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C#

C ist eine recht alte Programmiersprache.
Das einzige Manko das sie hatte war die fehlende Unterstützung für Objekte (objektorientiertes Programmieren ist ja bis heute noch der heisse Scheiss).
Somit wurde C++ entwicket. Abwärtskompatibel: Das bedeutet, dass Programme die in C geschrieben wurden auch noch weiter in einer C++ Umgebung laufen.
Aber anders als moderne Programmiersprachen muss man so wohl in C wie auch in C++ viele Dinge selber regeln: Speichermanagement und Verhalten bei Fehlern zum Beispiel.
Die beiden sind sogenannte Low-Level Programmiersprachen. Oder zumindest sind sie das bei einer bestimmten Betrachtungsweise.
Machmal zieht man den Trennstrich zwischen High- und Low-Level Programmiersprachen nämlich auch zwischen den vom Menschen lesbaren Sprachen, wozu alle drei gehören und auf der anderen Seite Assembler und Maschinencode (Wobei Assembler eingentlich auch vom Menschen lesbar ist, aber das ist wieder nur Haarspalterei).
Wichtig ist einfach, dass man bei C und C++ im Gegensaz zu C# viele Dinge selber erledigen muss, die höhere Programmiersprachen automatisch tun.
Das macht C und C++ auf der einen Seite recht bedienerunfreundlich, auf der anderen Seite aber extrem flexibel, weshalb sie bis heute noch eingesetzt werden um Betriebssysteme zu schreiben.
C# (gesprochen Si-Scharp) hat sich von C und C++ so weit weiterentwicket, dass man es eher zu den höheren Programmiersprachen wie Java, PHP oder Python zählt und nicht zu C oder C++.
Ein grosses C und seine Varianten also.
Ein anderes grosses C und seine Varianten das uns seit nunmehr zwei Jahren beschäftigt ist Corona.
Wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um uns davor zu schützen.
Wir Erwachsenen sind natürlich geimpft, zweitgeimpft, geboostert, re, contra, Schneider schwarz angesagt, leck auf!, spring durch!. Ist ja klar.
Und als der erste Fall im Kindergarten aufgetreten ist, haben wir unseren Sohn zu Hause gelassen.
So lange bis der Lollitest eingeführt wurde und die Kinder zweimal in der Woche auf Corona getestet wurden.
Als die Omikron Variante kam und die Fallzahlen immer höher stiegen, haben wir ihn wieder zu Hause gelassen.
„Bis nach Karneval" haben wir uns gesagt, wohl wissend, dass die Zeit ohne seine Freunde im Kindergarten auch für ihn sehr belastend ist.
Man kann als Elternteil leider keine richtigen Entscheidungen treffen.
Das denkt man sich immer wenn man als Aussenstehender über Kindererziehung nachdenkt.
Aber tatsächlich ist es so, dass man immer nur zwischen mehreren schlechten Alternativen die heraussuchen kann, die vermeintlich den geringsten Schaden anrichtet.
Langer Rede kurzer Sinn: Trotz all der Sicherheitsvorkehrungen, obwohl wir nicht in Urlaub waren, zwei Jahre lang eigentlich nur zu Hause rumgesessen haben und so gut wie gar keine Freunde gesehen haben (abgesehen von denen im Kindergarten), auf der Arbeit nur mit Maske unterwegs waren und auch sonst alle Hygieneregeln eingehalten haben, hat es uns jetzt erwischt.
Wir haben absolut keine Ahnung wann und wo.
Und zwar die ganze Famile. Unser Sohn hat es mit zwei Tagen Fieber recht locker wegesteckt, wir Erwachsenen müssen da noch durch.
Und soll ich Ihnen etwas verraten?
Es fühlt sich irgendwie an wie eine Befreiung. Wir haben die Omikron Variante oder C# (Si-Sharp), was immer sie wollen. C halt.
