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Post und Zoll

Post und Zoll, ein ewiges Thema.
Bzw. DHL (die ich hier der Einfachheit halber mal als Post bezeichne).
Es werden immer mehr Artikel, die dieses Thema behandeln und das wundert auch nicht weiter, schliesslich ist unsere Post bekannt dafür Dinge zu verschlampen oder mit ihren beamtentypischen Prozessen normale Leute zur Weissglut zu bringen.
Heute also wieder einmal eine kleine Anekdote aus dem Umfeld der inetrnationalen Postzustellung:
Vor neun Monaten haben meine Schwiegereltern ein Paket zu uns geschickt.
Drei Wochen nach Aufgabe des Pakets kam dann auch das bekannte Schreiben vom Zoll zur Nachverzollung. Bis dahin noch alles normal.
Auf Grund von Corona sollte man bitte die Nachverzollung über DHL machen lassen. Gerne, ich habe nämlich auch keine Lust mir einen Tag freizunehmen nur damit ich ein Paket selber nach Hause schleppen kann, das eh an mich adressiert ist.
Ich finde es widerspricht grundsätzlich der Idee des Versendens, ein Paket selber zu transporieren .
Also Unterlagen zurückgesendet (kann man sogar jetzt online machen, obwohl das Schreiben per Post komt. Wow!).
Die Benachrichtigung vom Zollamt dass das Paket an DHL übergeben wird kam auch prompt, also nur noch warten auf das Paket.
Aber es kam nicht. Den Sendungsstatus konnte man im Internet auch nicht mehr checken, es war einfach verschwunden.
Telefonisch konnte man es mit der Sendungsnummer noch finden (Es wurde einem dann jedes Mal gesagt, dass die Postleitzahl nicht stimme), aber man bekam über die Websuche im Internet gar keine Informationen mehr zu dem Paket.
Sehr interessant. Der Brief vom Zoll ist ja mit der richtigen Postleitzahl zugestellt worden, muss sich also im Nachhinein ein Fehler eingeschlichen haben.
Inzwischen habe ich mir abgewöhnt bei der telefonischen Auskunft „Sendungsstatus“ anzugeben, sondern wähle direkt „Reklamation“ aus, dann bekommt man wenigstens einen Ansprechpartner (Denn die künstliche Intelligenz die hinter dem System steckt ist offensichtlich noch auf dem stand der 80er Jahre und ganz offensichtlich nicht in der Lage Anfragen befriedigend zu bearbeiten).
Einen Suchauftrag werde man in die Wege leiten und das Paket werde sich bestimmt ganz schnell wiederfinden.
Nach einer ganzen Weile habe ich dann doch noch einmal angerufen und erfahren, dass ich als Empfänger gar keinen Suchauftrag eröffnen kann, sondern dies von der Senderseite geschehen muss. Aber alles gar kein Problem, es verzögert sich alles derzeit ein wenig und ich solle noch bis Ende der Woche warten, dann wäre das Paket bestimmt schon auf dem Postweg.
Es ist dann tatsächlich wieder in der Sendungsverfolgung im Internetportal aufgetaucht.
Etwas verstörend allerdings ist der Umstand, dass es inzwischen dreimal zum Zoll transportiert wurde und danach immer wieder in die Region der Auslieferung.
Ich unterstelle niemandem etwas Böses, schliesslich hätte niemand einen Vorteil davon das Paket spazierenzufahren, ich glaube tatsächlich an völlige Unfähigkeit.
Also erst mal beruhigt und wieder angerufen (das läuft wie folgt ab):
- Angeben dass es sich um eine Reklamation handelt
- mit einem Paket
- international
- ja, Sendungsnummer ist vorhanden
- und die Sendungsnummer langsam buchstabieren.
Dann kommt eine echte Person an den Apparat, man erzählt ihr die ganze Geschichte, gibt nochmal die Sendungsnummer an und seine Adresse.
