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Das Geheimnis von Khazad-dûm

Kennen Sie die Bücher „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien ? In ihnen kommt die Zwergenstadt Khazad-dûm vor. Ein gigantisches Labyrinth, von Zwergen geschaffen, das aus einem unterirdischen Stadtbereich und den Minen besteht und sich unter einem massiven Bergmassiv ausbreitet.
Übrigens ist die Verfilmung dieses epochalen Werks auch nicht schlecht. Besser als so manche Umsetzung anderer Bücher.
Und da die Bücher bereits viel Stoff enthalten, wurden daraus dann auch drei Filme. Völlig legitim.
Ich verstehe nur nicht, warum das Büchlein „Der kleine Hobbit“, das vor den Ereignissen aus „Der Herr der Ringe“ spielt und wirklich nicht viel mehr als ein etwas dickeres Heft ist, auch in drei Filmen verfilmt wurde. Das ist völlig unangemessen.
Ich habe folgendes Problem damit: Jeder Mensch liest und versteht ein Buch anders. Man hat andere Bilder im Kopf, die Phantasie erschafft jeweils andere Welten.
Eine Buchverfilmung pickt sich lediglich eine davon (die des Filmemachers) aus dem Buch heraus und visualisiert sie. Somit sind all die zusätzlichen Ideen und Gedanken und auch die Spinnereien die man sich im Prozess des geistigen Visualisierens beim lesen des Buches erarbeitet und die diese Welt erst lebendig machen, hinfällig.
Oder auf gut Deutsch: Eine Verfilmung kann niemals so gut sein wie das Buch.
Und wenn jetzt eine Verfilmung aus einem kleinen Büchlein drei Megafilme entstehen lässt, ist das in meinen Augen bereits eine andere Geschichte, die dem Buch überhaupt nicht mehr gerecht wird, selbst wenn sie gut sein sollte.
Ich habe die Verfilmung von „Der kleine Hobbit“ aus diesem Grund bis heute nicht gesehen.
Aber ich drifte wieder ab. Wir waren bei den Zwergen in Khazad-dûm:
Man sagt, dass sie damals zu tief gegraben und damit einen Dämon aus der alten Welt freigesetzt hätten.
Genau diese Geschichte geht mir jedes Mal durch den Kopf, wenn ich sehe in welchem Tempo in Beijing gebaut wird.
Das U-Bahn Netz (siehe Artikel [[öffentlicher Verkehr]]), das ja bereits das längste der Welt ist, wächst unaufhörlich und ständig gibt es neue Linien.
Und auch Strassen werden, wie im Stadtteil 通州 (tōng zhōu) im Osten der Stadt, wo die Bezirksregierung sitzt, dann schon mal komplett unter die Erde verlegt.
Aktuell gibt es hier eine riesige Baustelle wo einst im Somer ein durchgängiges Blätterdach den Blick aus dem Wohnzimmerfenster verschönt hat.
Eines nachts wurden auf der etliche Kilometer langen Strasse, die eine der Hauptverbindungen aus der Innenstadt ist, alle Bäume mit Nummern versehen, ausgegraben und weggebracht.
Ausserhalb Beijings steht jetzt also irgendwo ein kleiner durchnummerierter Wald der darauf wartet, eines Tages wieder zurückgebracht zu werden (Wenn das Baumbart wüsste).
U-Bahnen, Strassen, dazu unterirdische Fussgängerzonen und Einkaufzentren (siehe Artikel [[Dungeons & Dragons]]). Beijing gleicht einem schweizer Käse und ich mache mir tatsächlich Sorgen, ob man nicht ein wenig zu eifrig ist mit den Grabungen.
Dämonen aus anderen Zeitaltern frei zu setzten ist dabei allerdings nicht meine Hauptsorge, vielmehr denke ich dass ein all zu sehr ausgehöhlter Untergrund all die riesigen Wolkenkratzer, die auf der anderen Seite gebaut werden, nicht mehr halten kann.
Man kann nur hoffen, dass im Baugewerbe weniger gepfuscht wird als... Ach Quatsch was rede ich da ? Sie wissen worauf ich hinaus will.
Aber schauen wir uns die Baustellen im Stadtbild selber einmal an. Interessant zu beobachten ist, dass es nur sehr wenige offene Grabungen zu sehen gibt. In der Regel wird eine Mauer errichtet hinter der sich zuerst die Baustellenfahrzeuge versammeln und später dann eine komplette, meist aus Wellblech gefertigte Halle darüber errichtet wird.