Zwei Jahre lang haben wir unser Leben verbogen um diesem Virus auf jeden Fall aus dem Weg zu gehen und jetzt ist es einfach trotzdem da.
Es hat bei uns, so weit wir das erkennen können, glücklicherweise keinen grösseren Schaden angerichtet und wir werden in Quarantäne bleiben, damit das auch für unser Umfeld so bleibt. Aber irgendwie bin ich erleichtert.
Wenn man die ganze Zeit dieses Thema vor Augen hat, dann ist es, obwohl man es eigentlich vermeiden möchte, doch eine Genugtuung zu erfahren, dass es dieses Virus wirklich gibt und man es sich auch einfangen kann.
Irgendwie ist dies jetzt wirklich erst die Bestätigung dass der ganze Aufwand vorher nicht sinnlos war, selbst wenn er jetzt mit der Infizierung ad absurdum geführt wurde.
Ist das nicht seltsam?
Verabschieden wir uns nun also von der Hoffnung dem Virus entgehen zu können und korrigieren unseren vernebelten Blick in so weit, dass es nicht darum geht ob man das Virus bekommt, sondern wann.
In unserem Fall nach drei Impfungen, also mit milden Symptomen (Wobei die mir persönlich völlig ausreichen. Vor allen Dingen die Kopfschmerzen machen mich fertig).
Und für die Kinder die nicht geimpft werden können, hoffen wir dass sie auf Grund ihres Alters keinen schwerwiegenden Verlauf bekommen.
Ich vermute mal dass mehr als die Hälfte der Kinder im Kindergarten bereits das grosse C gehabt hat. Oftmals ohne es überhaupt zu wissen.
Was ich mich persönlich jetzt frage: Wir sind dreifach geimpft und dann bald auch noch genesen.
Zu was macht uns das dann? Das müsste ja einem Kryptonit-Super-Sonder-Wunderschutz gleichkommen.
Ich denke, ich werde mich in Zukunft in der Telefonzelle umziehen müssen um diesem Status gerecht zu werden.
Zumindest so lange es nicht wieder eine neue Variante gibt (also in zwei Wochen oder so...)

Das Auge des Drachen

Was klingt wie ein 73 teiliger Fantasy Roman, ist in Wirklichkeit eine Frucht, die in China sehr beliebt ist, ebenso wie die Früchte die wir bereits im Artikel [[Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin]] erwähnt hatten.
Es ist nicht ganz sicher woher die Frucht 龙眼 (lóng yǎn), was übersetzt eben Drachenauge oder Auge des Drachen bedeutet, ihren Namen hat.
Die einen sagen, er sei mit der vietnamesischen Stadt bzw. Provinz Long An verbunden, andere sagen er soll von der chinesischen Stadt Longyan (龙岩市 lóng yán shì) kommen, die ähnlich ausgesprochen wird und übersetzt Drachenfelsen bedeutet.
Ich habe sie lange Zeit immer mit der Lychee bzw. Litschi verwechselt, da sie, wenn sie einmal gepellt sind, sich doch sehr ähneln.
Da sie entfernt verwandt sind, ist das auch nicht weiter verwunderlich.
Saftiges, weißes, ein wenig durchschimmerndes Fruchtfleisch und ein recht großer dunkler Kern.
Eben jene Merkmale, die den Namen Drachenauge auch visuell untermalen.
Beißt man nämlich ein Stück des Fruchtfleischs heraus, so dass man den Kern sehen kann, sieht es tatsächlich aus wie ein Auge.
Meist isst man sie frisch, aber es gibt auch Rezepte für Suppen, Früchtetees, Kuchen oder Reispuddings und in der chinesischen Medizin wird sie auf Grund ihrer Beruhigenden Wirkung auch gerne eingesetzt.
