind und bekommen dann, wenn der oder die Kleine 3 Jahre alt ist immer noch keinen geeigneten Platz.
Nicht wenige müssen die Kleinen auch morgens erst einmal quer durch die Stadt fahren, weil sie in der Nähe der eigenen Wohnung keinen Platz bekommen haben.
Warum investiert Deutschland nicht nur ein einziges Mal in die Zukunft? Ich meine: Was könnte es wichtigeres geben als Kinder?
Und es sind nicht bloss die Kinder, auch sonst wird die Zukunft gerne verpasst. Zukunftsweisende Technologien werden regelmässig verschlafen und das obwohl deren Grundlagenforschung oft aus Deutschland kommt.
Erfindungen (wie zum Beispiel das MP3 Format, CD oder DVD Technik und ähnliches) werden so weit entwickelt, dass sie fast markttauglich sind und dann an amerikanische oder andere Firmen abgegeben, die damit die Welt verändern.
Deutschland verschläft gerne viele interessante Entwicklungen. Die Produkte kommen, nachdem sie in anderen Ländern erfolgreich waren, dann auch wieder nach Deutschland zurück. Meist wissen die Menschen nicht einmal, dass die Technik eigentlich in Deutschland entwickelt wurde.
Ich verstehe einfach nicht warum das so sein muss.
Hinzu kommt die Angst der Deutschen vor Neuerungen. Während sich Trends im Rest der Welt bereits etablieren, bleibt der gemeine Deutsche erst einmal skeptisch. „Warum braucht man das? Das hat bisher doch auch so funktioniert“. Sehr innovativ ;-) , aber so sind die Deutschen eben.
Das kann auf der einen Seite ein Schutzmechanismus sein, der uns davor bewahrt blindlings jedem Trend zu folgen, auf der anderen Seite ist es aber auch ein verlässlicher Mechanismus um uns von den aktuellen Neuerungen und Innovationen abzuschotten, was uns wirtschaftlich wie Oma und Opa aussehen lässt.
Den Trend des E-Autos haben die deutschen Automobilhersteller bereits allesamt verpasst. Sie haben sich wahrscheinlich noch nicht wieder von ihrem Supercoup mit der Abwrackpremie erholt und sind es inzwischen gewohnt auch ohne Bemühungen Geld zu verdienen.
Haben Chinesen bisher vorzugsweise deutsche Autos gekauft, da diese einen guten Ruf haben, sind es bei den elektrisch betriebenen Modellen fast ausschliesslich Chinesische Marken, da deren Technologie oft besser, in jedem Fall aber preiswerter ist.
Neulich erzählte mir irgendjemand ganz stolz, dass man die Elektro Tretrollen in Köln jetzt ganz bequem über eine App mieten kann. Dieser Trend ist in Beijing schon seit Jahren wieder out. Ich hatte den Tretrollen in dem Artikel [[Das moderne Einrad]] im Oktober 2016 bereits erwähnt und bin mir nicht sicher ob er da aus chinesischer Sicht überhaupt noch erwähnenswert war.
Man könnte manchmal meinen, Deutschland schliefe tief und fest und wartet, dass ein Prinz kommt, der es wach küsst. Aber dieser Prinz kommt nicht. Warum sollte er auch?

Das schweigende Lemma

Was ein Dilemma ist, lernt man schon sehr früh, schliesslich ist dieser Begriff schon lange in unserer Umgangssprache enthalten.
Was ein Lemma ist, lernt man erst später im Mathematikunterricht. Und dass beide etwas gemeinsam haben, oft noch viel später.
Beide kommen aus dem Griechischen: Lemma (λῆμμα) steht für eine Annahme und wird in der Mathematik, den Sprachwissenschaften und auch in der Informatik gerne gebraucht.
Dilemma (διλήμματος) bedeutet so viel wie „aus zwei Sätzen bestehend“, wird oft mit der griechischen Tragödie in Zusammenhang gebracht und baut auf dem Begriff Lemma auf. Also schauen wir uns erst einmal das Lemma an:
Ein Lemma ist eine Aussage (oft mathematisch oder logisch), die oft in einem (mathematisch oder logischen) Satz verwendet wird um eine Aussage zu beweisen. Dem Lemma selber wird nicht der Rang eines Satzes zuteil (obwohl es streng genommen gar nichts anderes ist), erst der Satz selber sagt später etwas aus.
