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Sahneheringe - oder - Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix

Laut der modernen Physik (oder zumindest einer populären Strömung in ihr), sollen wir glauben dass am Anfang, also zur Entstehung des Universums weder Raum noch Zeit existiert haben.
Das ist erst einmal ein ziemlich schwer verdaubarer Brocken, so etwas bereitet gewisse Schwierigkeiten, wenn man versucht es sich vorzustellen. Aber gut, lassen wir das erst einmal so stehen.
Dann gab es angeblich den grossen Knall und alles breitete sich aus, verdampfte, wurde fest, zersetzte sich wieder, wurde wieder fest bis endlich das Universum mit all seinen Galaxien, Sternen, Elementen, Sahneheringen und Hundekotbeutelspendern da war.
Wenn das der Anfang war, ist natürlich die Frage: „Was war vorher?“ ... Ach ja, ich vergaß: Es gab ja noch keine Zeit, also auch kein "vorher" (ich kann meinen Verstand einfach nicht dazu bringen so verquer zu denken).
Nun gut, es gab halt keine Zeit in unserem Ding und Raum auch nicht. Aber muss es nicht doch irgendwoher gekommen sein?
Die Weltreligionen sagen einfach: „Klar. Vorher war Gott und der hat alles gestartet.“ (Auch nicht sehr überzeugend, meiner Meinung nach, aber zumindest schon mal ein Erklärungsversuch).
Nehmen wir doch einfach mal das Gott-Modell und modifizieren es ein wenig:
Gehen wir einfach davon aus, dass da etwas war, das das ganze gestartet hat.
Und was denn eigentlich? Nun ja die Existenz von einfach allem. ... Hm, das ist ein wenig vage.
Nun, betrachten wir es doch einfach mal von dieser Seite: Das Universucm, das Leben und alles was so dazugehört, folgt, so weit wir das erkennen können bestimmten Regeln: Physikalische Gesetze, mathematische Prinzipien etc.,
Und nach diesen Regeln läuft das Programm „Existenz“ ab.
Um mal bei dem Gott-Modell zu bleiben: Da hat der alte Herr einfach einen Doppelklick auf das „Erschaffe alles“-Symbol gemacht, vielleicht weil er ein paar Sahneheringe haben wollte und so nahm alles seinen Lauf, streng nach den Regeln des Programms.
Dann wäre unsere Existenz natürlich streng genommen eine Simulation. So, wie wir Simulationen auf unseren Rechnern ausführen, wären auch wir Teil eines Programms das irgendwo abläuft.
Diese Idee ist natürlich nicht einfach auf meinem eigenen Mist gewachsten, auch wenn ich sie vielleicht ein wenig mit Sahneheringen ausgeschmückt habe, sondern es gibt Befürworter und natürlich auch Gegner dieser und ähnlicher Theorien und diese werden rege diskutiert.
Eine recht bekannte Aussage ist zum Beispiel, dass nur das Universum selber die Rechenpower aufbringen könnte, um etwas wie sich selbst zu simulieren.
Das ist ja an sich schon einmal recht seltsam, wenn man davon ausgeht, dass etwas simuliert ist, kann man selbstverständlich auch nicht innerhalb dieses Konstruktes nach Grenzen suchen, sondern muss davon ausgehen dass es etwas größeres darum gibt.
So weit alles gut und schön, aber wie könnte man erkennen dass man in einer Simulation lebt?
Wenn wir von unseren Simulationen ausgehen, dann ist das wohl auffälligste Mekrmal dass man sich in einer künstlichen Realität befindet wohl jenes, dass es hin und wieder zu kleinen Fehlern kommt, die Anomalien verursachen können.
Philip K. Dick, einer der einflussreichsten Science-Fiction Autoren userer Zeit hat immer wieder von mehreren Realitäten geschrieben, die parallel ablaufen.
Also so wie Programme auf einem Computer. Und bei einem Fehler im Programm soll es dann möglich sein, dass Daten aus der einen in der anderen landen.
Hört sich ganz nach einem Daja-Vu an, oder auch nach dem Mandela-Effekt (eigentlich Konfubulation genannt).
Dieser besagt, dass viele Menschen sicher sind dass Nelson Mandela während seines Gefängnisaufenthaltes in den 1980er Jahren verstorben sei, obwohl er (in dieser Realität) tatsächlich erst 2013 an einer Lungenentzündung gestorben ist.