Ausserdem soll sie die kognitiven Funktionen unterstützen und sogar Demenz vorbeugen, sie ist also auch ein wichtiges Mittel in der chinesischen Diätetik (中医食疗 zhōng yī shíl iáo, bzw. 中医药膳 zhōng yī yào shàn), die wir in Artikel [[Es gibt nicht nur Tausende von Krankheiten, sondern auch Tausende von Gesundheiten]] bereits kennen gelernt haben.
Und der Geschmack ist auch klasse. Ein wenig wie Lychee, aber eben doch ein wenig anders.
Sollte man auf jeden Fall mal probieren, wenn man sie frisch bekommen kann.
Kann ich sehr empfehlen.
In Deutschland habe ich sie noch nie gesehen, aber ich denke dass sie eh, genau wie Lychees, importiert bloss holzig schmecken würden.
Ich bin auch noch über eine Teesorte gestolpert, die Drachenauge genannt wird.
Nach kurzer Recherche hat sich allerdings herausgestellt dass es sich hier wieder einmal um eine schlechte Übersetzung handelt.
Im Original heisst es Drachenperlen, nicht Drachenaugen.
Es sind zusammengerollte Teeblätter, die nicht typisch grün, sondern etwas heller sind.
Man nennt ihn auch weißen Tee (hatten wir im Artikel [[Abwarten und Tee trinken]] einmal kurz angeschnitten).
Die zusammengerollten Blätter erinnern entfernt an Perlen, daher der Name.
Aus Drachenperlen ist dann bei der Übersetzung Drachenaugen geworden.
Hat aber alles nichts mit unseren Früchten zu tun.

Durcheinander, 7, 8, schlecht

乱七八糟 (luàn qī bā zāo) ist ein interessanter chinesischer Ausdruck.
乱 (luàn) steht für Durcheinaner, Chaos, 七 (qī) ist die 7, 八 (bā) die 8 und 糟 (zāo) steht für erbärmlich, miserabel, schlecht.
Wort für Wort übersetzt ist es ein ziemliches Durcheinander und genau das drückt der Ausspruch auch aus.
Wenn das einfache Wort 乱 (luàn) für unordentlich nicht mehr ausreicht, dann hängt man noch die anderen Wörter hintendran um zu betonen, dass es sich wirklich um ein außerordentliches Chaos handelt.
Beschreiben kann man damit so ziemlich alles und genau das wollen wir auch heute tun.
Ich habe nämlich in letzter Zeit wieder vermehrt die Erkenntnis gewonnen, dass jeder Mensch für sich eine eigene Wahrnehmung der Welt entwickelt hat und viele Leute diese offensichtlch unbedingt auch lautstark zum Ausdruck bringen müssen.
Je chaotischer die Ansichten, desto lauter ihr Verfechter, so scheint es.
Corona hat viele unterschiedliche Meinungen entstehen lassen und zu teilweise recht skurrilen Ereignissen geführt.
Die sogenannten Hygienedemos, vor allen Dingen in Berlin, sind ein gutes Beispiel dafür.
Dabei möchte ich gar nicht, wie sonst in den Medien üblich, die ungewöhnliche Konstellation von Neuzeithippies und anderen eher linksgerichteten Protestlern die neben Reichsbürgern, Holocaustleugnern und anderen Individuen aus der eher rechten Szene protestieren herausstellen, sondern mich ganz bewusst ausschließlich auf die Inhalte der angemeldeten Demo selber beziehen.
Da ging es, ganz grob zusammengefasst darum, dass man die Maßnahmen die man zur Coronaeindämmung verordnet hat als zu drastisch einschätzt.
Da gibt es dann natürlich auch wieder unterschiedliche Abstufungen.
Die einen, die seit der Kurzarbeit finanziell kaum noch über die Runden kommen und Selbstständige die mit jedem Tag mehr Schulden anhäufen über Menschen denen das Tragen einer Maske über einen längeren Zeitraum dermaßen unangenehm ist, dass sie diese Maßnahme wieder abschaffen wollen bis hin zu Leuten die davon überzeugt sind dass es Corona gar nicht gibt, sondern es nur ein Vorwand ist um bald eine Impffpflicht zu verordnen und den Menschen einen Microchip zu implantieren, oder ähnliches.