Egal ob man vom Lemma auf den Satz schliesst, oder erst den Satz vorstellt und dann das Lemma als Randnotiz, der Satz sagt etwas aus, das Lemma hat zu schweigen (mehr oder weniger).
So ein Dilemma könnte man sagen, denn ein Dilemma beschreibt eine Zwangslage aus der beide möglichen Wege (Vorsilbe „di“ steht für zwei) zum gleichen (in der Regel unschönen) Ergebnis führen.
Das Dilemma ist also eigentlich ein Lemma mit zwei möglichen Wegen (beide mit negativem Ergebnis).
Aber was hat das ganze jetzt wieder mit China zu tun ?
Nun, aus Sicht einer nicht-chinesischen Firma könnte man auf Grund eines aktuellen Falls sagen, dass man auf der einen Seite durch illegale Kopien und Weiterentwicklungen der eigenen Produkte durch chinesische Firmen im Nachteil ist und wenn man seinerseits derartige Methoden auf chinesische Firmen und ihre Produkte anwendet, wird man trotzdem ungleich härter bestraft, da man die volle Macht der internationalen Rechtssprechung zu spüren bekommt. So ein Dilemma.
China hat lange Zeit solche Verstösse bei chinesischen Firmen nicht geahndet und man ist im Westen der Überzeugung, dass politisches Kalkül dahintersteckt um es den eigenen Firmen zu ermöglichen schneller zur internationalen Konkurrenz aufzuschliessen. Dass jetzt eine nicht-chinesische Firma ein Produkt eines chinesischen Unternehmens illegal benutzt, ist allerdings neu.
Eine grosse Firma, die Eisdielen in Los Angeles betreibt hat speziell zum chinesischen Frühlingsfest, das gerade war (siehe Artikel [[Schweinkram]]), eine Eisvariation kreiert, die auf dem Geschmack des Milchbonbons 大白兔 (dà bái tù - „Das weisse Kaninchen“ (kennen wir noch aus dem Artikel [[Das weisse Kaninchen]])) aufbaut.
Offensichtlich sehr erfolgreich, denn was eigenlich nur eine zeitlich begrenzte Aktion sein sollte, hat sich wohl zu einem absoluten Renner entwickelt. Und so nutzt man weiterhin die Milchbonbons als geschmacksgebende Zutat in der Eiscremevariante.
Allerdings ohne die Firma Shanghai Guan Sheng Yuan Food, Ltd. (上海冠生園食品有限公司 shàng hǎi guān shēng yuán shí pǐn yǒu xiàn gōng sī), die das Bonbon 1943 kreiert hat um Erlaubnis zu fragen.
Von aussen betrachtet ist das natürlich ziemlich aberwitzig. Bis jetzt hat man eben immer chinesischen Firmen vorgeworfen gegen Patent- und Markenrechte zu verstossen und auf einmal ist es genau anders herum.
Viele Leute beschreiben bereits in Artikeln wie sie sich freuen, dass ein grosses chinesisches Unternehmen jetzt endlich einmal die eigene bittere Medizin zu schmecken bekommt.
Allerdings gehe ich davon aus, dass das weitere Vorgehen hier variieren wird: War China in früheren Jahren kaum daran interessiert derartige Rechtsverletzungen zu ahnden oder auch nur zu verfolgen, ist zu erwarten dass man in Amerika ganz normal den Rechtsweg geht und die anstehende Klage des chinesischen Unternehmens ganz normal abwickeln wird.

Pandoras Büchse

Die Büchse der Pandora (griechisch Πανδώρα Pandṓra) ist ein alter, griechischer Mythos, in dem Pandora vom Göttervater Zeus eine Büchse geschenkt wird, die unter keinen Umständen geöffnet werden soll.
Wenn man will, dass etwas geöffnet wird, dann muss man es strikt verbieten. Das ist genau wie mit dem roten Knopf, der nicht gedrückt werden darf. Irgendwann drückt ihn jemand, die Versuchung ist einfach zu gross.
So öffnete also auch Pandora die Büchse. Dabei sind alle Übel der Welt aus ihr entwichen und haben sich verbreitet.
Einzig die Hoffnung ist in ihr zurückgeblieben. Dabei wird die Hoffnung als das grösste Übel angesehen, da sie den Menschen dazu veranlasst, all die Übel immer und immer wieder über sich ergehen zu lassen (na, da haben wir wohl noch mal Glück gehabt).
Dann frage ich mich allerdings woher wir die Hoffnung überhaupt kennen, wenn sie angeblich niemals entwichen ist... ???
