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Die Geräte die nach intelligentem Leben suchen, zeigen alle von der Erde weg

China hat wieder eine angebliche Neuheit vorgestellt, die im Internet mehr oder weniger bestaunt wird.
Eine Nachrichtensprecherin, die keine herkömmliche Person ist, sondern eine künstlich erschaffene Figur.
Ihr Name: 新小萌 (xīn xiǎo méng). Übersetzt so etwas wie „neu, klein, niedlich“.
Man redet großspurig von der Revolution durch den Einsatz einer AI im Fernsehen (AI (artificial intelligence) ist das Pendant zur deutschen KI (künstlichen Intelligenz)).
Dazu direkt einmal zwei Bemerkungen: Erstens: Sie ist nicht die erste künstliche Nachrichtensprecherin, es gab bereits bei ihrem chinesischen Sender zwei männliche Vorgängermodelle und auch die Idee selbst ist nicht neu.
Wurde 1984 noch ein Schauspieler aufwendig geschminkt, um dem vermeintlichen Computer Charakter Max Headroom Leben einzuhauchen, sind etliche Nachfolger tatsächlich im Computer entstanden.
Ich glaube so ziemlich jede Jugendsendung weltweit hat irgendwann in den 80er und 90er Jahren einmal einen computergenerierten Moderator beschäftigt, also nichts wirklich bahnbrechend neues.
Zum zweiten störe ich mich persönlich an dem Begriff AI bzw. KI. Was bitteschön soll an einem Moderator dieser Art intelligent sein ?
Es ist ein Programm, das Nachrichten vorliest und dabei menschliche Mimik imitiert. Aus Informatiker Sicht handelt es sich um einen einfachen Algorithmus, der eine Eingabe verarbeitet und eine entsprechende Ausgabe produziert. Das ist kein Hexenwerk.
Was das ganze tatsächlich interessant macht, ist die Qualität mit der der künstliche Character erschaffen wurde.
Mimik, Körpersprache, sogar angedeutete Gefühlsregungen können imitiert werden, aber intelligent macht das die junge Dame immer noch nicht.
Das Problem ist ganz einfach die Definition von Intelligenz. Es gibt nichts, womit man diesen Begriff tatsächlich fassen kann.
Das hat eine gesamte Technik-Sparte allerdings nicht davon abgehalten ihr Fachgebiet danach zu benennen, obwohl es eigentlich nicht korrekt ist.
Für eine intelligente Aktion muss eine Situation individuell analysiert werden und ohne Lösungsvorgaben eine Reaktion erfolgen.
Ob diese Reaktion tatsächlich das Ergebnis eines intelligenten Denkprozesses ist oder einfach eine Zufallsauswahl, entscheidet dann ob es sich um Intelligenz oder einen einfachen Algorithmus handelt.
„Machine Leraning“ ist eine erweiterte Form eines Programms, das, auf Grund von verschiedenen Vorgaben, Dinge lernen kann und darauf basierend Entscheidungen treffen kann.
Richtige Intelligenz ist das noch immer nicht, aber es zeigt schon mal in die richtige Richtung.
Sie wissen was man über die künstliche Intelligenz in IT-Kreisen für Witze macht ?
„Wenn es in Python geschrieben ist, handelt es sich wahrscheinlich um Machine-Learning, ist es in Power-Point geschrieben, muss es sich um künstliche Intelligenz handeln“
Kurz zum Verständnis für alle Nicht-Computerfreaks: Python ist eine Programmiersprache und Power-Point eine Software um Präsentationen zu erstellen.
Das bedeutet, dass Machine-Learning im Gegensatz zu künstlicher Intelligenz tatsächlich existiert, da es in diesem Beispiel für ein Programm einen Programmcode in Python gibt, während man von künstlicher Intelligenz immer noch als Zukunftstechnologie träumt und viele, bunte Präsentationen dazu baut.
Der Begriff „künstliche Intelligenz“ wird leider immer mehr verwaschen. Viele Dinge, die tatsächlich in den Bereich Machine-Learning gehören, werden als künstliche Intelligenz bezeichnet, weil es sich einfach besser anhört und inzwischen zu einem medientauglichen Schlachtruf geworden ist. Wie gesagt, ein ganzer Technik-Zweig wurde danach benannt (und „Machine-Learning“ ist ein Teil von ihm), obwohl der Begriff „Intelligenz“ selber noch nicht einmal richtig erfasst werden kann.
