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Kleines Stressbrötchen

Vor ein paar Tagen kam unser Sohn zu uns und bat uns ihm einen 包子 (Baozi) zu kaufen, weil alle anderen Kinder auch einen haben.
"Nanu!" habe ich mir gedacht, "Woher kennen all die deutschen Kinder 包子 (Baozi) "und warum haben sie auf einmal alle Hunger darauf?".
Aber dann sagte unser Sohn uns, dass sein Freund einen hätte um seine Agressionen zu kontrollieren und spätestens da machte alles gar keinen Sinn mehr.
Um das Rätsel aufzulösen: Es handelt sich um einen kleinen Ball mit einer Gummihülle, die man quetschen kann. So eine Art Stressball, den man zu Tode würgen kann um seinen eigenen Blutdruck wieder herunterzufahren.
Und dieser kleine Ball ist geformt wie ein 包子 (Baozi). Sogar einen Dämpfkorb gibt es dazu.
Und das Ding scheint zur Zeit fast so beliebt zu sein wie Pokemonkarten.
Dabei kauft man einen und schaut dann, welche Farbe man bekommen hat.
Der König unter den Squishy Dumplings, wie sie offiziell heissen, ist der glitzernde, den wollen alle haben.
Ich bin ja solche "kulturübergreifenden" Verkaufsschlager eher aus den USA gewohnt.
Superman, Batman, sämtliche californischen Skateboardmarken bis hin zu Starbucks Levis Jeans und McDonalds.
Jetzt ist es eine Hefespeise aus dem Land der Mitte, sehr interessant.
Die original 包子 (Baozi) hatte ich ja schon einmal in Artikel Herrgottsbscheißerle beschrieben.
Wer sie nicht kennt, sollte sie einmal in einem chinesischen Restaurant probieren.
Es ein gedämpfter, gefüllter Kloß aus Hefeteig, den es mit jeder erdenklichen Füllung gibt.
Mein persönlicher Favorit: 叉烧包 (Cha siu bao), eine Variante mit Fleisch- und Saucenfüllung, gegründet auf einer kantonesischen Zubereitungsmethode für Schweinefleisch im Barbeque-Stil.
Aber es gibt natürlich noch etliche andere, die man alle probieren kann, hier nur eine kleine Auswahl:
Xiaolongbao (小笼包) , Sheng Jian Bao (生煎包), Dou Sha Bao (豆沙包), Cai Bao (菜包), Tangbao (汤包), Da Bao (大包), Nai Huang Bao (奶黄包), Lian Rong Bao (莲蓉包), Shao Mai Bao (烧卖包), Cha Bao (茶包), Jin De Bao (金德包) etc.
In diesem Sinne wünsche ich "Guten Appetit".