Dann heisst es „Ich schaue mal kurz nach“ und dann nichts mehr. Man hört nichts, es gibt kein Freizeichen, gar nichts.
Man legt dann erst nach drei Minuten auf, da man wider dem gesunden Menschenverstand doch insgeheim hoff, es würde sich noch etwas tun.
Wenn man es dann eingesehen hat ruft man noch einmal an und geht nochmal durch das ganze Prozedere.
Was soll ich Ihnen sagen: Genau das gleiche ist mir nocheinmal passiert. Entweder die Telefonanlage hatte einen Fehler oder die Unfähigkeit dieses Unetrnehmens zieht sich durch alle Fachbereiche.
Beim dritten Mal hatte es dann funktioniert und man sagte mir, dass die Sendung wieder beim Zoll wäre und ich auf das Schreiben warten solle.
...
Inzwischen waren bereits fast drei Monate vergangen, ich habe immer wieder mit Post und Zoll telefoniert, die mir jeweils den gleichen Schwachsinn erzählt haben.
Die Post behauptete sie hätten das Paket noch nicht bekommen und es läge noch beim Zoll, während der Zoll sagte, das Paket sei bei der Post.
Es ist also niemand zuständig und somit kann man auch niemanden unter Druck setzen.
Zumindest hatte ich endlich die Aussage bekommen dass dies kein Einzelfall ist und bereits mehrere Leute aktuell dieses Problem hatten.
---
Wieder einen Monat und etliche Telefonate später immer noch nichts neues.
Oder besser gesagt: Zwischendurch ist ein Brief mit den Kosten für die nachträgliche Postverzollung gekommen und ich habe mich in kindischer Naivität dazu hinreissen lassen zu glauben das Paket wäre gefunden und auf dem Weg zu uns.
Aber weit gefehlt. die Kosten wurden (sehr verspätet) eingefordert, obwohl der Verbleib de Pakets weiterhin ungewiss war.
Meine Nachrichten an die Post sind in ihrer Wortwahl etwas ausgefallener (bzw. leicht ausfallend) geworden, aber ich habe endlich die Information bekommen, dass ich als Empfänger über das Online-Portal doch einen Nachverfolgungsauftrag einstellen kann.
Das habe ich natürlich sofort versucht.
Was sich aber gar nicht so einfach gestaltet, wenn man die offizielle Webseite durchsucht.
Selbst mit der internen Suchfunktion und dem Suchwort „Nachforschungsauftrag“, was das System einen bereits nach ein paar eingetippten Zeichen von ganz allene vorschlägt, findet man nicht zu der tatsächlichen Eingabemaske des Nachforschungsauftrags.
Dazu muss man schon gezielt eine unabhängige Suchmaschine befragen.
Ich habe sie dann gefunden (die Seite mit der Eingabemaske) und meine Daten eingegeben, mit dem Ergebnis, dass die Postleitzahl angeblich falsch sei.
Da kam ich mir dann so richtig verarscht vor.
Ich hatte bereits schon über zwanzig mal bei diesem Ignoratenverein angerufen und jedes mal die korrekte Postleitzahl angegeben, das hätte man definitiv mal anpassen können (ich hab es ja nur jedes Mal vorgeschlagen).
Ich habe also wieder eine unschöne Nachricht geschrieben, bereits mit dem Hintergedanken dass sich ohne eine groß angelegte Geiselnahme hier wohl nicht viel bewegen wird.
Dann ist angeblich wirklich ein Nachforschungsauftrag eingeleitet worden, seit dem ich natürlich nichts mehr gehört habe.
„Man wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen“ hieß es. Inzwischen war das Paket bereits über vier Monate unterwegs.
Ist es vielleicht möglich, dass DHL einfach eine Liste an Floskeln abarbeitet ohne tatsächlich irgend etwas in die Wege zu leiten?
Die wissen womöglich gar nicht dass sie ein Paketdienst sind...
...