Es gibt da wohl noch so ein, zwei Ungereimtheiten in diesem Mythos.
Wie auch immer. Wenn jemand etwas schlimmes tut, meistens grossen Ausmasses, oder bei einer Aktion, deren Folgen man nicht absehen kann, dann spricht man davon die Kiste der Pandora wieder zu öffnen.
So wird dieser Ausspruch gerne in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz gebraucht, da man nicht absehen kann ob diese uns eines Tages auslöschen wird oder auch in Zusammenhang mit Genexperimenten.
Und da sind wir nun: Neueste Meldung aus China: Die ersten genmanipulierten Menschen wurden geboren.
Ich musste mich erst an mehreren Stellen erkundigen ob diese Nachricht tatsächlich keine Ente ist, da auch die öffentlich rechtlichen Medien aus Deutschland die Richtigkeit dieser Meldung nicht einhundertprozentig bestätigen wollten, da es zu dem Eingriff lediglich einen Eintrag in einem chinesischen Register für klinische Tests gibt, noch keine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung.
Aber es scheint tatsächlich wahr zu sein. Zwei Mädchen namens 露露 (lù lù) und 娜娜 (nà nà) sind wohl vor ein paar Wochen in China geboren worden und sie sollen immun gegen den Immunschwäche-Virus HIV sein.
Der chinesische Wissenschatler 贺建奎 (hè jiàn kuí) hat demnach mit Hilfe des Crispr/Cas9-Verfahtrens (Eine Methode um gezielt Gene in der DNA zu verändern bzw. auszuschalten) das Erbgut so verändert, dass der CCR5-Rezeptor, an den sich HI-Viren für eine Infektion der Zelle anheften inaktiv ist, somit kann sich der Organismus nicht mehr mit HIV infizieren.
Es heisst, dass für diese Forschung gezielt ungewollt kinderlose Testpersonen rekrutiert wurden, die Männer alle mit dem HI-Virus infiziert, die Frauen absolut gesund.
Ich bin mir sicher, dass es bereits viele Gedankenexperimente in diese Richtung gegeben hat, allerdings gibt es unter Medizinern weltweit einen Ethikkodex, der solche Versuche am Menschen eigentlich strikt ablehnt.
Selbst die Universität in Shenzhen (深圳市 shēn zhèn), an der 贺建奎 (hè jiàn kuí) die Leitung eines Labors übernommen hat, distanziert sich von diesem Experiment und behauptet, dass sie keine Kenntnis davon hatten.
Es wurden mit dem genannten Verfahren bereits vorher schon relativ gute Ergebnisse erzielt. So hat man zum Beispiel in den U.S.A. Gendefekte an Embryonen beseitigen können. Bis jetzt sind diese Embryonen aber immer verworfen worden (auch dazu kann man ethisch gesehen unterschiedlicher Meinung sein), aber noch nie wurden sie einer Mutter eingesetzt, damit sie diese austrägt.
Die Folgen sind noch gar nicht abzuschätzen, da die veränderte DNA natürlich auch an die folgenden Generationen weitergegeben wird.
Und es ist ja nicht so, dass ein eliminiertes Gen ausschliesslich eine Funktion hat. So ist es denkbar, dass das Kind eventuell resistent gegen HIV ist, aber dafür auf Grund des fehlenden Gens an einem einfachen Schnupfen sterben könnte oder dass sonst irgendwelche Funktionen des Körpers eingeschränkt sind.
Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt gute Gründe warum derartige Forschungen als ethisch nicht vertretbar gelten und sich darüber hinwegzusetzen ist ein Schritt ungeheuren Ausmasses. Medizin, Ethik, Politik, es wird Auswirkungen auf alles haben.
Was mir allerdings seltsam erscheint, ist der Umstand, dass ausgerechnet kurz vor dem weltweiten Wissenschaftsgipfel in Hongkong, der über den verantwortlichen Umgang mit 'genome editing' beim Menschen berät, diese Meldung die Runde macht.
Sollte es sich vielleicht doch bloss um einen makabren PR-Gag handeln ? Das werden wir mit Sicherheit erst sagen können, wenn es tatsächlich Belege für alles das gibt.
Detlef Weigel, Direktor des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, so wie Robert Ranisch, Geschäftsführer des Klinischen Ethikkomitees am Universitätsklinikum Tübingen, halten es laut deutschen Medien aber durchaus für wahrscheinlich.