Ohne Mücken gäbe es weniger Schokolade

Über ein Jahr habe ich nichts mehr in diesem Blog gepostet.
Zwischenzeitlich war er durch einen Serverumzug und ein Update gar nicht mehr erreichbar.
Ich habe mir auch nicht die Zeit genommen um ihn zu reparieren, sondern mich ganz meinem Studium gewidmet.
Ja, ich habe noch einmal studiert in meinem hohen Alter. :-)
Denn nur wer das Leben lebt, kann auch etwas von ihm erwarten. Und um das Alter soll es auch in diesem Artikel gehen.
Spätestens mit 20 fängt es an. Man hat Angst davor, älter zu werden. Oder zumindest einige Leute haben diese Angst.
Man sagt immer dass es gerade die Frauen seien, die diese Angst verspüren, aber bei ihren männlichen Kollegen ist es, denke ich, mindestens genau so schlimm.
Sie haben Angst im Alter langweilig zu werden. Vorbei sind dann die Zeiten der ewigen Parties und ein geregelter Tagesablauf bestimmt das Leben anstatt nächtlicher Entdeckungstouren.
Aber was genau bedeutet das wenn man so etwas glaubt?
Es bedeutet ja, dass man im Alter (wann auch immer das sein mag) gezwungen wäre sein Leben umzustellen.
Nun, das kann ich nicht bestätigen. Man hat im Alter genau so seinen freien Willen, wie man es in der Jugend hatte.
Wer eine Familie gegründet hat, hat dies in der Regel auch bewusst getan und ist nicht eines Tages aufgewacht mit all den familiären Verpflichtungen (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).
Im Normalfall hat man sich bewusst dazu entschieden sein Leben in diese Richtung zu ändern.
Und auch dann ist ein monotoner Tagesablauf nicht zwingend. Man kann auch mit Familie neue Dinge erleben (Nicht nur dass man kann, man sollte auch. Unbedingt sollte man!).
Wer diese Verpflichtungen nicht hat, ist noch freier und kann weiterhin verrückt durch die Welt ziehen und Unsinn machen.
Aber die meisten Menschen entscheiden sich dagegen. Und das aus freien Stücken.
Die Gründe dafür sind mannigfaltig, aber einen kann man tatsächlich herausstellen, der wahrscheinlich für die meisten Menschen in Frage kommt.
Es ist der gleiche Grund, weshalb man in der Jugend Angst davor hat älter zu werden:
"Langeweile". In der Jugend ist es die Angst davor langweilig zu werden, wenn man dann älter ist, die Langeweile selber, die ein Leben ohne Veränderungen nunmal mit sich bringt.
Man hat doch alles schon gesehen. Jeden Samstag in die Stadt und feiern gehen. Men kennt die Kneipen, Bars und Discotheken, die Getränke, die Leute dort und auch die Gespräche.
Langeweile!
Und auch alles andere, was man in seiner Jugend für so wichtig gehalten hat unterliegt dieser Gesetzmäßigkeit.
Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier wieder die Regel (Manche Vorliebe hält tatsächlich ein Leben lang).
Aber auf die meisten Dinge trifft es dann eben doch zu.
So ist nunmal das Leben: Nichts ist für die Ewigkeit und das ist auch gut so, schliesslich wollen wir nicht dass unsere Leben vor sich hinstauben noch bevor wir selber zu Staub werden, sondern wir wollen das Leben leben.
Für den einen bedeutet das etwas kürzer zu treten, für den zweiten eine Familie zu gründen und für den dritten etwas ganz Neues anzufangen.
Es ist definitiv nichts vor dem man Angst haben müsste, es ist jeweils das individuelle Ergebnis der eigenen Entscheidungen und nicht das schlimme Schreckgespenst das man in der Jugend darin sieht.
Aber so ist das nun mal in der Jugend, man glaubt eben alles zu wissen, obwohl es sich in den meisten Fällen bloss um eine vage Ahnung handelt.
Ich selber habe in meiner Teenagerzeit auch die verrücktesten Theorien aufgestellt wie man dem Älterwerden begenen sollte (30 war damals die magische Grenze, da statistisch gesehen mit 30 die Jugend in westlichen Ländern endet und das Erwachsensein beginnt).
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es zaubert mir auch jetzt wieder ein süffisantes Lächeln ins Gesicht wenn ich daran zurückdenke. ;-)
Der einzige Nachteil, den das Älterwerden tatsächlich hat, aus meiner bescheidenen Sicht, ist die schwindene Fitness.
Aber dafür bekommt man als Ausgleich so viel anderes. Einsicht zum Beispiel.
Auch das ist natürlich individuell wieder unterschiedlich, aber tendenziell trifft es doch auf den Grossteil der Menschen zu, deshalb lassen wir diese Aussage mal ganz lapidar so unpräzise stehen.
Man sammelt über die Zeit kleine Portionen an Erkenntnissen, so wie man sich eine kleine Sammlung aus Büchern aufbaut:
Einige hat man noch nicht ganz verstanden, andere kennt man dafür in und auswendig und wieder andere hat man sich vorgenommen in naher Zukunft zu erfahren.
Man nimmt Dinge nicht einfach mehr so hin, sondern findet schon beim Zuhören Widersprüche.
Nehmen wir einfach mal ein Sprichwort. Zum Beispiel eines das immer im Zusammenhang mit Buddhismus genannt wird.
„Wenn Du glaubst dass Du zu klein bist um etwas zu bewegen, versuche mal mit einer Mücke im gleichen Raum zu schlafen“.
Erst mal ganz nett, es verschweigt aber leider, dass die Mücke in der Regel, nachdem sie einmal die Möglichkeit hatte zu nerven, gesucht und plattgeschlagen wird. Das war's dann auch schon wieder mit „etwas bewegen“.
Ich finde ja grundsätzlich dass man alles hinterfragen sollte, also auch, oder gerade besonders Sinnsprüche.
In diesem Sinne: Auf in die Zukunft, lasst uns älter und hoffentlich auch immer ein wenig weiser werden.

Ach so: noch kurz zu dem Titel:
Stechmücken (aus der Familie der Ceratopogonidae) sowie Gallmücken (aus der Familie der Cecidomyiidae) sind hauptsächlich für die Bestäubung der Kakaopflanzen zuständig (Haben wir wieder was gelernt).