Weitere fünf Monate später (Also neun Monate nach Aufgeben der Sendung) ist das Paket wieder beim Absender in China aufgetaucht.
Na herzlichen Glückwunsch! Die Anziehsachen für unseren Sohn, die darin waren, werden definitiv nicht mehr passen, wenn es ein weiteres Mal auf die Reise geschickt wird.
Völliges Unverständnis gab es auf Seiten meiner Frau und der Schwiegereltern, denn so ein Problem lässt sich in China mit ein, zwei Telefonanrufen einfach regeln.
Aber nicht in Deutschland. Das fällt mir immer wieder auf.
Prozesse scheinen derart festgefahren, dass man als Kunde völlig den Launen des Systems ausgesetzt ist.
In China plant man schon mit ein dass mal etwas nicht so funktioniert wie es sollte und man kann entsprechend gegensteuern, wenn man sich kümmert.
Das scheint in Deutschland nicht ansatzweise möglich zu sein, denn zwei herausragende Eigenschaften der Deutschen scheinen, wie es uns in der Regel vorgeworfen wird, tatsächlich Sturheit und Resistenz gegenüber Verbesserungen zu sein.
Als Fazit halten wir also fest: Wenn ein Paket beim Zoll ankommt, unbedingt hingehen und es selber abholen.
Ansonsten ist es der Willkür einer Bande von Ahnungslosen ausgesetzt und die Zustellung reine Glückssache.

Never change a running system

Wenn man in Deutschland irgendetwas von irgendwelchen Behörden benötigt, geht das in der Regel nicht beim ersten Versuch, sondern es muss kommuniziert werden warum die verquere Einstellung des Amtes im aktuellen Fall völlig fehl am Platz ist.
Das beschreibt den Umgang mit deutschen Behörden und Ämtern eigentlich schon sehr ausführlich.
Wir haben aktuell auch wieder ein Thema, bei dem wir eine teilweise Kostenrückerstattung beantragt hatten, die natürlich erst einmal standardmäßig abgelehnt wurde.
Hintergrund ist, dass man nachweisen muss dass der besuchte Kurs, für den man das Geld wiederhaben möchte, auch erfolgreich abgeschlossen wurde.
Es wird also stillschweigend verlangt, dass man dem selben Amt das die Zertifikate ausgestellt hat, die das Bestehen bescheinigen, diese wieder zusammen mit dem Antrag auf Kostenrückerstattung einreicht.
Mal abgesehen davon dass das an sich schon völlig sinnbefreit ist, könnte man auf solche Dinge auch einfach im Antrag hinweisen, wie ich finde.
Nun gut, wie auch immer. Ich habe natürlich direkt bei besagtem Amt angerufen und mich erkundigt was nun zu tun sei.
Wie man mir sagte, könnte man einfach einen neuen Antrag einreichen oder gegen die Ablehnung Einspruch einlegen.
Es sei schneller einfach einen neuen Antrag zu stellen sagte man mir am Telefon.
Aber inzwischen habe ich ja auch ein wenig Lebenserfahrung und bin nicht das erste mal mit Behörden in Kontakt.
Da bei nicht eingereichtem Einspruch nach einem Monat der Anspruch auf das Geld erlischt, gehe ich davon aus, dass (gerade in jetzigen Zeiten, in denen Behördentätigkeiten noch länger dauern als sonst) ein bearbeiten eines neuen Antrags seitens des Amtes diese Frist übersteigen könnte und es gar kein Geld gibt.
Also schnell einen Brief aufgesetzt. Ja, genau, solche Dinge müssen in Deutschland zwingend auf dem Postweg erledigt werden (Ich bin ja schon froh, dass man es nicht faxen muss) (Den Antrag selber muss man übrigens auch postalisch einreichen).
Und da sind wir dann auch schon beim heutigen Thema:
An dieser Stelle konnte meine Frau nicht mehr an sich halten und musste lauthals loslachen.
Solche Dinge seien in China undenkbar und hätte es zuletzt gegeben als ihre Eltern noch jung waren.