Sie schränken aber auch ein, dass es sich nicht unbedingt um einen erfolgreiches Experiment handele, da bei einem der Kinder, laut dem Bericht der Associated Press auf den immer wieder Bezug genommen wird, nicht beide Kopien des Gens, die sich standardmässig in der Zelle befinden, verändert wurden, sondern lediglich eine.
Aber es ist auf jeden Fall eine Meldung, die wie eine Bombe eingeschlagen hat und die Themen Ethik und Genetik werden in der nächsten Zeit wohl wieder vermehrt die Gemüter erhitzen.

Mancher fischt im Wasser nach dem Mond

„Mancher fischt im Wasser nach dem Mond“. Dieses Zitat wird oft Huang Tingjian (黄庭坚 huáng tíng jiān), einem Maler und Kalligrafen aus der Song-Dynastie (宋朝 sòng cháo), der auch für seine Gedichte bekannt ist, zugeschrieben.
Allerdings dürfte er sich auch nur auf einen alten Vergleich berufen haben, der im Buddhismus schon seit jeher verwendet wurde.
Dinge, die nur scheinen, aber nicht wirklich sind, werden dort immer wieder mit dem Bild des Mondes im Wasser beschrieben.
镜花水月 (jìng huā shuǐ yuè) oder in der langen Form 镜中的花,水里的月 (jìng zhōng de huā shuǐ lǐ de yuè) Übersetzt: „die Blume im Spiegel, der Mond im Wasser“ ist ein bis heute gängiger Ausspruch.
Sie ahnen es sicher bereits, es geht in diesem Artikel wieder einmal um den Mond.
Ein Thema, das mich in China immer und immer wieder einholt.
Nicht nur der Mondkalender, der in China alle wichtigen Ereignisse bestimmt wie in dem Artikel [[Vom Herbstanfang und einer Frau die zum Mond flog]], in dem ich über das Mondfest und die Geschichte dahinter berichtet hatte, sondern auch der Mond im Mittelpunkt der Raumfahrt, wie in dem Artikel [[The dark side of the moon]] wären hier zu nennen.
Und heute geht es wieder um den Mond. Oder sagen wir lieber einen Mond, denn der Erdtrabant der uns alle 27 Tage, 7 Stunden und 43 Minuten umrundet ist diesmal selber gar nicht gemeint.
Es geht um einen künstlichen Mond, den China ins All schicken will um die Stadt 成都 (chéng dū) nachts zu beleuchten.
Also handelt es sich eigentlich um einen Satelliten, nicht um einen Mond.
Einen geostationären Satelliten, der die Funktion des Mondes übernehmen soll.
Das hört sich nach einem sehr ehrgeizigen Projekt an. Oder totalem Wahnsinn, je nach Blickwinkel. ;-)
Der Sinn hinter dieser Aktion ist die Einsparung der Energie, die zur Strassenbeleuchtung notwendig ist.
Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnten weitere Städte folgen.
Zur Beleuchtung der Strassen einen Satelliten ins All zu befördern mag auf den ersten Blick aussehen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn man allerdings bedenkt, dass viele Städte in China bereits heute oft mehr als 20 Millionen Einwohner haben und die geplanten Megastädte wie Beijing (北京 běi jīng) dem Vorbild Chongqings (重庆 chóng qìng) folgen sollen und 40, 50 oder mehr Millionen Menschen beherbergen sollen, macht diese Rechnung auf einmal Sinn.
Ein vergleichbares Projekt wurde 1990 bereits von Russland durchgeführt. Ein orbitaler Spiegel, der Sonnenlicht auf die nördlichen Regionen des Landes lenken sollte. Da sich der Spiegel aber nicht entfalten liess, hat man das Projekt 1999 eingestellt.
Anvisierter Termin zum Start von Chinas künstlichem Mond ist 2020 und es wird erwartet, dass er achtmal heller scheint als der richtige, gute, alte Mond.
Damit wäre die Lichtwirkung auf den Strassen selber, ein Fünftel der Leuchtkraft von herkömmlicher Strassenbeleuchtung, so die Schätzung.
Aussagen zu eventuellen Einflüssen auf die Umwelt sucht man vergebens im Internet. Man könnte meinen, dass sich mit diesem Thema aus diesem Blickwinkel noch niemand auseinandersetzen wollte.
Wie auch immer. Mit dem Mond, der eigentlich gar keiner ist bewahrheitet sich auch wieder der alte buddhistische Spruch:
Scheinen wird er, aber echt ist er deshalb noch lange nicht.