Warum ist das so wichtig ? Nun, wenn wir beliebig Dinge, die Personen imitieren als künstliche Intelligenz bezeichnen, dann ist alles KI:
Super Mario, Lara Croft, Bernd das Brot, Karl Klammer,Mickey Mouse und Kermit der Frosch. Das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck sein.
Es geht darum zu erkennen, ob es sich um imitierte Intelligenz, also eine Art Schauspielerei handelt, oder um echte Intelligenz (dazu hatte ich mich im Artikel [[Das chinesische Zimmer]] bereits ausgelassen) und das ist von aussen nicht leicht zu unterscheiden.
Intelligenz setzt die Selbsterkennung voraus und die kann man nun mal nur bei sich selber feststellen (obwohl man das philosophisch auch in Frage stellen könnte, aber das würde zu weit führen).
Ob jemand anders sich selber wahrnimmt, können wir nur mutmaßen. Inzwischen gehen wir davon aus, dass auch Tiere das können, aber beweisen können wir das nicht und somit auch nicht bei einer Maschine, oder einer Software.
Theoretisch wäre das möglich. Viele Leute haben ja bereits den Verdacht geäussert, dass „Bob“ und „Alice“, zwei Bots eines AI-Systems, die geschult wurden sich auf Englisch zu unterhalten und dann eine anscheinend effizientere Sprache entwickelt haben, bereits intelligent gehandelt hätten.
Nun, schwer zu sagen. Man hat das Experiment abgebrochen. Vielleicht hatte man die Vermutung sie würden bereits darüber nachdenken die Weltherrschaft zu übernehmen... ;-)
Vielleicht haben die beiden aber auch einfach eine Universalsprache gefunden, die das Leben international vereinfachen würde.
Wie gesagt, es ist schwer zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um Intelligenz handelt.
Theoretisch wäre das möglich, aber theoretisch wäre es auch möglich, dass der Jupiter in Wirklichkeit ein grosser Ball Erbsensuppe ist, dessen Bewohner in ihren schwimmenden Städten lediglich falsche Informationen an unsere Sonden und Teleskope schicken.

Wie im Schlaf

„Wenn man unter Schlaflosigkeit leidet, ist man immer wach. Aber nie richtig“. Die Bedeutung dieses Zitates aus dem Film Fight Club versteht man erst richtig, wenn man ein kleines Kind hat.
Statistisch gesehen rauben Kinder in ihrem Leben den Eltern 6 Jahre an Schlafenszeit (das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen).
Schlaf ist inzwischen zu einer kostbaren Resource geworden (das ist allerdings nicht alleine die Schuld unseres Sohnes, sondern derzeit auch von Weiterbildungen und Umzugsvorbereitungen).
Man sollte also versuchen so oft und lange es geht zu entspannen, wenn dem Körper danach ist und nicht auf dumme Sprüche anderer hören, die sich eventuell persönlich angegriffen fühlen, weil man abends nicht mehr zur Kneipentour mitkommt.
„Du wirst die Antwort nicht in Deinen Träumen finden“ ist ein immer wieder gerne zitierter Satz, den jeder Mensch in seinem Leben schon mehr oder weniger oft hören musste, besonders in der Jugend.
Aus heutiger Sicht muss ich sagen: Nun, das kommt ganz auf die Frage an.
Sicherlich gibt es viele Dinge, für die man sich ins Zeug legen muss und man erreicht in diesen Fällen absolut nichts, wenn man nur von ihnen träumt.
Allerdings gibt es auch mindestens eben so viele Dinge, die sich am besten mit ein wenig Schlaf entscheiden lassen.
„Erst einmal drüber schlafen“ ist nicht umsonst ein bekannter Spruch. Mit ein wenig Abstand lassen sich nämlich einige Dinge sehr viel besser beurteilen.
Viele meiner Lebensentscheidungen, die mitunter alles auf den Kopf gestellt haben, sind nicht alleine durch angestrengtes Überlegen entstanden, sondern oft hat sich die zündende Idee erst im halb wachen Zustand gezeigt.
Viele Dinge, gerade solche, die wir aus Mangel an Erfahrungen noch nicht nüchtern beurteilen können, müssen erst einmal erträumt werden.
„Träume sind Schäume“ ? So ein Unsinn. Wer seinen Traum leben will, muss erst einmal einen Traum haben.