Alles bunt durcheinander, ein wundersames, teils märchenhaft anmutendes Chaos. 乱七八糟 (luàn qī bā zāo).
Ich kann den Wunsch durchaus nachvollziehen, auch ich habe es satt beim Einkaufen und in der Straßenbahn ständig eine Maske tragen zu müssen.
Aber der Wunsch alleine reicht leider nicht aus um eine Pandemie zu beenden.
Zugegeben in Deutschland sind die Zahlen der schweren Fälle nicht mehr sehr hoch, aber weltweit sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.
Ich habe oft die Befürchtung dass viele Menschen, selbst wenn sie oft im Ausland Ferien machen, sich mit ihrem Gemüt stetig in Deutschland befinden. Unfähig auch nur ein klein wenig über den Tellerrand zu schauen.
Und somit auch immer einen guten Teil von der Realität entfernt.
Diese Erfahrung hat sich, seitdem ich in China gelebt habe, natürlich noch verstärkt.
Bestes Beispiel sind all die Leute die einen erst fragen wie es sich denn so in China lebt und dann alle Informationen die man ihnen gibt als Unfug zurückweisen um einem dann zu erklären wie China wirklich ist. Nicht selten auch ohne jemals selbst dort gewesen zu sein.
In diesem Fall würde ich mir in der breiten Masse mehr Erfahrungen im Ausland wünschen.
Auf der anderen Seite denke ich dass gerade jetzt Urlaub im Ausland nicht die beste aller Ideen ist.
Aber auch hier scheine ich wieder alleine auf verlorenem Posten zu sein.
Als hätten die Deutschen die letzten Jahrzente eine Reisesperre über sich ergehen lassen müssen, sind sie direkt nach der ersten Welle alle wieder an die Strände dieser Welt gereist.
Ich verstehe ja dass viele Menschn irgendwann mal wieder zurück zur Normalität wollen, aber doch bitte nicht mit der Brechstange.
Aber das sind glücklicherweise nur kleine Rückschläge, denn ich denke dass alles in allem Deutschland gut gehandelt hat und seine Einwohner zum grossen Teil die Maßnahmen auch akzeptiert und gelebt haben (Ein wenig Meckern gehört nunmal einfach dazu, so sind wir Deutschen halt).
Zu Anfang drastische Maßnahmen um dem unbekannten Virus entgegenzutreten und jetzt immer mehr Lockerungen basierend auf immer weiteren Erkenntnissen die die Wissenschaft unaufhörlich sammelt.
Und auch ich bin der Meinung dass man in diesem Fall lieber etwas zu vorsichtig sein sollte, als alles wieder auf´s Spiel zu setzen.
Denn wir als Gesellschaft tragen eine Verantwortung den Risikogruppen gegenüber. Da ist es auch völlig egal ob man meint dass Masken nicht schützen oder die Todeszahlen nur Personen beziffern die mit Corona aber nicht zwangsläufig an Cororna gestorben sind.
Wir haben nunmal weltweit einen enormen Anstieg an Infizierten, an schweren Erkrankungen mit Corona und an Todesfällen mit Corona zu verzeichnen.
Und ich denke da ist es nicht zu viel verlangt, dass wir gegenseitig ein wenig auf uns aufpassen.
In der Welt gibt es bereits so schon einiges an Chaos, machen wir es nicht noch schlimmer.

Für das alte Arschloch

Ich habe erst überlegt ob ich diesen Artikel schreiben soll, mir dann aber überlegt: „Warum nicht? Ist bestimmt lustig.“ Und da sind wir also.
Zur Entstehungsgeschichte:
Ich werde hin und wieder nach Dingen im Zusammenhang mit China gefragt die Leute anscheinend brennend interessieren.