Es gibt einige dieser seltsamen Ereignisse. Mein persönliches, das ich mit unzähligen Menschen teile ist das folgende:
Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Oxygene IV von Jean Michel Jarre damals die Titelmusik der Wissenssendung „Aus Forschung und Technik“ mit Joachim Bublath war (hatte ich in Artikel [[Von Robbi, Tobbi, Drecki und Kotze]] einmal kurz angerissen).
Nach Philip K. Dick fühlt sich ein Deja-Vu so an als hätte man es bereits einmal erlebt, weil genau das den Tatschen entspricht.
Oder mit anderen Worten: „Deja-Vus sind oft Fehler in der Matrix - Das kann passieren, wenn sie etwas ändern“, wie es so schön in dem Film Matrix von Lana und Lily Wachowski (Den Wachowski Brothers, die jetzt die Wachowski Sisters sind) heisst, der ja bekanntlich auch von einer simulierten Welt handelt.
In dem Film "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder von 1973, der auf dem Roman "Simulacron-3" von Daniel F. Galouye aufgebaut ist, der auch von einer simulierten Welt handelt und der mich als Kind bereits sehr in seinen Bann gezogen hatte, obwohl ich seiner Bedeutung nur bedingt folgen konnte, wird dieses Phänomen auch aufgegriffen.
Ein Zeitungsartikel, an den sich der Protagonist noch erinnert, scheint niemals existiert zu haben.
Alles Dinge oder Begebenheiten, die nie passiert sind, obwohl man sich an sie erinnert oder einfach nicht mehr das sind, was sie einmal waren und nichts von alledem kann man wirklich erklären.
Denn es sind alles nur Indizien, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.
Das menschliche Gehirn ist zu grossen Teilen noch unerforscht und so weit wir es bereits kennen, gelinde gesagt ein absoluter Chaot, wenn es um Speicherplatzzuweisung geht, da kann hier und da schon mal was in den Zeitlinien und den dazughörigen Schubladen verrutschen.
Wo also besser nach Beweisen suchen, als in der Wissenschaft selber?
Ein anderes Phänomen von Simulationen ist nämlich die Aufteilung von Rechenpower auf die wichtigsten Dinge.
In einer Spielesimulation zum Beispiel wird alles das, was sich in unmittelbarer Nähe zum Spieler befindet, detailgetreu berechnet, während Dinge die weit weg sind nur ungenau dargestellt werden.
Rendern nennt sich dieser Prozess und er geschieht in modernen Spielen zur Zeit des Spiels selber. Also in „Echtzeit“.
Wenn man sich ausserhalb von Gebäuden befindet, macht es für den Computer natürlich überhaupt keinen Sinn das Innere zu berechnen. Erst wenn man das Gebäude betritt werden diese Daten benötigt.
Sollte es so etwas etwa auch in unserer Realität geben?
Sylvester James Gates, ein amerikanischer theoretischer Physiker hat, als er Quarks untersucht hat, mit Hilfe der Stringtheorie einen "fehlerkorrigirenden Code" gefunden, wenn man es so nennen mag, aber dazu gleich mehr.
In 2017 haben Wissenschaftler an der Universität von Washington bewiesen, dass sie Computercode in DNA Stränge integrieren können.
Somit sind Computerprogramme und das menschliche Leben grundsätzlich schon nicht mehr weit voneinander entfernt.
Auch in der Natur folgt alles mathematischen Prinzipien: Die Fibonacci-Folge und der goldene Schnitt (hatten wir in Artikel [[Werkzeug der Harmonie]] bereits angesprochen) finden sich überall in der Schöpfung des grossen Sahneheringsherstellers wider.
Vom Schneckenhaus, über die Anordnung von Samen in einer Sonnenblume bis hin zur Form einer Spiralgalaxie.
Von den Atomen bis hin zu kosmischen Gebilden, alles folgt den gleichen Gesetzen. Wenn man so will, einem Programm.
Aber kommen wir noch einmal auf das Rendern zurück: In unseren Simulationen, wie Spielen etc. werden immer nur die Stücke detailgetreu gerendert, mit denen der User aktuell interagiert oder die sich in unmittelbarer Nähe zu ihm befinden.
Was wäre wenn das in unserer Welt auch so funktionieren würde?
Und da sind wir wieder bei der Stringtheorie: Ein Experiement genannt „Doppelspaltexperiment“ präsentiert uns ein sehr interessantes und absolut unerwartetes Ergebnis, wenn wir es durchführen.
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, nur so viel: Bei Wellen, die wir durch diese Apparatur schicken, erwarten wir ein Muster aus mehreren Strichen, das durch die Wellen und ihre Wechselwirkung aufeinander entsteht.