Ich denke es ist wichtig eine gute Balance zwischen Entspannen und Arbeiten aufrecht zu erhalten.
Obwohl ich gestehen muss, dass ich mich selber gerade auch nicht daran halte (Prüfungsstress). Aber grundsätzlich solle man es schon beachten, denn Sie wissen alle, wie das ist: Man knechtet sich bis tief in die Nacht um diese eine Aufgabe noch fertig zu machen, nur noch einen Fehler finden, während es immer später wird.
Wenn man dann irgendwann genervt aufgibt, passiert es nicht selten, dass man die Lösung direkt am nächsten Morgen in seinem Kopf parat hat.
Und wenn nicht, dann hat man zumindest wieder einen funktionierenden Denkapparat, der das letzte fehlende Puzzleteil wesentlich schneller finden kann als der gestresste Kopf die Nacht zuvor.
Nur übertreiben sollte man es nicht. Nur in seinen Träumen zu leben ist natürlich auch nicht gut, schliesslich gibt es da draussen ein Leben, das gelebt werden will und das überrascht einen doch immer wieder mit Begebenheiten, die man in seinen Träumen gar nicht mit eingerechnet hatte (wäre ja sonst auch langweilig auf Dauer).
Diese Phänomen beschränkt sich natürlich nicht alleine auf persönliche Lebenswege, sondern man kann derartige Szenarien in allen Lebensbereichen beobachten.
Als China sich nach 78, nach langer Abgeschlossenheit dem Westen geöffnet hat und man endlich mit Colonel Sanders, Ronald McDonald, dem Mercedes-Stern, dem Apfel und all den anderen grossen Marken eingefallen ist, war der einhellige Konsens, dass eine Marktwirtschaft und die Konsumgüter ein Volk von ganz alleine dazu bewegen würden auch nach einer demokratischen Regierung zu verlangen.
Auch ein (aus westlicher Sicht) schöner Traum, der sich allerdings nicht bewahrheitet hat.
Das entscheidende ist, dass man solche Dinge nicht eins zu eins miteinander vergleichen kann.
Als durchschnittlicher Europäer tut man sich schwer chinesische Lebensumstände zu akzeptieren und anders herum ist es ebenso.
Obwohl ich es immer versuche zu vermeiden, bin ich des öfteren schon in politische Diskussionen hineingezogen worden, aus denen ich mich stets mit einer Aussage wie: „Alle politischen Systeme sind gut im Ansatz, aber leider müssen sie verallgemeinern, weshalb es unmöglich ist, es jedem immer Recht zu machen“ herauswinden konnte.
Das ist zum einen (meiner bescheidenen Meinung nach) korrekt, darüber hinaus eine sehr chinesische Aussage, die das Gleichgewicht bzw. den goldenen Weg in den Vordergrund stellt (siehe Artikel [[Einerseits, aber andererseits...]]) und auch noch höflich und trotzdem nicht nachgebend, da man beiden Seiten die gleiche Achtung zukommen lässt.
Das hat bis jetzt immer funktioniert, bis auf dieses eine Mal: Da war jemand ganz hartnäckig und meinte mir unbedingt vor Augen führen zu müssen, weshalb die Demokratie dem Untergang geweiht ist und China (nicht der Kommunismus selber) weltweit an Macht gewinnen wird.
Zum Glück gibt es noch die Amerikaner, auf deren aktuelle Politik man das Gespräch lenken kann um sie dann gemeinsam etwas spöttisch in Frage zu stellen. So kommt man dann auch da wieder raus.
Der Punkt ist einfach, dass jeder Mensch in seinem Halbschlaf eben nur aus seiner Perspektive Dinge beurteilt.
Das ist in China nicht anders, als bei uns. Und auch ich habe mich an gewisse Dinge gewöhnt, die ich nicht missen möchte.
Zur Zeit tagt die kommunistische Partei wieder in Beijing, weshalb die Kontrollen an den Bahnstationen wieder verschärft wurden. Polizei und Militär sind allgegenwärtig, auch weit ab der Innenstadt.
Gestern abend nach der Arbeit, als ich aus der Station kam, wurde auch ich von der Polizei aussortiert.
Man fragte mich nach meinem Ausweis, den ich allerdings immer zu Hause aufbewahre.
„Kein Problem“ war die knappe Antwort. Einmal unter die Neonreklame gestellt, mit dem Handy ein Foto gemacht und schon hatte der Beamte meine Daten. Eine gesamte Akte wäre vielleicht der passendere Ausdruck.