Man kann so gut wie nie sehen, wie tatsächlich gegraben wird.
Verschwörungstheoretiker haben hier wieder etliche Theorien ausgebrütet. Wann immer irgendwo ein mehr oder weniger geheimer Bunker steht, gibt es auch Ideen, was für geheime Projekte dahinterstecken könnten.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass es zum einen als Schutz vor den ständigen Sturmböen in Beijing gedacht ist (An frischen Ausgrabungen ohne Überbau müssen ständig feinmaschige Plastiknetze justiert werden um Erde und Dreck nicht im gesamten Stadtteil zu verbreiten) und zum anderen um das Stadtbild nicht all zu sehr zu verschandeln (Ob riesige Wellblechbauten jetzt besser aussehen als eine offene Baustelle, darüber mag man gerne streiten).
Auf jeden Fall gibt es dem ganzen wieder eine mystische Aura, was der Befürchtung es könnte eines Tages eine brennende Teufelsfratze aus einem der Rolltore, aus denen die Kipplaster kommen, herausstürmen wieder Futter gibt. ;-)

Zebrabalken

Ist zwar schon ein alter Hut, aber weil es so schön ist, will ich es Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten.
Aber erst einmal wieder eine kleine Einleitung: Bereits 1981 ist die Technik des 3 dimensionalen Druckens erfunden und schon 1983 in die Praxis umgesetzt worden.
Seit dem hat es viel Wirbel gegeben und bis 2016 waren wir immer kurz davor jeder einen 3D Drucker zu Hause stehen zu haben.
Der Hype hat sich nicht bestätigt, die Haushalte drucken immer noch nicht in 3D. Allerdings hat sich der 3D Drucker in vielen Firmen durchgesetzt und es den Unternehmen möglich gemacht Spezialteile selber herzustellen.
So gesehen hat sich etwas von dem Hype doch bewahrheitet, nur eben unsichtbar für den Otto-Normal-Verbraucher.
In dem Artikel [[Marty, Du musst Dir angewöhnen vierdimensional zu denken]] ging es um die vierte Dimension, heute möchte ich einen Schritt zurückgehen und über die dritte Dimension reden, bzw, die Illusion der dritten Dimension.
3D das war schon ein grosses Thema, als ich ein Kind war. Damals kamen die ersten 3D Brillen heraus mit denen man bestimmte Sendungen im Fernsehen 3 dimensional ansehen konnte.
Ein eckiges Pappgestell, das das eine Auge mit einer roten und das andere mit einer grünen Klarsichtfolie verdeckt hat.
Damit konnte man dann Filme sehen, die mit 2 versetzten Kameras aufgenommen wurden, die eine durch einen Grünfilter, die andere durch einen Rotfilter.
Heutzutage arbeitet man lieber mit Polarfiltern, die die unterschiedlichen Bilder auf die Augen verteilen.
Und Kino ohne 3D ist ja heutzutage kaum noch vorstellbar. Obwohl ich persönlich finde, dass der Effekt am besten wirkt, wenn man ihn auf langsame Szenen mit weiten Räumen anwendet, anstatt wie üblich auf hektische Actionszenen.
Wie auch immer. Allen gemein ist, dass es sich um einen Trick handelt, der ein 2 dimensionales Medium 3 dimensional erscheinen lässt.
Eigentlich ein uralter Hut. Perspektivische Darstellungen, die gewisse Dinge kürzer oder länger darstellen, um den Eindruck von Räumlichkeit zu erwecken gibt es in Ansätzen bereits seit vor 30.000 Jahren (bei den frankokantabrischen Höhlenbildern zu sehen).
Spätestens in der Renaissance erwachte die perfektionierte Perspektive in Gemälden dann tatsächlich zum Leben und ist bis heute aus vielen Bildern nicht mehr wegzudenken.
Albrecht Dürer's Buch „Underweysung der Messung, mit dem Zirckel und Richtscheyt, in Linien, Ebenen und gantzen corporen“ beschäftigt sich zum Beispiel damit.
Neuerdings wendet man diese alte Kunst auch im Strassenverkehr an, um die Aufmerksamkeit der Autofahrer wieder auf die Strasse zu lenken.