Ein sogenanntes Interferenzmuster, das durch zwei parallele Schlitze entsteht, durch die sie geschickt werden.
Bei Materie hingegen erwarten wir zwei Striche, entsprechend der beiden Schlitze, da sie diese auf direktem Wege passieren sollten ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
So weit die Erwartung. Wenn wir jetzt aber tatsächlich Elementarteilchen durch dieses Experiment schicken, sieht es so aus als würden diese keine Materie sein, sondern Wellen, da wir eben jenes Muster aus mehreren Strichen zu sehen bekommen.
Und jetzt wird es richtig wild: Wenn wir die einzelnen Teilchen beobachten während sie durch die Schlitze treten, ändert sich das Ergebnis plötzlich und das erwartete Muster mit zwei Strichen erscheint, beobachten wir sie nicht mehr, bekommen wir wieder das Wellenmuster.
Und das ganze unabhängig davon ob wir sie vor, oder nach dem dem durchtreten der Schlitze beobachten, was bedeuten würde, dass die Teilchen eigentlich schon vorher gewusst haben müssen ob sie als Welle oder Teilchen durch die Schlitze gehen müssen und ob sie später beobachtet werden oder nicht, um eben jene Muster zu erzeugen.
Und da haben wir ihn, unseren “fehlerkorrigirenden Code”. Das Ergebnis ist entsprechend so, wie es sein soll, wenn man es überprüft.
Falls Sie, lieber Leser, das mit Hilfe von gesundem Menschenverstand erklären können, lassen Sie es mich bitte wissen, es wartet ein Nobelpreis auf Sie.
Und da wären wir dann auch schon wieder bei unserer Computersimulation: Bestimmte Dinge werden erst dann gerendert, wenn der Fokus auf ihnen liegt.
In unserem Fall verhalten sich die Teilchen nur wie Teilchen, wenn wir sie beobachten.
Ist dies vielleicht ein Beweis, dass wir in einer Simulation leben? Oder ist es bloss einer dieser Ausrutscher des wissenschaftlichen Denkens, die sich hin und wieder mangels einer besseren Erklärung etablieren?
Das Rosinenkuchenmodell von Joseph John Thomson zur Erklärung zum Aufbau von Atomen wurde auch erst 1911 zum Rutherfordsches Atommodell verfeinert.
So gesehen betrachten wir hier vielleicht gerade das Sahneheringsmodell und es fehlen uns ein paar Informationen um wirklich Sinn aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen.
Aber wieso erzähle ich das alles (und warum drifte ich immer so weit ab)?
Eigentlich wollte ich von Verkäufern in China erzählen, denn bei Verkäufern in China stösst man auf ein ähnliches Phänomen.
Man beschaut sich die Ware, ist sicher man weiss um was es sich handelt, nur um nach dem Gespräch mit dem Verkäufer herauszufinden, dass sich magischerweise alles ganz anders verhält als gedacht.
Kurzes Beispiel: Ich wollte ein Teebrett kaufen.
Das ist eine kleine, recht flache, hölzerne Kiste mit einem Gitter oben.
Es dient dazu, darauf Teetassen und Teekannen zu stellen, so dass das überflüssige Wasser durch das Gitten ablaufen kann.
Es wird dann in einer Art Schublade aufgefangen, oder bei etwas besseren Modellen über einen Schlauch abgeführt.
In Artikel [[Abwarten und Tee trinken]] kann man genau sehen, worum es sich handelt.
Ich hatte mir ein Modell in einem Laden ausgesucht das mir sehr gut gefiel und wollte es kaufen.
Das Ausstellungsstück war sehr gut verarbeitet und dunkelgrün.
Das Modell das ich bekam war braun.
Auf Nachfrage, ob es das Modell auch noch in grün gäbe, bekam ich die spontane Antwort, dass es sich hier genau um das gleiche Modell handele und es bei regelmäßiger Nutzung auch grün werden würde.
Nicht dass mich die Farbe gestört hätte, eigentlich hat mir das braune ebenso gut gefallen wie das grüne.
Aber es ist doch schon interessant, dass ähnlich dem Doppelspaltexperiment, ein Ding auf den ersten Blick braun, bei genauerer Erklärung dann aber doch grün ist.
Chinesische Verkäufer erzählen ihren Kunden die absurdesten Dinge, selbst wenn sie so unglaubwürdig sind, dass man beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln.