Bild, Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Grösse, Augenfarbe, Passnummer, Status des Visums, Berufsbezeichnung, Arbeitgeber mit Adresse, persönliche Adresse etc. konnte ich erkennen, als er mir den Bildschirm vor das Gesicht hielt und fragte, ob ich das sei.
Ich gehe davon aus, dass auch das Sozialpunkte Ranking dort aufgeführt war.
(Für alle, die nicht wissen, was das ist): Es gibt ein landesweites soziales Ranking System, in dem zum Beispiel mit Hilfe von Kameras an öffentlich Plätzen und einer Gesichtserkennungssoftware Menschen automatisiert kategorisiert werden.
Wenn jemand zum Beispiel bei rot die Strasse überquert, bekommt er eine gewisse Punktzahl von seinem sozialen Konto abgezogen (um nur ein Beispiel zu nennen. Wir hatten das Thema bereits in dem Artikel [[Camera Obscura]] angesprochen).
Auf Grund ihres Punktestandes wird inzwischen Leuten der Verkauf von Fahrkarten oder ähnlichem verwehrt. Ein schauriges Szenario.
Und obwohl man es schon immer gewusst hat, dass die Behörden alle persönlichen Daten von einem haben, fühlt es sich doch sehr beklemmend an, wenn man dann tatsächlich in einer Polizeikontrolle sieht, wie schutzlos man eigentlich ist.
Da bin ich dann auch kurz aus meinem Schlaf aufgeschreckt und musste erkennen, dass es genau jetzt ein guter Zeitpunkt ist, das Land zu verlassen und wieder zurückzugehen.

Schweinkram

Anfang dieser Woche war es wieder so weit. Das chinesische Jahr hat gewechselt. Vom Jahr des Hundes zum Jahr des Schweins.
Und wie immer haben sich alle Leute irgendwelche Besonderheiten einfallen lassen.
Da überall in der Stadt Türen, Tore, Geschäfte und alles mögliche mit dem Zeichen 福 (fú) für Glück geschmückt sind, konnte man mit einer Handy-App dieses Jahr durch die Gegend laufen, die Zeichen abfotografieren, bzw. einscannen und bekam dafür Punkte, mit denen man an einer Verlosung teilnehmen konnte.
Wir haben auch etwas gewonnen. 2 元 (umgerechnet ca. 26 Cent). Besser als nichts.
Die Jahre davor gab es Aktionen bei denen man durch schütteln des Telefons Geld gewinnen konnte.
Oder auch die Option anstatt mit dem Handy Geld an einen anderen Account zu Überweisen, einen (digitalen) roten Umschlag mit Geld zu schicken geht auf diese Aktionen zurück.
Der digitale rote Umschlag ist dann auch zu einer festen Funktion geworden, die man seitdem immer nutzen kann und auch an einen Gruppenchat lässt er sich versenden, wo jeder Teilnehmer einen zufälligen Betrag überwiesen bekommt, wenn er ihn öffnet.
Ansonsten war es klassisch wie immer zum Frühlingsfest in China. Die Stadt ist überschaubar geworden, da die Hälfte der Menschen über die Feiertage zu ihren Familien gefahren sind und viele Geschäfte geschlossen haben.
Es ist fast so wie an einem Sonntag in Deutschland. ;-)
Es ist wie bei Feiertagen in Deutschland auch: Man nimmt sich vor all die liegengebliebenen Dinge zu erledigen, nur um dann im nach-hinein festzustellen, dass man noch weniger geschafft hat als sonst.
Ich hatte mir eigentlich auch vorgenommen vieles zu erledigen, schliesslich war eine Woche lang frei.
Aber das geht nicht, wenn man in eine chinesische Familie eingebunden ist und auch das ist wiederum sehr schön.
Man kann die Feiertage ein wenig mit Weihnachten in Deutschland vergleichen: Man trifft die Familie, isst viel zu viel und quatscht. Zum Jahreswechsel selber gibt es das chinaweit ausgestrahlte Tagesprogramm, eine Riesenshow mit allen Stars und auch vielen Gästen aus dem Ausland, die in jedem Haushalt läuft bis um 24:00, dem Jahreswechsel und noch ein wenig darüber hinaus (eigentlich auch nicht anders als bei uns zu Silvester).