Und ich muss ihr an dieser Stelle tatsächlich Recht geben. Deutschland lebt, während der Rest der Welt bereits im Zeitalter der Informationstechnik angekommen ist, weiterhin in der Bronzezeit.
Man mag vielleicht verstehen, dass man solchen Dingen wie dem bargeldlosen Zahlungsverkehr mit Hilfe des Mobiltelefons gegenüber misstrauisch ist, aber behördliche Kommunikation heutzutage noch ausschließlich auf dem Postweg zuzulassen ist in meinen Augen extrem rückwertsgewandt.
Man muss, wenn man einmal international vergleicht, schon gut suchen bis man noch ein Land findet in dem das so vorkommt.
Inzwischen fühle ich mich immer öfter so wie ein Einwohner eines Dritte-Welt-Staates wenn ich mich mit Freunden aus anderen Ländern unterhalte.
Es gibt nicht wirklich viele Themen bei denen man mithalten kann: Online-Unterricht, behördlicher Service per Email und über das Mobiltelefon, Hochgeschwindigkeitszüge und der Ausbau des Schienennetzes.
Und auch ganz einfach das Interesse an neuen Technologien und das Wissen um sie im täglichen Leben.
Man merkt immer und überall dass Deutschland das Land der alten Leute ist (und damit sind die trägen alten Leute gemeint und all die Leute für die früher immer alles besser war).
Verstehen Sie mich nicht falsch: Deutschland hat viele Vorteile gegenüber anderen Ländern und das macht es in der Gesamtheit zu einem mehr als attraktiven Ort den man sein Heim bezeichnen möchte.
Aber Aufgeschlossenheit und Interesse dem Neuen gegenüber gehören definitiv nicht dazu.
Um also auf unsere einleitende Überschrift zurückzukommen: Man kann ein laufendes System weiter laufen lassen.
Da spricht überhaupt nichts dagegen, vor allen Dingen nicht, wenn man sich nicht sicher sein kann ob die Alternative genau so gut funktionieren wird.
Man kann es aber auch übertreiben und immer weiter laufen lassen, während man zusieht, wie alle anderen Systeme mit Vollgas an einem vorbeiziehen.
Ein wenig mehr Innovationsgeist und (positiven) Blick in die Zukunft würde ich mir manchmal doch schon wünschen.

Schon wieder Corona (gähn...)

Deutschland befindet sich auf Grund von Corona und den rapide steigenden Zahlen an Infizierten im „Teil-Lockdown“.
Gaststätten, Kinos, Theater usw. haben geschlossen, während die Leute weiterhin zur Arbeit gehen müssen, wenn ihnen ihr Arbeitgeber nicht die Möglichkeit zum Home-Office ermöglicht.
Und die Schulen und Kindergärten sind auch offen.
Oder sagen wir lieber: Sie sind so lange offen, bis wieder jemand positiv auf Corona getestet wurde und werden dann eine Zeit lang geschlossen. Danach geht das Spiel wieder von vorne los.
So auch in unserem Kindergarten. Eine später positiv getestete Person hatte Kontakt zu zwei Kindergärtnerinnen, von denen dann eine auch positiv getestet wurde.
Das bedeutet Quarantäne für alle Kinder und anderen Personen die Kontakt mit ihr hatten, 14 Tage lang.
Man bekommt vom Gesundheitsamt eine lapidare SMS, so fern die Kindergartenverwaltung die Telefonnummer weitergegeben hat, die sagt: „Das Gesundheitsamt hat entschieden dass Sie in Quarantäne müssen. Alle Informatonen erhalten sie per email von...“.
In der Email steht dann noch einmal genau das gleiche in einer schöneren Formulierung und es gibt ein paar Links zu allgemeinen Dokumenten.
Nirgendwo steht bis wann man sich zu Hause einschliessen muss, das muss man bei seinem Kindergarten erfragen, denn eine Telefonnummer für den Ernstfall gibt es zwar auch, aber wie mir alle Beteiligten bestätigt haben, ist die Leitung selten besetzt.