Ähnliche Vorfälle sind mir in China ständig passiert, Lügen zu erzählen scheint fast schon ein Reflex zu sein.
Ich gebe zu, dass Verkäufer auch in Deutschland dem Kunden um den Mund reden um ihre Waren zu verkaufen.
Aber in China hat das ganze noch eine ganz andere Dimension.
Da ändern Dinge schon mal ihre physikalischen Eigenschaften, einfach so.
Wahrscheinlich hat da einfach jemand etwas in der Matrix geändert.

Wuhan (武汉 Wǔhàn)

Im Schlafzug (Bild 1) in 11 Stunden von Beijing nach Wuhan (武汉 Wǔhàn) (ja, genau. Das Wuhan wo das Coronavirus seine Wurzeln hat).
In den alten Klamotten geschlafen, es sind wieder 40 Grad im Schatten und morgens bei der Ankunft ist das Hotelzimmer noch nicht frei.
Wir machen uns auf den Weg um Dinge zu erledigen und mein Poloshirt riecht inzwischen wie die hintere Ecke eines Käfigs den ein geschlechtsreifer Puma zur Brunftzeit bewohnt.
Nachmittags dann endlich Einzug in die gemieteten vier Wände einer amerikanischen Hotelgruppe, die auch die Räume, die nur einen klitzekleinen Teil des Flusses am Rande des Fensters erahnen lassen, als „Riverview“ anpreisen.
Wir mussten nochmal umbuchen, denn der Blick auf den Fluss ist wirklich atemberaubend (Video 1), ähnlich wie mein Poloshirt, das ich dann endlich wechseln konnte.
Hier in Wuhan gibt es weniger Ausländer als in Beijing und man wird öfters schon mal angestarrt.
Unser Sohn hingegen, wird behandelt wie ein Superstar.
Aussicht aus dem Hotel in Wuhan (武汉 Wǔhàn).
Chinesen lieben sogenannte „Mixedblood“, also Kinder deren erster Elternteil asiatisch (im besten Fall chinesisch) und der zweite Elternteil Ausländer ist (im besten Fall Europäer).
Auch mit den Ladies scheint es zu laufen. Mädchen und Frauen aller Altersklassen scheinen ihm zu Füssen zu liegen und können mit Komplimenten nicht an sich halten.
Abends mit dem Sohn in die Outdoor Schwimmlandschaft mit Rutschen, Wasserkanonen und jeder Menge Spass.
Nachdem es dunkel geworden ist und die Hotels ihre Lichtershow veranstalten, müssen wir dann auch mal wieder gehen.
Bis auf ein paar aufdringliche Blicke und Getuschel alles gut so weit, alle höflich.
Aber einen Bauern gibt es unter den Leuten immer, entweder jemand der in der feinen Hotellobby unter lautem röcheln und stöhnen in den Mülleimer spuckt, oder jemand der ungeniert im vollbesetzten Restaurant mit seinen Fürzen den allgemeinen Lautstärkepegel noch zu übertönen weiss oder, wie hier, jemand der mit runtergelassenen Hosen, unter der Gruppendusche im Schwimmbad und im hohen Bogen, mehr oder weniger zielgenau, in den mittig im Raum liegenden Gulli pinkelt.
Schamgefühl offensichtlich nicht vorhanden und ich frage mich ob ich ihn bewundern oder bemitleiden soll.
过早 (guò zǎo) bedeutet „frühstücken“ im lokalen Dialekt in Wuhan, anstatt 吃早饭 (chī zǎo fàn) wie es auf Hochchinesisch heissen würde.
Und auch hier gibt es wieder lokale Spezialitäten:
Ich empfehle: 热干面 (rè gān miàn) (Bild 2 in der Mitte): Nudeln die mal nicht in einer Suppe schwimmen mit einer braunen Soße.
汤粉 (tāng fěn) (Bild 2 rechts daneben): Reisnudeln in Brühe (wer mehr über Nudelgerichte in China erfahren möchte schaut einfach mal hier in dem Artikel [[Von Angesicht zu Nudel]]).
三鲜豆皮 (sān xiān dòu pí) (Bild 2 links unten): Tofuhaut mit Allerlei, eigentlich ein Gericht in dem die Überbleibsel des Vortages verwurstet werden.
烧卖 (shāo mài) (Bild 2 links oben): eine kleine, offene Teigtasche.
小笼包 (xiǎo lóng bāo) heissen genau so wie die mit Fleisch und Brühe gefüllten Teigtaschen in Shanghai (siehe Artikel [[China light]]), diese hier ähneln aber eher kleinen 包子 (bāo zi) (siehe Artikel [[Herrgottsbscheißerle]]).