Es werden wieder einmal 饺子(jiǎo zi) gegessen (die habe ich schon so oft in diesem Blog erwähnt, ich glaube, die muss ich nicht mehr vorstellen. Ansonsten schauen Sie einfach mal im Artikel [[Herrgottsbscheißerle]]) und Fisch, von dem wieder etwas übrig bleiben muss, damit es Glück bringt (siehe Artikel [[Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt (oder auch nicht)]]).
Die Kinder waren ganz aus dem Häuschen, weil Mama und Papa nicht arbeiten mussten und Zeit hatten sich mit ihnen die Bilderbücher immer und immer wieder anzusehen.
Und weil die Stadt auf einmal überschaubar geworden ist und die Menschenmassen sich tatsächlich in Grenzen halten, geht man auch unbedingt zu einem der Tempelmärkte (庙会 miào huì), die man in jedem grösseren Park besuchen kann.
Man schaut sich die traditionsreichen (und fast ausgestorbenen) Künstler, die aus Zuckersirup Skulpturen machen an.
Es gibt derer zwei Sorten: die einen machen zweidimensionale Gebilde, oft verschlungene Zeichen, oder Tier- bzw. Drachenfiguren, indem sie den heissen Sirup auf einer Platte ausgiessen.
Die anderen fertigen ihre Figuren gleich einem Glasbläser und lassen so Pferde, Schweine, Drachen und wasweissichnochwas entstehen.
Ein Muss sind natürlich auch die Buden in denen die Masken der chinesischen Oper verkauft werden, oder die mit den typisch chinesischen Scherenschnitten die mit den ebenfalls selten gewordenen Figuren für das Schattentheater und die mit den Flaschenkürbissen (葫芦 hú lú) (in Artikel [[Ein Gefäss gegen das Böse]] erklärt).
Und wenn man Glück hat, bekommt man auch noch einen der wirklich überaus akrobatischen Löwentänze mit (hatten wir auch schon einmal im Artikel [[Drachen, Löwen, Drachenlöwen und anderes Getier]] angesprochen). Dafür waren wir dieses Mal leider zu spät.
Aber auch ohne diese Attraktion verbringt man wieder einen Vormittag damit, sich durch Menschenwände zu pressen.
Am Ende dann freut man sich, an einem der unzähligen Imbissstände einen der etlichen Snacks zu probieren (viele interessante Dinge, die die meisten Deutschen mit Sicherheit als Schweinkram einstufen und niemals probieren würden) und ist froh, wenn man wieder nach Hause fährt. Aber schön war's dann doch wieder.

Das Geheimnis von Khazad-dûm

Kennen Sie die Bücher „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien ? In ihnen kommt die Zwergenstadt Khazad-dûm vor. Ein gigantisches Labyrinth, von Zwergen geschaffen, das aus einem unterirdischen Stadtbereich und den Minen besteht und sich unter einem massiven Bergmassiv ausbreitet.
Übrigens ist die Verfilmung dieses epochalen Werks auch nicht schlecht. Besser als so manche Umsetzung anderer Bücher.
Und da die Bücher bereits viel Stoff enthalten, wurden daraus dann auch drei Filme. Völlig legitim.
Ich verstehe nur nicht, warum das Büchlein „Der kleine Hobbit“, das vor den Ereignissen aus „Der Herr der Ringe“ spielt und wirklich nicht viel mehr als ein etwas dickeres Heft ist, auch in drei Filmen verfilmt wurde. Das ist völlig unangemessen.
Ich habe folgendes Problem damit: Jeder Mensch liest und versteht ein Buch anders. Man hat andere Bilder im Kopf, die Phantasie erschafft jeweils andere Welten.
Eine Buchverfilmung pickt sich lediglich eine davon (die des Filmemachers) aus dem Buch heraus und visualisiert sie. Somit sind all die zusätzlichen Ideen und Gedanken und auch die Spinnereien die man sich im Prozess des geistigen Visualisierens beim lesen des Buches erarbeitet und die diese Welt erst lebendig machen, hinfällig.
Oder auf gut Deutsch: Eine Verfilmung kann niemals so gut sein wie das Buch.
Und wenn jetzt eine Verfilmung aus einem kleinen Büchlein drei Megafilme entstehen lässt, ist das in meinen Augen bereits eine andere Geschichte, die dem Buch überhaupt nicht mehr gerecht wird, selbst wenn sie gut sein sollte.