Man hat gelbe und blaue Kanten an die Zebrastreifen auf der Strasse gemalt, die erst einmal etwas befremdlich wirken.
Es handelt sich zwar nicht um die Abbey Road, aber auch dieser Zebrastreifen ist durchaus interessant.
Gerade, wenn man als Fussgänger die Strasse überquert, sieht man nicht direkt den Nutzen dieser Aktion (Bild 1).
Schaut man allerdings aus der Sicht der abbiegenden Fahrzeuge auf die Fahrbahn, so hat man die Illusion von mehreren massiven Balken, die vor einem auf der Strasse liegen (Bild 2).
Wie gesagt: Ein Versuch, die Aufmerksamkeit des abgelenkten Autofahrers wieder auf die Strasse zu lenken.
Ob es wirklich etwas bringt, ist fraglich, aber eine interessante Idee ist es auf jeden Fall.

Das weisse Kaninchen

„Folge dem weissen Kaninchen“ heisst es im Film Matrix (ich rede hier ausschliesslich vom ersten Matrix Film, der in sich ein absolutes Meisterwerk ist. Die späteren Versionen haben lediglich die Geschichte verwässert und vergeblich versucht an die bildlich so wie inhaltliche Qualität des ersten Teils heranzulangen. Wenn Sie einen guten Film schauen möchten, gucken Sie nur den ersten).
Wie auch immer, das soll hier gar nicht unser Thema sein (musste einfach nur mal gesagt werden).
Die Anspielung mit dem weissen Kaninchen führt uns direkt hinein in den Kaninchenbau mit mehreren Ebenen, die sich alle immer wieder aufeinander beziehen .
Der Protagonist Neo folgt also dem weissen Kaninchen (in seinem Fall einem Kaninchen-Tattoo auf der Schulter einer jungen Frau) und bekommt somit Zugang zu einer höheren Erfahrungsebene, indem er über die Matrix erfährt, in der er sich befindet.
Klingt alles irgendwie bekannt ? Nun, das ist kein Zufall. Das Bild des weissen Kaninchens wurde nicht zufällig ausgewählt.
In „Alice im Wunderland“ (Originaltitel „Alice’s Adventures in Wonderland“), das Lewis Carroll 1865 geschrieben hat, folgt die Protagonistin Alice ebenfalls einem weissen Kaninchen (diesmal ein echtes) und findet sich daraufhin im Wunderland wieder.
Die Geschichte um Alice und die Wunderwelt in die sie eintaucht, ist oft zitiert worden. Eines der bekanntesten Beispiele dürfte wohl das Stück „White rabbit“ von Jefferson Airplane sein.
Er wurde 1967 auf dem Album „Surrealistic Pillow“ veröffentlicht und thematisiert ganz klar den Drogenrausch und eine erweiterte Wahrnehmung.
Und da müssen wir tatsächlich wieder auf die Geschichte von Alice zurückkommen, denn das auf den ersten Anschein so harmlose Kinderbuch spielt auch genau darauf an, ohne es allerdings jemals explizit zu formulieren. So kann man die Geschichte durchaus auch ohne diesen Zusammenhang betrachten.
Aber das weisse Kaninchen als Führer zu den bewusstseinserweiternden Drogen hat bereits eine weitaus ältere Geschichte.
Zu Zeiten vor der Christianisierung des Abendlandes (Entschuldigung, den konnte ich mir einfach nicht verkneifen), aus heutiger Sicht in heidnischen Religionen war das Kaninchen schon lange bekannt als ein Tier, das hin und wieder an Fliegenpilzen knabbert um sich zu berauschen. Wenn man also halluzinelle Drogen gesucht hat, musste man lediglich einem von ihnen folgen.
Einige Quellen gehen sogar so weit, das Suchen des Osternestes auf die Kaninchen zurückzuführen.
Die angefressenen Pilze bilden bildlich gesehen das Nest, in dem dann neue Pilze wie Eier wachsen.
Und auch die Farbe Weiss ist kein Zufall. Albino Kaninchen haben ein weisses Fell und rote Augen, also quasi ein invertierter Fliegenpilz.
Eine Farbgebung, die sich auch bei Alice im Wunderland immer wieder finden lässt (Die rote und die weisse Königin zum Beispiel).
So weit, so gut. Was hat das weisse Kaninchen in China für eine Bedeutung ?