Das Gesundheitsamt arbeitet auch am Limit. Das merkt man vor allen Dingen dann, wenn das offizielle Schreiben, in dem explizit steht warum und bis wann man in Quarantäne muss, erst eine Woche nachdem man bereits wieder vor die Türe darf im Briefkasten liegt.
Man ist also schön zu Hause geblieben, hat gehört dass es andere wirklich erwischt hat und fragt sich: „Haben wir es vielleicht auch, nur mildere Symptome?“
Nun, ohne Symptome kein Test, es sei denn man ist willens ihn selber zu bezahlen. Also weiterhin Ungewissheit.
Wenn man sich, wie ich, in der glücklichen Lage befindet dass die Firma einem anbietet kostenfrei einen Corona Schnelltest zu machen, dann sieht das ganze schon besser aus.
Also Stäbchen in den Hals (und zwar bis zum Anschlag.) und 30 Minuten auf das Ergebnis warten.
Der Test ist negativ, die Erleichterung gross und die Ungewissheit vorüber (Zumindest eine Zeit lang).
... und dann war da noch die Geschichte mit dem Ordnungsamt:
Als wir letztens beim Kinderarzt waren und wir in eine Gruppe Beamte vom Ordnungsamt gelaufen sind habe ich ein kleines Stück weit verstanden warum immer mehr Leute sich gegen die eigentlich sinnvollen Auflagen auflehnen.
Aber fangen wir von vorne an: Für den Besuch beim Kinderarzt nehmen wir neuerdings immer ein Taxi um die überfüllten Bahnen zu vermeiden.
Also Maske an, rein ins Taxi zum Kinderarzt. Hier muss selbstverständlich auch eine Maske getragen werden.
Nach dem ganzen Prozedere erst mal an die frische Luft und kurz durchatmen.
Auf dieser Strasse ist es leider neuerdings auch Pflicht eine Maske zu tragen (nicht dass man das irgendwo sehen könnte, das muss man einfach wissen).
Wir hatten die Maske also nicht einmal eine Minute ab und auch niemanden in unserer Nähe mit dem wir Viren hätten austauschen können, da mussten wir auch schon 50 EUR pro Person Strafe zahlen.
Keine mündliche Verwarnung oder ähnliches, sofort zur Kasse.
Das ist um so ärgerlicher, da wir eigentlich sehr darauf bedacht sind uns und andere zu schützen.
Wie gesagt: Da kann ich die Verdrossenheit einiger in der Bevölkerung durchaus nachvollziehen.
Wenn kein Dialog mehr möglich ist, sondern einfach nach schwarz und weiss unterschieden wird, dann machen die Maßnahmen grundsätzlich keinen Sinn, da niemand sie für gerecht erachten kann und dadurch ihre Befolgung grundsätzlich nicht unbedingt sinnvoll erscheint.
In meinen Augen ein klares Zeichen in die falsche Richtung.
Ich würde nicht so weit gehen und die Maßnahmen grundsätzlich in Frage stellen, aber es offenbart sich doch wieder das alte, leider viel zu deutsche Problem das ich auch schon vor Jahren in dem Artikel [[Klugscheißer]] beschrieben habe.
Neben der deutschen Überheblichkeit die Abarbeitung von Richtlinien ohne Sinn und Verstand.
Es macht mir immer weniger Spass in die Stadt zu fahren und ich hab auch die Lust verloren mich überhaupt noch mit Menschen auseinandersetzen zu müssen.
Ich bin im Moment einfach froh, wenn ich mit der Familie zu Hause sitzen kann und meine Ruhe habe (so fern man bei Home-Office mit Kind überhaupt von Ruhe reden kann).