Ich habe die Verfilmung von „Der kleine Hobbit“ aus diesem Grund bis heute nicht gesehen.
Aber ich drifte wieder ab. Wir waren bei den Zwergen in Khazad-dûm:
Man sagt, dass sie damals zu tief gegraben und damit einen Dämon aus der alten Welt freigesetzt hätten.
Genau diese Geschichte geht mir jedes Mal durch den Kopf, wenn ich sehe in welchem Tempo in Beijing gebaut wird.
Das U-Bahn Netz (siehe Artikel [[öffentlicher Verkehr]]), das ja bereits das längste der Welt ist, wächst unaufhörlich und ständig gibt es neue Linien.
Und auch Strassen werden, wie im Stadtteil 通州 (tōng zhōu) im Osten der Stadt, wo die Bezirksregierung sitzt, dann schon mal komplett unter die Erde verlegt.
Aktuell gibt es hier eine riesige Baustelle wo einst im Somer ein durchgängiges Blätterdach den Blick aus dem Wohnzimmerfenster verschönt hat.
Eines nachts wurden auf der etliche Kilometer langen Strasse, die eine der Hauptverbindungen aus der Innenstadt ist, alle Bäume mit Nummern versehen, ausgegraben und weggebracht.
Ausserhalb Beijings steht jetzt also irgendwo ein kleiner durchnummerierter Wald der darauf wartet, eines Tages wieder zurückgebracht zu werden (Wenn das Baumbart wüsste).
U-Bahnen, Strassen, dazu unterirdische Fussgängerzonen und Einkaufzentren (siehe Artikel [[Dungeons & Dragons]]). Beijing gleicht einem schweizer Käse und ich mache mir tatsächlich Sorgen, ob man nicht ein wenig zu eifrig ist mit den Grabungen.
Dämonen aus anderen Zeitaltern frei zu setzten ist dabei allerdings nicht meine Hauptsorge, vielmehr denke ich dass ein all zu sehr ausgehöhlter Untergrund all die riesigen Wolkenkratzer, die auf der anderen Seite gebaut werden, nicht mehr halten kann.
Man kann nur hoffen, dass im Baugewerbe weniger gepfuscht wird als... Ach Quatsch was rede ich da ? Sie wissen worauf ich hinaus will.
Aber schauen wir uns die Baustellen im Stadtbild selber einmal an. Interessant zu beobachten ist, dass es nur sehr wenige offene Grabungen zu sehen gibt. In der Regel wird eine Mauer errichtet hinter der sich zuerst die Baustellenfahrzeuge versammeln und später dann eine komplette, meist aus Wellblech gefertigte Halle darüber errichtet wird.
Man kann so gut wie nie sehen, wie tatsächlich gegraben wird.
Verschwörungstheoretiker haben hier wieder etliche Theorien ausgebrütet. Wann immer irgendwo ein mehr oder weniger geheimer Bunker steht, gibt es auch Ideen, was für geheime Projekte dahinterstecken könnten.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass es zum einen als Schutz vor den ständigen Sturmböen in Beijing gedacht ist (An frischen Ausgrabungen ohne Überbau müssen ständig feinmaschige Plastiknetze justiert werden um Erde und Dreck nicht im gesamten Stadtteil zu verbreiten) und zum anderen um das Stadtbild nicht all zu sehr zu verschandeln (Ob riesige Wellblechbauten jetzt besser aussehen als eine offene Baustelle, darüber mag man gerne streiten).
Auf jeden Fall gibt es dem ganzen wieder eine mystische Aura, was der Befürchtung es könnte eines Tages eine brennende Teufelsfratze aus einem der Rolltore, aus denen die Kipplaster kommen, herausstürmen wieder Futter gibt. ;-)

Am Arsch gelikt

Hurra! Dass ich das noch erleben durfte. Das meist gelikte Bild auf Instagram ist ein Ei.
Sie haben richtig gehört: Ein einfaches, braunes Ei vor weissem Hintergrund und ich frage mich, ob wir es mit der Parallelkultur im Internet nicht vielleicht doch ein wenig zu weit getrieben haben.
Aktuell haben weit mehr als 46 Millionen Menschen damit einen Teil ihrer Zeit bestritten, ein Frühstücksei berühmt zu machen (So etwas sind heutzutage Nachrichten).
Hat hier eigentlich noch irgendwer Freunde mit denen er vielleicht mal etwas Zeit verbringen könnte, anstatt so einen Blödsinn zu unterstützen ?