Nun, so weit ich weiss, gibt es keine alte Geschichte, in der explizit ein weisses Kaninchen oder Hase vorkommt. Lediglich der Jadehase, der mit der Mondgöttin auf dem Mond lebt (hatten wir in Artikel [[The dark side of the moon]] angeschnitten), aber das ist eine andere Geschichte.
Aber in China ist 大白兔 (dà bái tù) übersetzt das grosse, weisse Kaninchen eine Süssigkeit. Ein Kaubonbon aus Milch, das viele Chinesen noch aus ihrer Kindheit kennen.
Damals gab es zwei grosse Unternehmen, die Süssigkeiten in China hergestellt haben.
Zum einen die Firma Shanghai Guan Sheng Yuan Food, Ltd. (上海冠生園食品有限公司 shàng hǎi guān shēng yuán shí pǐn yǒu xiàn gōng sī), die eben jenes Kaubonbon hergestellt hat.
Und zum anderen die Firma 金丝猴食品股份有限公司 (jīn sī hóu shí pǐn gǔ fèn yǒu xiàn gōng sī), im Englischen einfach „golden Monkey“ genannt.
Der Name im chinesischen beschreibt genau genommen einen Stumpfnasenaffen, eine mit der Meerkatze verwandten Spezies.
Und hier kommen wir zu einer sehr kuriosen Geschichte, die in China seiner Zeit für viel Aufsehen gesorgt hat.
Der damalige Vorsitzende des Hasen-Unternehmens (um es mal zu vereinfachen) ist auf einer Reise im Süden Chinas tatsächlich von einem Affen durch einen Stein getötet worden, den dieser auf das Opfer fallen liess.
Sie können sich sicher die Schlagzeilen vorstellen, wenn ein Vorsitzender der Konkurrenz des Affen-Unternehmens durch einen Affen getötet wird. Das kommt nicht alle Tage vor.
Trotzdem reicht die Bekanntheit des Affen natürlich immer noch nicht um auch nur annähernd an den Kultstatus des weissen Kaninchens heranzukommen. Schon alleine deshalb nicht, da es die Geschichte nicht in internationale Medien geschafft hat.
Aber mal ganz ab davon: Die Kaubonbons des weissen Kaninchens sind wirklich gut. Sollten Sie probieren, wenn Sie in China sind.
Und auch wenn das Kaninchen auf der Packung tatsächlich rote Augen hat und an das „Drogenspürkaninchen“ erinnert , sind die Zutaten ungefährlich, sieht man einmal von zwei Lebensmittelskandalen ab, in denen Formaldehyd in den Bonbons gefunden bzw. die Melamin Grenzwerte überschritten wurden.

Marty, Du musst Dir angewöhnen vierdimensional zu denken

Es gibt ja tatsächlich junge Männer aus westlichen Kulturkreisen, die glauben, auf Grund ihres Interesses für asiatische Mangas und Anime, Frauen in Asien beeindrucken zu können. Kein Witz. Offensichtlich gibt es sogar gar nicht mal wenige von ihnen, wie ich von einigen Bekannten erfahren habe.
Ich persönlich finde es ja schon deshalb skurril, da die meisten dieser jungen Männer sich ganz offenkundig hauptsächlich durch die sexistisch überzeichneten, weiblichen Charaktere, die in vielen dieser Produktionen vorkommen, zu dieser Kunstform hingezogen fühlen. Ein Kriterium, dem das weibliche Geschlecht selbstverständlich skeptisch gegenübersteht. Auch in Asien.
Man ist versucht diesen jungen Herren zu wünschen, sie hätten in ihrer Kindheit lieber mal öfter draussen gespielt und gelernt echte soziale Kontakte zu knüpfen.
Aber Mangas und Anime sind in Asien tatsächlich weit verbreitet und viele Leute haben sie als Kinder gesehen. Allerdings in der Regel nicht die, in denen die Oberweite der jungen, weiblichen Charaktere die Belastbarkeit der knappen Oberbekleidung bis an die Obergrenze drückt, sondern eben kindertaugliche Serien.
Die unbestritten bekannteste von ihnen dürfte die japanische Serie Doraemon (ドラえもん) sein. In China, wo sie wirklich jeder kennt, ist sie unter dem Namen 哆啦A夢 (duō lā A mèng) bekannt.