Und damit das heute kein Artikel wird der völlig losgelöst vom Blog Thema „China“ ist, möchte ich ganz lapidar festhalten dass es all das im Reich der Mitte auch gibt: Eine allgegenwärtige Corona-Verdrossenheit, das Warten auf den ersehnten Impfstoff, Maßnahmen über Maßnahmen und eine Art Ordnungsamt, dessen Mitarbeiter herumlaufen, den Leuten das Leben schwer machen und sich aufführen wie die Axt im Walde.
Ein schwacher Trost, aber immerhin. Wir sind nicht alleine.

Durcheinander, 7, 8, schlecht

乱七八糟 (luàn qī bā zāo) ist ein interessanter chinesischer Ausdruck.
乱 (luàn) steht für Durcheinaner, Chaos, 七 (qī) ist die 7, 八 (bā) die 8 und 糟 (zāo) steht für erbärmlich, miserabel, schlecht.
Wort für Wort übersetzt ist es ein ziemliches Durcheinander und genau das drückt der Ausspruch auch aus.
Wenn das einfache Wort 乱 (luàn) für unordentlich nicht mehr ausreicht, dann hängt man noch die anderen Wörter hintendran um zu betonen, dass es sich wirklich um ein außerordentliches Chaos handelt.
Beschreiben kann man damit so ziemlich alles und genau das wollen wir auch heute tun.
Ich habe nämlich in letzter Zeit wieder vermehrt die Erkenntnis gewonnen, dass jeder Mensch für sich eine eigene Wahrnehmung der Welt entwickelt hat und viele Leute diese offensichtlch unbedingt auch lautstark zum Ausdruck bringen müssen.
Je chaotischer die Ansichten, desto lauter ihr Verfechter, so scheint es.
Corona hat viele unterschiedliche Meinungen entstehen lassen und zu teilweise recht skurrilen Ereignissen geführt.
Die sogenannten Hygienedemos, vor allen Dingen in Berlin, sind ein gutes Beispiel dafür.
Dabei möchte ich gar nicht, wie sonst in den Medien üblich, die ungewöhnliche Konstellation von Neuzeithippies und anderen eher linksgerichteten Protestlern die neben Reichsbürgern, Holocaustleugnern und anderen Individuen aus der eher rechten Szene protestieren herausstellen, sondern mich ganz bewusst ausschließlich auf die Inhalte der angemeldeten Demo selber beziehen.
Da ging es, ganz grob zusammengefasst darum, dass man die Maßnahmen die man zur Coronaeindämmung verordnet hat als zu drastisch einschätzt.
Da gibt es dann natürlich auch wieder unterschiedliche Abstufungen.
Die einen, die seit der Kurzarbeit finanziell kaum noch über die Runden kommen und Selbstständige die mit jedem Tag mehr Schulden anhäufen über Menschen denen das Tragen einer Maske über einen längeren Zeitraum dermaßen unangenehm ist, dass sie diese Maßnahme wieder abschaffen wollen bis hin zu Leuten die davon überzeugt sind dass es Corona gar nicht gibt, sondern es nur ein Vorwand ist um bald eine Impffpflicht zu verordnen und den Menschen einen Microchip zu implantieren, oder ähnliches.
Alles bunt durcheinander, ein wundersames, teils märchenhaft anmutendes Chaos. 乱七八糟 (luàn qī bā zāo).
Ich kann den Wunsch durchaus nachvollziehen, auch ich habe es satt beim Einkaufen und in der Straßenbahn ständig eine Maske tragen zu müssen.
Aber der Wunsch alleine reicht leider nicht aus um eine Pandemie zu beenden.
Zugegeben in Deutschland sind die Zahlen der schweren Fälle nicht mehr sehr hoch, aber weltweit sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.
Ich habe oft die Befürchtung dass viele Menschen, selbst wenn sie oft im Ausland Ferien machen, sich mit ihrem Gemüt stetig in Deutschland befinden. Unfähig auch nur ein klein wenig über den Tellerrand zu schauen.
Und somit auch immer einen guten Teil von der Realität entfernt.