Ha, ha. „Brennend“ ist in diesem Zusammenhang auch wieder sehr passend, aber warten Sie ab...
Dann handelt es sich um so seltsame Dinge wie Anime Figuren aus asiatischen Comics die man sich ins Regal stellen kann oder ähnlich skurrile Dinge.
Meistens arten diese kleinen Gefallen, dass man sich mal eben schnell schlau machen soll, zu mittelgrossen Projekten aus, da man sich in der Regel erst einmal schlau machen muss, gerade wenn es um Dinge geht mit denen man normalerweise nichts zu tun hat.
So Dinge wie Anime Charactere „jucken“ mich nämlich nicht besonders. ;-)
Oft wollen Leute aber auch mehr über die chinesiche Küche erfahren oder manchmal Tipps zu chinesicher Medizin haben.
Und genau darum geht es auch in diesem Artikel: Um Tipps für chinesische Medizin.
Da mein Freundeskreis nun langsam auch in die Jahre gekommen ist und die ein oder anderen Organe auch nicht mehr die jüngsten sind, haben sich auch hier die Prioritäten geändert.
Ich wurde also gefragt ob ich ein gutes Mittel kenne, das bei Beschwerden mit Hämorrhoiden zu empfehlen ist.
Nun, nichts leichter als das. Ich kann zwar keine Erfahrungen aus erster Hand geben, aber solche Themen werden natürlich auch in China (wie bei uns immer mit einem süffisanten Lächeln) ausgiebig diskutiert.
Und man ist natürlich stolz auf chinesiche Präparate die in der Regel alle auf der traditionellen chinesischen Medizin basieren.
Es gibt wohl etliche unterschiedliche Produkte, die von der Allgemeinheit mal mehr, mal weniger gut bewertet werden.
Eines kommt aber immer wieder vor und wird in der Regel auch immer hoch gelobt.
Es handelt sich um 麝香痔疮栓 (shè xiāng zhì chuāng shuān) also übersetzt Moschus Hämorrhoiden Zäpfchen bzw. 麝香痔疮栓膏 (shè xiāng zhì chuāng gāo), das gleiche Präparat als Paste von der Marke 马应龙 (mǎ yīng lóng).
Da es auf der traditionellen chinesichen Medizin aufbaut, sollten sich die Nebeneffekte auch in Grenzen halten.
Nur schwangeren Frauen sollte man dringlichst von diesen Mitteln abraten, da es hier zu ungewollten Komplikationen kommen könnte.
Ich hoffe ich konnte an dieser Stelle weiterhelfen, auch wenn wir (wie immer) auch bei diesem Thema nur an der Oberfläche „kratzen“. ;-)

Es gibt nicht nur Tausende von Krankheiten, sondern auch Tausende von Gesundheiten

Ein Thema über das ich schon immer einmal schreiben wollte ist die „Chinesische Diätetik“ (中医食疗 zhōng yī shíl iáo, bzw. 中医药膳 zhōng yī yào shàn).
Dahinter verbirgt sich die Lehre von Lebensmitteln und welche medizinischen Eigenschaften sie haben.
Das reicht von komplizierten medizinischen Wechselwirkungen unterschiedlicher Substanzen bis hin zu dem täglich gelebten Wissen um Speisen und ihre Wirkung, das vor allen Dingen in China allgegenwärtig ist.
Sie werden wahrscheinlich wissen, dass ein Kamillentee den Magen beruhigt, um mal ein ganz banales Beispiel zu wählen.
Eben jenes Wissen ist in China sehr weit verbreitet. Teilweise muten die Ratschläge auch schon mal etwas seltsam an, aber so etwas gibt es ja bei uns auch.
Es gibt zum Beispiel unzählige Ratschläge, was schwangere Frauen essen sollten und was nicht.