Im Artikel [[Brot-Supermann]] hatte ich ja bereits angekündigt, dass ich einen Artikel über sie erstellen möchte.
Die blaue Roboter-Katze ist in Asien mindestens so bekannt wie Mickey Maus im Westen und man kann kaum einen Schaufensterbummel machen, ohne ihr in irgendeiner Weise zu begegnen.
Wie gesagt, es handelt sich um eine blaue Roboter-Katze und zwar aus der Zukunft. Sie wurde zurückgeschickt, um einem kleinen Jungen namens Nobi Nobita (野比のび太) zu helfen.
Ein kleiner junge, der weder klug, noch reich, noch sonst etwas ist. Er hat einfach einen guten Charakter und durch seine absolut durchschnittliche Art auch eine Menge Probleme. Er ist eben einfach kein Held.
Im täglichen Leben hilft also Doraemon (ドラえもん) dem kleinen Jungen, indem er allerlei Gegenstände aus seiner Brusttasche zieht.
Es handelt sich um eine vierdimensionale Tasche, weshalb sich auch unglaublich grosse Objekte aus ihr hervorholen lassen.
Das sagt sich jetzt so einfach dahin, dabei steckt wesentlich mehr dahinter, wenn man es sich mal auf der Zunge zergehen lässt.
Denn eine vierte Dimension ist für uns Menschen nur schwer vorstellbar, schliesslich können wir nur drei Dimensionen mit unseren Sinnen erfassen.
Da kommt zuerst einmal die Frage auf: was genau ist die vierte Dimension überhaupt ? Es gibt die Meinung, dass die vierte Dimension die Zeit wäre, worauf auch der Ausspruch „Marty, Du musst Dir angewöhnen vierdimensional zu denken“ anspielt, den Doc Brown, der Erfinder der Zeitmaschine, in dem Film „Zurück in die Zukunft III“ prägt.
Die Zeit in Zusammenhang mit dem Raum gebracht, ist keine Science Fiction Spinnerei, sondern eine sehr populäre Theorie in der Physik. Die Rede ist von Albert Einsteins Relativitätstheorie und der Raumzeit.
Auch hier werden Raum und Zeit in einem vierdimensionalen Gebilde, dem sogenannten „Minkowski-Raum“, betrachtet.
Eine Theorie, die auch immer wieder in Science Fiction Serien wie Star Trek aufgegriffen wird. Wenn es gerade keine Störung im E-Band gibt und die Romulaner mal die Füsse still halten, werden Raum-Zeit-Tunnel aufgebaut um in weit entfernte Teile des Universums zu reisen oder das Raum-Zeit-Kontinuum wird durch Subraumrisse beschädigt.
Es gibt aber auch die Meinung, dass es sich bei der vierten Dimension um eine weitere geometrische Komponente handeln könnte, also eine Art Raum, den wir nicht mit unseren Sinnen erfassen können.
Das würde dann auch erklären, warum sich riesige Dinge in der kleinen Tasche von Doraemon (ドラえもん) verstauen lassen.
Ein Konzept, das in ähnlicher Form auch in dem kontrovers beurteilten Science Fiction Film „Ultraviolet“ unter dem Namen „Flat Space Technology“ bzw. „Dimensional Compression“ zum Einsatz kommt.
Hier werden Waffen und Munition in der anderen Dimension verstaut, so dass man sie nur mit Hilfe eines Sicherheitsscans ausfindig machen kann.
Die Theorie, dass es sich bei der vierten Dimension um eine weitere geometrische Ebene handelt, wird vor allen Dingen durch die Mathematik unterstützt.
Sie kann unsere sicht- und anders erfahrbare Umgebung von der ersten bis zur dritten Dimension sehr genau darstellen und darüber hinaus eben auch noch weitere Dimensionen. Das legt den Schluss nahe, dass es weitere geometrische bzw. räumliche Dimensionen durchaus geben könnte, selbst wenn es uns unmöglich ist, sie zu erfassen.
In jeder Episode von Doraemon (ドラえもん) zieht dieser einen neuen Gegenstand aus seiner Tasche, wobei einige Gegenstände auch öfter mal in unterschiedlichen Folgen vorkommen können, so wie die „Überall-Türe“. Eine frei stehende Türe die, wie der Name schon sagt, überall hin führen kann. Also eine Verbindung von unterschiedlichen Räumen bzw. Dimensionen zueinander.