Und last but not least 茶叶蛋 (chá yè dàn) die Tee-Eier, die es überall in China gibt und wir in Artikel [[Ölnudeln]] einmal kurz angesprochen hatten.
Dazu 豆浆 (dòu jiāng) (Bild 2 mitte, oben): Der Sojadrink (siehe Artikel [[Zauberbohnen]]).
Und dann sind da natürlich all die Sehenswürdigkeiten in Wuhan:
Zum Beispiel der Qingchuan Pavillon (晴川阁 qíng chuān gé) (Bild 3), der Yu dem grossen (大禹 dà yǔ) gewidmet ist.
Yu der grosse (大禹, Dà Yǔ) war ein mythischer Kaiser, das heisst, man ist sich nicht sicher ob es ihn wirklich gab, da Geschichten um ihn erst sehr viel später auftauchen.
Die berühmteste Legende über ihn dürfte die des Flutmythos sein, in der er das Land vor einer Überschwemmung rettet.
Oder der Guiyuan Tempel (归元禅寺 guī yuán chán sì), eine buddhistische Tempelanlage mit alten und neuen Sehenswürdigkeiten und jeder Menge kleiner Läden für übernatürlichen Schnickschnack.
Ich habe jetzt auch einen Schlüsselanhänger für den Autoschlüssel in dem angeblich ein Mantra enthalten ist.
Und er ist darüber hinaus noch auf mein chinesisches Sternzeichen zugeschnitten. Jetzt kann ja wirklich nichts mehr schief gehen.
Nicht zu vergessen das Museum der Provinz Hubei (湖北省博物馆 hú běi shěng bó wù guǎn).
Hier kann man allerlei alte Fundstücke aus verschiedenen Dynastien finden.
Gefässe, Malereien (und die hier ausgestellten alten Tuschezeichnungen sind um Längen besser als die im National Art Museum (中国美术馆 zhōng guó měi shù guǎn) in Beijing) und als Höhepunkt das sagenumwobene Schwert von Goujian.
Eine Fahrt auf dem Fluss haben wir auch gemacht und wieder einmal die beleuchteten Wolkenkratzer bestaunt (Hatten wir im Artikel [[Kleinstadt?]] ja auch schon. Scheint ein neuer Trend in China zu sein).
Im Gegensatz zu Tianjin (天津 tiān jīn) ist hier aber alles etwas grösser.
In heissen Gegenden haben Leute oft die Angewohnheit die Klimaanlage im Hotel oder im Auto dermassen kalt einzustellen, dass man sich leicht erkältet.
So ist es mir dann auch ergangen. Es ging mir gar nicht gut.
Mal abgesehen davon dass ich beim erklimmen der Kranichpagode (黄鹤楼 huáng hè lóu) (Bild 4) ohnehin in der Hitze ziemlich ausser Puste gekommen bin (Ich bin einfach zu fett und heisses Wetter habe ich noch nie gemocht).
Ganz plötzlich also Fieber und Kopfschmerzen.
Zuerst dachte ich, ich hätte mir in Wuhan das Corona Virus geholt. Das wäre es echt noch gewesen.
Aber auch eine Erkältung mit Magenverstimmung ist in der Hitze alles andere als schön.
Wobei Erkältung wahrscheinlich auch schon übertrieben ist.
Nach zwei Tagen war alles wieder fast normal. Vermutlich nur Überanstrengung und Hitze.
Wie auch immer.
Zurück nach Beijing mit dem Bullettrain in knapp drei Stunden. Kinder zahlen nichts, bekommen aber auch keinen eigenen Sitzplatz, was für einen verwöhnten, kleinen deutschen Jungen, wie unseren Sohn, durchaus eine mittelschwere Katastrophe ist, die die drei Stunden Fahrt lang immer und immer wieder zur Sprache gebracht werden muss (Wer Kinder hat, wird es verstehen).

Kleinstadt?

Tianjin (天津 tiān jīn) ist eine kleine Stadt nicht weit von Beijing entfernt mit fast 14.000.000 Einwohnern.
Wie gesagt: eine kleine Stadt, die kaum ein Besucher aus dem Ausland kennt.
Im Osten Chinas, kurz vor dem Meer gelegen, gibt es hier das National Maritime Museum of China (国家海洋博物馆官网 guó jiā hǎi yáng bó wù guǎn).
Wir haben einen Familienurlaub mit drei Generationen dorthin gemacht.