Diese Erfahrung hat sich, seitdem ich in China gelebt habe, natürlich noch verstärkt.
Bestes Beispiel sind all die Leute die einen erst fragen wie es sich denn so in China lebt und dann alle Informationen die man ihnen gibt als Unfug zurückweisen um einem dann zu erklären wie China wirklich ist. Nicht selten auch ohne jemals selbst dort gewesen zu sein.
In diesem Fall würde ich mir in der breiten Masse mehr Erfahrungen im Ausland wünschen.
Auf der anderen Seite denke ich dass gerade jetzt Urlaub im Ausland nicht die beste aller Ideen ist.
Aber auch hier scheine ich wieder alleine auf verlorenem Posten zu sein.
Als hätten die Deutschen die letzten Jahrzente eine Reisesperre über sich ergehen lassen müssen, sind sie direkt nach der ersten Welle alle wieder an die Strände dieser Welt gereist.
Ich verstehe ja dass viele Menschn irgendwann mal wieder zurück zur Normalität wollen, aber doch bitte nicht mit der Brechstange.
Aber das sind glücklicherweise nur kleine Rückschläge, denn ich denke dass alles in allem Deutschland gut gehandelt hat und seine Einwohner zum grossen Teil die Maßnahmen auch akzeptiert und gelebt haben (Ein wenig Meckern gehört nunmal einfach dazu, so sind wir Deutschen halt).
Zu Anfang drastische Maßnahmen um dem unbekannten Virus entgegenzutreten und jetzt immer mehr Lockerungen basierend auf immer weiteren Erkenntnissen die die Wissenschaft unaufhörlich sammelt.
Und auch ich bin der Meinung dass man in diesem Fall lieber etwas zu vorsichtig sein sollte, als alles wieder auf´s Spiel zu setzen.
Denn wir als Gesellschaft tragen eine Verantwortung den Risikogruppen gegenüber. Da ist es auch völlig egal ob man meint dass Masken nicht schützen oder die Todeszahlen nur Personen beziffern die mit Corona aber nicht zwangsläufig an Cororna gestorben sind.
Wir haben nunmal weltweit einen enormen Anstieg an Infizierten, an schweren Erkrankungen mit Corona und an Todesfällen mit Corona zu verzeichnen.
Und ich denke da ist es nicht zu viel verlangt, dass wir gegenseitig ein wenig auf uns aufpassen.
In der Welt gibt es bereits so schon einiges an Chaos, machen wir es nicht noch schlimmer.

Corona Update

Während man in Amerika das Corona Virus nur noch als „China-Virus“ betitelt, ist man in weiten Teilen Chinas sicher, dass es seinen Ursprung in Amerika hatte. Die Propagandamaschinen laufen auf Hochtouren.
Und auch kleinere und grössere Verschwörungstheorien machen wieder die Runde (ich liebe Verschwörungstheorien, sie sind das Salz in der Suppe und machen den Tag erst so richtig interessant).
Ganz weit oben bei den „alternativ Informierten“ ist die Gewissheit dass das Corona Virus gar nicht existiert, sondern nur ein Vorwand ist damit Bill Gates allen Bürgern getarnt als Zwangsimpfung einen Microchip implantieren kann.
Ich beneide ehrlich gesagt Leute die solche Dinge glauben, verkörpern sie doch den standhaften Glauben, dass irgendwer, irgendwo irgendwas unter Kontrolle hat.
Nun, wie auch immer...
Es ist viel passiert zwischenzeitlich: Massenproteste in Amerika und inzwischen auch weltweit, da wieder einmal ein schwarzer US Bürger willkürlich von der Polizei getötet wurde.
Ein Vorkommnis das hierzulande mehr Leute auf die Strasse gebracht hat um gegen Rassismus zu demonstrieren als rassistische Übergriffe im eigenen Land.
Seltsam. Aber freuen wir uns lieber einfach über den Mut der Leute sich endlich für etwas zu engagieren, was auch in Deutschland schon lange überfällig ist.