Na ja, wie auch immer. Bei den Freunden angelangt, sind wir auch direkt bei unserem Thema für heute:
Man hört ja immer wieder von Leuten, die eine Zeit lang in China gelebt haben, dass es unmöglich sei als Ausländer echte Freundschaften aufzubauen.
Nun, das ist in weiten Teilen korrekt. Es gibt selbstverständlich Ausnahmen und es kommt natürlich auch immer auf einen selber an. Sucht man zum Beispiel an den richtigen Plätzen und unter den richtigen Voraussetzungen und spricht man etwas Chinesisch oder ist man komplett in der Opferrolle des Ausländers gefangen ?
Denn sehr, sehr oft wird man einfach nur als kostenloser Englischlehrer missbraucht. Ein Phänomen, das jeder Ausländer, der etwas länger in China war, schon einmal erlebt hat.
Aber ganz ab davon gibt es noch andere Dinge, die echte Freundschaften in China schwierig bis manchmal hin zu unmöglich machen.
Viele Ausländer berichten immer wieder, dass sie freundlich irgendwohin eingeladen werden, nur um dann festzustellen, dass sie als Accessoire herhalten müssen.
Chinesen „schmücken“ sich gerne mit einem ausländischen Freund, um bei den anderen Bekannten interessanter zu wirken.
Nicht selten wird man, nachdem man „vorgeführt“ wurde dann auch wieder verabschiedet, den spassigen Teil des Treffens möchte man doch lieber mit Gleichgesinnten verbringen.
Aber auch junge Frauen „schmücken“ sich gerne mit einem ausländischen Freund, ohne diese Beziehung all zu ernst zu nehmen. Erkennen kann man das immer ganz gut daran, dass sie den exotischen Prinzen nicht sofort ihren Eltern vorstellen, was in den meisten chinesischen Beziehungen normal wäre.
Junge Männer haben in der Regel weniger Probleme damit, allerdings bekommen viele es auch gar nicht mit und wundern sich, wenn sie ganz plötzlich für eine bessere Partie ohne ein Wimpernzucken einfach aussortiert werden.
Noch schwieriger ist es im Arbeitsleben Freundschaften aufzubauen, da sich diese Beziehungen fast ausschliesslich auf die Arbeit beziehen und neben dem Hierarchiedenken, das einigen Mitarbeitern untereinander die Annäherung erschwert, auch sonst fast nie private Kontakte daraus entstehen. Nett mit Kollegen weggehen funktioniert in der Regel nicht (das kommt natürlich auch wieder auf die Firma an. Im Kreativbereich sieht es ein wenig besser aus, aber allgemein ist es tatsächlich so).
Im Hinblick auf den Abgrund, der vermeintlich zwischen Chinesen und Ausländern klafft, kann man schnell den Eindruck gewinnen, man bewege sich in einer zwei Klassen Gesellschaft, aber das ist nicht ganz korrekt, denn Chinesen selber leiden auch unter diesem Phänomen.
Auch Chinesen haben keine echten Freunde mehr. Freundschaften, oder was man heute so als Freundschaften bezeichnet, orientieren sich stark daran, ob der andere bzw. seine Beziehungen einem irgendwann einmal beruflich oder in irgend einer anderen Weise hilfreich sein könnten.
Obwohl das Beziehungsdenken in China schon sehr alt ist, handelt es sich hier doch um einen Trend, der erst in letzter Zeit so drastische Ausmaße angenommen hat. Zusammen mit dem rapiden Aufschwung Chinas zu einer der grössten Weltwirtschaftsmächte hat sich auch das soziale Klima verändert.
Von aussen wahrt man immer noch den Schein einer Gesellschaft, die Hand in Hand das Wirtschaftswunder entstehen lässt, in Wahrheit sehen sich die Menschen immer öfter als direkte Konkurrenten.
Es fängt bereits im Klassenzimmer an: Wer bloß gute Noten schreibt und keine überdurchschnittlichen, der bleibt bereits auf der Strecke. Das Thema vom Kampf um die besten Studienplätze hatte ich ja bereits des öfteren erwähnt (zu nennen wären hier die Artikel [[Der große Test]] und [[Fleißiges Bienchen]]).