Schnapsidee

In China ist Kaffee in den letzten Jahren immer beliebter geworden und der Markt inzwischen hart umkämpft.
Ich erinnere mich noch an die Zeit als ich nach China gereist bin, bevor ich dort gelebt habe:
Kaffee war ein Getränk das es schon überall in internationalen Fastfood Restaurants und anderen Läden gab, aber fast ausschließlich in sehr bitterer Art.
Für Kaffeegenießer aus dem Westen eher nicht zu empfehlen.
Aber zu dieser Zeit gab es auch schon hier und da einige selbsternannte Baristas, die (meist in den Hutongs (胡同 hú tòng), den alten Stadtvierteln) ihre kleinen Cafes aufgemacht haben und bei denen man dann auch einen Kaffe bekommen konnte, wie man ihn von zu Hause aus gewohnt war.
Allerdings waren die Preise sehr hoch.
Eine Tasse Kaffee hatte umgerechnet ca. 3 bis 7 Euro gekostet. Zum Vergleich: Ein koplettes chinesisches Essen, wie zum Beispiel 红烧肉 (hóng shāo ròu) oder ähnliches mit Reis und einem Getränk gab es in dem lokalen Imbiss, bei dem ich oft essen war, für umgerechnet 1,50 Euro.
Seitdem hat sich viel getan. War damals ausschließlich Milchtee der ganz grosse Renner, ist auch Kaffe inzwischen in China zu einem In-Getränk geworden.
Und die Unternehmen müssen sich inzwischen sehr ins Zeug legen, um ihre Produkte an den Mann / die Frau zu bringen.
Somit werden ständig neue Geschmacksrichtungen entworfen die teilweise recht skurril anmuten.
Kaffee mit Vanille, Zimt und Teegeschmack sind die normaleren Geschmacksrichtungen.
Käsekuchen, Durian (sie erinnern sich? Die stinkende Frucht aus dem Artikel Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin) und Bonbongeschmack sind schon etwas spezieller.
Seit einiger Zeit gibt es aber einen neuen Trend. Ich hatte vor einiger Zeit schon mal davon gehört, aber bis vor kurzem selber noch nicht probiert.
酱香拿铁 (jiàng xiāng ná tiě) heisst das Zauberwort.
Die Hersteller sind auf die glorreiche Idee gekommen, einen Kaffe mit Schnapsgeschmack zu entwerfen.
酱 (jiàng) bezeichnet eine fermentierte Sosse oder Alkohol, 香 (xiāng) ist der Geschmack und 拿铁 (ná tiě) bedeutet Latte, oder Milchkaffee.
Dieser Kaffe hat den Geschmack von chinesischem Alkohol, dem sogenannten 白酒 (bái jiǔ), der selber schon für Ausländer etwas gewöhnungsbdedürftig ist..
Wie gesagt, ich habe ihn jetzt selbst probiert (die Instant Variante zum selber aufbrühen) und was soll ich Ihnen sagen?
Nun ja, der Geschmack ist jetzt nicht so schlecht wie erwartet. Auch nicht wirklich toll, aber man kann ihn schon trinken.
Allerdings riecht das ganze, als ob man eine Flasche Schnaps verschüttet hätte.
Man sollte diese kulinarische Besonderheit also besser nicht auf der Arbeit im Büro trinken, das wird zwangsläufig zu einigen schrägen Blicken der Kollegen führen.
Obwohl ja technisch überhaupt kein Alkohol in dem Getränkt ist, wird man sich trotzdem vor dem einen oder anderen rechtfertigen müssen.
Na denn: Prost!