Und da sind wir wieder an einer Stelle angelangt, an der ich hellhörig geworden bin. Diesen Themen bin ich in meiner Jugend, in etwas anderer Form, auch schon begegnet.
Nicht in einer Kinderserie, sondern in Buchform, für ein etwas älteres Publikum. Der Autor Michael Moorcock hat sich intensiv mit diesen Dingen in seinen Romanen auseinandergesetzt.
Seine Geschichten spielen meist in einem sogenannten Multiversum. Ein Konzept, das von verschiedenen Parallelwelten ausgeht, in denen einige Personen in den Romanen auch von dem einem in das andere wechseln können.
Da wären wir dann auch wieder bei der vierten und weiteren Dimensionen. Welten, die parallel zu unserer existieren, eben lediglich in anderen Dimensionen.
Und auch die „Überall-Türe“, wie sie bei Doraemon (ドラえもん) heisst, gibt es hier.
Türen oder Portale, die verschiedene Ebenen miteinander verbinden, finden sich in seinen Büchern ständig wieder.
In diesem sehr interessanten Konzept gibt es, neben den Verbindungen zu anderen Parallelwelten, auch einen Ort, der auf jeder Ebene vorhanden ist: Die Stadt Tanelorn.
Aber das würde jetzt zu weit führen. Falls ich Sie neugierig gemacht haben sollte, lesen Sie einfach mal das Buch „Corum“.
Was können wir am Ende dieses Artikels also festhalten ? Nun, zumindest, dass es sich immer lohnt auch auf den ersten Blick einfache Dinge wie Kinderserien einmal zu hinterfragen.
Nicht selten verstecken sich in kleinen Details physikalisch, philosophisch oder anderweitig hochinteressante Konzepte, die es durchaus Wert sind auch einmal aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen betrachtet zu werden.

Klub der Söhne

Die Zeiten, in denen man als Ausländer für seine Firma nach China gegangen ist und obszön viel Geld verdient hat, sind Geschichte.
Schade eigentlich, wer würde sich nicht gerne eine goldene Nase verdienen, ohne gross etwas dafür zu tun, bloss den Stadort zu wechseln.
Es mag vielleicht noch die ein oder andere Firma geben, die Leuten in bestimmten Positionen viel Geld bezahlen wenn sie nach China gehen, aber in der Regel sind diese Zeiten vorbei.
Ich kenne Geschichten von Leuten, die ein vielfaches ihres Lohnes als Anreiz bekommen haben um im Reich der Mitte zu arbeiten.
Darüber hinaus sind alle Eventualitäten bezahlt worden. Darunter die Miete inklusive einer Haushälterin, ein Auto plus Fahrer, ein persönlicher Dolmetscher, Freiflüge, der Kindergarten oder die Schule für die Kinder, Sprachkurse usw.
Diese, teilweise aberwitzigen Geschenke gibt es heute in der Regel nicht mehr. Man bekommt als Zugabe zu seinem Gehalt meist so etwas wie regelmässige Freiflüge in die Heimat, Sprachkurse oder einen Mietzuschuss.
Es geht einem also genau so gut oder schlecht, wie in Deutschland auch. Und das ist ja absolut in Ordnung, damit kann man auch in China wunderbar leben. Man muss nur ein paar Dinge beachten:
China ist in seinen Metropolen nicht das Billigland ist, für das man es im Westen in der Regel hält.
Inzwischen haben namhafte Restaurants ebenso gesalzene Preise, wie im Westen auch.
Es ist natürlich immer noch möglich preisgünstigere Alternativen zu finden, aber man merkt überall eine ganz klare Tendenz zu Preiserhöhungen.
Leben in Chinas Metropolen kann schnell ins Geld gehen. Markenprodukte sind in der Regel teurer als bei uns, selbst wenn sie hier hergestellt wurden und die Miete setzt natürlich allem noch mal die Krone auf.
Der Mietspiegel steigt stetig an, man macht Verträge für ein Jahr oder sogar nur ein halbes, dann kann man sich entscheiden ob man die erhöhte Miete noch bezahlen kann, oder wieder umzieht.
Man kommt als Mieter in Städten wie Beijing viel rum. Man fühlt sich wie ein Nomade.
