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Professionelle Knutschflecke

Hochhäuser in Beijings CBD District.
Öfters sieht man auf chinas Strassen oder in der U-Bahn Menschen, deren Hemden, Blusen oder T-Shirts die frischen Wunden nicht ganz verdecken können. Am Hals blicken meist ein, zwei von ihnen hervor, prangen dunkelrot, teilweise sogar bläulich wie Würgemale auf der Haut.
Aber keine Angst, diese Leute hatten keinen Unfall, oder sind Opfer einer Gewalttat geworden, sie waren lediglich beim Schröpfen.
Schröpfen, auf chinesisch 拔罐法 (bá guàn fǎ) (die Schröpfbehandlung) oder 拔​火罐 (bá huǒ guàn) , was den Vorgang beschreibt, der mit „den Feuerkrug aussreißen“ eine schöne, bildliche Übersetzung hat, ist eine Therapie in der traditionellen chinesischen Medizin und gehört neben (艾灸 ài jiǔ) (übersetzt „Moxibustion“. Erwärmen von bestimmten Hautstellen) und 刮痧 ā shā (eine Schabetechnik auf der Haut) zu einer Unterart der Akupunktur (针灸 zhēn jiǔ), die wiederum eine der fünf Säulen der traditionellen chinesischen Medizin ist.
Das Schröpfen kann heutzutage mit elektrischen Hilfsmitteln durchgeführt werden, allerdings ist das sehr selten. Üblicherweise verwendet man kleine Glaskrüge, in die man kurz einen brennenden Wattebausch hält, um die Luft in ihnen zu erhitzen und sie dann auf den Körper setzt.
Der so entstandene Unterdruck reizt entweder verhärtete Muskeln, ähnlich der Massage (siehe Artikel [[Bis es weh tut]]) oder die Meridiane auf die er gesetzt wurde. Meridiane sind in der chinesischen Medizin Kanäle, in denen Energie fliesst. Wenn man diese reizt kann man auch bestimmte Effekte erzielen.
Im entfernten sind sie verwandt mit Nervenbahnen, deren Lage sie im menschlichen Körper auch teilweise teilen.
Man kann mehrere Schröpfgläser auf die Haut aufsetzen und eine Zeit lang einwirken lassen.
Je nachdem wie viele Gläser aufgesetzt werden, sieht der Patient dann schon einmal aus wie ein gläsener Igel.
Und nachdem die Gläser wieder entfernt wurden wie ein Kunstwerk von Yayoi Kusama ;-)
Es gibt aber auch die Methode mit einem einzelnen Schröpfglas und einer dünnen Cremeschicht die Haut mit Hilfe des Unterdrucks zu massieren, indem man das Glas von einer Stelle zur anderen schiebt. Diese Methode fällt schon wieder in den Massagebereich (推拿 tuī ná) und wird im deutschen als „laufendes Schröpfen“ bezeichnet.
Das Schröpfen ist überall auf der Welt schon lange bekannt, aber in der modernen, westlichen Medizin zweifelt man eine medizinische Wirkung dieser Methode generell an und tut es als Pseudowissenschaft ab.
In der chinesischen Medizin sagt man, dass durch das Schröpfen nicht bloss die Durchblutung, sondern auch der Fluss der Kräfte im Körper angeregt wird.
Man unterscheidet je nach Intensität zwischen dem trockenem und dem blutigen Schröpfen.
Beim blutigen Schröpfen desinfiziert man die entsprechende Körperstelle und sticht mit Hilfe einer feinen Nadel kleine Poren in die Haut, bevor man die Schröpfgläser aufsetzt.
Somit wird eine kleine Menge an Blut aus dem Körper gesaugt, was auch einen entspannenden Effekt hervorrufen soll.
Im deutschen wird das Wort „schröpfen“ umgangssprachlich auch dafür gebraucht zu beschreiben, wenn jemandem unverhältnismässig viel Geld für etwas abgenommen wird.
Ich schätze mal, dass es sich um einen bildlichen Vergleich handelt, so als sauge man das Geld aus jemandes Geldbörse.
Aber da brauchen sie in China keine Angst zu haben. Schröpfen ist eine gerne genutzte Anwendung in der chinesischen Medizin und überhaupt nicht teuer.
Einzige, vergleichbare und billigere Variante ist der Knutschfleck, den der Partner in der Regel unentgeltlich macht. ;-)

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