Eine Vielzahl von diesen Erkenntnissen scheinen dabei teilweise schon bis weit ins Okkulte zu reichen. So wohl bei uns als auch in China.
Aber in China treibt man das ganze noch ein wenig weiter als bei uns.
Es scheint wirklich jeder Chinese Hintergrundwissen zu fast jedem Lebensmittel zu haben und zu jedem Gericht gibt es Ratschläge für was es gut bzw. wofür es schlecht ist.
Scharfe Speisen bei Erkältung? Auf gar keinen Fall.
Dagegen hat der Kräutertee aus Artikel [[Kräutertee, Betrug und Bestechung]] eine gute Wirkung bei einer aufkommenden Erkältung (ist aber in grösseren Mengen schlecht für die Männlichkeit. Siehe Artikel [[Das beste Stück]]).
Sie sehen schon wohin das führt... in jeder Lebenslage gibt es gewisse Gerichte die man meiden oder bevorzugen sollte.
Und das verwundert auch nicht weiter. Chinesen scheinen ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Speisen zu haben.
Essen ist in China nicht einfach nur Nahrungsaufnahme, sondern geht über den Gourmet-Anspruch und die Identifikation mit Tradition und Zugehörigkeit über lokale Spezialitäten bzw. typische Speisen bestimmter Volksgruppen hinaus und fasst eigentlich das komplette Leben mit ein in seine Philosophie.
Durch traditionelle und volkseigene Rezepte hebt man sich von der Masse ab, durch die Philosophie hinter den Speisen ist man dann wieder vereint (ich glaube schöner hätte das auch die chinesische Regierung nicht bewerben können). ;-)
Das chinesische Essen und seine Wirkung auf den menschlichen Körper sind eng mit dem Daoismus (道家 dào jiā) und seinen Lehren verbunden.
Yin und Yang (阴阳 yīn yáng), die beiden Gegenteile die alles Leben bestimmen ganz besonders.
Nach dieser Auffassung ist alles was existiert auch unumstösslich mit seiner Gegenseite verbunden.
Dabei muss man sich als Aussenstehender immer wieder vor Augen führen, dass diese Gegensätze nicht absolut sind.
Ein schönes Beispiel sind Tag und Nacht. Ganz klar zwei Gegensätze die immer wieder aufeinander folgen.
Aber die Übergänge sind fliessend da die Zeit nie still steht und so trägt jeder Tag bereits die Nacht in sich und umgekehrt.
Es ist alles in Bewegung (dieses Thema hatten wir ja bereits im Artikel [[Alles in Bewegung]] angesprochen).
Yin und Yang (阴阳 yīn yáng) werden dabei als Unterkategorien unter anderem heisse bzw. kalte Eigenschaften nachgesagt. Das hat nichts mit der tatsächlichen Temperatur der Lebensmittel zu tun, sondern beschreibt die grundsätzliche Wirkung auf den Organismus.
阴 yīn ist dabei kalt und 阳 yáng warm und diesen beiden Eigenschaften werden jeweils unterschiedliche Lebensmittel zugeordnet:
Warme Lebensmittel sind unter anderem Kirschen, Knoblauch, Pfirsiche, Schafskäse etc., kalte so Dinge wie Äpfel, Bananen, Champignons, Grüner Tee usw.
Wenn der Körper jetzt auf Grund einer Krankheit aus dem Gleichgewicht geraten, also eher warm oder kalt ist, kann man mit den entsprechenden Lebensmitteln gegensteuern und das System wieder in die Waage bringen.
Das ist jetzt allerdings nur ganz platt und vereinfacht dargestellt um die grundsätzlichen Theorien zu verstehen.
Tatsächlich werden Yin und Yang (阴阳 yīn yáng) auch noch andere Bedeutungen in diesem Zusammenhang nachgesagt. Man unterscheidet noch andere Unterkategorien: Unter anderem die Gegensätze Innerlich und Äußerlich oder Mangel und Übermaß.