Das Museum ist ein Monstrum von 80 Quadratkilometern, das sich in mehreren langen Gebäuden vom Land ans Ufer erstreckt.
Neben einem alten Schiff, das in einer der riesigen Hallen aufgestellt ist, gibt es viele lebendige Meeresbewohner in einem Aquarium (eine Meerjungfrau gibt es auch) und historische, so wie aktuelle Ausstellungsobjekte bezüglich der Seefahrt und auch Kinos, ein altes Kriegsschiff, das man besichtigen kann und jede Menge mehr.
Besonderes Augenmerk wird hier auf Chinesische maritime Entdeckungen gelegt (logischerweise).
Das Museum ist gross. Zu gross, um es an einem Tag komplett zu besichtigen, vor allen Dingen mit Kindern.
Für meinen Geschmack ist alles sehr neutral, um es mal so zu sagen.
Europäische Museen sind in ihrer Art Dinge aufzubereiten und dem Publikum zu präsentieren immer ein wenig ideenreicher und man fühlt, dass man sich Mühe gegeben hat ein Thema zu vermitteln, das den Ausstellern selber am Herzen liegt.
Das ist aber nur so ein Gefühl von mir. Vielleicht liege ich auch falsch.
Aber ich denke, dass es doch irgendwie spürbar ist und vielleicht den Menschenmassen, die in China abgefertigt werden müssen Rechnung trägt.
Das Museum ist eigentlich gar nicht mehr in Tianjin selber, sondern etwas ausserhalb.
Also zurück in die Stadt, an den Fluss wo viele europäisch anmutende Gebäude stehen.
An einer Stelle, ziemlich im Stadtzentrum, fühlte ich mich an der Brücke (siehe Foto 1) sehr an Manhattan erinnert.
Abends haben wir eine Fahrt auf dem Fluss gemacht, und die beleuchteten Wolkenkratzer bestaunt.
Eine schöne Lichterkulisse. Es werden hin und wieder auch Animationen laufen gelassen, die sich über etliche Gebäude erstrecken.
Eine der Brücken, die Daguangming Brücke (dà guāng míng qiáo) erinnert tatsächlich an die Brücke „Pont Alexandre III“ in Paris.
Jene, die hin und wieder als die schönste Brücke der Welt bezeichnet wird (darüber lässt sich natürlich streiten, aber interessant ist sie auf jeden Fall).
Und auf einer Brücke ist ein grosses Riesenrad installiert (siehe Foto 2).
Chinesen raten aber von einem Besuch ab, da sich das Bauwerk einen Namen gemacht hat, indem es irgendwie Beziehungen von Liebenden auseinander bringen kann.
Und es gibt eine schöne Einkaufsstrasse (Foto 3).
Ansonsten: Es ist heiss! 45 Grad und mehr.
Aber trotzdem schön.

Hallo, keiner da?

Die Anzeigen in den neuen Bahnen zeigen schon Informationen über die Haltestellen, bevor man dort angekommen ist.
2019 bin ich mit der Familie (Frau und Kind) aus Beijing, wo ich insgesamt sechs Jahre gelebt habe, nach Deutschland zurück gezogen.
Ich hatte vorher in China meine Frau (eine Chinesin) kennengelernt und unser Sohn ist dort geboren.
Wir wollten eigentlich jedes Jahr mindestens einmal wieder zurückkommen um die Familie meiner Frau wiederzusehen, nicht zuletzt damit unser Sohn den Kontakt nach China nicht verliert.
Als wir gerade nach Deutschland umgezogen sind, kam Corona.
Eine Reise nach China war undenkbar.
Jetzt ist es Mitte 2023, fast vier Jahre sind vergangen und es ist endlich wieder möglich nach China zu reisen und auch die Flugpreise sind, wenn auch lange noch nicht auf dem Stand wie früher, jedoch zu bestimmten Zeiten zumindest wieder einigermassen erschwinglich.
Ein interessantes Detail möchte ich hier aber dem geneigten Lesen nicht vorenthalten:
Unser Sohn ist in China geboren. In den Artikeln [[Frühstück oder kotzen ?]] und [[Wiedervereinigung und Begrüssungsgeld]] hatte ich darüber geschrieben.
Er hat sofort einen deutschen Pass bekommen, da ich als Deutscher sein leiblicher Vater bin.
Wir leben jetzt seit dem Umzug auch dauerhaft in Deutschland, er geht dort in den Kindergarten etc. pp.