Auch das Knüpfen sozialer Kontakte im Kindesalter fällt eher bescheiden aus, da die Kleinen auch in ihren ausserschulischen Mal- Sport- und Musikunterrichtsstunden darauf konzentriert sind etwas zur Zufriedenheit der kritischen Beobachter zu meistern, stets unter den wachsamen Augen der Eltern, Verwandten und Lehrer. Das versetzt nicht nur der kindlichen Kreativität einen Todesstoß, sondern eliminiert auch die Gelegenheiten in denen die Kinder soziales Verhalten lernen könnten.
Ein Grund mehr, weshalb gerade meine Frau sich wünscht dass unser Sohn in Deutschland aufwächst und nicht hier.
Wenn man sich heute die sozialen Gefüge in China anschaut, dann ist da überhaupt kein Platz mehr für Freundschaften und wie wir gerade gesehen haben, findet selbst das Erlernen von Freundschaften in frühen Jahren nicht mehr statt.
Wen wundert es also dass, wenn sich kleine Grüppchen zum Karaoke (卡拉OK) oder Hot-Pot (火鍋 huǒ guō) verabreden (siehe Artikel [[Alles OK mit Carla]] bzw. [[Feuertopf]]), es oft mehr einem PR-Event gleicht als einem fröhlichen Beisammensein ? Gestellte Bilder, auf denen immer wieder die gleichen kessen oder erotischen Posen eingenommen werden, für die man sich teilweise vorher extra Kostüme kauft (nicht selten werden sie nach dem Event auch wieder zurückgesandt. Kann man ja heute alles) und abertausende von Fotografien der Gerichte und Snacks die man zu sich nimmt füllen die virtuellen Pinnwände der sozialen Netzwerke.
Freundschaften im realen Leben haben oft nicht mehr Bedeutung als eine Freundschaft auf einem sozialen Internetportal wie Facebook (nur dass diese in China eben nicht facebook, sondern QQ, WeChat und Weibo heissen). Man kennt sich, das genügt.
Ein Trend der nicht unbedingt typisch chinesisch ist, aber hier eben doch exzessiver ausgelebt wird als in anderen Teilen der Welt.
Und so können alle ihre täglich inszenierten möchtegern-Leben teilen und liken und re-posten und wieder liken. Manchmal denke ich: Das ist wie bei den Hunden, die sich auf der Strasse immer wieder am Hinterteil riechen und ganz aus dem Häuschen sind. „Am Arsch geliked“ wenn man so will. ;-)
Es ist ein trauriges Bild, wenn man es aus meinem Blickwinkel betrachtet. Wenn wir am Esstisch mit der ganzen Familie zusammensitzen (drei Generationen), kommen wir im Gespräch öfter darauf, dass ich noch Kontakte aus der Schule und dem Kindergarten pflege. Für die nachkommenden Generationen in China etwas unvorstellbares.
Neben all den beschriebenen Gründen auch, weil viele sich aus den Augen verlieren, wenn sie zum Studium ins Ausland gehen. Aus den Augen aus dem Sinn, egal wie sehr man sich vorher gelikt hat.


Übrigens: Zur Frage Schreibt man gelikt, geliket oder geliked ? Folgende Antwort von Dr. Werner Scholze-Stubenrecht (Leiter der Dudenredaktion):

„Der Duden hat sich dafür entschieden, der Einfachheit halber nach einem strikten Schema zu verfahren und bei Eindeutschungen dieser Art die für die deutschen Verben geltenden morphologischen Regeln auch dann anzuwenden, wenn ein im Hinblick auf die Aussprache irritierendes Schriftbild entsteht. Die Grundregel lautet für die Partizipien schwacher Verben: ge + Wortstamm + t. Bei »liken« sehen wir als Wortstamm »lik« an, was darauf zurückgeht, dass normalerweise der Stamm eines Wortes durch Abtrennung der Flexions- oder Wortbildungsendungen ermittelt wird (wie z. B. aus liking = lik + ing).
Nach diesem Muster haben wir schon eine Reihe von Festlegungen getroffen: neben »faken, gefakt« und »tunen, getunt« auch beispielsweise »canceln, gecancelt«, »timen, getimt«, »checken, gecheckt« und »managen, gemanagt«. Und entsprechend empfehlen wir auch »gelikt«.
Es ist uns klar, dass man »gecheckt« leichter akzeptieren kann als »gelikt«, aber wir halten es für eine entbehrliche Verkomplizierung, hier unterschiedliche Lösungen anzubieten. “