Aber ich denke sie sehen grundsätzlich wohin das alles geht.
Darüber hinaus gibt es weitere Einteilungen für Lebensmittel, so wie die 5-Elemente-Lehre (五行学 wǔ xíng xué), die sich aus dem ständigen Wandel aller Dinge ableiten lässt (auch hier sind die Zustände wieder nicht absolut, sondern Wandlungsphasen).
Das ist entscheidend. Nicht die Zustände selber sind interessant sondern die Wandlungsphasen, also welcher Zustand auf welchen anderen Zustand folgt (vereinfacht gesagt).
Die Zustände sind Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall und sie folgen einem bestimmten Muster was die Abhängigkeiten angeht. Daraus lassen sich wieder unzählige Gesetzmässigkeiten ableiten.
Die naheliegendste ist die vom Wechsel der Jahreszeiten (Holz für den Frühling, Feuer für den Sommer, Metall für den Herbst und Wasser für den Winter. Die Erde steht für die Mitte des Ganzen)
Oder ganz platt für den gemeinen Deutschen übersetzt: Bei der Ernährung sollte man auf saisonale Produkte zurückzugreifen.
Aber da steckt natürlich noch wesentlich mehr dahinter und wir kratzen, wie immer, nicht einmal an der Oberfläche.
Die 5-Elemente-Lehre wie wir sie gerade besprochen haben kommt in dieser Form in der traditionellen chinesischen Medizin vor und wurde für die Ernährungslehre noch erweitert.
So gibt es hier die 5-Geschmacksrichtungen, die bei einer Bestellung im Restaurant alle ausgewogen vertreten sein sollten (nicht selten kommen auch noch Kriterien wie Farbe oder Konsistenz dazu).
Es ist also gar nicht so einfach ein „gutes Mahl“ für die Familienfeier auszuwählen.
Aber kommen wir zurück zu den fünf Geschmacksrichtungen: Diese sind sauer, bitter, salzig, süss und scharf und sie haben natürlich auch wieder alle unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit.
Diese Geschmacksrichtungen werden den fünf Elementen Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall zugeordnet, die auf Grund ihrer Wandlungsphasen beim kochen auch in einer festgelegten Reihenfolge verarbeitet bzw. konsumiert werden sollten.
Je tiefer man sich mit der Materie auseinandersetzt umso komplizierter werden die Zusammenhänge.
Viel tiefer möchte ich auch gar nicht eintauchen in dieses Thema, dafür gibt es zahlreiche andere Seiten im Internet.
Den kleinen Einblick den ich schaffen wollte habe ich hiermit, glaube ich, ausreichend bewerkstelligt.
Somit haben wir nun endlich alle Säulen der chinesischen Medizin besprochen:
- Chinesische Diätetik (中医食疗 zhōng yī shíl iáo, bzw. 中医药膳 zhōng yī yào shàn) - (dieser Artikel) [[Es gibt nicht nur Tausende von Krankheiten, sondern auch Tausende von Gesundheiten]]
- Arzneimitteltherapie (中药治疗 zhōng yào zhì liáo) - [[Die Menge macht das Gift]]
- chinesische Massage (推拿 tuī ná) - [[Bis es weh tut]]
- Bewegungstherapien (Qigong (气功 qì gōng) und Taijiquan ( 太极拳 tài jí quán) - [[Immer wieder ein Kampf]]
- Akupunktur (针灸 zhēn jiǔ) - [[Stichhaltige Beweise]]
- als Unterpunkt zur Akkupunktur das Schröpfen (拔罐法 bá guàn fǎ) - [[Professionelle Knutschflecke]]

Der Titel ist übrigens ein Zitat des schweizerischen Publizisten und Gesundheitsökonomen Gerhard Kocher (Nicht dass ich seine Publikationen kennen würde, aber der Spruch ist mir quasi über den Weg gelaufen und er ist wirklich passend).