In China wird er trotzdem noch als potentieller Chinese geführt, weshalb wir ihm über die chinesische Botschaft in Deutschland einen chinesischen Reisepass besorgen konnten.
Das bedeutet: Er braucht kein Visum.
Mit seinem chinesischen Reisepass stehen ihm alle Pforten im Reich der Mitte offen und mit seinem deutschen Reisepass öffnen sich alle Türen in Europa.
Sein Reisepass war auch wesentlich einfacher zu bekommen als mein Visum.
Ich bin mit einem Familienvisum hier. Wieder mal etwas anderes, damit dürfte ich fast alle Visatypen durch haben.
Für ein Familienvisum braucht man ein Einladungsschreiben und fünfhundert andere Papiere und Pässe, dann kann man es beantragen.
Also wenn man Familie in China hat (angeheiratet zum Beispiel, wie ich).
Auf den Prozess will ich gar nicht genauer eingehen, da er sich eh wieder alle paar Monate ändert.
Wie auch immer: Das Visum und damit auch der Reisepass, in dem es klebt, sind pünktlich zwei Tage vor dem Abflug (muss man ja für das Visum vorher buchen) angekommen und jetzt sind wir zurück in der Stadt, die vor einiger Zeit für einige Zeit unser zu Hause war.
Hat sie sich verändert?
Hölle, ja!!! Mit drei Ausrufezeichen.
Die chinesische Hauptstadt scheint wie ausgestorben.
Wo sind all die Leute hin, die dicht gedrängt die U-Bahn Stationen ausgefüllt haben, dass man gefühlt kaum noch Platz zum atmen hatte.
Und all die, die die Strassen besetzt hielten?
Man fühlt sich eher wie in einer deutschen Großstadt. Es sind viele Menschen unterwegs, aber es sind nicht so viele, dass man die Strasse nicht mehr sehen kann.
Und man trifft auch an den touristisch interessanten Plätzen auf keine Ausländer mehr.
Wenn man mal tatsächlich einen sieht, fühlt man sich direkt genötigt, ihn zu grüssen.
Die strengen Corona Kontrollen und Lockdowns, die man im Fernsehen immer wieder gesehen hat, sind vorüber und in der Öffentlichkeit wird auch meist keine Maske mehr getragen.
Lediglich in öffentlichen Gebäuden, auf der Polizeistation etc. kann man sie noch sehen.
Auch sonst hat sich viel getan. Ich hatte in früheren Artikeln ja bereits schon mal darüber berichtet wie schnell sich alles in Beijing verändert.
Und der Artikel [[Ausradiert]] beginnt bereits mit: "Jetzt habe ich Chinas Hauptstadt, die jahrelang mein zu Hause war, verlassen. Wohlwissend, dass das Beijing, so wie ich es gekannt habe, innerhalb von ein paar Jahren nicht mehr existieren wird."...
Wie wahr, wie wahr. Es ist alles anders.
Ich weiss gar nicht wie viele neue U-Bahn Linien es gibt.
Dazu einen Mega-Flughafen, der als chinesisches Vorzeigeprojekt wieder sämtliche Superlativen bedient und mindestens zwei neue Stadtviertel.
Die kleinen Hutong-Bars und -Cafes, die mir über die Zeit so ans Herz gewachsen sind, haben unter dem Rückbauplan, den wir in Artikel [[Gesichtsverlust]] kennen gelernt haben, bereits sehr gelitten und spätestens die Coronazeit finanziell allesamt nicht überlebt.
Es gibt wenig was mich noch an die schönen Zeiten erinnert, aber das wird bestimmt irgendwann irgendwie, in irgendeiner Form auch wiederkommen.
Nur im Moment ist es alles recht trostlos.
Aber dafür ist das Wiedersehen mit der Familie um so schöner.
Es war lange schon überfällig und vor allen Dingen unser Sohn genießt es sehr wieder mit seinen Cousins zu spielen, mit denen er damals aufgewachsen ist (eine Zeit, an die er sich nicht mehr erinnern kann).

Buffer Overflow

Wer schon einmal auf chinesischen Webseiten war, egal ob auf den Seiten irgendwelcher Behörden, Einkaufsportalen oder irgend welchen anderen Seiten, der wird wahrscheinlich auch von der Fülle an Informationen erschlagen worden sein.
Man erleidet im übertragenden Sinne einen Buffer Overflow, so wie bei einem Computer, wenn über die eigentlichen Speicherplatzgrenzen hinaus geschrieben wird.