Man muss also weiter raus in die Vororte ziehen und in Kauf nehmen, dass man tagtäglich mehrere Stunden im Gedränge der öffentlichen Verkehrsmittel oder im Stau auf den Strassen verbringt.
Dann kommen noch kleine Gemeinheiten hinzu, die man vorher nicht bedacht hat:
Sie sind verheiratet und wollen ihre Steuerklasse entsprechend anpassen ? Nun, das funktioniert natürlich nur, wenn Ihr Partner auch in Deutschland gemeldet ist und dort Steuern zahlt. Damit hat sich das für mich schon mal erledigt. :-(
Aufspielen sollte man sich ja grundsätzlich nicht und Leute, die ihr Gehalt mit dem der Einheimischen vergleichen, erleben oft eine Überraschung.
Auch wenn man nach deutschem Standard finanziell noch recht gut dasteht, gehört man in China zu den unteren Einkommensschichten.
Seitdem China sich in den 80er Jahren geöffnet hat und es Privatleuten erlaubt ist Firmen zu betreiben, sind unglaublich viele Menschen sehr schnell reich geworden.
Und das hat auch wieder neue Jobs entstehen lassen, die Gehälter nach oben wachsen lassen, somit auch die Lebenshaltungskosten und so weiter.
Und auch wer ein Appartement in einer der Grossstädte sein Eigen nennen konnte, hat die Möglichkeit gehabt, seinen Reichtum immer weiter zu vermehren und ein Appartement nach dem anderen zu kaufen, abbezahlt mit den Mieteinnahmen der anderen.
Eine Herausforderung für junge chinesische Männer ist es heutzutage, dass sie, um eine geeignete Partnerin zu finden, bereits in frühen Jahren ein Appartement und Auto vorweisen müssen, damit sie für die hiesige Frauenwelt überhaupt interessant sind.
Somit sparen die Eltern und Grosseltern bereits das Geld zusammen, das es dem Sprössling später hoffentlich einmal ermöglicht auf dem Wohnungsmarkt mit den stetig steigenden Quadratmeterpreisen die eigenen vier Wände zu erstehen.
Das ist der Kampf, den ganz normale Familien bestreiten müssen und in deren Augen ist jemand wie ich bereits ein Nichts.
Natürlich gibt es eine unvorstellbare Masse an Menschen in China, die finanziell am absoluten Minimum oder darunter leben, aber die sieht man in Städten wie Beijing in der Regel nicht.
Zum einen wird dafür gesorgt, dass man sie nicht sieht, zum anderen leben die meisten Armen in China auf dem Land und in den Dörfern.
Im täglichen Leben, als Ausländer in China, trifft man normalerweise Chinesen, denen es finanziell nicht schlecht geht.
Einkommen, in vergleichbaren Positionen, die teilweise ein gutes Stück über dem meinem liegen, sind hier die Regel.
Aber ich will mich nicht beschweren. Schliesslich geniesse ich, auf Grund meines deutschen Vertrages, die Vorteile eines soliden sozialen Netzes, das mich auffängt, sollte ich krank, arbeitslos oder sogar arbeitsunfähig werden und einen entsprechenden Kündigungsschutz geniesse ich im Gegensatz zu jemanden mit einem chinesischen Vertrag auch.
Aber für die meisten chinesischen Frauen wäre ich, mangels Liquidität, als potenzieller Lebenspartner nicht einmal eine Überlegung wert.
Der Grund, dass sie mir auf der Strasse trotzdem hinterherschauen ist der, dass das Vorurteil des reichen Ausländers noch in den Köpfen der meisten Leute hier herumspukt. Aber machen wir uns nichts vor, ich bin hier nur ein kleines Licht.
Und dann gibt es da noch die besagten Leute, die unglaublich viel Geld gemacht haben und jetzt mit Bentley, Porsche oder Lamborghini durch die Innenstadt fahren.
Oder besser gesagt: Die Kinder der Leute die Geld gemacht haben sind es, die mit Luxuskarossen und allem möglichen Bling-Bling auf sich aufmerksam machen. Denn auch in China ist es nicht anders als bei uns: Es ist meist die zweite oder dritte Generation, die zeigen will, was sie hat (bzw. noch erben wird).
Noch in den 70er Jahren hätte man für eine derartige Zurschaustellung von Reichtum in China gelyncht werden können, heutzutage ist es ganz normal.