Zickezacke Entenkacke

Seit ungefähr zwei Jahren gibt es einen neuen Trend in China und der ist sowas von chinesisch, dass sich selbst der geneigte Leser dieses Blogs, der nun schon einiges gewöhnt sein sollte, überrascht fragen wird: „Was zur Hölle...?“
Es gibt ja immer wieder neue Aromen die irgendwann „in“ sind und mit denen dann alles mögliche hergestellt wird.
Ein Beispiel dafür ist die Durian (榴莲 liú lián), die wir im Artikel [[Von süssen Früchten, etwas stinkendem und einer Prinzessin]] das erste mal erwähnt hatten.
Eine Frucht die seltsam müffelt und eigentlich ganz nett schmeckt (ich will nicht lügen: den meisten Ausländern schmeckt sie nicht, aber ich finde den Geschmack ganz passabel).
Irgenwann wurde sie zum verfeinern von Speiseeis, Torten, Keksen, Chips (glaub ich auch), Pizza und ichweissnichtwassonstnochalles genutzt.
Oft sind es Fruchtaromen oder spezielle Teesorten.
Und auch diesmal haben wir wieder etwas besonderes: Das Enten-Kacke-Aroma.
Nein, sie haben sich nicht verlesen. Es steht tatsächlich so auf den Verpackungen (鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè)) übersetzt Enten-Kacke-Aroma Teeblätter) und es ist, wenn Sie mir den Wortwitz verzeihen, aktuell der heisse Scheiss.
Ich habe mich lange davor gehütet dieses Aroma zu probieren, aber jetzt, wo es sich immer weiter ausbreitet und beliebter wird, muss ich mich dann doch mal schlau machen.
Und siehe da: Der Name verschleiert ein wenig worum es sich wirklich handelt. Wahrscheinlich wurde er bewusst gewählt, genau aus diesem Grund.
鸭屎香茶叶 (yā shǐ xiāng chá yè) sind Teeblätter mit denen alles mögliche aromatisiert wird.
In diesem Fall Erdnüsse. Und ich muss sagen, sie schmecken wirklich lecker.
Tatsächlich hat das alles nichts mit Enten-Fäkalien zu tun, lediglich der Boden auf dem der Tee wächst, weist eine Struktur auf, die dem Aussehen von Enten-Kacke gleichen soll.
Aber auch das weiss ich nur aus nicht gesicherten Quellen, ich gehe aber davon aus, dass es stimmt.

Die Leute.