Es scheint fast so, als wolle man alle Informationen auf eine Seite packen um gar keine Unterseiten zu benutzen.
Schauen Sie sich einfach mal das Bild an: Ja, das ist nicht einfach Text das schwarze, jede Zeile ist ein Hyperlink.
Viele Leute haben ihre Meinung zu derartigen Webseiten bereits kund getan und es gibt sogar einige wissenschaftliche Arbeiten darüber, also fassen wir doch einmal kurz zusammen warum das eigentlich so ist:
Zuallererst fällt einmal auf, dass sich dieses Phänomen nicht bloss auf chinesische Webseiten bezieht.
Vielmehr findet man diesen Unterschied zwischen vielen asiatischen Webseiten, also chinesischen, japanischen und koreanischen (um nur ein paar zu nennen) und westlichen.
Die asiatischen folgen in grossen Teilen dem „überladenen“ Prinzip, während westliche Seiten (Europäische, Webseiten aus den USA und Australien) eher aufgeräumt und übersichtlich erscheinen.
„Warum fällt Australien jetzt in die Kathegorie westlich?“ werden Sie sich vielleich fragen.
Nun, das ist ganz einfach, denn der Grund warum sich die Webseiten so drastisch unterscheiden ist einfach ein kultureller.
Die westliche Kultur (aus Eropa kommend) hat sich weiter nach Nordamerika (USA) und auch Australien ausgebreitet und diese steht in vielen Dingen im krassen Gegensatz zur Asiatischen.
Dabei fällt schon im täglichen Leben in Asien auf, dass es überall für den gemeinen Europäer an Reizüberflutung grenzende Werbung gibt.
Die Strassen sind voll mit Schildern, Reklamen, Neonanzeigen, Laufschriften etc. Man kommt sich oft vor, als befände man sich mitten in einer Zeitung.
Im Restaurant genau das gleiche: Die Speisekarte gleicht einem Buch mit ihren vielen Einträgen.
Überall im täglichen, asiatischen Leben kann man ähnliche Phänomene erleben.
Es ist also nicht rein internetspeziefisch, sondern allgegenwärtig.
Und wo hat das ganze seinen Ursprung? Nun, Einige Forscher sind der Meinung, dass dies ein kultureller Unterschied ist, der die Denkweisen der Menschen über lange Zeiten beeinflusst hat.
Westler, um uns mal so zu nennen, denken demzufolge analytisch. Das heisst, sie konzentrieren sich auf einzelne Dinge und versuchen diesen so weit wie möglich auf den Grund zu gehen, während Asiaten holistisch denken, also Dinge in ihrem Umfeld sehen.
Als ich das zum ersten mal gehört habe, sind mir unzählige Ereignisse wieder in Erinnerung gekommen, die diese Sichtweise im alltäglichen Leben in China widerspiegeln.
Das Essen, das immer im Zusammenhang mit seiner medizinischen Wirkung, der Beschaffenheit, Farbe und in Beziehung zu den Gästen gesehen wird.
Oder die Wandlungsphasen aus dem yi jing, das wir in Artikel [[Alles in Bewegung]] besprochen haben, die sich ja nie im einzelnen, sondern immer nur im Zusammenhang mit den vorherigen, bzw. darauffolgenden Phasen beschreiben lassen.
Die Liste ist eigentlich unendlich, denn dies ist ein Prinzip, das die chinesische und auch andere asiatische Kulturen zu einem grossen Teil ausmacht.
Selbst in asiatischen Bildern gibt es oft keinen gezielten Fokus, wie in westlicher Malerei, sondern eine Vielzahl von Dingen, die gleichwertig nebeneinander die Aufmerksamkeit des Betrachters erfordern.
Somit ist es dann auch kein Wunder, dass Chinesen und andere Asiaten sich auf diesen, für unseren Geschmack überfrachteten Webseiten absolut Problemlos zurechtfinden können.
Denn wenn man sich die Zeit nimmt, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, sind die meisten durchaus strukturiert und logisch aufgebaut, lediglich die Fülle von gleichzeitig angepriesenen Informationen schreckt den Uneingeweihten ab (abgesehen von den fremden Zeichen, die die meisten Menschen grundsätzlich überfordern).
Aber es ist, so wie es immer ist: Man betrachtet die Dinge durch seine eigene kulturelle Brille und bildet sich so sein Urteil.
Dementsprechend finde ich es immer noch anstrengend mich durch asiatische Webseiten zu arbeiten um dort hin zu kommen, wo ich eingetlich hin möchte, Sprachkenntnisse hin oder her.