Treffen tut man sich dann aber doch lieber abseits des Pöbels in Privatclubs, von denen es in Beijing auch immer mehr gibt.
Man könnte sie auch passenderweise die „Klubs der Söhne“ nennen, um eine Analogie aus dem Film Metropolis zu benutzen.
(Ich hoffe, Sie haben Metropolis gesehen. Falls nicht, holen Sie es unbedingt nach. Es lohnt sich und inzwischen gibt es auf so ziemlich jeder Videoplattform im Internet die restaurierte Version von 2010/2011 frei zu sehen.)
China bewegt sich, was soziale Ranggefüge angeht, tatsächlich in Richtung Metropolis. Eine Oberschicht, die sich rasant von Unter- und Mittelschicht absetzt.
So lange es die Mittelschicht noch gibt, hinkt der Vergleich mit Metropolis zwar etwas, aber um eine Oberschicht zu finden, die eine Unterschicht ausbeutet, muss man nicht lange suchen (Aber auch das ist natürlich wieder ein globales Problem, kein typisch China spezifisches. Was eben jener Film wunderbar zum Ausdruck bringt, schliesslich thematisiert er dieses Phänomen bereits 1925.).
Was in diesen Privatclubs passiert, kann ich mir auch nur anhand von Reportagen, die es hier und da gibt, zusammenreimen.
Aber es wird nicht anders sein als in Privatclubs überall auf der Welt. Etwas Party, etwas Business und viel teure Getränke und Entertainment.
Mehr als ein viertel aller Milliardäre weltweit sind bereits Chinesen, Tendenz steigend. Auch interessant ist, dass die Reichtümer hier wesentlich grösser sind, als es in anderen Staaten der Fall ist.
Da das Wort superreich immer wieder gerne mal für alles mögliche gebraucht wird, müssen wir hier schon von extrem superreich reden.
Menschen, die (natürlich inoffiziell) komplette Landstriche besitzen, oder alleine der Umstand, dass Unternehmen, die in China beheimatet sind und mit zu den weltweit grössten ihrer jeweiligen Zunft zählen, sich in Privatbesitz befinden, sind ein Indiz dafür, über welche Grössenordnungen wir hier sprechen.
Die Gründe dafür sind simpel: Zum einen das anhaltende, gute wirtschaftliche Wachstum, das eine Nachfrage bei einer riesigen Bevölkerung geschürt hat.
Und der Umstand, dass der Markt noch neu war und man so ziemlich alles verkaufen konnte.
Obwohl Chinas Regierung noch den Kommunismus auf den Fahnen stehen hat, sind Land und Leute inzwischen kapitalistisch geprägt bis ins Mark.
Ich habe selten so viele Menschen getroffen, die über nichts anderes reden als das Geld.
Es scheint, als wollte man den gesamten kapitalistischen Weg mit all seinen Irrungen, Ungerechtigkeiten und Konflikten, die aus seiner Natur im Westen entstanden sind, innerhalb kürzester Zeit kopieren und eventuell noch übertreffen.
Es kann einem manchmal wirklich Angst machen mit welcher Selbstverständlichkeit dem heiligen Geld wirklich alles geopfert wird.
Ein weiterer Grund dafür, dass einige Menschen sehr, sehr reich geworden sind, hängt natürlich auch mit der allgegenwärtigen Korruption zusammen.
Viel Geld ist auf höchst fragwürdige Weise gemacht worden, auch wenn das immer gerne verschwiegen wird.
Es sickert hin und wieder etwas durch von korrupten Geschäften, die dann durch Marktreformen mehr oder weniger legalisiert wurden.
„Durch ehrliche Arbeit ist noch niemand reich geworden“. Ein Sinnspruch, der durchaus seine Berechtigung hat.
In der Regel lässt man für sich arbeiten, oder man macht krumme Geschäfte um an das richtig grosse Geld zu kommen.
Und die gewinnbringenden Chancen und Insider Informationen schustert man sich ausschliesslich unter seinesgleichen zu.
Aber sind wir ehrlich: Auch das ist kein typisch chinesisches Problem. Diesem Umstand begegnet man überall dort, wo Geld ist.
Eine Hand wäscht die andere, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Die unzähligen Aussprüche für derartige Dinge machen bereits deutlich, dass es weiss Gott kein Ausnahmeverhalten ist.
In China ist nur alles wieder eine Nummer grösser. So wie eigentlich alles.