Früher sind die Leute nicht, oder sagen wir: „in der Regel nicht", mit seltsamen Stoffmützen herumgelaufen, die wie ein schräg aufgesetzter Putzlappen aussahen.
Ich kann mich irren, aber ich glaube dieser Trend kommt von den Snowboardern, die ihre Wollmützen auch gerne mal im Sommer tragen wollten und so eine dünnere Version haben entstehen lassen.
Oder mit anderen Worten: ein absolut überflüssiges Produkt, ohne Nutzen.
Wer Kinder hat, kann dann im Nachhinein doch noch einen Nutzen aus diesem Kleidungsstück ziehen, sei es der Schutz vor Dreck, Zecken oder Durchzug, aber im ursprünglichen Kontext dürfte es recht nutzlos sein.
Früher gab es auch einige, wenige Leute die solche Mützen im Sommer getragen haben, aber die haben dann auch mit sich selber geredet.
Nun, auch diese Leute gibt es so nicht mehr. Oder besser gesagt: Sie fallen nicht mehr auf, da inzwischen jeder Zweite über irgendeine unsichtbare Sprecheinrichtung mit irgendwem in Kontakt zu sein scheint.
Als ich Kind war, lief bei uns immer eine Frau über eine Ampel an einer recht belebten Strasse.
Ich glaube, sie hat den halben Tag dort verbracht, ist bei jeder Grünphase einmal hin und einmal wieder zurück gelaufen und hat laut die Leute gezählt.
Sie hatte irgendein System, das ich nie wirklich verstanden habe. Einige Leute hat sie doppelt gezählt, andere gar nicht.
Ich glaube aber nicht, dass das Zufall war, dafür war sie zu ernst bei der Sache.
Und sie hat zu jedem irgendeinen Satz zum besten gegeben, von dem man bestenfalls zwei oder drei Wörter verstehen konnte.
Ich finde so ein Verhalten bis heute immer noch äusserst interessant.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte mich gar nicht über diese Leute lustig machen, vielmehr frage ich mich, warum sie so sind, wie sie eben sind und ob sie vielleicht nicht doch ein kleines Stück Wahrheit besitzen, das niemand sonst weiss und sie eigentlich diejenigen sind, die den Durchblick haben. ...man weiss ja nie...
Aber diese Leute laufen jetzt auch unter dem Radar. An jeder Ecke steht heute jemand und spricht mit einem unsichtbaren Gesprächspartner über die besten Methoden sein Vermögen zu investieren, die letzte Weihnachtsfeier bei der Paul mit Hanna auf dem Behindertenklo überrascht wurden, als sie ganz und gar nicht christliche Dinge vollzogen haben, oder über alte Hausmittelchen die todsicher bei Hühneraugen helfen und auch als Brotaufstrich zu gebrauchen sind.
Auch so ein Ding, das es früher nicht gab: Damals hat man sich, nachdem man umständlich drei Groschen aus seiner viel zu engen Jeanstasche geangelt hat, in einer nach Urin und Hartplastik riechenden Telefonzelle einen Platz zwischen Branntflecken und Kaugummiresten gesucht um sich anzulehnen, nur damit man ungestört und ohne dass es jemand anderes mitbekommt, telefonieren kann (Da soll nochmal einer sagen früher wäre nicht alles besser gewesen).
Heute muss ich gezwungenermassen, weil die junge Dame mit dem Bauchfrei-Top und der lila Leggins eine Lautstärke beim Telefonieren an den Tag legt, die jeden startenden Überschallflieger neidisch machen würde, mit 30 anderen Fahrgästen ihre Geschichten über Scheidenpilz und juckende Hämorrhoiden mit anhören, während sie sich einen undefinierbaren Kniest unter den Fingernägeln hervorknibbelt.
Naja, es ändert sich eben alles. Und ganz unter uns: Es wird weder besser, noch schlechter, einfach nur anders.
Ob es besser oder schlechter wird, hängt einfach vom Alter des Betrachters ab und wie anpassungsfähig er noch ist.
In jungen Jahren ist man noch bereit für seine Überzeugungen zu sterben, obwohl das niemals irgendjemand auch nur ansatzweise erwarten würde (oder um es in den richtigen Kontext zu packen: Den anderen Leuten ist diese Meinung einfach völlig egal. Wasauchimmer!).
Aber man selber ist ja so unendlich wichtig. Und überhaupt funktioniert alles ohne Führung wesentlich besser. Anarchie! Laissez-faire! usw.
Das ist eigentlich der klassische Kampf der Altersgruppen. Zwischen denen, die alles bereits besser gemacht haben als alle die noch kommen werden und denen, die alles noch viel besser machen werden.
Wobei die älteren Generationen eher konservativ und die jüngeren in der Regel revolutionell denken.
Und da sind wir dann auch endlich von Stöckchen über Hölzchen zu unserem eigentlichen Thema gekommen.
In China gibt es eine seltsame Konstellation, in der sich besagtes Phänomen genau anders herum offenbart.
Ich nenne es gerne „Reverse Anarchie".
Schuld daran ist (bzw. war) die Kulturrevolution in China.
Ich hatte es mindestens einmal kurz angerissen. Die jüngeren Generationen warten, dass die älteren endlich aussterben, damit wieder so etwas wie eine „normale Ordnung“ eintreten kann.
Okay, ich denke das müssen wir dem allgemeinen und unbedarften Leser etwas genauer erklären:
Zu Zeiten der Kulturrevolution in China wurden reiche Chinesen enteignet, Unternehmen und Landwirtschaftsbetriebe verstaatlicht und es gab eine, sagen wir mal „Säuberungsaktion“, der grosse Teile der Kultur und auch der sozialen Formen zum Opfer gefallen sind.
Kinder haben ihre Eltern als staatsfeindlich gemeldet, damit diese eingesperrt wurden.
Es würde zu weit führen und ich muss auch ganz ehrlich eingestehen, dass ich mich zu wenig mit dem Thema beschäftigt habe, um hier eine auch nur annähernd qualifizierte Aussage zu tätigen.
Aber fest steht, dass eine gewisse Generation (die Generation, die jetzt Grosseltern werden bzw. sind) sich im sozialen Umfeld oft aufführt wie die Axt im Walde.
Schule und Bildung waren verpöhnt und Umgangsformen oft auch, was bei etlichen Chinesen bis zum heutigen Tag Spuren hinterlassen hat.
Sollten Sie also einmal einer aufgebrachten Frau gehobenen Alters auf der Strasse in Beijing begegnen, lassen Sie sich auf gar keinen Fall mit hineinziehen (in was auch immer).
Diese renitenten Frauenzimmer haben es fastdick hinter den Ohren. Die schrecken auch nicht davor zurück mal Schläge auszuteilen.
Allerdings habe ich noch nicht gehört, dass sie auch Ausländern gegenüber handgreiflich geworden wären.
Wer einige Zeit in China verbringt, wird sie kennen (und wahrscheinlich nicht lieben). Aber sie gehören zu China wie ein Köbes (Kellner) in Köln auch nur echt ist, wenn er unverschämte Anspielungen bei der Bestellung macht und den Servicegedanken in einer, für Nicht-Einheimische, recht skurrilen Art auslebt.
Und eigentlich gibt es derartige Leute überall auf der Welt, wenn man mal ehrlich ist.
In diesem Sinne: „Prost“.