Vielleicht hat auch Corona und der Drang endlich wieder rauszugehen dazu beigetragen, dass mehr Menschen auf die Strasse gegangen sind. Ach ja, da war doch noch was!
In Deutschland gehen die Zahlen der Neuinfektionen weiter zurück auch nachdem viele Lockerungen in Kraft getreten sind. Nur hier und da ein paar kleinere Vorfälle.
In Amerika wird dieses Thema einfach nicht mehr angesprochen und es ist abzusehen dass eine weitere Verschärfung der Lage geradezu vorprogrammiert ist.
In China besteht derzeit die Gefahr eines weiteren Ausbruchs. Die sogenannte und oft befürchtete zweite Welle.
Ausgerechnet in Beijing, wo man trotz geringer Corona Fälle extreme Massnahmen wie Ausgangssperren etc. verordnet hatte um die Hauptstadt um jeden Preis virusfrei zu halten, sind auf einem Grossmarkt wieder Fälle bekannt geworden.
Auf dem Xinfadi Grossmarkt (新发地市场 xīn fà dì shìchǎng) wurden bei den regelmässigen Tests aktuell alarmierende Zahlen positiver Fälle gemeldet.
Der Xinfadi Grossmarkt (新发地市场 xīn fà dì shìchǎng) im Fengtai Distrikt (丰台区 fēng tái qū), in dem auch ich eine Zeit lang gelebt habe, ist ein riesiges Viertel. Hier werden 90% der Gemüse- und Obsteinfuhren für die Hauptstadt abgewickelt und weiterverkauft.
Ich bin früher öfter mit der U-Bahn, die an dieser Stelle überirdisch auf einer Trasse fährt, auf dem Weg zu einer von Beijings unvorstellbar grossen Shoppingmalls (siehe Artikel [[Das Kinderparadies (auch für Erwachsene)]]) über die Tristesse der chinesischen Zweckbauten und halbverfallenen Lagerhallen und unbefestigten und staubigen Strassen hinweggeschwebt.
Es hat lange gedauert bis ich in dem vermeintlich noch unerschlossenem Gebiet den Grossmarkt erkannt habe, für mich war es einfach ein altes Viertel das noch auf den Aufschwung und Interessierte Investoren gewartet hat.
Nicht nur dieser Markt wurde auf Grund des Vorfalls komplett geschlossen und von Grund auf desinfiziert, sondern auch andere Märkte.
Die Versorgung mit Lebensmitteln wird also eine Zeit lang beeinträchtigt sein.
Darüber hinaus wurden auch in der umliegenden Nachbarschaft die Sicherheitsmassnahmen wieder straff angezogen.
Derzeit ist es eh nicht einfach in China . Inländische und vor allen Dingen ausländische Reisen sind stark eingeschränkt und werden es voraussichtlich auch weiterhin bleiben.
Hauptsächlich um ein erneutes Einschleppen der Krankheit zu verhindern.
Es ist zur Zeit zum Beispiel gar nicht möglich als Ausländer nach China zu reisen, es werden überhaupt keine Visas ausgegeben.
Während wir in Deutschland auf Grund der Lockerungen also wieder einen mehr oder weniger normalen Tagesablauf gestalten können (von Home Office, Kurzarbeit und Maskenpflicht beim Einkaufen einmal abgesehen), sieht es anderswo ganz anders aus.
Beijing stellt sich auf weitere Verschärfungen von Abriegelungen und Ausgangssperren bestimmter Stadtviertel ein und Amerika ist (ganz lapidar gesagt) so ziemlich dem Untergang geweiht.
Auch in anderen Europäischen Staaten sieht es düsterer aus als hier bei uns.
Derzeit kann man von Glück sprechen, wenn man seine Zeit in Deutschland verbringen kann.
Hoffen wir, dass es auch so bleibt und dass es im Rest der Welt auch schnell wieder besser wird.